Joseph König (Chemiker)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Franz Joseph König (* 15. November 1843 in Haltern-Lavesum; † 12. April 1930 in Münster) war ein deutscher Chemiker und unter anderem der Begründer der deutschen Lebensmittelchemie. Er entwickelte zahlreiche Analyseverfahren und schuf die Basis für die moderne Qualitätsüberwachung von Lebensmitteln.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

König stammte aus einer alteingesessenen Bauernfamilie und ging in Recklinghausen und Münster auf das Gymnasium (Abitur 1864). Er studierte in München Medizin und danach Naturwissenschaften mit Schwerpunkt Chemie, was er ab 1865 an der Georg-August-Universität Göttingen fortsetzte. Zu seinen Lehrern gehörten Justus von Liebig, Max von Pettenkofer, Friedrich Konrad Beilstein, Rudolph Fittig und Friedrich Wöhler. Er war Mitglied der Corps Verdensia (1866) und Hercynia (1922).[1][2] Er wurde 1867 in Göttingen bei Fittig zum Dr. phil. promoviert mit der Dissertation Über das Aethyl- und Diaethylbenzol. Er wandte sich den Anwendungen der Chemie in der Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie zu und wurde 1868 Assistent von Theodor Dietrich in der landwirtschaftlichen Versuchsstation für Kurhessen in Morschen, die damals mit der von Versuchsstation in Leipzig-Möckern die Erste ihrer Art war.

1870 wurde vom Landwirtschaftlichen Provinzialverein für Westfalen und Lippe mit der Gründung der Landwirtschaftlichen Versuchsstation in Münster beauftragt, die 1871 erfolgte, und war bis 1911 deren Leiter. Die Versuchsanstalt wurde 1899 von der neu eingerichteten Landwirtschaftskammer Westfalen übernommen und hatte unter anderem Abteilungen für Pflanzenschutz, Fischzucht, Düngelehre und Lebensmittelkontrollen. 1892 wurde er Honorarprofessor für analytische Chemie, Lebensmittelchemie und Hygiene an der Königlichen Akademie zu Münster, durfte ab 1895 Lebensmittelchemiker ausbilden und wurde 1899 ordentlicher Professor für Hygiene und Nahrungsmittelchemie an der heutigen Westfälischen Wilhelms-Universität.

Er wirkte wesentlich an der Etablierung der Lebensmittelchemie in Deutschland mit und war wesentlich am ersten deutschen Lebensmittelgesetz von 1879 beteiligt. Die von ihm herausgegebenen Handbücher waren lange Standardwerke.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Postume Namensstiftungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chemie der menschlichen Nahrungs- und Genußmittel 1878 (siehe Lebensmittelchemie).
  • Chemische Zusammensetzung der menschlichen Nahrungs- und Genussmittel (= Chemie der menschlichen Nahrungs- und Genussmittel. Bd. 1). Springer, Berlin 1879. 4. verbesserte Auflage bearbeitet von A. Bömer. Springer, Berlin 1903 (Digitalisat).
  • Die menschlichen Nahrungs- und Genussmittel, ihre Herstellung, Zusammensetzung und Beschaffenheit, nebst einem Abriss über die Ernährunglehre (= Chemie der menschlichen Nahrungs- und Genussmittel. Bd. 2). Springer, Berlin 1880. 4. verbesserte Auflage. Springer, Berlin 1904 (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Walter: König, Joseph. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 12, Duncker & Humblot, Berlin 1980, ISBN 3-428-00193-1, S. 343 f. (Digitalisat).
  • Johann Großfeld: Joseph König (Münster i. W.) : Sein Leben u. s. Arbeit ; Zur Erinnerg an s. 85. Geburtstag am 15. Nov. 1928, in Gemeinschaft mit d. Söhnen Friedrich König ; Maximilian König bearbeitet, Berlin : P. Parey 1928, (Reihe Die landwirtschaftliche Versuchs-Stationen ; Bd. 108, Erg. Bd.)
  • Jutta Grüne: Anfänge staatlicher Lebensmittelüberwachung in Deutschland : der "Vater der Lebensmittelchemie" Joseph König (1843 - 1930) Mit einem Geleitwort von Hans Jürgen Teuteberg, Stuttgart : Steiner 1994, ISBN 978-3-515-06580-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kösener Korps-Listen 1910, 88, 26.
  2. Kösener Corpslisten 1996, 72, 205.