Joseph Cornelius Rossaint

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Gedenktafel an der Marienkirche, Düsseldorf

Joseph Cornelius Rossaint (* 5. August 1902 in Herbesthal; † 16. April 1991 in Bad Neuenahr) war ein römisch-katholischer Priester und als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Hauptangeklagter im Berliner Katholikenprozess. Er war Mitbegründer und von 1962 bis zu seinem Tod Vorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1921 begann Joseph Rossaint ein Studium der Fächer Philosophie und katholische Theologie an der Universität Bonn. Dort wurde er 1926 auch promoviert. Am 26. Juni 1927 folgte im Kölner Dom die Priesterweihe. Danach war er fünf Jahre lang an der Pfarrei St. Marien in Oberhausen als Kaplan tätig. Im Juli 1932 wurde er von der Kirchenleitung an die Marienkirche in Düsseldorf versetzt.

Auch politisch engagierte sich Rossaint. Er wurde Mitglied der Zentrumspartei und war Mitglied im 1919 von Max Josef Metzger gegründeten Friedensbund Deutscher Katholiken. Er beratschlagte mit jungen Katholiken und Kommunisten, was man gegen den Nationalsozialismus tun könne. Er nahm untergetauchte Kommunisten kurzfristig bei sich auf und begann, Bündnisse gegen den Nationalsozialismus zu schmieden. Als einer der Anführer der katholischen Sturmschar entwarf und verteilte er Anti-Kriegs-Flugblätter und ähnliche. Er schrieb bereits vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten über die verheerenden Folgen derselben und warnte vor dem daraus resultierenden Krieg. Im April und Mai 1931 gründete er die Aktion „Die Katholische Jugend gegen Nationalsozialismus“. Im Februar 1932 organisierte er anlässlich der Genfer Weltabrüstungskonferenz eine Antikriegskundgebung. Am 23. März 1933 trat er wegen der Zustimmung der Zentrumsfraktion zum Ermächtigungsgesetz aus der Zentrumspartei aus.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten setzte Rossaint seine politischen Aktivitäten fort und arbeitete dabei auch mit Kommunisten zusammen. Am 29. Januar 1936 wurde Rossaint nach einer Predigt von der Gestapo in der Kirche verhaftet und als Hauptangeklagter im „Katholikenprozeß“ am 28. April 1937 vom Volksgerichtshof wegen „versuchter Bildung einer Einheitsfront zwischen Katholiken und Kommunisten“ zu elf Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Verteidigung dreier Mitangeklagter übernahm Oswald Freisler, der Bruder des später berüchtigten Richters Roland Freisler. Vom 26. Mai 1937 bis zum 19. April 1945 war Rossaint im Zuchthaus Remscheid-Lüttringhausen inhaftiert. Mit Hilfe der Anstaltsleitung und von Angehörigen des Wachpersonals entging er kurz vor seiner Entlassung der Erschießung durch die Gestapo.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs quittierte Rossaint den Kirchendienst, blieb aber Priester und wurde Vorsitzender des Bundes Christlicher Sozialisten. 1949 trat er der Sammlung zur Tat bei, einer nationalistischen und neutralistischen Kleinpartei. Rossaint hielt die bestehenden Parteien für nicht geeignet, die Aufgaben nach Kriegsende zu bewältigen, und hielt die Zusammenfassung „gegenrevolutionärer Kräfte“ in einer neuen politischen Gesamtbewegung für erforderlich. Für ihn war Deutschland „zum ohnmächtigen Spielball fremder Mächte“ geworden, „was zum Kriege oder zu einem Kompromiß auf Kosten Deutschlands führen“ müsse.[1]

1957 wurde Rossaint zum Vizepräsidenten der „Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer“ gewählt. Seit 1961 gehörte Rossaint dem Präsidium der von ihm mitbegründeten „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN, ab 1971 VVN-BdA) an, von 1971 bis 1990 war er deren Präsident.[2] Rossaint gehörte der Leitung des 1974 gegründeten „Komitees für Frieden, Abrüstung und Zusammenarbeit“ an.[3]

