Joko Widodo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Joko Widodo (2019)

Joko Widodo (* 21. Juni 1961 in Surakarta, Provinz Jawa Tengah), bekannt als Jokowi, ist ein indonesischer Unternehmer und Politiker (PDI-P). Er ist seit dem 20. Oktober 2014 Staatspräsident Indonesiens.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joko Widodo ist studierter Forstwirt und Gründer eines Möbelunternehmens, er war von 2005 bis 2012 Bürgermeister seiner Heimatstadt Surakarta. In dieser Position wurde er für einen dialogorientierten Politikstil, Programme gegen Korruption, für Stadtplanung und Umweltschutz bekannt. Dann wurde er zum Gouverneur des Hauptstadtdistrikts (Daerah Khusus Ibukota) Jakarta gewählt.[1] Rasch erlangte er landesweite Bekanntheit. Er wurde aufgrund des fast gleichen Alters und einer gewissen äußerlichen Ähnlichkeit von vielen Medien mit dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama verglichen.[2][3]

Im März 2014 wurde er von seiner Partei, der Demokratischen Partei des Kampfes Indonesiens (PDI-P), als Kandidat für die Präsidentschaftswahl am 9. Juli 2014, der dritten direkten Präsidentenwahl in Indonesien, nominiert.[4] Sein Vizepräsidentschaftskandidat war Muhammad Jusuf Kalla (Golkar), der bereits von 2004 bis 2009 Vizepräsident unter Susilo Bambang Yudhoyono war. Nach dem offiziellen Ergebnis des Wahlausschusses am 22. Juli 2014 setzte sich Jokowi mit 53,15 % der Stimmen gegen seinen Konkurrenten Prabowo Subianto (Gerindra) durch. Prabowo erkannte das Ergebnis allerdings zunächst nicht an.[5] Nach dem Urteil des Verfassungsgerichts wurden die Ergebnisse aber für gültig erklärt, woraufhin Prabowo seine Niederlage eingestand.

Am 20. Oktober 2014 wurde Jokowi als siebter Präsident Indonesiens vereidigt.

Im April 2019 stellte er sich erneut bei den Präsidentschaftswahlen zur Wahl, Gegenkandidat war wiederum Prabowo Subianto. Nachwahlbefragungen deuteten auf einen Wahlsieg des Amtsinhabers Jokowi hin, Meinungsforschungsinstitute sahen ihn bei etwa 55 Prozent der Stimmen.[6] Jokowi erklärte sich am Tag nach der Wahl zum Sieger, dies wurde von Gegenkandidat Prabowo jedoch, genau wie bei der vorherigen Wahl, bislang nicht anerkannt.[7] Fünf Wochen nach der Präsidentschaftswahl wurde Jokowi von der Wahlkommission offiziell als Sieger bekanntgegeben. Demnach erhielt er 55,5 Prozent der Stimmen und kann bis 2024 weiterregieren. Gegenkandidat Prabowo Subianto, der das offizielle Endergebnis wieder nicht anerkannte, kam auf 44,5 Prozent.[8] Nach der Wahl bildete Widodo das Fortgeschrittene indonesische Kabinett, dem auch Prabowo Subianto als Verteidigungsminister angehört.

Joko Widodo ist verheiratet und hat drei Kinder. Er ist Amateurfunker, sein Rufzeichen ist YD2JKW.[9] Er ist Muslim, wird aber als säkular in seiner Sichtweise bezeichnet.[10]

Politische Handlungen als Präsident[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infrastrukturentwicklung ist ein Kernmerkmal von Widodos Politik. Große Straßen-, Eisenbahn- und Hafenbauprojekte wurden während seiner Präsidentschaft in die Wege geleitet.[11] Unter anderem hat er nach seiner Amtsübernahme 2014 angekündigt, 50,6 Milliarden US-Dollar für den Ausbau von Seefahrtsinfrastruktur bereitzustellen. Knapp die Hälfte davon für den Ausbau strategischer Häfen.[12] Ein anderes Großprojekt ist der 6 Milliarden US-Dollar teure Bau einer Hochgeschwindigkeitseisenbahnstrecke zwischen Jakarta und Bandung. Die Strecke soll spätestens Anfang 2023 fertig gestellt werden und wird von einem chinesisch-indonesischen Konsortium im Rahmen der chinesischen One Belt, One Road Initiative gebaut. Unter Jokowi haben sich die Ausgaben für Infrastruktur jedes Jahr um fast 10 Milliarden US-Dollar erhöht. Das trug einen großen Teil dazu bei, dass sich die Staatsschulden in den ersten vier Jahren seiner Amtszeit verdoppelt haben.[13]

Wirtschaftspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den genannten Infrastrukturprojekten initiierte Widodo eine teilweise Verstaatlichung wichtiger Ressourcen. So übernimmt die staatliche Ölgesellschaft Pertamina nun die Ölförderung aus Feldern, die bisher von Total, Chevron oder Inpex geleitet wurde. Das Ziel ist, dass mehr Öl und Benzin im Lande verbleibt, so dass weniger importiert werden muss.[14] Unter Widodo hat der indonesische Staat die Kontrolle über die zweitgrößte Kupfermine der Welt, Grasberg, übernommen. Diese wurde vorher vom amerikanischen Unternehmen Freeport-McMoRan betrieben. Ziel der Maßnahmen ist, dass ein größerer Anteil der Erlöse im Land selbst verbleibt.[15]

Verlegung der Hauptstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Widodo 2019 zum zweiten Mal zum Präsidenten gewählt wurde, kündigte er überraschend die Verlegung der Hauptstadt Indonesiens an. Die neue Hauptstadt soll in der Provinz Kalimantan Timur, auf der Insel Borneo liegen und komplett neu gebaut werden. Widodo verspricht sich von dem Projekt die Entlastung der zweitgrößten Stadt der Welt, Jakarta, und eine geringere Gefahr von Naturkatastrophen. Die bisherige Hauptstadt liegt auf dem sogenannten pazifischen Feuerring, der für seine hohen Erdbebenaktiväten und die Gefahr von Tsunamis bekannt ist. Des Weiteren droht Jakarta im Meer zu versinken, 2050 könnte mehr als ein Drittel der Stadt überschwemmt sein. Die Kosten des Baus der neuen Stadt werden auf 30 Milliarden Euro geschätzt.[16]

Reform des Strafrechts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landesweite Proteste rief der Plan Widodos hervor, das Strafrecht zu reformieren. Besonders umstritten war dabei eine Klausel, die Sex außerhalb der Ehe und gleichgeschlechtlichen Sex kriminalisierte. Weiterhin wurde im Entwurf die Beleidigung der Würde des Präsidenten unter Strafe gestellt. Auch Abtreibungen, die nicht aus Gründen wie Vergewaltigung oder medizinischer Notwendigkeit erfolgen, würden kriminalisiert werden. Auch wird durch das Gesetzesvorhaben die Verbreitung von Informationen über Verhütung verhindert.[17][18] Nach massiven Protesten und Kritik aus dem Ausland wurde das Gesetzesvorhaben verschoben.[19]

Korruption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Widodo galt bei seinem Amtsantritt als Politiker, der relativ frei von Korruption ist. Mittlerweile wird ihm vorgeworfen, dass er die unabhängige Anti-Korruptionsbehörde (Komisi Pemberantasan Korupsi, KPK) unterminieren würde. Die meisten der Ermittlungen der KPK betreffen Angehörige von Parteien aus Widodos Koalition.[20] Als diese Behörde den Sohn seiner politischen Verbündeten Megawati Sukarnoputri ins Visier nahm, stellte sich Widodo auf die Seite Megawatis. Es wurde ein Gesetzentwurf eingebracht, der die Befugnisse der Anti-Korruptionsbehörde einschränkt.[21]

Omnibusgesetz zur Schaffung von Arbeitsplätzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. November 2020 wurde das sogenannte Job Creation Law oder auch Omnibus Gesetz durch Joko Widodo unterzeichnet. Es ist ein zentrales Projekt von Joko Widodos zweiter Amtszeit, der damit das Wirtschaftswachstum des Landes ankurbeln will.[22][23] Das Gesetz verändert mehr als 70 bestehende Gesetze und ist 1187 Seiten lang. Es lockert die Umweltvorschriften, schränkt die Rechte von Arbeitern ein und soll Bürokratie abbauen. Die Weltbank bewertet das Gesetzesvorhaben positiv.[24] Massenproteste und Streiks von Umweltorganisationen und Gewerkschaften brachen aus.[25]

Todesstrafe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Amtszeit wurden bis Mai 2019 19 Todesstrafen vollstreckt, meist wegen Drogenschmuggels, u. a. gegen Australier, Brasilianer und Nigerianer.[26][27]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ben Bland: Man of contradictions: Joko Widodo and the Struggle to Remake Indonesia. Penguin, Docklands 2020, ISBN 9781760897246.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Joko Widodo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Joko Widodo – Zitate (indonesisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jakartas Hoffnung. In: taz.de, 22. September 2012.
  2. Yenni Kwok: ‘Indonesia’s Obama’ Is Actually Nothing of the Sort. In: Time, 20. Mai 2014.
  3. Till Fähnders: Joko Widodo gewählt. Ein Hoffnungsträger wird neuer Präsident Indonesiens. In: Frankfurter Allgemeine, 24. Juli 2014.
  4. Megawati memberi restu Jokowi dicalonkan jadi presiden. In: tribunnews.com, abgerufen am 24. Juli 2014
  5. Indonesien: Verlierer Prabowo will gegen Wahlergebnis klagen. In: Spiegel Online. 23. Juli 2014, abgerufen am 23. Juli 2014.
  6. Indonesien: Amtsinhaber Joko laut Hochrechnung voran. In: orf.at. 17. April 2019, abgerufen am 17. April 2019.
  7. Nach Wahl in Indonesien: Widodo erklärt sich zum Sieger. In: tagesschau.de. 18. April 2019, abgerufen am 18. April 2019.
  8. Wahlsieg: Widodo bleibt Präsident Indonesiens. In: tagesschau.de. 21. Mai 2019, abgerufen am 21. Mai 2019.
  9. Indonesia’s New President, Vice President are Radio Amateurs. In: arrl.org. 21. Oktober 2014, abgerufen am 2. August 2019.
  10. Indonesian politics are becoming less predictable. In: The Economist. 5. Oktober 2017, ISSN 0013-0613 (economist.com [abgerufen am 5. August 2019]).
  11. Benjamin Bland: Dream state: Widodo struggles to build his vision for Indonesia. In: Fincancial Times. Abgerufen am 15. Februar 2021 (englisch).
  12. Indonesia sneaks up on Singapore with flurry of port projects. Abgerufen am 15. Februar 2021 (britisches Englisch).
  13. Tommy Soesmanto, Yenny Tjoe: Indonesia's government debt ahead of 2019 presidential election: a real economic concern? Abgerufen am 15. Februar 2021 (englisch).
  14. Jessica Jaganathan, Wilda Asmarini: Indonesia's push to nationalize energy assets could chill foreign investment. In: Reuters. 29. August 2018 (reuters.com [abgerufen am 15. Februar 2021]).
  15. Bloomberg: Economic nationalism is back in Indonesia as election approaches. 17. September 2018, abgerufen am 15. Februar 2021 (englisch).
  16. Deutsche Welle (www.dw.com): Neue Hauptstadt im Dschungel von Borneo | DW | 26.08.2019. Abgerufen am 15. Februar 2021 (deutsch).
  17. Indonesia's criminal code: what is it, why does it matter, and will it be passed? 26. September 2019, abgerufen am 15. Februar 2021 (englisch).
  18. Indonesia: Draft Criminal Code Disastrous for Rights. 18. September 2019, abgerufen am 15. Februar 2021 (englisch).
  19. Gayatri Suroyo, Agustinus Beo Da Costa: Indonesia postpones vote on bill criminalizing sex outside marriage. In: Reuters. 20. September 2019 (reuters.com [abgerufen am 15. Februar 2021]).
  20. Bangkok Post Public Company Limited: Corruption in Jokowi's Indonesia. In: Bangkok Post. (bangkokpost.com [abgerufen am 15. Februar 2021]).
  21. The weakening of Indonesia’s Corruption Eradication Commission. 28. Januar 2020, abgerufen am 15. Februar 2021 (englisch).
  22. Bureaucratic Cuts, Talent Development Imperative for Indonesia 2045: Jokowi. Abgerufen am 15. Februar 2021.
  23. Arlina Arshad: Indonesian President Joko signs contentious omnibus Bill into law. 3. November 2020, abgerufen am 15. Februar 2021 (englisch).
  24. World Bank Statement on Omnibus Law - Job Creation. Abgerufen am 15. Februar 2021 (englisch).
  25. Omnibus bill reveals Jokowi’s bedfellows. 28. Oktober 2020, abgerufen am 15. Februar 2021 (englisch).
  26. Todesstrafe: Australien kündigt Rückruf des Botschafters aus Indonesien an. In: Zeit Online. 29. April 2015, abgerufen am 14. September 2015.
  27. DER SPIEGEL: Franzose wegen Drogenschmuggels in Indonesien zum Tode verurteilt. Abgerufen am 15. Februar 2021.