Joseph P. Kennedy

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Joseph P. Kennedy

Joseph Patrick Kennedy (* 6. September 1888 in Boston, Massachusetts; † 18. November 1969 in Hyannis Port, Massachusetts) war ein US-amerikanischer Geschäftsmann und Diplomat. Er gilt als Begründer der Kennedy-Familie.

Leben[Bearbeiten]

Kennedy wurde als Sohn des irischen Einwanderersohns Patrick Joseph Kennedy und der Einwanderertochter Mary Augusta Hickey in den Vereinigten Staaten geboren. Am 7. Oktober 1914 heiratete er Rose Elizabeth Fitzgerald (1890–1995), die Tochter des Bostoner Bürgermeisters John F. Fitzgerald, mit der er später insgesamt neun Kinder hatte:

Bekanntheit erlangten davon vor allem der spätere Präsident John F. Kennedy, der einem Attentat zum Opfer fiel, der ebenfalls ermordete Politiker Robert F. Kennedy sowie der langjährige Senator von Massachusetts, Edward Kennedy. Rosemary Kennedy musste sich im Alter von 23 Jahren auf Kennedys Anweisung einer Lobotomie unterziehen, nach der sie zum Pflegefall wurde. Darüber hinaus hatte Kennedy noch einen unehelichen Sohn (Joseph) aus der Liaison mit der Schauspielerin Gloria Swanson, die nach seinem Umzug nach Hollywood im Jahr 1925 seine Geschäftspartnerin und Geliebte war.[1]

Schulischer Werdegang[Bearbeiten]

Ein Bild aus Kennedys Jahrbuch an der Boston Latin School

Nach der Boston Latin School besuchte Kennedy ab 1908 die Harvard University, die er 1912 mit einem Abschluss B.A. verließ. In der Folge entschied er sich für eine Laufbahn im Bankwesen, obwohl er während des Studiums keinen besonderen Schwerpunkt auf die Wirtschaftswissenschaften gelegt hatte.[2] Joseph Kennedy strebte von nun an nach zwei Zielen, denen er alles unterordnete: Schnell reich zu werden und hohe gesellschaftliche Macht und Anerkennung; letzteres umso mehr, nachdem ihm die Mitgliedschaft in allen wichtigen Clubs aufgrund seiner Religion und Ethnie verwehrt blieb. [3] [4]

Wirtschaftliche Aktivitäten[Bearbeiten]

Joe Kennedy übernahm einen Posten in der Columbia Trust seines Vaters und wurde zunächst staatlicher Bankprüfer, eine Funktion, in der er anderthalb Jahre durch Massachusetts reiste und das Berufsbild des Bankgeschäfts näher kennenlernte. In dieser Position erzielte Kennedy ein Jahresgehalt in Höhe von US$ 1.500.[5] Durch diese Tätigkeit verschaffte er sich wertvolle Insiderinformationen über andere Banken und deren Kreditnehmer, wie Ralph Lowell, sein ehemaliger Harvard Kommilitone, bestätigte. [6] Unmittelbar nach seiner Hochzeit wurde er von seinem Schwiegervater zum Direktor der Collateral Loan Company (CLC) ernannt.[7] Kurz darauf, im November 1914, geriet die CLC ins Visier staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen, als festgestellt wurde, dass von einem oder mehreren Angestellten – möglicherweise mit Hilfe von Außenstehenden – US$ 28.000 unterschlagen worden waren.[8] Als eine Bostoner Bank – die First Ward National Bank[7] – die Übernahme von Columbia Trust androhte, gelang es Kennedy mit geschicktem Verhandeln, genug Geld aufzubringen, um das Angebot der gegnerischen Bank zu überbieten. Den überwiegenden Teil der hierfür erforderlichen Summe (US$ 45.000) lieh er sich von seinem Freund aus Harvard-Zeiten, Eugene V. Thayer, seinerseits Präsident der Merchants National Bank.[7] Wie Kerry McCarthy, eine Großnichte Kennedys, recherchierte, lieh er sich zusätzlich weiteres Geld innerhalb seiner Familie und der seiner Frau, zu dessen Rückzahlung er sich nie wieder veranlasst sah. [9] Joseph Kennedy wurde so mit 25 Jahren zum jüngsten Bankdirektor der USA, als neuer Direktor der Columbia Trust.[10] Zu dieser Zeit warf die Columbia Trust US$ 37.000 Gewinn im Jahr ab, bei einem Stammkapital von US$ 200.000.[11] Aufgrund der noch immer anhaltenden Ermittlungen im Rahmen des Finanzskandals bei der CLC sah sich Kennedy veranlasst, sich für eine Weile vollständig aus dem Bankgeschäft zurückzuziehen.[7]

