John Martyn (Botaniker)

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John Martyn

John Martyn (* 12. September 1699 in London; † 29. Januar 1768 in Chelsea) war ein englischer Botaniker. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „J.Martyn“.

Leben[Bearbeiten]

John Martyn ist der Sohn des Hamburger Händlers Thomas Martyn und dessen Frau Katharine Weedon. Er wurde am 12. September 1699 in der Londoner Queen Street geboren, besuchte ein Privatschule in der Nachbarschaft und arbeitete mit 16 Jahren im Abrechnungsbüro seines Vaters.

Im Sommer 1718 erweckte der Apotheker Wilmer, der später Demonstrator im Chelsea Physic Garden wurde, sein Interesse für Botanik, das durch Patrick Blair und William Sherard weiter gefördert wurde. Bereits 1720 übersetzte Martyn Joseph Pitton de Tourneforts Histoire des plantes aus dem Französischen ins Englische.

Um 1721 machte er die Bekanntschaft von Johann Jacob Dillen. Gemeinsam mit ihm, Philip Miller, Thomas Dale und anderen gründete er eine botanische Gesellschaft, die sich anfangs jeden Samstagmorgen im Rainbow Coffee House in der Watling Street traf und die fünf Jahre bestand. Martyn war Sekretär dieser Gesellschaft und hielt für sie Vorlesungen über technische Begriffe in den Naturwissenschaften.

1725 und 1726 hielt er öffentliche botanische Vorlesungen in London. In dieser Zeit stellte er auch ein Tafelwerk mit Medizinpflanzen zusammen, die er nach der Systematik von John Ray anordnete und das unter dem Titel Tabulae synopticae erschien.

Am 30. März 1727 wurde er nach einem Vorschlag von John Diodate (1690-1727) zum Mitglied der Royal Society gewählt. Im gleichen Jahr hielt er die ersten jemals an der Universität Cambridge abgehaltenen botanischen Vorlesungen. Für seine Studenten erstellte er eine gekürzte Fassung von Rays ursprünglich alphabetisch geordnetem Katalog der Cambridger Pflanzen und wandte dafür erneut dessen Pflanzensystematik an. Von 1727 bis 1730 lebte er in Great St Helen's (Bishopsgate, London).

1728 wurde die erste Dekade der Tafeln von Historia Plantarum Rariorum publiziert. Das Werk enthielt Abbildungen einiger neu eingeführter, und im Chelsea Physic Garden kultivierter, Pflanzen. Viele der aus Nordamerika und Westindien stammenden Pflanzen wurden von William Houstoun gesammelt und nach England geschickt. Sie wurden von Jacob van Huysum (1680-1740), dem älteren Bruder des niederländischen Malers Jan van Huysum, gezeichnet und von Edward Kirkall (1692-1750) graviert. Die Tafeln wurden mit einer farbigen Mezzotinto-Technik gedruckt und anschließend mit Wasserfarben nachcoloriert. Das Werk gehört zu den ersten botanischen Werken, bei dem der Farbdruck zum Einsatz kam. Nach den bis 1738 erschienen vier weitere Dekaden hatte das Werk einen Umfang von 52 Tafeln.

Am 26. Mai 1730 wurde Martyn am Emmanuel College Cambridge für das Medizinstudium zugelassen, gab das Studium aber nach fünf Semestern wieder auf. Gemeinsam mit Alexander Russel gab er von 1730 bis 1737 das satirische Grub Street Journal heraus und schrieb eigene Beiträge dafür.

John Martyn heiratete am 20. August 1732 Eulalia King, die jüngste Tochter von John King, der Rektor von Chelsea und Pfründner von York war. Mit ihr hatte er drei Söhne und fünf Töchter. Einer seiner Söhne ist der Botaniker Thomas Martyn (1735-1825).

Nach dem Tod von Richard Bradley wurde er am 8. Februar 1733 zu dessen Nachfolger und damit zum Professor für Botanik an der Universität Cambridge gewählt. Diesen Posten bekleidete er bis 1762, hielt aber nur zwei oder drei Jahre lang Vorlesungen.

Von den seine Verpflichtungen befreit wandte er sich der Herausgabe und Übersetzung der Werke Vergils zu. 1741 erschien seine, mit Anmerkungen versehende, englische Übersetzung von Vergils Georgica, bei der ihn Edmond Halley beim astronomischen Teil unterstützte. 1749 folgte die Übersetzung der Bucolica.

1749 starb seine Frau Eulalia. Im Juli 1750 heiratete er Mary-Anne Fonnereau, die Tochter eines Londoner Kaufmanns, die ihm einen weiteren Sohn gebar. 1752 zog die Familie auf eine Farm in Hill House (Streatham Common, Surrey).

Von seinem Posten als Botanikprofessor in Cambridge zog er sich, seinem Sohn Thomas zuliebe, der ihm in diesem Amt folgte, am 30. Januar 1761 zurück. John Martyn starb am 29. Januar 1768 in Chelsea.

Ehrentaxon[Bearbeiten]

William Houstoun[1] benannte ihm zu Ehren die Gattung Martynia der Pflanzenfamilie der Gemsenhorngewächse (Martyniaceae). Carl von Linné übernahm später diesen Namen.[2]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Tournefort's 'History of Plants Growing about Paris, With their Uses in Physick; and A Mechanical Account of the Operation of Medecines. Translated into English, with many Additions. And accommodated to the Plants growing in Great-Britain. London, 1720
  • Tabulae synopticae plantarum officinalium ad methodum Raianam dispositae. 1726
  • Methodus Plantarum circa Cantabrigiam nascentium. 1727
  • Historia Plantarum Rariorum. London: Richard Reily, 1728-1738
  • Pub. Virgilii Maronis Georgicorum libri quatuor. The Georgicks of Virgil, with an English translation and notes. 1741
  • Pub. Virgilii Maronis Bucolicorum Eclogae decem. The Bucolicks of Virgil with an English translation and notes. 1749
  • Dissertations and critical remarks upon the Aeneids of Virgil.... London, 1770 (posthum)

Quellen[Bearbeiten]

  • Alexander Chalmers: The General Biographical Dictionary: Containing an Historical and Critical Account of the Lives and Writings of the most Eminent Persons in Every Nation; Particularly the British and Irish; from the Earliest Accounts to the Present Time. London, 1812-1817. - 32 Bände
  • Wilfrid Blunt: The Art of Botanical Illustration: An Illustrated History. Dover Publications. 1994. ISBN 0-486-27265-6

Literatur[Bearbeiten]

  • D. E. Allen: John Martyn's Botanical Society: some further identifications. In: Society for the History of Natural History newsletter. Nr. 24 (Feb. 1985)
  • Ian MacPhail, William J. Hess: The date of the Linnaean index in John Martyn's Historia plantarum rariorum. In: Huntia. Band 3. S. 73-81.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carl von Linné: Critica Botanica Leiden 1737, S. 93
  2. Carl von Linné: Genera Plantarum. Leiden 1742, S. 292

Weblinks[Bearbeiten]