Josef Schuster (Zentralratspräsident)

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Josef Fritz Schuster (geb. 20. März 1954 in Haifa[1]) ist ein deutscher Internist und seit November 2014 Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland (ZdJ).

Josef Schuster (2015)

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie Josef Schusters ist väterlicherseits seit spätestens Mitte des 16. Jahrhunderts in Unterfranken ansässig. Er ist Sohn des Kaufmanns und Verbandsfunktionärs David Schuster. David und sein Vater, der Kaufmann Julius Schuster führten das Centralhotel in Bad Brückenau. Dieses wurde 1933 von der örtlichen NSDAP beschlagnahmt. Im Jahr 1937 wurden Julius und David verhaftet und in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald inhaftiert. Nach ihrer Entlassung mit der Auflage, Deutschland zu verlassen emigrierten sie in das Völkerbundsmandat für Palästina, wo David als Angestellter einer Baufirma arbeitete. Josef Schusters Mutter Anita Susanna Grünpeter wurde am 14. November 1914 in Laurahütte geboren.[2] Ihre am 26. Juni 1884 als Hedwig Kosderlitz geborene Mutter[3] und ihr am 18. Oktober 1876 geborener Vater Fritz Grünpeter[4] lebten bis 1942 in Gleiwitz und wurden im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Anita Susanna Grünpeter und David Schuster heirateten 1953. Nach Josef Schusters Geburt siedelte die Familie 1956 nach Deutschland über.

Ärztlicher Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schuster legte das Abitur in Würzburg ab und absolvierte dort auch ein Studium der Medizin sowie eine Facharztausbildung am Juliusspital. Er betreibt seit 1988 eine eigene Praxis für innere Medizin. Er ist ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz als Notarzt und in der Wasserwacht tätig. Schuster ist zudem Mitglied der Bioethik-Kommission der Bayerischen Staatsregierung sowie der Zentralen Ethik-Kommission der Bundesärztekammer.

Funktionen in jüdischen Verbänden und politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Josef Schuster neben Charlotte Knobloch; ganz links Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly beim Festakt zum 50. Jubiläum der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen am 17. Mai 2015 im Historischen Rathaussaal in Nürnberg

1998 wurde Schuster zum Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Würzburg gewählt, ein Amt, welches bereits sein Vater von 1958 bis 1996 ausgeübt hatte. 2002 erfolgte die Wahl zum Präsidenten des bayerischen Landesverbandes der israelitischen Kultusgemeinden und 2010 zum Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland. Ende Oktober 2014 machte der ZdJ bekannt, dass Dieter Graumann als Präsident nach vierjähriger Amtszeit zurücktreten und Schuster sein Nachfolger werden wolle.[5] Graumann unterstützte die Kandidatur Schusters, der am 30. November zum Präsidenten gewählt wurde.[6]

Im Februar 2015 betonte Schuster nach den Anschlägen in Paris und Kopenhagen, er sehe derzeit „keinen Grund, warum Juden Deutschland verlassen sollten“. Jüdisches Leben in Deutschland sei weiterhin möglich. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich zuvor dankbar für jüdisches Leben in Deutschland gezeigt. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte in Europa lebende Juden zur Auswanderung aufgerufen.[7]

In der Debatte um die hohe Zahl an Flüchtlingen und Asylbewerbern sprach Schuster sich im November 2015 für Obergrenzen als Notwendigkeit aus: „Über kurz oder lang werden wir um Obergrenzen nicht herumkommen“; er begründete dies auch mit der zunehmenden Schwierigkeit der „Vermittlung unserer Werte“. An Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb er: „Viele der Flüchtlinge fliehen vor dem Terror des Islamischen Staates und wollen in Frieden und Freiheit leben, gleichzeitig aber entstammen sie Kulturen, in denen der Hass auf Juden und die Intoleranz ein fester Bestandteil sind. Denken Sie nicht nur an die Juden, denken Sie an die Gleichberechtigung von Frau und Mann oder den Umgang mit Homosexuellen“.[8]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Caroline Mayer: "Ich wünsche mir Normalität für die jüdischen Gemeinden in Deutschland", in: KVB-Forum, Nr. 11, 2012, S. 26–27, Online (Memento vom 9. Dezember 2014 im Internet Archive) (2 Seiten pdf)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Präsidenten. Zentralrat der Juden; abgerufen am 19. Februar 2015.
  2. Schuster, David, in: Reiner Strätz: Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Seite 527 S. 527, Digitalisat
  3. Gedenkblatt für Hedwig Grünpeter, geb. Kosderlitz, Yad Vashem, Digitalisat
  4. Gedenkblatt für Fritz Grünpeter, Yad Vashem, Digitalisat
  5. Wechsel an der Spitze: Graumann zieht sich aus Zentralrat der Juden zurück, Spiegel Online, 31. Oktober 2014
  6. Zentralrat der Juden erhält neuen Präsidenten, Zeit Online, 30. November 2014. Abgerufen am 30. November 2014.
  7. Antisemitische Taten in Europa. "Angst kein Grund für Auswanderung" (Memento vom 17. Februar 2015 im Internet Archive) Tagesschau.de, abgerufen am 17. Februar 2015
  8. welt.de, abgerufen am 25. Nov. 2015