Jonglieren

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3-Ball-Kaskade
5-Ball-Jonglage

Jonglieren ist als Bewegungskunst Teil der Artistik und gehört traditionell zu den Darbietungen des Zirkus beziehungsweise des Varietés. Jonglieren kann sowohl als Freizeitaktivität betrieben werden, sowie auch als Form der darstellenden Kunst oder als sportliche Aktivität.

Jonglieren bezeichnet in erster Linie die Fertigkeit, mehrere Gegenstände wiederholt in die Luft zu werfen und wieder aufzufangen, so dass sich zu jedem Zeitpunkt mindestens einer der Gegenstände in der Luft befindet. Die gebräuchlichsten Jonglierrequisiten sind Bälle, Keulen und Ringe.

Im weiteren Sinne umfasst der Begriff Jonglieren auch Zirkusdisziplinen wie Diabolo, Devilstick und die Kontaktjonglage, bei der Gegenstände auf dem Körper balanciert und bewegt werden, sowie das Spinning, bei dem Gegenstände fest um ein Zentrum kreisen, wie etwa beim Poi Spinning oder Stabdrehen (siehe hierzu Objektmanipulation).

Es finden regelmäßig Jonglierconventions in verschiedenen Städten statt.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Substantiv Jongleur ist bereits im 18. Jahrhundert bezeugt, dagegen tritt das Verb jonglieren erst im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert auf. Das Herkunftswort ist frz. jongleur bzw. jongleur, das aus dem lateinischen Wort ioculator stammt und Spaßmacher bedeutet. Eine Verwandtschaft besteht zum deutschen Wort Jux.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Jonglierbälle aus dem 15./16. Jahrhundert, aus Leder, mit Sägemehl gefüllt. Dahinter die Reproduktion einer historischen Darstellung einer jonglierenden Frau.

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Jonglieren ist eine Fertigkeit, die von zahlreichen Völkern, wie den Chinesen, Indern oder Azteken zu allen Zeiten und vermutlich auch schon vor den ersten Aufzeichnungen erprobt wurde. Eines der ältesten Jonglier-Requisiten, das Diabolo, wurde in China erfunden. Ebenso gibt es Darstellungen auf antiken griechischen Terrakottascheiben von Jo-Jo spielenden Jungen und Nachweise Poi-spielender Frauen auf Neuseeland. Die früheste bekannte Quelle ist ein Bild, welches aus Ägypten von einem unbekannten Prinzen im 15. Grab in Beni Hasan aus einer Zeit um etwa 1794–1781 v. Chr. stammt. Es zeigt vier jonglierende Frauen.

Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine sehr frühe griechische Statue von einem Jongleur wurde in den Pyrinen gefunden und kann heute im Nationalen Museum in Athen besichtigt werden. Bei den Römern war es zur Belustigung des Volkes modisch, Gaukler aus dem Orient zu importieren. Häufig handelte es sich dabei um Sklaven. Aber auch normale Bürger und Offiziere jonglierten in ihrer Freizeit. Auf Tagatus Ursus Grabstein findet sich beispielsweise der Hinweis, dass er der erste Mensch sei, der mit Glasbällen jongliert hat und Sidonius Apollinaris, ein Offizier in der römischen Legion, unterhielt seine Truppen mit der Aufführung von Jongliertricks mit Bällen.

China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene Jongleure wurden in den Aufzeichnungen erwähnt. Hauptsächlich handelte es sich dabei um Krieger, die so ihre Kampfkunst unter Beweis stellten und manchmal einen Konflikt beenden konnten, bevor es zu Kämpfen kam. Einige Jongleure wurden namentlich genannt, wie etwa:

  • Lan Zi aus der Provinz Song, soll mit sieben Schwertern jongliert haben.
  • Yi Liao von Shinan, der durch eine Balljonglage den Konflikt zwischen zwei Häusern beenden konnte.
  • Xiong Yiliao jonglierte mit neun Bällen in den Auseinandersetzungen zwischen der Provinz von Chu und der Provinz von Song

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jongleur mit Bällen und Messern

Im Mittelalter scheinen die Jongleure in Ungnade gefallen zu sein, da viele Kleriker und Pfarrer, welche die Geschichtsschreibung übernahmen, ihnen eine lose Moral und manchmal sogar Hexerei unterstellten. Seit Beginn des 6. Jahrhunderts traten Barden oder Hofnarren auf Märkten, Festen oder in Gasthäusern auf und führten kurze, unterhaltsame und schlüpfrige Auftritte auf. Sie reicherten ihre Shows häufig mit kurzen Jongliertricks oder etwas Akrobatik an und reichten am Ende ihrer Vorstellungen Hüte oder Taschen für Spenden herum.

Jongleure waren zu dieser Zeit sehr schlecht angesehen, und sie wurden auch nicht ganz ohne Grund mit Vorsicht und Argwohn behandelt, da sich auch viele Landstreicher, Trickbetrüger und Diebe in der Jonglierkunst übten. Eine weitere Schwierigkeit war, dass die Jongleure, anders als die Poeten und Musiker, keine Möglichkeit besaßen ihre Erfolge und Errungenschaften der Nachwelt zu hinterlassen. Schnell wurden sie daher als, wenn auch unterhaltsame, Tagediebe oder Taugenichtse abgestempelt. Aus dieser Zeit stammt daher auch der Ausspruch:

„Qual mestiers es plus aontos, d’eser joglar o laire?“ – frei übersetzt: „Was kann eine schlimmere Beschimpfung sein, ein Jongleur oder ein Dieb zu sein?“

Eine andere Vermutung ist, dass Jongleure erst im 11. Jahrhundert aus den englischen Minnesängern und Spielleuten hervorgegangen sind. Mit dem Aufkommen der Troubadoure wurden die Jongleure mit ihren vielen Talenten zu beliebten Helfern der Troubadoure und zu Unterhaltern der Adeligen. Sie zogen über das Land, von Hof zu Hof und verfeinerten ihr Können in „Schulen“ und „Bruderschaften“. Die erste Nennung einer solchen Bruderschaft stammt aus dem Jahre 1331; die „Confrerie de St. Julian“ in Paris.

Industrialisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1768 eröffnete Philip Astley den ersten modernen Zirkus. Einige Jahre später heuerte er auch einige Jongleure an. Von da an fanden Jongleure professionelle Arbeit beim Zirkus. Die neuere Geschichte des Jonglierens ist eng mit der Geschichte des Varietés und des Couplets verbunden. Mit dem Einsetzen der Industrialisierung wurde die Kleinkunst und mit ihr das Jonglieren bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts immer beliebter. Jongleure wurden zunächst engagiert, um in den Pausen das Publikum vor verschlossenen Vorhang zu unterhalten, während hinter dem Vorhang die Bühne umgebaut wurde. Diese Jongleure konnten sich nun auf die eigentliche Jonglierkunst spezialisieren und vernachlässigten andere Kunststücke wie Schwertschlucken oder die Zauberei. Der Gentleman-Jonglier-Stil wurde von den deutschen Jongleuren Salerno und Kara erfunden, und mit der Entwicklung des Kunststoffes verwendeten die Jongleure auch zunehmend Gummibälle. Zuvor wurden Jonglierbälle aus Garn, gefüllten Lederbeuteln, Holz oder Metall gemacht. Die Gummibälle hatten den Vorteil, dass man sie auch springen lassen konnte. Mit der weiten Verbreitung der drei großen Unterhaltungsmedien, Radio, Tonfilm und Fernsehen, verlor die Kleinkunst dann wieder drastisch an Bedeutung.

Formen der Jonglage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe auch: Objektmanipulation

Jonglage im engeren Sinne umfasst die klassischen Disziplinen der Wurfjonglage: Bälle, Keulen und Ringe. Jonglage im weiteren Sinne umfasst sämtliche Formen der Objektmanipulation.

Solojonglage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jongliermuster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe auch: Jongliertrick

Weltrekorde Solojonglage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Requisiten müssen einzeln geworfen werden, Multiplexwürfe (Wurf von mehr als einem Requisit gleichzeitig) sind nicht erlaubt. Als zulässig gelten nur Rekorde mit Videobeleg.[2]

Stand: August 2016

Bälle und Beanbags[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Anzahl Rekord Rekordhalter Jahr
11 Beanbags 25 Catches Alex Barron (UK) 2012
10 Beanbags 30 Catches Alex Barron (UK) 2013
9 Bälle 55 sek Anthony Gatto (USA) 2006
8 Bälle 1 min 13 sek Anthony Gatto (USA) 2006
7 Bälle 12 min 51 sek Ofek Snir (ISR) 2015
6 Bälle 9 min 17 sek Christian Hauschild (D) 2014
5 Bälle 2 h 41 min 27 sek Ofek Snir (ISR) 2016
Keulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Anzahl Rekord Rekordhalter Jahr
8 Keulen 16 Catches Anthony Gatto (USA)
Willy Colombaioni (ITA)
2006
2015
7 Keulen 4 min 12 sek Anthony Gatto (USA) 2005
6 Keulen 7 min 38 sek Anthony Gatto (USA) 2005
5 Keulen 53 min 21 sek Thomas Dietz (D) 2005
Ringe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Anzahl Rekord Rekordhalter Jahr
10 Ringe 47 Catches Anthony Gatto (USA) 2005
9 Ringe 235 Catches Anthony Gatto (USA) 2005
8 Ringe 1 min 17 sek Anthony Gatto (USA) 1989
7 Ringe 15 min 6 sek Anthony Gatto (USA) 2011

Mehr-Personen-Jonglage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Passing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Variation der Solo-Jonglage ist das Passen, bei dem zwei oder mehr Jongleure gleichzeitig jonglieren und sich dabei auch gegenseitig zuwerfen. Größtenteils wird mit Keulen gepasst. Mit drei und mehr Jongleuren können auch Positionsänderungen und komplizierte Laufwege Teil der Muster sein.

Kompetitives Jonglieren und Jonglierspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sportjonglage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich der Sportjonglage liegt der Schwerpunkt auf technischem Können, Präzision der Ausführung und Komplexität der jonglierten Muster. Bühnenwirksamkeit und künstlerischer Ausdruck spielen dabei keine Rolle. Die im Jahr 2003 gegründete World Juggling Federation veranstaltet jährlich Sportjonglage-Wettbewerbe.

Endurance[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Wettbewerber beginnen gleichzeitig, zu jonglieren und es gewinnt, wer am längsten jongliert.

Joggling[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kombination aus Joggen und Jonglieren heißt Joggling. Beim Joggling kann man ebenso wie beim Jonglieren eine beliebige Zahl von Bällen (mindestens drei) oder Keulen verwenden.

Joggling-Weltrekorde (Auswahl):

Distanz Disziplin Zeit Rekordhalter Jahr
100 m 3 Objekte 11,68 s Owen Morse (USA) 1989
100 m 5 Objekte 13,8 s Owen Morse (USA) 1988
100 m 7 Objekte 53,6 s Thomas Dietz (D) 2013
10 km 3 Objekte 35:38 min Bob Evans (USA) 2011
Marathon 3 Objekte 2:50:12 h Michal Kapral (CAN) 2007

Volleyclub[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: Volleyclub

Die Mischung von Volleyball und Jonglage wird auf großen Jonglierconventions gespielt.

Combat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Combat wird in der Regel mit drei Keulen pro Spieler gespielt. Alle Spieler beginnen gleichzeitig zu jonglieren; wer als Letzter noch jongliert, gewinnt die Runde. Die Spieler versuchen hierbei, ihre Gegner am weiterjonglieren zu hindern, indem sie ihnen beispielsweise eine Keule wegschlagen oder abnehmen, dabei aber die eigene Jonglage aufrechterhalten.