In Bonn gehörte er der Studentenverbindung Rhenofrankonia Bonn an.[4]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1990 wurde er Ehrenpräsident der VVN-BdA. Nach seinem Tode wurden ihm zu Ehren Straßen in seinem Geburtsort – dem heute zu Belgien gehörenden Herbesthal – und in Oberhausen benannt. Sein Grab befindet sich in Stolberg bei Aachen. Gedenktafeln gibt es in Oberhausen an der Kirche St. Marien und in Düsseldorf an St. Mariä Empfängnis. Das Erzbistum Köln gedenkt Rossaints jährlich an seinem Todestag, dem 16. April, zusammen mit allen seit 1967 an diesem Tag verstorbenen Diözesanpriestern.[5]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neues Deutschland. Verlag das Neue Wort, Stuttgart 1947.
  • zusammen mit anderen Herausgebern: Bodenreform. o. O. 1946.
  • Vom Zweiten ins „Dritte Reich“. Weimar – Faschismus – Widerstand. Frankfurt 1986.
  • Zur Aussenpolitik Deutschlands. Ruhr-Donau-Verlag, Dortmund 1954.
  • zusammen mit Michael Zimmermann: Widerstand gegen den Nazismus in Oberhausen. Frankfurt 1983.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Klaus Kreppel: Priester, Widerstandskämpfer und Sozialist. Zum Tode von Joseph C. Rossaint. Nachruf in: „Junge Kirche. Eine Zeitschrift europäischer Christen.“ 52. Jahrgang Nr. 7. Bremen 1991, S. 431–435.
  • Karl Heinz Jahnke, Alexander Rossaint: Dr. Joseph Cornelius Rossaint (1902–1991). Aus seinem Leben und Werk. Frankfurt am Main 1997.
  • Baldur Hermans (Hrsg): Die katholische Friedensbewegung vor 1945 und das NS-Opfer Kaplan Joseph Rossaint. Bistum Essen, Dezernat für Gesellschaftliche und Weltkirchliche Aufgaben, Essen 1999.
  • Geschichtswerkstatt Oberhausen, Katholisches Bildungswerk Oberhausen (Hrsg.): Dr. Joseph Cornelius Rossaint. Berichte und Materialien über ein couragiertes Leben. Oberhausen 2001.
  • Karl Heinz Jahnke, Alexander Rossaint: Hauptangeklagter im Berliner Katholikenprozess 1937. Kaplan Dr. Joseph Cornelius Rossaint. Frankfurt am Main 2002.
  • Daniel Gaschick: Seelsorge als Hochverrat? Kaplan Dr. Joseph Cornelius Rossaint und sein Widerstand im Dritten Reich. Diplomarbeit Universität Freiburg, 2004.
  • Karin Nußbaum: Rossaint, Joseph Cornelius. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 95 (Digitalisat).
  • Peter Bürger (Bearb.): Josef Rüther (1881–1972) aus Olsberg-Assinghausen. Linkskatholik, Heimatbund-Aktivist, Mundartautor und NS-Verfolgter. Eslohe 2013, S. 28–38. (online als PDF-Datei; 7,6 MB)

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein deutsches Schicksal: Kaplan Joseph Rossaint. Film von Wilfried Viebahn, gesendet im WDR Fernsehen 1987 zum 85. Geburtstag.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dr. R[ossaint]: Gegen die Restauration. In: Die Freie Meinung. Organ der Sammlung zur Tat. Erste Juli-Ausgabe 1949; zitiert in: Richard Stöss: Deutsch-Soziale Union. In: Ders. (Hrsg.): Parteien-Handbuch. Die Parteien der Bundesrepublik Deutschland 1945–1980. (Band 1: AUD bis EFP) Westdeutscher Verlag, Opladen 1983, ISBN 3-531-11570-7, S. 1243–1278, hier S. 1260.
  2. Karin Nußbaum: Rossaint, Joseph Cornelius. In: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 95.
  3. Rotfront unter Friedenstarnung? In: Der Spiegel. Nr. 16, 1977, S. 28 (online 11. April 1977).
  4. Rhenofrankonia: Dr. J. C. Rossaint – Der Bundesbruder Dr. Rossaint ist ein besonderes Beispiel für den Widerstand im katholischen Raum während der Naziherrschaft
  5. Directorium für das Erzbistum Köln 2011 (PDF-Datei; 251 kB) S. 30, 16. April.