Joseph Edward Murray

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Joseph Edward Murray (* 1. April 1919 in Milford, Massachusetts; † 26. November 2012 in Boston, Massachusetts[1]) war ein US-amerikanischer Chirurg und Pionier der Nierentransplantation. 1990 erhielt er zusammen mit E. Donnall Thomas den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin „für ihre Einführung der Methode der Übertragung von Gewebe und Organen als klinische Behandlungspraxis in die Humanmedizin“.

Leben[Bearbeiten]

Murray studierte am Holy Cross College (Bachelor 1940) und der Harvard Medical School (Abschluss 1943). Er spezialisierte sich auf plastische Chirurgie und war – nach Wehrdienst im Zweiten Weltkrieg, wo er viele Verbrennungen behandelte – am Peter Bent Brigham Hospital (später Brigham and Women’s Hospital) in Boston, wo er von 1964 bis 1986 die plastische Chirurgie leitete. Von 1955 bis 1966 leitete er das Labor für chirurgische Forschung an der Harvard University und dem Peter Bent Brigham Hospital. Außerdem war er von 1972 bis 1985 Leiter der plastischen Chirurgie am Children’s Hospital Medical Center in Boston. Von 1970 bis 1986 war er Professor für Chirurgie an der Harvard Medical School.

An Nierentransplantationen wurde am Peter Bent Brigham Hospital schon länger geforscht, man hatte aber immer wieder Rückschläge erlitten. Der Leiter der Chirurgie Francis Daniels Moore, der Murray als plastischen Chirurgen eingestellt hatte, übertrug ihm die weitere Entwicklung. Am 23. Dezember 1954 gelang ihm die erste erfolgreiche Nierentransplantation zwischen eineiigen Zwillingen. Der Patient Richard Herrick, damals 23 Jahre alt, hatte Glomerulonephritis im Endstadium. Er erholte sich nach der Operation, erkrankte aber einige Jahre darauf wieder an Glomerulonephritis und starb 1963 an einer Lungenentzündung. 1956 transplantierte Murray der damals 21-jährigen Edith Helm eine Niere ihrer Zwillingsschwester. Die Empfängerin erholte sich gut nach der Operation, brachte ein Jahr später ein Kind zur Welt und starb erst 2011 mit 76 Jahren.

1962 gelang Murray die Transplantation durch Immunsuppression auch bei genetisch nicht identen Personen. Dazu musste die Immunabwehr des Patienten gegen das Spenderorgan unterdrückt werden, was Murray zunächst mit massiver Röntgenbestrahlung versuchte (womit ihm 1959 die erfolgreiche Nierentransplantation zwischen zwei genetisch nicht identischen Brüdern gelang, wobei der Empfänger 29 Jahre überlebte) und danach mit Azathioprin, dessen Einsatz er in Zusammenarbeit mit dem in Boston zu Gast weilenden Roy Calne erprobte.

1964–65 war er Präsident der American Association of Plastic Surgeons. Er war Mitglied des Institute of Medicine der National Academy of Sciences. 1983 war er Vizepräsident der American Cancer Society und 1983–84 Vizepräsident des American College of Surgeons. Er war Fellow des Royal College of Surgeons of England und der American Academy of Arts and Sciences.

1962 erhielt er den Francis Amory Preis der American Association for the Advancement of Science, 1963 die Goldmedaille der International Association of Surgeons und 1990 den Lifetime Achievement Award der National Kidney Foundation. 1991 erhielt er die Medaille der American Surgical Association.

Von 1963 bis 1971 war er Mitherausgeber des Journal of Transplantation.

Murray war seit 1945 mit seiner Frau Bobby verheiratet und hatte mit ihr sechs Kinder. Am 26. November 2012 erlag er im Alter von 93 Jahren den Folgen eines Schlaganfalls im Bostoner Brigham and Women's Hospital.[2][3]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Transplant doc, Nobel winner Murray dies in Boston. Abgerufen am 27. November 2012 (englisch).
  2. Transplantations-Pionier Joseph Murray ist tot. Spiegel Online, 27. November 2012, abgerufen am 27. November 2012.
  3. Nobelpreis für Pioniermut in FAZ vom 28. November 2012, Seite 28