Josef Lang (Bildhauer)

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Josef Lang (* 1947 in Bad Tölz) ist ein deutscher Bildhauer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Schulausbildung und einer kaufmännischen Lehre von 1964 bis 1967 mit nachfolgender Tätigkeit entschied sich Lang 1977 sein bereits seit Kindestagen gefühltes Künstlersein auszuleben und begann eine Lehre als Steinmetz, um die handwerklichen Grundlagen zu erlernen. Nach Abschluss der Lehre studierte Lang von 1979 bis 1986 an der Akademie der Bildenden Künste in München Bildhauerei. Dort war er ein Meisterschüler von Erich Koch. Seither ist Lang als freischaffender Bildhauer tätig, ist Mitglied im BBK Allgäu/Schwaben-Süd und im Verein für zeitgenössische Kunst in Landsberg aktiv. Er ist verheiratet mit der Künstlerin Cornelia Rapp und lebt in München und Denklingen.[1][2]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dicke Sockelfigur, Bad Wörishofen
Sternenpflücker, am Schönbuchturm bei Herrenberg

Lang nutzt als Material für seine monumentalen Skulpturen Stein, Bronze und Holz, wobei seine neueren Skulpturen meist aus Holz bestehen, die er ohne Modell bevorzugt aus einem Eichenstamm fertigt. Er schätzt Holz als Material, da er damit relativ spontan arbeiten kann und vor allem bei Großplastiken schnell Ergebnisse erzielt. Lang stellt die Holzstämme mit einem Kran in seinem Denklinger Atelier senkrecht auf eine Drehscheibe und vermisst sie um Proportionen, Blickrichtung oder Beinstellung der späteren Figur zu planen. Danach arbeitet er mit einer Kettensäge teils von einem auf die benötigte Höhe gebrachten Gabelstapler aus, auf den eine Arbeitsplattform montiert ist.[1][3] Häufig erhalten seine Figuren einen monochromen Überzug, z. B. durch Lasur oder indem er Farbpigmente trocken ins Holz einbürstet, meist in den Grundfarben oder einem dunklen Grünton. „Es sind Figuren mit mehreren Ansichtsachsen, die den Betrachter von jeder Seite etwas Neues entdecken lassen.“[4] „Die Holzskulpturen entfalten formal durch Größe, die archaisch anmutende Oberfläche mit den Spuren der Kettensäge, der Abstraktion der Körpersprache und der auffallenden Farbgebung eine monumentale Wirkung.“[5]

Das „Ursprüngliche und Unverbrauchte sind charakterische Merkmale“ von Langs Schaffen. „Gespeist von einem archaischen Formenkanon, der aus zeitlich und räumlich weit voneinander entfernt liegenden Kulturen und Kunstlandschaften stammt, führen Josef Langs Figuren einen beständigen Dialog mit dem Künstler und dem Publikum.“[4] Als sein „Lebensthema“ bezeichnet er die „menschliche Figur als Ausdrucksträger von Menschlichkeit“; seine Formensprache als „reduzierten, gestischen Realismus“. Wichtig ist für Lang, dass seine Werke vom Betrachter als Ganzes und nicht in Fragmenten wahrgenommen werden. „Bei der Kunst von Josef Lang handelt es sich um Darstellung des ‚Allgemeingültigen im Konkreten‘, um ‚Abstraktion‘ im eigentlichen Sinn des Wortes, aber keineswegs um ‚Gegenstandslosigkeit‘.“ „Die introvertiert wirkenden Skulpturen von Josef Lang sind Metaphern der Menschlichkeit mit einem Schwerpunkt auf Eigenschaften, die im Alltag eher ausgegrenzt werden: Schutzbedürftigkeit und Verwundbarkeit, die Fähigkeit, jemand Fremden in die Arme zu nehmen, ihn auf die Schultern zu heben, zu tragen und zu ertragen.“[6]

Bei der Aufstellung seiner Werke im öffentlichen Raum ist Lang wichtig, dass aus dem Aufstellungsplatz ein Raum wird, der sich durch die Skulptur definiert.[7][8]

„Ich liebe es, wenn sich meine Skulpturen vor einer Ausstellung im Atelier versammeln. Es wird dann unglaublich lebendig. Alle scheinen sich etwas zu erzählen und sie bemerken mich nicht.“

Josef Lang

Langs erste Ausstellungsbeteiligung fand 1982 im Rahmen des Kunstsalons im Haus der Kunst in München statt. Die erste Einzelausstellung folgte 1987 in der Galerie in der Remise im Schloss Feldkirch (Vorarlberg in Österreich). Danach folgten regelmäßig Einzelausstellungen im süddeutschen Raum. 2008 fand Langs erste Einzelausstellung außerhalb dieses Raumes in Köln statt. Auch die Aufstellung von Langs Plastiken im öffentlichen Raum erfolgten anfänglich hauptsächlich in Süddeutschland. Während der Ausstellung GEHAG-Forum 2008 waren erstmals Plastiken (Blauer Mann und Grüner Lauscher) von Lang in Berlin zu sehen. Sie schmücken den Vorplatz des Ausstellungsgebäudes in Berlin-Wilmersdorf. 2014 wurde im Rahmen des Fünf Seen Filmfestivals der Film Josef Lang & Tony Cragg über Langs Werk gezeigt.[9]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1985 wurde Lang mit einem Stipendium der Accademia Carrara in Bergamo bedacht, erhielt 1998 den Kunstpreis der Sparkasse Nördlingen, 2007 den Preis des Kunstvereins beim 9. Kunstfrühling Bad Wörishofen und 2009 den Hubert-von-Herkomer Kunst- und Kulturpreis der Stadt Landsberg am Lech[10] 2011 wurde er mit dem Kunstpreis der Stadt Bad Wörishofen und 2015 mit dem Ehrenpreis des Kunstvereins Bad Wörishofen ausgezeichnet. 2018 erhielt er den 1. Schweizer Skulpturenpreis bei der 7. Schweizerischen Triennale.[11][12]

