John List (Massenmörder)

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John Emil List (* am 17. September 1925 in Bay City, Michigan; † am 21. März 2008 in Trenton, New Jersey) war ein US-amerikanischer Massenmörder.

Er brachte im Jahr 1971 seine gesamte Familie um und konnte knapp 18 Jahre lang vor einer Verurteilung fliehen. Er wurde durch einen Beitrag in der Kriminalserie America's Most Wanted ausfindig gemacht. Nach seiner Auslieferung in den Bundesstaat New Jersey wurde er des fünffachen Mordes jeweils zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John List wurde am 17. September 1925 in Bay City, Michigan als einziges Kind von John Frederick List und Alma Maria Barbara Florence (geb. Hubinger) geboren. Er war wie sein Vater überzeugter Lutheraner und unterrichtete als Lehrer an einer Sonntagsschule. Im Jahr 1943 wurde List in die U.S. Army berufen und diente in der Infanterie im Zweiten Weltkrieg als Labortechniker. Er wurde 1946 aus dem Militärdienst entlassen und schrieb sich an der University of Michigan in Ann Arbor ein, wo List seinen Bachelor in Business Administration und seinen Master in Buchhaltung absolvierte. Außerdem wurde zum Second Lieutenant des Reserve Officer Training Corps befördert.[1]

Im November des Jahres 1950 wurde er im Zuge des Koreakrieges erneut in den Militärdienst berufen, und unter anderem in Fort Eustis, Virginia stationiert. Dort lernte er seine spätere Ehefrau Helen Morris Taylor kennen. Die Hochzeit fand am 1. Dezember 1951 in Baltimore, Maryland statt. Darauf zog List nach Kalifornien wo er einige Zeit als Buchhalter bei der U.S. Army angestellt war.[2] Nachdem sein zweites Engagement beim Militär im Jahr 1952 endete, zog die Familie nach Detroit, wo List in einem Buchhalterunternehmen tätig war. Etwas später folgte ein Umzug nach Kalamazoo, Michigan wo seine drei Kinder geboren wurden.[3] Im Jahr 1959 wurde List zum Oberaufseher auf seiner Arbeitsstelle befördert. Seine Frau, deren erster Ehemann im Koreakrieg starb, litt unter Alkoholsucht und war psychisch instabil.[4] Im Jahr 1960 zog List mit seiner Familie nach Rochester, New York, wo er eine Anstellung bei Xerox annahm und zwischenzeitlich Abteilungsleiter in der Buchhaltung wurde.[5] Fünf Jahre später, im Jahr 1965, nahm List eine Anstellung als Vizepräsident in einer Bank in Jersey City, New Jersey an und zog mit seiner Familie in die viktorianische Villa Breeze Knoll nach Westfield (New Jersey).[6]

Die Morde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. November 1971 tötete List seine Frau, seine Kinder und seine Mutter mit seiner eigenen Waffe, einer 9 mm halbautomatischen Steyr M1912, und einem Colt 22 Caliber Revolver seines Vaters.[7] Während seine Kinder in der Schule waren, erschoss er seine Ehefrau und seine Mutter jeweils mit einem Kopfschuss. Als seine 16-jährige Tochter Patricia und sein 13-jähriger Sohn Frederick aus der Schule nach Hause kamen, tötete er auch die beiden mit einem Schuss in den Hinterkopf. Nachdem er zu Mittag gegessen hatte, fuhr List zunächst zur Bank, wo er sowohl das Konto seiner Frau als auch sein eigenes Konto auflöste, danach zu der Westfield High School, an der Lists ältester Sohn John Jr. ein Fußballspiel absolvierte. Nachdem er seinen Sohn nach Hause gefahren hatte, schoss List ihm in die Brust und ins Gesicht.[8][9]

List platzierte die Leichen seiner Frau und seiner Kinder in einem Schlafsack verpackt in dem Ballsaal der Villa, während er den Körper seiner Mutter im Dachgeschoss liegen ließ. In einem fünfseitigem Brief an seinen Pastor schrieb List, dass er zu viel Unheil in dieser Welt sehe und seine Familie tötete, um ihre Seelen vor dem Teufel zu schützen. Er säuberte den Tatort, entfernte sein Abbild aus jedem Familienfoto im Haus, schaltete das Radio auf einen religiösen Sender ein und verließ anschließend das Haus.[9]