Joseph Kennedy (etwa 1914)

Schon während seiner Tätigkeit als Banker hatte er sich mit einem kleinen Investment in der Old Colony Real Associates Inc. engagiert, deren Geschäftszweck in der (oberflächlichen) Renovierung alter Häuser und deren Weiterverkauf bestand.[7] Für die Übernahme der Firma hatte Kennedy $ 1.000.- investiert und nutzte sein als Bankprüfer erworbenes Insiderwissen. Unter seiner Leitung spezialisierte sie sich auf die Übernahme von Immobilien aus notleidenden Hypothekendarlehen, wodurch er innerhalb kurzer Zeit sein Vermögen auf $ 75.000.- erhöhte. [12] Am 29. Mai 1917 wurde Kennedy in den Vorstand der Massachusetts Electric Company berufen, als damals eines der jüngsten Vorstandsmitglieder in einem amerikanischen Großunternehmen. Im gleichen Jahr erlangte er aufgrund einer Empfehlung von Guy Currier, dem Anwalt von Bethlehem Steel, den Posten des stellvertretenden Hauptmanagers der Werft von Bethlehem Steel am Fore River in Quincy. Sein Jahresgehalt belief sich, inklusive Boni, auf US$ 20.000. Da für die ca. 55.000 Mitarbeiter der Werft keine Verpflegungsmöglichkeit existierte, eröffnete Kennedy außerdem noch den Victory Lunchroom, den 22.000 Mitarbeiter täglich besuchten.[11] Hier traf Kennedy erstmals mit Franklin D. Roosevelt zusammen, der damals als Sekretär für die Navy tätig war. [13] Dass ausgerechnet Joe Kennedy diesen Posten erhalten hat, erscheint äußerst befremdlich in Anbetracht der Tatsache, dass er niemals Kenntnisse in der Produktionswirtschaft, geschweige denn im Schiffsbau, erworben hat. Sein Hauptmotiv für die Übernahme dieser Position, fünf Wochen nach Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg, bestand deshalb wohl darin, dass ihm hierdurch der Dienst an der Front erspart blieb, weil er in einem für die Führung des Krieges unentbehrlichen Unternehmen tätig war.[14] [15] [16]

Außerdem erwarb er eine Vertriebslizenz von Universal Pictures,[5] indem er im Jahr 1919 die Maine & New Hampshire Theaters Co. übernahm, die über 31 Filmtheater in New England sowie Rechte an einigen englischen Filmproduktionen besaß.[11] In dieser Zeit zeigte sich erstmals, wie eng verwoben Kennedys wirtschaftliche und politische Interessen waren: Sein Schwiegervater, John F. Fitzgerald, gewann am 5. November 1918 die Wahl zum Repräsentanten von Boston gegen den ebenfalls demokratischen Kandidaten Peter F. Tague. Fitzgerald hatte nur deshalb gegen Tague kandidiert, weil dieser nicht bereit war, sich gemeinsam mit Fore River Shipyard an einem lukrativen Grundstücksgeschäft zu beteiligen. Joe Kennedy, der zu den Wahlkampforganisatoren gehörte, engagierte italienische Immigranten und Profiboxer, um Tagues Wähler umzustimmen. Am 24. Oktober 1919 wurde Fitzgerald nach achtmonatiger Untersuchung wegen Wahlbetrugs aus dem Repräsentantenhaus ausgeschlossen.[5][17] 1919 verließ Kennedy nach erfolgreicher Arbeit die Firma und arbeitete fortan für die Bostoner Brokerfirma Hayden, Stone and Company.

Im Aktienhandel setzte er sein Jahresgehalt von 10.000 Dollar gewinnbringend ein und wurde zum Millionär. Es ist unwahrscheinlich, dass Kennedys Gehalt allein ausreichte, um derart erfolgreich an der Börse zu spekulieren, dass er seine inzwischen fünfköpfige Familie ernähren, seiner Wettleidenschaft nachgehen und nebenbei noch zum Millionär avancieren konnte. Vielmehr ist durch zahlreiche Quellen dokumentiert, dass Kennedy schon sehr früh zu Beginn der Prohibition (16. Januar 1920) in den Alkoholschmuggel einstieg.[5][18][19][17] Den wohl deutlichsten Hinweis auf Kennedys Aktivitäten im Alkoholschmuggel liefert die kanadische Royal Commission on Customs and Excise, die dokumentiert, dass sich Kennedy mit seiner Firma namens Silk Hat Cocktail Co. in Vancouver (B.C.), in der Homer Street 1206 (downtown) mit der ebenfalls dort registrierten Produktionsfirma für Alkohol von Henry Reifel die Büroräume teilte. Der einzige Geschäftszweck der Firma Reifel bestand in der Herstellung alkoholischer Getränke und deren Export in die Vereinigten Staaten. In einem 1928 erstellten Bericht dokumentiert die Royal Commission umfangreiche und dauerhafte Unregelmäßigkeiten dieser Firmen in Zusammenhang mit diesen Exportgeschäften.[20] Für den Import von 200.000 Kisten kanadischen Whiskeys und Gins nutzte Kennedy Erlaubnispapiere, die ihm den Import von medizinischem Alkohol gestatteten.[5][21] Zusätzlich brannte Kennedy noch illegal Spirituosen. Den hierfür erforderlichen Zucker bezog er von Diamond Joe Esposito, dem Chef des Chicago Outfit und seinerzeit wohl mächtigsten Gangsterboss der Vereinigten Staaten. Esposito kontrollierte die Distribution des aus Kuba importierten Zuckers im Nordosten der USA.[22]

Joseph Kennedy mit seiner Familie, 1931
Joseph Kennedy mit seiner Familie, 1931

Die Mafia hatte ihren Alkoholschmuggel gleich zu Beginn der Prohibition präsidial abgesichert: Nachdem Präsident Warren G. Harding (1921–1923), selbst Alkoholiker, aufgrund seiner unzähligen außerehelichen Affären erpresst wurde,[5] sicherte sein Nachfolger Calvin Coolidge (1923–1929) Esposito und allen von ihm mit Zucker belieferten Abnehmern – darunter Joe Kennedy, Lewis Rosenstiel und Joe Reinfeld – Protektion zu, als Gegenleistung für deren politische Unterstützung.[22] Im Rahmen derselben Unterredung, die im Frühherbst 1924 stattfand, rang Esposito dem Präsidenten außerdem das Versprechen ab, nichts gegen eine auf das gesamte Land ausgedehnte Übernahme sämtlicher gewerkschaftlicher Aktivitäten durch das Chicago Outfit zu unternehmen.[23] Hierdurch wurde der Grundstein für die massive Einflussnahme der Mafia auf die US-amerikanische Wirtschafts-, Innen- und auch Außenpolitik der folgenden Jahrzehnte gelegt. Espositos Zuckerlieferungen an Kennedy erfolgten meist über einen gewissen Sam Giancana, der damals noch für Esposito als Fahrer und sog. Enforcer arbeitete[24] und später einmal zum Acting Boss der Chicagoer Mafia avancieren sollte. Nachdem Kennedy einmal eine Ladung Alkohols durch das Gebiet der in Detroit operierenden, jüdischen Purple Gang transportieren ließ, forderte diese seinen Kopf und hatte bereits einen Killer auf ihn angesetzt.[25] Die Purple Gang, berüchtigt für ihre enorme Brutalität, war einer der logistischen Arme des Imperiums der in Kanada ansässigen Familie Bronfman, die durch sie und die Organisation von Moe Dalitz ihre Spirituosen über Detroit und Cleveland in die Vereinigten Staaten schmuggelte [26] und Gangster wie Meyer Lansky, Irving Wexler, Lucky Luciano, Abner Zwillman und Joe Reinfield belieferte. Kennedy stand mit seinen geschäftlichen Aktivitäten dauerhaft in Konkurrenz zu denen des damals schon ungeheuer mächtigen Samuel Bronfman.[27][28][29][30] Seine Rettung hatte er der Intervention von Joe Esposito, Paul Ricca und Murray Humphreys zu verdanken. Von da an stand Kennedy in der Schuld der Chicagoer Mafia.[5][25] Auch beim Verkauf seiner Spirituosen war Kennedy auf die Kooperation mit der Mafia angewiesen, da praktisch alle der illegalen Bars, die sog. speakeasies, von dieser kontrolliert wurden. Hierzu gründete er Allianzen mit Gangstern aus Boston, Chicago, New Orleans und vor allem mit Frank Costello in New York,[31] der im Jahr 1973 seine Kooperation mit Kennedy bestätigte[32][33] und deshalb immer behauptete: „Ich half Joe Kennedy, reich zu werden.“[21] Gegen Meyer Lansky hingegen hegte Kennedy eine tiefe Abneigung, nachdem dessen Gang 1927 einen Alkoholtransport Kennedys überfallen hatte, wobei elf seiner Leute ums Leben kamen. Kennedy schmerzte weniger der Verlust seiner Ladung und Leute als die an die hinterbliebenen Witwen zu leistenden Entschädigungszahlungen.[34] 1923 stieg er bei Hayden und Stone aus und gründete ein eigenes Büro. Bereits während er noch bei Hayden und Stone arbeitete, begann Kennedy, seine eigene Bank in New York zu gründen,[7] die er schlicht unter seinem eigenen Namen führte: Joseph P. Kennedy – Bankier.[5]