Arbeiten im öffentlichen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Josef Lang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Anita Brockmann: Die Sehnsucht nach der Figur: der Bildhauer Josef Lang. In: Josef Lang – Werkverzeichnis. Skulpturen und Objekte, 1960–2019. Christian Burchard, Josef Lang, EOS Verlag, Eresing 2019, S. 17–20
  2. Andrea Peter: Großer Preis für große Arbeiten – Josef Lang erhält großen Kulturpreis. In: Kreisbote vom 28. Oktober 2009. Abgerufen am 7. April 2020
  3. Josef Lang: Der schöpferische Akt des Künstlers (oder der Weg zum Kunstwerk). In: Josef Lang – Werkverzeichnis. Skulpturen und Objekte, 1960–2019. Christian Burchard, Josef Lang, EOS Verlag, Eresing 2019, S. 29–31
  4. a b Andreas Kühne: Vorwort: Sternpflücker und Herzträger. Gedanken zu den Skulpturen von Joesef Lang. In: Josef Lang – Werkverzeichnis. Skulpturen und Objekte, 1960–2019. Christian Burchard, Josef Lang, EOS Verlag, Eresing 2019, S. 7–8
  5. Christian Burchard: Einleitung. In: Josef Lang – Werkverzeichnis. Skulpturen und Objekte, 1960–2019. Christian Burchard, Josef Lang, EOS Verlag, Eresing 2019, S. 14
  6. Thomas Raff: „Menschsein“ – Einführung in die Ausstellung von Josef Lang. In: zur debatte. Themen der Katholischen Akademie in Bayern. 3/2015, S. 45 f.
  7. Figuren, die mit dem Betrachter sprechen – Josef Lang und der Kunsthistoriker Christian Burchard über figürliche Bildhauer-Kunst und das Zusammenspiel von Ausdruck, Material und Ort (PDF; 92 kB)
  8. Anita Brockmann: Die Sehnsucht nach der Figur. In: boesner Kunstportal, vom 5. März 2018. Abgerufen am 28. November 2018
  9. Fünf Seen Filmfestival: Josef Lang & Tony Cragg (Großbritannien, Deutschland, 2011, 85 Min., Regie: Christopher Felver). Abgerufen am 22. April 2017
  10. Augsburger Allgemeine: Josef Lang bekommt Kunstpreis vom 5. Oktober 2009. Abgerufen am 20. April 2017
  11. Galerie Schrade: Josef Lang - Skulpturen. Abgerufen am 24. August 2017
  12. Auszeichnungen und Stipendien. In: Josef Lang – Werkverzeichnis. Skulpturen und Objekte, 1960–2019. Christian Burchard, Josef Lang, EOS Verlag, Eresing 2019, S. 199
  13. Katholisches Stadtpfarramt Verklärung Christi: Unsere Kirche. Abgerufen am 20. April 2017
  14. Neues Kunstwerk auf der Sculptoura: Rote Riesen am Fuß des Schönbuchturms - Landkreis Böblingen - Stuttgarter Nachrichten. 31. Oktober 2018, abgerufen am 31. Oktober 2018.
  15. Brigitte Schmalenberg: Ausstellung in der Villa Streccius Landau: Typen, die zur Ruhe mahnen. In: Die Rheinpfalz vom 29. März 2019. Abgerufen am 8. August 2019
  16. Kunstverein Worms: Josef Lang: Starke Männer – Holde Frauen. Abgerufen am 7. April 2020
  17. Monika Rohlmann, Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern - Landeskirchenamt: Bilder Skulpturen Reform. Abgerufen am 1. Dezember 2018
  18. Südwest Presse: Kunst am Marktplatz in Munderkingen vom 5. August 2017. Abgerufen am 24. August 2017
  19. Schwäbische Zeitung: Menschliche Züge bestimmen das Werk von Josef Lang vom 7. August 2017. Abgerufen am 24. August 2017
  20. Literarischer Herbst: 14. Literarischer Herbst vom 18. September bis 29. Oktober 2016 Abgerufen am 22. April 2017
  21. Stadt Donauwörth: Skulpturen im Stadtraum. Abgerufen am 22. April 2017
  22. Stiftung Schweizerische Triennale der Skultpur: Künstler 2015 (Memento vom 22. August 2016 im Internet Archive). Abgerufen am 22. April 2017
  23. Europäisches Künstlerhaus Oberbayern - Schafhof: Ausstellungen (Memento vom 26. April 2014 im Internet Archive). Abgerufen am 22. April 2017
  24. Süddeutsche Zeitung: Holz mit Seele vom 20. September 2013. Abgerufen am 22. April 2017
  25. Kallmann-Museum in der Orangerie Ismaning: Flyer zur Ausstellung Mensch - Tier - Landschaft. Abgerufen am 22. April 2017
  26. KunstRaumHeilsbronn: Josef Lang. Abgerufen am 22. April 2017
  27. Allgäuer Zeitung online: Das zweite Leben der Bäume, vom 21. Oktober 2009. Abgerufen am 1. Dezember 2018
  28. BBK Allgäu/Schwaben-Süd e.V.: Josef Lang (Memento vom 23. April 2017 im Internet Archive). Abgerufen am 22. April 2017