Die Morde wurden erst vier Wochen nach der Tat sowohl aufgrund der Zurückgezogenheit der Familie, als auch wegen mehrerer Briefe Lists an die Schulen der Kinder, in denen es hieß, dass sie ihre Großmutter in North Carolina für einige Wochen besuchen wollten, entdeckt. Auch stoppte er die Anlieferung der Milch, Zeitung und Post an die Adresse.[9] Nachbarn bemerkten, dass das Licht in der Villa Tag und Nacht brannte, aber keine Aktivitäten zu sehen waren, sodass sie nach einiger Zeit die Polizei benachrichtigten.[10]

Der Fall wurde in New Jersey einer der bekanntesten Kriminalfälle seit der Entführung und Ermordung des Lindbergh-Babys. Es wurde eine national ausgedehnte Fahndung nach List angeordnet. Die Polizei ermittelte in alle Richtungen, welche allesamt erfolglos blieben.[11] Alle verwertbaren Fotos waren zerstört, das Familienauto war auf der Parkfläche des Kennedy Airport geparkt, aber es gab keine Informationen über einen gebuchten Flug von diesem Flughafen aus.[9] Lists Mutter Alma wurde auf dem Saint Lorenz Lutherian Cementary in Frankenmuth, Michigan beigesetzt, während seine Frau und Kinder auf dem Fairview Cementary in ihrem Heimatort Westfield, Michigan ihre letzte Ruhe fanden.[8]

Fahndung, Verhaftung und Verurteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

17 Jahre nach den Morden, am 21. Mai 1989, wurde der Fall List von der US-amerikanischen Kriminalserie America's Most Wanted, welche zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ein Jahr lang im Fernsehen ausgestrahlt wurde, aufgegriffen.[12][13] In der Sendung wurde eine aus Lehm angefertigte Büste des forensischen Künstlers Frank Bender gezeigt, die List als älter gewordene Person darstellt. Diese sollte später eine große Ähnlichkeit mit List haben.[14][15]

List wurde am 1. Juni 1989 an seiner Arbeitsstelle in einer Buchhalterfirma in Richmond, Virginia von der Polizei verhaftet, nachdem ein Nachbar Lists diesen in der Sendung Americas Most Wanted wiedererkannt hatte.[16][17] List selbst hatte bereits im Jahr 1972 eine neue Arbeit in Denver, Colorado unter dem Namen Robert Peter „Bob“ Clarke angenommen und heiratete im Jahr 1985 Dolores Miller. 1988 zogen sie nach Midlothian, Virginia.[18] List behauptete auch Monate nach seiner Verhaftung, selbst nach seiner Auslieferung nach Union County, New Jersey Ende des Jahres 1989 Bob Clarke zu heißen, ehe er Anhand seiner Fingerabdrücke auf seinen Militäraufzeichnungen und Beweisen vom Tatort konfrontiert wurde. Er gab seine wahre Identität am 19. Februar 1990 preis.[19][20]

Vor Gericht sagte List aus, im Jahr 1971 vor massiven finanziellen Problemen gestanden zu haben. Er hatte seine Anstellung in der Bank verloren. Um einen Konflikt mit seiner Familie zu vermeiden, verbrachte List seine Zeit täglich am regionalen Bahnhof, wo er Zeitung las, ehe er zur Feierabendzeit nach Hause ankam. Er hob regelmäßig Geld von den Konten seiner Mutter ab, um seine Hypotheken zahlen zu können.[9] Außerdem machte ihm die Alkoholsucht und die unbehandelte Syphilis seiner Frau zu schaffen. Laut einer Zeugenaussage hat Helen List ihn zur Ehe genötigt, indem sie fälschlicherweise behauptete, schwanger zu sein. Die Hochzeit sollte in Maryland stattfinden, weil in diesem Bundesstaat kein Bluttest erforderlich war, um einen Hochzeitsschein zu erhalten.[21] Obwohl ihre Gesundheit immer schlechter wurde, verschwieg sie dies bis ins Jahr 1969 vor List. Danach verwandelte ihre Krankheit und ihre Alkoholsucht sie laut Aussage von „einer attraktiven jungen Frau in eine ungepflegte und paranoide Einsiedlerin“, welche List häufig in der Öffentlichkeit bezüglich seiner sexuellen Eigenschaften, die sie im Vergleich zu ihrem ersten Ehemann als schlecht bezeichnete, verunglimpfte.[22][23][24]