Seine Gewinne aus dem Alkoholschmuggel investierte er an der Börse, vorzugsweise indem er sich sogenannten Hausse-Pools anschloss oder auch solche selbst initiierte.[35] Seinen eigenen Hausse-Pool leitete er von einer Suite im Waldorf-Astoria-Hotel aus und investierte u. a. in die Yellow-Cab-Company (später Hertz), zu der sein Schwiegervater hervorragende Kontakte unterhielt.[35] Außer der Absicht, in dem von ihm selbst und seinen Mitstreitern massiv manipulierten Markt möglichst hohe Gewinne zu erzielen, war Joseph Kennedy bereits zu dieser Zeit bekannt dafür, illegal erworbene Gewinne aus dem Alkoholgeschäft in legale Investitionen zu transferieren – also für Geldwäsche.[36] Die von ihm hierfür ausgewählten Branchen (Aktienmarkt, Filmindustrie und später Immobilien) waren damals wie heute geradezu prädestiniert für Geldwäsche. Kennedys Vorgehensweise, die darin bestand, erstens mit anderen Investoren zu kooperieren, um eine breit gestreute Vermengung unterschiedlicher Geldquellen zu initiieren, zweitens möglichst geringe Eigenmittel einzusetzen, drittens innerhalb der erworbenen Investments sehr schnell und umfangreich zu modifizieren (z. B. Fusion, Teilveräußerung, Renovierung), um sie viertens nach sehr kurzer Zeit wieder mit sehr hohen Gewinnen abzustoßen, entspricht in klassischer Weise der ersten Stufe des Geldwäschemodells, welches von dem Harvard-studierten, kolumbianischen Ökonomen und ehemaligen Geldwäscher des Cali-Kartells, Jose Franklin Jurado-Rodriguez, entwickelt, und von diesem gewiss nicht grundlos als „Kennedification stage“ bezeichnet wurde. [37] Seine spektakulärsten Erfolge erzielte Kennedy, indem er sich einem Kreis irischstämmiger, katholischer Spekulanten unter Michael Meehan anschloss, dem auch der Präsident der National City Bank, Charles E. Mitchell, und Bernard Smith angehörten. Gemeinsam gründeten sie den Libby-Owens-Ford Stock Pool, dessen Anteilsscheine sie künstlich verknappten, um den Wert ihrer eigenen Anteile möglichst hoch zu halten.[38] Meehan kaufte sieben Sitze an der New Yorker Börse und unterhielt Brokerbüros im ganzen Land und sogar auf Schiffen der Cunard-Line.[39] Die Gruppe investierte vor allem in Firmen, die in der neu aufkommenden Technologie des Radios engagiert waren. Sie nutzten Insider-Informationen, was in Ermangelung einer Börsenaufsicht damals nicht verboten war, nutzten das Unwissen der „normalen“ Anleger und ließen die von ihnen erworbenen Aktien von involvierten Journalisten, wie beispielsweise A. N. Plummer, in den führenden Tageszeitungen bejubeln, wodurch die Kurse binnen kürzester Zeit in die Höhe schnellten.[39] So gelang es der Gruppe allein im März 1928, den Kurs der Aktie von RCA innerhalb von nur drei Wochen von US$ 95 auf US$ 160$ zu treiben.[39] Die nächsten Millionen machte Kennedy dann im Filmgeschäft.[40] Unmittelbar darauf stiegen sie schlagartig aus diesem Investment aus, jedoch nicht ohne zuvor sog. short-selling – d. h. das Setzen auf einen fallenden Kurs – betrieben zu haben, wodurch Kennedy auch an dem dramatischen Verfall der RCA-Aktie verdiente. Für Kennedys Expansion in der Filmbranche war dieses typische „Pump-and-Dump“-Geschäft von entscheidender Bedeutung: Ende 1927 war es ihm gelungen, den Inhaber von RCA, David Sarnoff, davon zu überzeugen, sich an seiner FBO mit US$ 0,5 Mio. zu beteiligen, dies mit dem von Kennedy vorgegebenen Ziel, RCA und FBO gemeinsam zu fusionieren. Durch sein zwischenzeitlich initiiertes und manipuliertes Spekulationsgeschäft hatte Kennedy, der Sarnoff hierüber natürlich nicht informiert hatte, diesen finanziell derart geschwächt, dass er bei der angestrebten Fusion keinesfalls eine Beteiligungsmehrheit erlangen konnte.[41] 1926 verlegte Kennedy seinen Wohnsitz nach Hollywood, wo er sich als Produzent von Low-Budget-Filmen versuchte und sich unter anderem mit den Schauspielerinnen Jean Harlow, der späteren Geliebten von Abner Zwillman, die auch Patentante der Tochter von Bugsy Siegel war, sowie Anita Page und Greta Garbo vergnügte.[42] Seine wichtigste Geschäftspartnerin und Geliebte blieb aber Gloria Swanson, die ihm einen Sohn zur Welt brachte. Kennedy übernahm faktisch die Kontrolle über ihr Leben, startete die Gloria Productions und versuchte vergeblich, von der katholischen Kirche einen Dispens zu erhalten, der das Zusammenleben erlaubt hätte.[43] Schon bald nach seiner Eröffnung besuchte Joe Kennedy sehr häufig das in Kalifornien und dem Steuerparadies Nevada, am Lake Tahoe gelegene Cal-Neva-Lodge Hotel und Casino und nutzte es quasi als seinen Hauptsitz im Westen. Hier war es ihm möglich, diskrete Kontakte zu Größen aus der Wirtschaft, wie z. B. Errett Lobban Cord, der Politik, wie z. B. Patrick Anthony McCarran, dem Film- und Showbusiness, wie z. B. neben vielen anderen Judy Garland und später Marilyn Monroe, Frank Sinatra, und vor allem der Organisierten Kriminalität, zu pflegen. [44] Nachdem Kennedy bereits im Jahr 1926 für US$ 1,5 Mio. die FBO übernommen hatte, erwarb er 1928 die Radio Corporation of America, die über ein damals neuartiges System zur Produktion von Tonfilmen verfügte.[45] Was ihm nun noch zum Vertrieb seiner Produktionen fehlte, war eine Filmtheater-Kette. Diese Lücke schloss er noch im gleichen Jahr durch die Übernahme der New Yorker Keith-Albee-Orpheum Theatres Corp. (KAO), die über etwa 700 Theater in den USA und Kanada verfügte und die er 1928 mit seiner FBO zur neuen Radio Keith Orpheum (RKO) verschmolz. Edward Albee, der Gründer der KAO, stimmte dem Verkauf erst zu, nachdem Kennedy ihm zugesichert hatte, dass Albee die Kontrolle über die Kette behalten würde. Doch kaum dass die Verträge unterzeichnet waren, sagte Kennedy unverblümt: „Didn’t you know, Ed? You’re washed up. Through.“ Im Januar 1929 bündelte Kennedy seine gesamten Anteile am Filmverleih und der -produktion (FBO), an der Vertonungstechnik (RCA) und der Aufführung (KAO) in der [Radio-Keeth-Orpheum-Pictures] (RKO). [46] Augenblicklich nach dieser Fusion trieb er gemeinsam mit seinen befreundeten Spekulanten den Kurs der RKO-Aktie in die Höhe.[47] [48] Bedenkt man, dass das Magazin Fortune Kennedys Vermögen Mitte der 20er Jahre auf lediglich US$ 2,0 Mio. taxierte, erscheint es durchaus realistisch, dass große Teile der Investitionen für Kennedys massiven Einstieg in das Filmgeschäft von der Mafia, namentlich Paul Ricca und Frank Nitti, stammten.[49] Für diese These spricht auch, dass Nitti, Ricca und Murray Humphreys bereits 1934 behaupteten, in Hollywood Fuß gefasst zu haben [50], ohne dass bis zu diesem Zeitpunkt in der Unterhaltungsindustrie andere Marktumwälzungen stattgefunden haben, außer eben denen, die durch Joe Kennedy initiiert waren. In diesem Zusammenhang ist es auch sehr bemerkenswert, dass Kennedy bei seiner Expansion im Filmgeschäft ganz offenkundig niemals durch die kriminellen Aktivitäten von Tommy Maloy behelligt wurde. Maloy hatte schon 1920 in Chicago begonnen, ein System des labor-racketeering aufzubauen, indem er die Herrschaft über Gewerkschaften übernahm, die mit der Filmindustrie und der (damals noch Stumm-) Filmaufführung verbunden waren. Selbst die damals marktführende Western Electric wurde von Maloy erpresst.[51] Kennedy muss also anderweitig Protektion genossen haben, um vor Maloy geschützt gewesen zu sein. Höchstwahrscheinlich waren es seine langjährigen Kontakte zu Owney „The Killer“ Madden, der selbst im Racketeering aktiv war und dessen New Yorker Nachtclubs Kennedy mit Spirituosen belieferte, [52], sowie zu Billy Dwyer, Danny Walsh und Frank Costello. [53] Bereits im Jahr 1924 – unmittelbar nach seinem Umzug von Boston nach New York – hatte Kennedy die Bekanntschaft von Johnny Roselli gemacht, der ihn seinerseits in die Kreise von Al Capone einführte [54] und nun zum Statthalter des Chicago Outfit an die Westküste abkommandiert wurde, um die Investitionen der Mafia in Hollywood zu überwachen.

