Joseph Faber

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Joseph Faber (* um 1786 in Freiburg; † 2. September 1866[1] in Wien[2]) war ein österreichischer Mathematiker, Astronom und Erfinder. Seine 1840 vorgestellte, lebensgroße Sprachmaschine Euphonia gehörte zu den Skurrilitäten der Technikgeschichte des 19. Jahrhunderts und war ein Vorläufer von Edisons Phonographen. Das Gerät bestand aus einer Eingabetastatur von 16 Tasten, welche einen künstlichen, mit Blasebalg angetriebenen pharyngalen Trakt samt Kehlkopf und Zunge steuerten und damit Sätze oder sogar Gesang generierten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joseph Faber wurde um 1786 in Freiburg geboren,[3] kam aber bereits als Kind nach Wien. Nach der Matura studierte er am Polytechnikum in Wien Mathematik und Astronomie. Er kam als Soldat zur österreichischen Artillerie und arbeitet anschließend im Katasterbüro als Buchhalter. Dort stellte sich eine psychische Erkrankung heraus, die als Hypochondrie gedeutet wurde. Sein Arzt verschrieb ihm „mechanische Tätigkeiten“; sein Arbeitgeber beim Katasteramt, General von Fallon, bezahlte ihm einen Urlaub von einem Jahr.

Vermutlich um 1823 stieß Faber auf eine Publikation des Hofraths Wolfgang von Kempelen, in der jener seinen Schachtürken beschrieb. Daraus entstand die Idee, eine ähnlich dimensionierte Maschine zu konstruieren, die sprechen konnte. Sein Arbeitgeber hielt Fabers Idee und nunmehr ihn selbst für verrückt und strich das Gehalt, worauf dieser sich nach Freiburg zu seiner in wohlhabenden Verhältnissen lebenden Schwester zurückzog. An der Freiburger Universität erhielt er Zugang zum pathologischen Institut der Medizin und sezierte dort über 100 Schädel von Leichen, um sich ein Bild vom Stimmtrakt des Menschen zu machen. Nach 12 Jahren stand der erste Prototyp der Euphonia. Die Maschine konnte alle Konsonanten und Vokale der deutschen Sprache von sich geben, jedoch noch nicht das i. Nach weiteren drei Jahren gelang auch das, und Faber kehrte erstmals nach 15 Jahren nach Wien zurück, um den Automaten vorzustellen.[4] Er stieß damit auf kein Interesse. In seiner alten Heimat hielt man ihn nun für noch verrückter als zuvor.

Fabers Auftritte mit der Euphonia in Philadelphia 1845[5] und London 1846 brachten ihm einige mediale Aufmerksamkeit, unter anderem weil die Maschine God save the Queen singen konnte, jedoch keinen kommerziellen Erfolg.[6] Auch der US-Markt brachte ihm keinen Erfolg. Joseph Faber nahm sich vermutlich 1866 das Leben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mehrere Quellen sprechen vom Suizid 1850, allerdings ohne Ort und Tag zu nennen.
  2. Andrea Harrandt: Euphonia. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 1, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2002, ISBN 3-7001-3043-0.
  3. Die Londoner Times beschreibt ihn in ihrem Artikel The Speaking Automaton vom 12. August 1846 als einen „Professor im reifen Alter von 60 Jahren“.
  4. Friedrich Kaiser: Verstorbene und Lebende. In: Neues Fremden-Blatt, isidor Heller und Wilhelm Wiener, 27. Juli 1867
  5. Die Premiere in den USA ist einigen Quellen nach 1845 in der Musical Fund Hall in Philadelphia geschehen. Kritiker merkten an, dass die Maschine amerikanisches Englisch mit einem leicht deutschen Akzent sprach.
  6. Hermann Adolf Griesbach: Physikalisch-chemische Propaedeutik unter besonderer Berücksichtigung der medicinischen Wissenschaften: und mit historischen und biographischen Angaben, Band 2, S. 1287 f. Verlag W. Engelmann, 1915