Combat-Wettbewerbe werden auf Jonglierconventions ausgetragen. Ein gängiges Format ist das 1-on-1-Combat, bei dem jeweils zwei Wettbewerber gegeneinander antreten und im K.-o.-System ein Turniersieger ermittelt wird. Dieses sogenannte "Fight Night Combat" ist besonders in Europa verbreitet. Bei den "Fight Night"-Turnieren werden jeweils Punkte für die Combat-Weltrangliste[3] vergeben. Die Weltranglistenposition der Spieler entscheidet über die Setzposition bei den einzelnen Turnieren.

Feuerjonglage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Feuerjonglage werden Jonglierutensilien teilweise oder ganz entzündet. Dabei wird meistens ein Dochtband aus Kevlargewebe mit Lampenöl getränkt. Dieses wird nach häufiger Benutzung porös und kann daher ausgetauscht werden. U. a. existieren kommerzielle Ausführungen folgender Requisiten: Diabolos, Bälle, Devilsticks, Stäbe, Fackeln, Poi, Hula-Hoop-Reifen und verschiedene Feuerseile.

Feuerbälle können aus einem Drahtgeflecht bestehen, in das ein Dochtband eingearbeitet wurde, oder massiv sein. Bei der Verwendung sollten angefeuchtete Handschuhe aus Baumwolle oder besser noch Kevlar getragen werden, da diese einen zeitlich begrenzten Schutz vor Verbrennungen liefern können.

Feuerpoi (oder Feuerketten) sind brennende Dochte bzw. Kevlarbänder, die aufgewickelt oder geflochten zu einem Knoten oder einer Rolle an Ketten befestigt und mit Lampenöl getränkt angezündet werden. Durch das Rotieren um die Hände und den ganzen Körper entstehen in der Dunkelheit weit sichtbare Feuerkreise.

Leuchtjonglage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Leuchtjonglage wird mit Leuchtbällen, Leuchtstäben, Leuchtkeulen und Leuchtpoi jongliert. Die Bandbreite der Requisiten reicht von fluoreszierenden Objekten, die unter Schwarzlicht verwendet werden, über phosphoreszierende bis hin zu selbstleuchtenden Objekten mit eingebauten LEDs. Seit einigen Jahren sind auch Requisiten erhältlich, bei denen über einen Computer komplexe und längere Sequenzen hinsichtlich Leuchtstärke, Farbe und Dauer programmiert werden können. So ist es möglich, über eine komplette Nummer hinweg Requisiten passend zu den jonglierten Tricks und zur Musik leuchten, blinken und die Farbe über das komplette RGB-Farbspektrum hin wechseln zu lassen.

Darbietungsformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gentleman-Jonglage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gentlemanjongleure waren die Protagonisten der Artistik der Goldenen 20er Jahre, die wesentlich durch die zahlreichen Varietétheater geprägt wurden. Gentlemanjongleure zeichneten sich durch die beiden Aspekte der szenischen Gestaltung sowie der Verwendung alltäglicher Gegenstände statt spezieller Requisiten aus. So kombinierten die elegant gekleideten Herren das Jonglieren und Balancieren mit den Utensilien der vornehmen Welt in höchster Vollendung. Die berühmtesten Vertreter dieser Zunft waren Kara, Salerno oder Adanos. Einer der bekanntesten Gentlemanjongleure der Gegenwart ist Jeton.[4]

Physiologische Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jonglieren ist sehr gut geeignet, das körperliche und geistige Wohlbefinden zu steigern. So fördert es die Konzentrationsfähigkeit, die Reaktionsschnelligkeit, das räumliche Vorstellungsvermögen, sowie Zeit-, Rhythmus- und Gleichgewichtsgefühl. Durch die gleichmäßige Beanspruchung der Muskeln und des Bewegungsapparats wird die Beweglichkeit und Ausdauer erhöht. Jonglieren erhöht außerdem das periphere Sehvermögen und schult Koordination und Wahrnehmung. Nicht zuletzt ist Jonglieren eine gute Möglichkeit, durch seine beinahe meditative Gleichförmigkeit Stress abzubauen. Das ständige Fangen ist allerdings auch eine Belastung für die Gelenke, gerade der Hand. Sehr langes Training kann zu Prellungen und Gelenkschmerzen führen.

Kognitionsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl die neuronale Plastizität in der Kindheit am stärksten ausgeprägt ist, konnten positive Auswirkungen motorischer Aktivität auf die kognitive Entwicklung auch über die Kindheit hinaus belegt werden. Eine 2004 an der Universität Regensburg durchgeführte Studie ergab, dass regelmäßiges Jonglieren selbst bei Erwachsenen zu einer vorübergehenden Verdichtung der grauen Substanz im Gehirn führt.[5][6] Die Veränderung fanden zum einen im visuellen Bereich der Hirnrinde statt, die das Erfassen von räumlichen Bewegungen kontrolliert. Zum anderen veränderte sich die linke Pars posterior sulci intraparietalis, der das Ergreifen von Gegenständen steuert.

Bittmann et al. (2005) betonen, dass die Bewegungswahrnehmung zu einer „harmonischen beidseitigen Hirnentwicklung beiträgt“ (siehe hierzu auch: Hirnhemisphären) und so die kognitive Leistung stark beeinflussen kann. So konnten sie nachweisen, dass ein positiver Zusammenhang zwischen Balancefähigkeit und Schulerfolg besteht. Lernstarke Schüler wiesen in einer 2005 durchgeführten Studie ein besseres Balanceverhalten auf als lernschwache Schüler.[7]

Eine Studie von Scholz, Klein, Behrens und Johansen-Berg aus dem Jahr 2009 unter Verwendung des Diffusions-Tensor-Bildgebung-Verfahrens führte zu ähnlichen Erkenntnissen: Die weiße Hirnsubstanz in einer Region des Parietallappens steige nach sechswöchigem Training (3 Bälle, fünfmal pro Woche eine halbe Stunde) auch dann um etwa 5 %, wenn die Probanden das Ziel, die Drei-Ball-Kaskade zu lernen, nicht erreichten.[8]

Kontemplativer Ansatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doch auch auf einem anderen Feld finden sich interessante Ansätze. In seinem Buch Zen in der Kunst des Jonglierens[9] beschreibt Dave Finnigan, ein weltweit bekannter Jongleur, seine Erfahrungen während eines mehrmonatigen Jongliercamps in einem ehemaligen taiwanesischen Kloster. Ziel des Jonglierens ist es, ein Muster aufrechtzuerhalten. Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei im Loslassen: Statt mit den Augen den Bällen zu folgen schauen gute Jongleure dorthin, wo die Bälle beim Flug ihren höchsten Punkt erreichen oder, wie im Falle des Poi-Spiels, versuchen die durch die Fliehkraft merkliche Position des Poi zu in der Führhand zu erspüren. Mit der Zeit lernt der Spieler, die Bälle mit dieser Information blind zu führen und vertraut auf die Gesetze der Physik, die genau vorschreiben, welchen weiteren Weg der Ball nehmen wird.

Jonglieren kann so zu einer speziellen Form von Meditation werden: Man konzentriert seine gesamte Aufmerksamkeit auf ein mehr oder weniger einfaches, dafür aber vollkommen periodisches und meist sehr symmetrisches Muster, das man völlig kontrollieren kann. Zum Vorausplanen oder Zurückschauen bleibt keine Gelegenheit, wenn man an der Grenze seiner Fähigkeiten jongliert, muss man sich voll auf das Muster und dessen aktuellen Zustand konzentrieren. So ist es möglich, sich eine Zeit lang gedanklich völlig aus dem Alltag zu bewegen und innere Ruhe zu entwickeln. Dies ist auch der Kern der sog. Kontemplation, die im Gegensatz zur Meditation, nicht versucht den Geist zu leeren, sondern den sanften inneren Focus auf eine wiederkehrende, grundlegende mentale Aussage zum Leben, eine positive Affirmation oder die emotionale Befreiung von den Sorgen und Zwängen des Alltags richtet.