Ein vom Gericht ernannter Psychologe stellte bei List eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung fest und kam zum Schluss, dass es für List nur zwei Wege gab: Hilfe anzunehmen oder seine ganze Familie zu töten und ihre Seelen in den Himmel zu schicken.[23][25] Für List war die Annahme von auswärtiger Hilfe keine Lösung, da diese ihn und seinen familiären Spott aufgedeckt hätte, sowie die autoritären Belehrungen seines Vaters bezüglich der Behütung der Familie angreifen würde.[23]

Am 12. April 1990 wurde List des fünffachen Mordes für schuldig befunden und für jede Tat mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt.[26] Bei der Urteilsverkündung verneinte er eine direkte Verantwortung für die Morde:

„I feel that because of my mental state at the time, I was unaccountable for what happened. I ask all affected by this for their forgiveness, understanding and prayer.“

John Emil List[27]

Der Richter zeigte sich nicht beeindruckt von der Aussage Lists und fällte das Urteil im Namen der Opfer.

List beantragte eine Revision gegen das Urteil, da das Gericht eine vermeintliche posttraumatische Belastungsstörung, die List aufgrund seines Militärdienstes im Zweiten Weltkrieg und im Koreakrieg erlitten habe, nicht berücksichtigt habe. Außerdem beanstandete er den Brief an seinen Pastor als Beweismittel, da er diesen aufgrund der Schweigepflicht nicht als rechtens betrachtete. Beide Argumente wurden allerdings vom Gericht abgelehnt.[28]

List zeigte später Reue für seine Tat und wünschte, diese niemals begangen zu haben. Er betete seither um Vergebung.[29] In einem Interview mit Connie Chung aus dem Jahr 2002 antwortete er auf ihre Frage, warum er sich nicht das Leben genommen habe, dass er glaubte, das Suizid ihm den Weg in den Himmel versperrt hätte, wo er hoffte wieder mit seiner Familie zusammenkommen zu können.[30]

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John List verstarb am 21. März 2008 im Alter von 82 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung während seiner Gefängnishaft im St. Francis Medical Center in Trenton, New Jersey.[30] In seiner Todesanzeige im Newark Star-Ledger wurde List als der „Bogeyman von Westfield“ bezeichnet.[31] Er wurde neben seiner Mutter auf dem Saint Lorenz Lutheran Cementary in Frankenmuth, Michigan beigesetzt.[32]

Brandstiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. August 1972 wurde Breeze Knoll, das Anwesen der Lists, durch Brandstiftung zerstört. Diese Tat passierte ungefähr zehn Monate nach den Morden Lists. Bisher konnte der Täter der Brandstiftung nicht ermittelt werden. Zwei Jahre nach dem Brand wurde an der Stelle des alten Hauses ein neues Gebäude errichtet.[33]

John List in der Populärkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Jahre hinweg lieferte John List und seine Morde Inspiration für einige Filme und Dokumentationen, darunter der 1993 veröffentlichte Film Judgement Day: The John List Story, welcher im selben Jahr für einen Emmy nominiert wurde.[34] Auch das 1987 veröffentlichte The Stepfather und sein Remake aus dem Jahr 2009 greifen John List auf.[35] Der Filmcharakter Keyser Söze aus dem Film The Usual Suspects ist an Lists Charakter nachempfunden.[36]

List wurde im Jahr 1972 verdächtigt, D. B. Cooper, ein Flugzeugentführer – dessen Identität bis heute nicht bekannt ist – zu sein, was mit des Zeitpunktes seines plötzlichen Verschwindens zu tun hat, da die Entführung zwei Wochen später geschah.[37][38] Er wurde vom FBI bei seiner Verhaftung über eine mögliche Beteiligung an der Entführung des Flugzeugs befragt, verneinte dies aber. Obwohl sein Name immer wieder auf Papieren zu dem Fall genannt wird, konnten keine stichfesten Beweise gefunden werden, so dass das FBI ihn als Täter ausschließt.[39]

John Walsh, der Moderator der Fernsehsendung America's Most Wanted verkaufte die Büste, die maßgebend an der Verhaftung Lists beigetragen hatte, an das inzwischen geschlossene National Museum of Crime & Punishment in Washington, D.C.

