Joseph Joos

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Joseph Joos, Reichstagsabgeordneter, Zentrum

Joseph Joos, auch Josef, (* 13. November 1878 in Winzenheim, Kreis Colmar; † 11. März 1965 in St. Gallen, Schweiz) war ein deutscher Journalist und Politiker (Zentrum).

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Besuch der Volksschule in Mülhausen und einer Modelltischlerlehre ging Josef Joos 1901 als Redakteur zur Ober-Elsässischen Landeszeitung. Der überzeugte Katholik bildete sich 1903 durch einen Kursus beim Volksverein für das katholische Deutschland in Mönchengladbach weiter und wurde Schriftleiter bei der Westdeutschen Arbeiterzeitung, dem auflagenstarken Organ der katholischen Arbeitervereine (später KAB). 1905 wurde Joos Redaktionsleiter. Im Ersten Weltkrieg sprach er sich für eine Demokratisierung aus. Seit 1919 war der Elsässer verstärkt politisch tätig. Als Reichstagsabgeordneter war er für seine pointierten Reden bekannt. So setzte er sich in der 18. Sitzung der 5. Wahlperiode mit seinem evangelischen Kollegen Bruno Doehring auseinander:

„Das ist mir gar nicht sympathisch. Ich will Ihnen auch sagen, warum. Denn der Herr Kollege Doehring leidet an einer unheilbaren Sache, nämlich an dem, was wir den ‚antirömischen Affekt‘ nennen. [Große Heiterkeit] Für ihn, den Herrn Kollegen Doehring, ist der Katholik schon darum ein schlechter Deutscher, weil er Katholik ist. [Widerspruch und Rufe: Unerhört! von den Deutschnationalen] Herr Kollege Doehring, in diesem Punkte wahren Sie eine Geschichtstreue, [Zustimmung im Zentrum; Zuruf von den Deutschnationalen: Sie müssen Zentrum und Katholik auseinanderhalten!] allerdings eine Treue an die dunkelsten Jahre der nationalen Entwicklung.“[1]

Die katholischen Arbeitervereine, die sich schon früh gegen den Nationalsozialismus engagierten, wurden während der NS-Diktatur zunehmend bedrängt, schließlich verboten. Joos fand eine Arbeit bis 1940 in Köln in der Männerseelsorge, wurde aber 1940 nach Denunziation wegen seiner Kontakte zum Widerstand verhaftet, nachdem man ihm als gebürtigem Elsässer schon 1938 die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen hatte.

Vom Kölner Gefängnis kam Joos im August 1940 ins Internierungslager Weißenburg in Bayern, im Juli 1941 ins Gestapo-Gefängnis Nürnberg, anschließend in das Konzentrationslager Dachau. Im April 1945 wurde er mit ca. 140 prominenten Insassen nach Niederdorf (Südtirol) transportiert und dort im Mai 1945 befreit.[2] Aufgrund seines Geburtsorts als „Franzose“ nach Frankreich entlassen, kehrte Joos 1949 nach Deutschland zurück, erhielt aber die deutsche Staatsbürgerschaft nicht zurück. Bis 1960 lebte er in Fulda, wo er für die katholische Männerseelsorge arbeitete und Berater der KAB war. 1960 übersiedelte er krankheitsbedingt in die Schweiz.

Joos war Ehrenmitglied der katholischen Studentenverbindungen Semnonia Berlin und Ravensberg Münster im Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine.[3]

1954 wurde er von Kardinal-Großmeister Nicola Kardinal Canali zum Ritter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt und am 8. Dezember 1954 im Kölner Dom durch Lorenz Jaeger, Großprior der deutschen Statthalterei, investiert.

Öffentliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joseph Joos kam als Vertreter des katholischen Arbeiterflügels im Januar 1919 für das Zentrum in die Weimarer Nationalversammlung, wobei er bereits seit 1911 im Provinzialvorstand der rheinischen Zentrumspartei tätig war. Er gehörte dem Reichstag bis zum November 1933 an. Er gehörte zu den bekanntesten Zentrumspolitikern der Weimarer Zeit, was sich auch in zahlreichen Ämtern niederschlug.

Joos wandte sich 1933 gegen die Zustimmung des Zentrums zum Ermächtigungsgesetz, beugte sich aber der Fraktionsmehrheit und stimmte daher im Reichstag zu.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sitzungsprotokoll des Deutschen Reichstags vom 6. Februar 1931
  2. Peter Koblank: Die Befreiung der Sonder- und Sippenhäftlinge in Südtirol, Online-Edition Mythos Elser 2006
  3. Akademische Monatsblätter 2013, S. 141

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim Giers: Joos, Josef. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 10, Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. 595 f. (Digitalisat).
  • Bernd Haunfelder: Reichstagsabgeordnete der Deutschen Zentrumspartei 1871–1933. Biographisches Handbuch und historische Photographien. Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 4. Droste, Düsseldorf 1999, S. 1325 f.
  • Oswald Wachtling: Joseph Joos. Journalist, Arbeiterführer, Zentrumspolitiker. Politische Biographie 1878-1933. Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte, Reihe B: Forschungen, Band 16. Mainz 1974

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Joseph Joos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien