Jordan & Timaeus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schokoladenfabrik von Jordan und Timaeus in Dresden-Neustadt (1856/1858)
Kunstvolles Lesezeichen von Jordan & Timaeus (Anfang 20. Jahrhundert)

Jordan & Timaeus war ein sächsisches Schokoladeunternehmen mit Sitz in Dresden, zugleich eine der ersten Schokoladenfabriken in Dresden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gottfried Heinrich Christoph Jordan (1791–1860) und August Friedrich Timaeus (1794–1875) gründeten das Unternehmen im Jahr 1823. Die Fabrik befand sich zwischen der heutigen Timaeus- und Jordanstraße östlich der Königsbrücker Straße in Dresden-Antonstadt.

Dort wurden Lebensmittel wie Zichorienkaffee, Nudeln und Schokolade produziert. 1839 entwickelten sie die erste Milchschokolade. Die Fabrik, die anfangs ohne Dampfmaschine arbeiten musste, erweiterte sich von Jahr zu Jahr. Im Jahre 1830 konnten die beiden Unternehmer eine Dampfmaschine aufstellen und zur Schokoladenfabrikation übergehen, auf welchem Gebiet ihre Firma einen Weltruf gewann und wesentlich dazu beitrug, den Verbrauch ausländischer Schokolade in Deutschland zu Gunsten der einheimischen Produktion zurückzudrängen. Obwohl eine Feuersbrunst im Spätherbst des Jahres 1845 ihr Fabrikgebäude zerstörte, erlitt ihr Geschäft dadurch keine dauerhafte Störung. Vielmehr erweiterten sie es, indem sie nach dem Wiederaufbau der Fabrik im Winter von 1845 auf 1846 neben der Fabrikation von Trinkschokoladen und Kakaomassen in Tafeln, auch feinere Schokoladen für den Dessert und zum Naschen herzustellen begannen, womit sie gleichfalls großen Erfolg im In- und Ausland erzielten. Nach dem Tod der Gründer waren die Inhaber Ernst Jordan sowie Eduard, Albert und Gerhard Timaeus.

Niederlassungen gab es in Leipzig, sowie im Ausland in Děčín (Bodenbach), Wien, Prag und Budapest. Im Jahr 1874 betrug die gesamte Mitarbeiterzahl etwa 500.[1]

Die Inhaber von Jordan & Timaeus wurden zu k.u.k. Hoflieferanten und königlich-sächsischen Hoflieferanten ernannt.

Die Firma in Dresden wurde 1945 verstaatlicht. In der ehemaligen ČSSR produzierte sie unter dem Namen Diana weiter, wurde von dem Nahrungsmittelkonzern Nestlé nach 1990 aufgekauft und geschlossen. Mitarbeiter retteten Wissen und Maschinen und produzieren in einer kleinen Manufaktur Jordanka - bývalá čokoládovna (dt. ehemalige Schokoladenfabrik), Trzni 2, Děčín weiter.[2] Das dortige ehemalige Fabrikgebäude stand auf dem Grundstück von Trzni 16, Děčín. Die heute gefertigte Schokolade Jordan wird im Cafe am Husovo namesti 117 verkauft.[3][4]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Ende 2011 gilt es, nach einer Studie des Dresdner Wissenschaftler-Vereins WIMAD und der Technischen Universität Dresden, als erwiesen, dass die erste Milchschokolade aus Dresden kommt. Bislang galten die Schweizer als Erfinder der Milchschokolade (im Jahr 1875), allerdings hat die Dresdner Schokoladenfabrik Jordan & Timaeus bereits 30 Jahre zuvor eine eigene Milchschokolade aus Eselsmilch beworben.[5]

Um 1880 hatte das Unternehmen eine besonders ausgefallene Werbeidee, indem es 5 verschiedene Schokoladenriegel in eine rote Leinwandkassette verpackte, die einem Baedeker-Reiseführer täuschend echt nachempfunden war und als Baedeker’s Schlaraffenland verteilt wurde.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Illustrirte Zeitung. N. F. VIII. Band Nr. 508. S. 204. 205. Leipzig 1853.
  • Dresdner Anzeiger 2. April 1875. 4. Beilage.
  • Bettina Klemm. Einst Hochburg des Süßen. Sächsische Zeitung. 30./31. Dezember 2000. S. 10.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Jordan & Timaeus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christoph Sandler: Handbuch der Leistungsfähigkeit der gesammten Industrie Deutschlands, Oesterreichs, Elsass-Lothringens und der Schweiz, 2. Band, Verlag von Herm. Wölfert´s Buchhandlung (1874), 2. Serie, Königreich Sachsen, S. 3
  2. Koordinaten 50° 46′ 29,67″ N, 14° 11′ 56,58″ O
  3. Koordinaten 50° 46′ 27,72″ N, 14° 11′ 51,3″ O
  4. Tomas Gärtner: Kirchenzwilling in Nordböhmen. In: Dresdner Neueste Nachrichten. Dresdner Nachrichten GmbH & Co. KG, Dresden 6. Dezember 2019, S. 16.
  5. Wer hats erfunden? (Nicht mehr online verfügbar.) In: Mitteldeutschland.com. 9. Dezember 2011, archiviert vom Original am 13. November 2013; abgerufen am 16. Dezember 2011.
  6. Vergleiche die Abbildungen auf den Webseiten von Ketterer’s 391. Kunst-Auktion München (Digitalisat) und des Verbandes Deutscher Antiquare e.V. (Digitalisat).

Koordinaten: 51° 4′ 8,4″ N, 13° 45′ 5,1″ O