Mathematik und Physik der Jonglage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Notation von Jongliermustern mithilfe von Zahlenfolgen wird als Siteswap bezeichnet.

Wurfhöhen und Wurffrequenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Physikalisch lässt sich berechnen, um wie viel höher man die jonglierten Objekte werfen muss, damit der Jongleur mit der gleichen Wurffrequenz jonglieren kann. Angenommen wird eine senkrechte Flugbahn.

Für die Flugzeit gilt bei einer Abwurfgeschwindigkeit von und der Schwerebeschleunigung :

Für den Fall von Objekten ergibt sich daraus eine Wurffrequenz von:

Die Stieghöhe eines jeden Objektes beträgt:

daraus folgt:

und

Verlangt man nun bei zwei verschiedene Objektenzahlen und eine konstante Wurffrequenz ergibt sich:

und daraus

Aus der Verhältnisgleichung folgt, dass sich die Wurfhöhen genau so verhalten müssen wie die Quadrate der Anzahl der jeweils verwendeten Objekte, damit mit der gleichen Wurffrequenz jongliert werden kann.

Software[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt diverse Jongliersoftware – meistens Freeware:

jugglemaster Strichmännchen jonglieren alle denkbaren Siteswaps (Notation für Jongliermuster).
JuggleAnim Html-Version von jugglemaster
JugglingLab Gleiche Aufmachung, wie beide vorgenannten. Zusätzlich kann das Programm mit seinem pattern generator siteswaps auf Gültigkeit prüfen oder nach gültigen siteswaps für siteswap-Fragmente suchen. Das heißt z. B., dass man Wurffolgen oder Übergänge zwischen verschiedenen Jongliermustern findet. Hat ein lehrreiches Leiterdiagramm
jongl grafisch ausgearbeitete Männekens jonglieren Siteswaps – auch zu Mehreren
Juggle Crazy Shareware. In der Demo nur drei Bälle. Dafür auch mit Leiterdiagramm

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dave Finnigan: Alles über die Kunst des Jonglierens. DuMont, Köln 1988, ISBN 3-7701-2214-3.
  • Charlie Dancey: Encyclopaedia of Ball Juggling. Butterfingers, Bath 1995, ISBN 1-898591-13-X.
  • Jörg Treiber: Richtig Jonglieren. (Sportpraxis 257). BLV, München-Wien-Zürich 1992, ISBN 3-405-14427-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jonglieren – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Duden: Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. Mannheim 2007, Lemma Jongleur.
  2. http://jugglingworldrecords.tumblr.com
  3. http://www.fightnightcombat.com/current-points-and-rankings.html
  4. Karl-Heinz Ziethen, Alessandro Serena: Virtuosos of Juggling. Santa Cruz, CA 2003, ISBN 0-9741848-0-2, S. 44 und S. 125.
  5. B Draganski, C Gaser, V Busch, G Schuierer, U Bogdahn, A May: Neuroplasticity: changes in grey matter induced by training. In: Nature, 427, 2004,, S. 311–312.
  6. Nature Uni Jena.
  7. F Bittmann, S Gutschow, S Luther, N Wessel, J Kurths: Über den funktionellen Zusammenhang zwischen posturaler Balanceregulierung und schulischen Leistungen. In: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin. 56.
  8. Scholz, Klein, Behrens. Johansen-Berg: Training induces changes in white-matter architecture. In: Nature Neuroscience.
  9. Dave Finnigan: Zen in der Kunst des Jonglierens. O. W. Barth bei Scherz, Bern 1993, ISBN 3-502-64201-X.