Der Fall John List wurde auch in der Serie Medical Detectives – Geheimnisse der Gerichtsmedizin (Folge 38: Verhängnisvolle Familienbande) verarbeitet.[40]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mary S. Ryzuk: Thou Shalt Not Kill. Popular Library, 1990, ISBN 0-445-21043-5, S. 101.
  2. Benford, T. Righteous Carnage: The List Murders in Westfield. Scribner (1991), pp. 120-125. ISBN 0-684-19200-4
  3. Benford 1991, pp. 126-7.
  4. Benford 1991, pp. 131-7.
  5. Benford 1991, pp. 137-9.
  6. Benford 1991, pp. 153-60.
  7. Benford and Johnson, 1991, p. 285.
  8. a b Ramsland, K: John List. Crime Library archive. Retrieved 27 September 2013.
  9. a b c d e Elizabeth McCracken: Wanted: A Killer Disappears Into Another Life, The New York Times. 28. Dezember 2008. Abgerufen am 6. Mai 2010. 
  10. Ramsland, K: John List. Crime Library. Retrieved 26 September 2013.
  11. Palm, Matthew (Writer), & Jacobson, Paul (Director). (1992). "To Save Their Souls" [Television series episode]. Wetzel, Stephanie (Producer), American Justice. Los Angeles, CA: Entertainment Studios.
  12. Notorious AMW Fugitive John List Dead at 82 (24 March 2008). amw.com archive. Retrieved 27 September 2013.
  13. John E. List, 82, Killer of 5 Family Members, Dies. The New York Times, retrieved March 30, 2016.
  14. Fox, M (30 July 2011): Frank Bender, ‘Recomposer’ of Faces of the Dead, Dies at 70. New York Times archive. Retrieved 29 September 2013.
  15. John List Bust Remembered as Sculptor Faces Death - John List - Zimbio
  16. FBI Richmond Division History. Federal Bureau of Investigation. Abgerufen am 19. Dezember 2011.
  17. Ryzuk, pp.396-399
  18. Gross, Ken; Bonnett Sellinger, Margie; Kelley, Jack. "In Hiding for 18 Years, a Wanted Man Is Caught by the Fbi and a Tv Posse" People Magazine. June 19, 1989. Retrieved May 4, 2015.
  19. Ryzuk, p.452
  20. He Just Fit Right In. Philly.com, retrieved March 30, 2016.
  21. Benford 1991, pp. 125-30.
  22. The List Murders Stun Westfield In 1971 By Kathy Halverson, February 17, 2001 For The Westfield Leader and The Times. Accessed June 28, 2007
  23. a b c Joseph F. Sullivan: Slaying Suspect Saw 2 Choices, Doctor Testifies, The New York Times. 7. April 1990. Abgerufen am 6. Mai 2010. 
  24. Benford 1991, pp. 130-35.
  25. "I Know That What Has Been Done Is Wrong". NYTimes.com, retrieved March 30, 2016.
  26. Killer of Family Gets 5 Life Terms : Court: Judge sentences accountant who murdered his mother, wife and children 18 years ago to the maximum sentence. (AP, May 11, 1990). Los Angeles Times archive. Retrieved September 9, 2014.
  27. Associated Press (May 20, 1990). Judge Sentences Family Killer to Life in Prison. Los Angeles Times archive. Retrieved 26 September 2013.
  28. Stout, D (March 25, 2008). John E. List, 82, Killer of 5 Family Members, Dies. NY Times archive. Retrieved 26 September 2013.
  29. List and Goodrich (2006): Collateral Damage: The John List Story, p. 80.
  30. a b David Stout: John E. List, 82, Killer of 5 Family Members, Dies, The New York Times. 25. März 2008. Abgerufen am 6. Mai 2010. 
  31. "The bogeyman of Westfield, a ghost story that won't end" by Mark Di Ionno, The Star Ledger
  32. Benford & Johnson (2000), p. 304.
  33. Breeze Knoll: The John List Murder House. house-crazy.com, retrieved December 29, 2015.
  34. http://www.imdb.com/title/tt0107285/awards
  35. Desmond Ryan: How Profitable Sequels Succeed: They Just Bring 'em Back Alive. In: Philadelphia Inquirer, 3. Dezember 1989. Abgerufen am 19. April 2013. 
  36. The Usual Suspects DVD commentary featuring Bryan Singer and Christopher McQuarrie, [2000]. Retrieved 27 September 2002
  37. Catherine Coreno: D.B. Cooper: A Timeline. In: New York, 22. Oktober 2007. Abgerufen am 10. Januar 2008. 
  38. Timothy B. Benford, James P. Johnson: Righteous Carnage: The List Murders in Westfield. iUniverse, Lincoln, Nebraska 2000, ISBN 0-595-00720-1, S. 76–77.
  39. Elizabeth McCracken: Wanted: A Killer Disappears Into Another Life, The New York Times. 28. Dezember 2008. Abgerufen am 9. September 2014. 
  40. Fernsehserien.de: Medical Detectives