Josef Schlegel

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Josef Schlegel (* 29. Dezember 1869 in Schönlinde, Böhmen; † 27. April 1955 in Linz) war ein österreichischer Politiker der christlichsozialen Partei. Er bekleidete öffentliche Ämter einerseits in Wien als Abgeordneter sowohl während der österreichisch-ungarischen Monarchie als auch während der Übergangsphase zur Ersten Republik und andererseits in Oberösterreich als Abgeordneter im Land ob der Enns und als Abgeordneter, Regierungsmitglied, Landeshauptmann und Landtagspräsident im Land Oberösterreich bis zu den Februarkämpfen 1934.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Josef Schlegel besuchte in Leitmeritz das Gymnasium, wo er 1888 maturierte und studierte anschließend in Wien Rechtswissenschaften (Promotion 1893). Schlegel wurde 1888 Mitglied der KAV Norica Wien[1] und war Mitglied der KÖHV Carolina Graz. Während seiner Studentenzeit war er an den Geschehnissen um die Austernschlacht beteiligt.[2][3]

Nach dem Studium bekleidete er zunächst Posten an verschiedenen Gerichten, darunter von 1902 bis 1909 am Bezirksgericht in Perg, und wurde schließlich Gerichtsvorsteher in Linz.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1901 bis 1918 war er christlich-sozialer Reichsratsabgeordneter in Wien und gehörte von 1918 bis 1919 ebenfalls als christlich-sozialer Abgeordneter der Provisorischen Nationalversammlung an.

Ab 1903 war er auch Abgeordneter zum oberösterreichischen Landtag. Nach dem Ersten Weltkrieg übte er die Funktion als Finanzreferent der Landesregierung aus und war Landeshauptmannstellvertreter von Oberösterreich.

Am 23. Februar 1927 wurde Schlegel zum Landeshauptmann von Oberösterreich gewählt und war damit entsprechend der bis dahin geübten Tradition auch Landtagspräsident.

In seine Amtszeit fällt der Aufstieg der Heimwehr unter Ernst Rüdiger Starhemberg. Die Konflikte mit der Heimwehr führten am 17. Februar 1934 zu seinem Rücktritt als Landeshauptmann und zum Rückzug aus der Politik, da Schlegel zum demokratischen Flügel der Christlichsozialen zählte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Schlegel am 23. Februar 1947 zum Präsidenten des Rechnungshofes bestellt, dem er bis 2. Juni 1953 vorstand.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Perg wurde nach dem Politiker Josef Schlegel die Dr. Schlegelstraße benannt, der wegen seiner siebenjährigen Tätigkeit am örtlichen Bezirksgericht eine Beziehung zu Perg hatte.

In Linz wurde nach ihm die Josef-Schlegel-Straße benannt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Ehrenmitglieder, Alten Herren und Studierenden des CV, des Cartell-Verbandes der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen. 1925, ZDB-ID 342845-x, S. 649.
  2. Stenographische Protokolle über die Sitzungen des Hauses der Abgeordneten des Österreichischen Reichsrates. Session 21, Bd. 6, 1913, ZDB-ID 209397-2, S. 7179, 7184.
  3. Alfred Schlegel: Josef Schlegel – ein österreichischer Patriot. In: Für Kirche und Heimat. Festschrift. Franz Loidl zum 80. Geburtstag. Herold, Wien u. a. 1985, ISBN 3-7008-0282-X, S. 328–358, hier S. 329.