Josef Ganz

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Josef Ganz, 1946
Josef Ganz im Maikäfer Prototyp, 1931
Ganz Maikäfer von 1931
Ganz Maikäfer von 1931
Der erste „Volkswagen“ von Josef Ganz, 1933

Josef Ganz (* 1. Juli 1898 in Budapest, Österreich-Ungarn; † 26. Juli 1967 in St Kilda, Australien) war ein Ingenieur und Journalist ungarischer Herkunft.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon als zwölfjähriger Gymnasiast erfand Josef Ganz eine Schutzvorrichtung für elektrische Straßenbahnen, für die ihm ein Patent erteilt wurde.[1] Vor dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er für verschiedene Autohersteller wie Adler, Daimler-Benz, BMW sowie für den Motorradhersteller Ardie und war Chefredakteur[2] des Fachmagazins Motor-Kritik. Insgesamt entwickelte er rund 30 Kleinwagen, darunter 1931 einen Prototyp mit dem Namen „Maikäfer“. 1932 fand Ganz in der Ludwigsburger Standard-Fahrzeugfabrik einen Hersteller für seinen „Maikäfer“, der 1933 in einer überarbeiteten Version als Standard-Superior auf den Markt kam. Wie bereits das Vorgängermodell verfügte das Fahrzeug über Einzelradaufhängung, Pendelachsen und einen Mittelmotor. Die Firma Standard bewarb den Viersitzer als Volkswagen. Im Frühjahr 1933 präsentierte sie ihn auf der Internationalen Automobil- und Motorradausstellung in Berlin.[3] Umstritten und nicht eindeutig geklärt sind die frühen Beiträge von Josef Ganz zur Entwicklung des Ur-VWs.[4]

Kurze Zeit nach der Ausstellung wurde der jüdische Ingenieur von der Gestapo am 21. Mai 1933[5] verhaftet und sein Büro in Frankfurt am Main durchsucht. Laut Ganz sollen dabei zahlreiche Dokumente konfisziert worden sein. Nach seiner Freilassung wurde er als Chefredakteur der Motor-Kritik abgesetzt, durfte aber noch einige Artikel schreiben. Im März 1934 floh er nach Liechtenstein, später in die Schweiz. Dort arbeitete er später für die Firma Rapid in Dietikon.

Ab 1934 entwickelte Ganz darüber hinaus in Wien einen preiswerten, leichten Kleinwagen mit Mittelmotor. Das Fahrzeug hatte ein Leergewicht von 450 kg und sollte 3.500 S kosten.[6]

Nach dem Krieg bekam Ganz zunehmend Probleme mit den Schweizer Behörden. Der unbequeme Erfinder führte zahlreiche Prozesse, wurde als notorischer Querulant betrachtet und letztlich aus der Schweiz ausgewiesen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris wanderte er 1951 nach Australien aus. In den frühen 1960er-Jahren wurde er nach einer Reihe von Herzinfarkten fast bettlägerig, aber bis zu seiner Pensionierung arbeitete er noch für den zu General Motors gehörenden australischen Autohersteller Holden.

„Bis zum frisch-fröhlichen Ausbruch des Dritten Reiches galt Ganz' Motorkritik bei den Leuten vom Autobau als richtiggehende Delikatesse. Eine Art ‚Autofackel‘ war das, blendend geschrieben, erfüllt von einem Geist, der stets verneint. Dipl. Ing. Josef Ganz verstand alles besser und das meiste anders. […] Entschieden: Josef Ganz hat der deutschen Autoindustrie auf die Fortschrittsbeine geholfen. Schauen Sie sich, bitte, die Wagen von vorher und nachher an. Auch für sich selbst war Dipl. Ing. Josef Ganz ein guter Prophet. Ein[en] Monat vor seiner Verhaftung zitierte er in der Motorkrtik in schwarzumrandeter Fußnote, sozusagen als eigenen Partezettel, den Herrn Goering: ‚…In diesen Tagen kommen sie, die Denunzianten, da klagen sie den oder jenen an, aus Konkurrenzneid und ähnlichen Beweggründen heraus.[‘] Beide haben recht behalten: Goering und Ganz.“

Bericht in Der Morgen vom 6. Juni 1933[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Schilperoord: Die wahre Geschichte des VW-Käfers. Wie die Nazis Josef Ganz die VW-Patente stahlen. Originaltitel: Het ware verhaal van de Kever übersetzt von Paul von Oojen und Peter Wydler. Orell Füssli, Zürich 2011, ISBN 978-3-7193-1565-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Josef Ganz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Gottes: Illustri(e)rte Zeitschrift für das katholische Volk. Sammelband 1910, Porträts zur Tagesgeschichte, Seite 377 mit Lichtbild.
  2. a b Schutzhaft der Motorkritik. In: Der Morgen. Wiener Montagblatt, 6. Juni 1933, S. 15 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/dmo
  3. Internationale Automobil- und Motorradausstellung in Berlin. In: Österreichische Auto-Rundschau. Wiener Kraftfahrer-Zeitung / Österreichisches Auto. Motorad-Zeitung / Oesterreichisches Auto und Motorad-Zeitung / Der Motorfahrer / Automobil- und Motorrad-Zeitung. Der Motorfahrer, 17. Februar 1933, S. 6 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/mfr
  4. Paul Schilperoord: Der Fall Ganz: Wie der VW Käfer wirklich entstand. In: Technology Review. 26. Oktober 2005, abgerufen am 24. November 2019.
  5. Ein tüchtiger Bursche. In: Freie Stimmen. Deutsche Kärntner Landes-Zeitung / Freie Stimmen. Süddeutsch-alpenländisches Tagblatt. Deutsche Kärntner Landeszeitung, 28. Mai 1933, S. 12 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/fst
  6. Ein österreichisches Kleinauto um 3500 Schilling. In: Salzburger Chronik für Stadt und Land / Salzburger Chronik / Salzburger Chronik. Tagblatt mit der illustrierten Beilage „Die Woche im Bild“ / Die Woche im Bild. Illustrierte Unterhaltungs-Beilage der „Salzburger Chronik“ / Salzburger Chronik. Tagblatt mit der illustrierten Beilage „Oesterreichische/Österreichische Woche“ / Österreichische Woche / Salzburger Zeitung. Tagblatt mit der illustrierten Beilage „Österreichische Woche“ / Salzburger Zeitung, 10. Juli 1934, S. 4 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/sch