John Rittmeister

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John Karl Friedrich Rittmeister (* 21. August 1898 in Hamburg; † 13. Mai 1943 in Berlin-Plötzensee), oft auch abgekürzt John F. Rittmeister, war ein deutscher Arzt, Psychoanalytiker und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stolperstein für John Rittmeister vor dem Haus Agnesstraße 30 in Winterhude.

Aufgewachsen als ältester Sohn in einer großbürgerlichen Hamburger Kaufmannsfamilie, der schon früh mit den sozialen Spannungen am Rande dieser wohlbehüteten Welt in Berührung gekommen war, wurde Rittmeister 1917 nach seinem Abitur noch zum Kriegsdienst eingezogen und in Frankreich sowie in Italien als Telefonist eingesetzt. Ab 1919 studierte er in Marburg, Göttingen, Kiel, Hamburg und München Medizin, wo er von 1926 bis 1929 auch eine psychiatrisch-neurologische Ausbildung absolvierte.

In einer darauf folgenden Volontärs- und Assistentenzeit an der bekannten Psychiatrischen Klinik Burghölzli in Zürich kam er mit dem Kreis um C. G. Jung und marxistischen Zirkeln in Kontakt, engagierte sich auch politisch und organisierte Hilfe für Emigranten aus Deutschland. 1937 erhielt er deswegen nach einem Volontariat in der Heilanstalt Münsingen, wo er mit Alfred Storch zusammenarbeitete, wegen „kommunistischer Umtriebe“ keine weitere Verlängerung seiner Aufenthaltsgenehmigung in der Schweiz.

1938 war er zunächst Oberarzt unter Heinrich Schulte an der Nervenklinik Waldhaus in Berlin-Nikolassee und ab Kriegsbeginn bis zur Verhaftung Mitarbeiter in der Poliklinik des Berliner Göring-Instituts, dem von Matthias Heinrich Göring geleiteten Deutschen Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie tätig. Dort unterzog er sich bei Werner Kemper einer Lehranalyse und beteiligte sich ebenfalls an Hilfsaktionen für Juden und ausländische Arbeiter.

In Berlin lernte er die Krankenschwester Eva Knieper kennen, die er 1939 heiratete. Da seine Frau Eva das Heilsche Abendgymnasium in Schöneberg zur Vorbereitung auf das Abitur besuchte, lernte sie unter anderem Ursula Goetze, Liane Berkowitz, Fritz Thiel und Friedrich Rehmer kennen. Aus den gemeinsamen Unterrichtsvorbereitungen erwuchs unter Rittmeisters Anleitung ein den Nationalsozialismus ablehnender Kreis junger Leute, zu dem später sein Jugendfreund, der Romanist Werner Krauss, hinzukam.

Ende 1941 lernte Rittmeister Harro Schulze-Boysen kennen, mit dessen Ansichten er in allen wesentlichen Punkten übereinstimmte. Rittmeister und Schulze-Boysen entwarfen die programmatische Schrift „Die Sorge um Deutschlands Zukunft geht durch das Volk“, in der die politische und militärische Lage analysiert wurde und die später einige hundert Mal vervielfältigt an hauptsächlich akademische Kreise verschickt wurde, laut Reichskriegsgericht „Das niedrigste und gefährlichste Machwerk des Schulze-Boysen“. An der von Schulze-Boysen und dem Freundeskreis seiner Frau durchgeführten Zettelklebeaktion gegen die Ausstellung Das Sowjetparadies war Rittmeister nicht beteiligt.

Am 27. September 1942 verhaftet, wurde Rittmeister als Mitglied der Gruppe Rote Kapelle am 12. Februar 1943 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbegünstigung“ zum Tod verurteilt und am 13. Mai 1943 durch das Fallbeil in Plötzensee hingerichtet.[1]

John Rittmeister bezeichnete sich selber vor Gericht als Linkspazifisten, sah sich mehr als Aufklärer und Wissenschaftler. Allerdings hatte er sich etwa in der Reichspogromnacht auch tatkräftig für in Bedrängnis geratene Juden eingesetzt. Seine zahlreichen wissenschaftlichen und politischen Kontakte, wie zu den englischen Linken um Victor Gollancz, sind weitgehend unerforscht.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Hier brennt doch die Welt“. Aufzeichnungen aus dem Gefängnis und andere Schriften. Hrsg. von Christine Teller. Gütersloh 1991.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karen Brecht, Volker Friedrich, Ludger M. Hermann, Isidor J. Kaminer und Dierk H. Juelich (Hrsg.): „Hier geht das Leben auf eine sehr merkwürdige Weise weiter…“ Zur Geschichte der Psychoanalyse in Deutschland. Katalog und Materialsammlung zur [gleichnamigen] Ausstellung anlässlich des 34. Kongresses der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV) in Hamburg vom 28.7.-2. August 1985. Kellner, Hamburg 1985 ISBN 3-922035-97-5, korrigierte ISBN 3-922035-98-1.
  • Regina Griebel sowie Marlies Coburger und Heinrich Scheel: „Erfasst?“ - Das Gestapo-Album zur Roten Kapelle. Eine Foto-Dokumentation. Hrsg. in Verbindung mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. audioscop, Halle 1992 ISBN 3-88384-044-0.
  • Regine Lockot: Erinnern und Durcharbeiten. Zur Geschichte der Psychoanalyse und Psychotherapie im Nationalsozialismus. Fischer, Frankfurt 1985; Reprint (mit erweitertem Personenverzeichnis, ansonsten – inkl. Druckfehlern – text- und seitenidentisch) bei: Psychosozial Verlag, Gießen 2002 (PV Bibliothek der Psychoanalyse) ISBN 3-89806-171-X
  • Gert Rosiejka: Die Rote Kapelle. „Landesverrat“ als antifaschistischer Widerstand. - Mit einer Einführung von Heinrich Scheel. ergebnisse, Hamburg 1986, ISBN 3-925622-16-0
  • Walter Bräutigam; John Rittmeister. Leben und Sterben. Ebenhausen, Langewiesche-Brandt, 1987.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Thema Rote Kapelle, abgerufen am 27. Mai 2008.