Im westlichen Teil der USA hatte die RKO jedoch keine bedeutende Stellung. Unangefochtener Marktführer westlich des Mississippis war Alexander Pantages, ein griechischer Einwanderer, der 30 Vaudeville-Theater betrieb sowie an etwa 60 weiteren Filmtheathern beteiligt war und bereits 1920 eine Partnerschaft mit dem Filmverleiher Famous Players, einer Tochter der Produktionsfirma Paramount Pictures, eingegangen war. Da Kennedy seine Expansionsbestrebungen durch Pantages’ Unternehmen stark eingeschränkt sah, unterbreitete er ihm im Februar 1929 ein Übernahmeangebot über US$ 8 Mio., das Pantages jedoch ablehnte. Kennedy ließ daraufhin seine Kontakte zu Banken und zur Filmindustrie spielen, wodurch er bewirkte, dass Pantages’ Theater von Erstaufführungen weitgehend ausgeschlossen wurden.

Am 9. August 1929 wurde Alexander Pantages von der damals 17-jährigen Tänzerin Eunice Pringle angezeigt, versucht zu haben, sie zu vergewaltigen, woraufhin er angeklagt und zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Durch die Zeitungspropaganda, die Kennedys Freund, der Verleger William Randolph Hearst, gegen Pantages entfachte, war dieser quasi bereits vorverurteilt. Im Jahr 1933 gelang es Pantages zwar, in einem zweiten Prozess freigesprochen zu werden, doch gesundheitlich war er genauso ruiniert wie finanziell, denn sein Unternehmen hatte er inzwischen für US$ 3,5 Mio. verkaufen müssen – an Joseph Kennedy. Es hält sich hartnäckig die These, wonach Kennedy Eunice Pringle für ihre Anzeige gegen Pantages eine große Karriere versprochen sowie US$ 10.000 in bar bezahlt haben soll, was aufgrund der Umstände durchaus schlüssig erscheint, aber letztlich nie bewiesen wurde. Unsinnig ist die in vielen Quellen zu findende Behauptung, dass Pringle dies zwei Jahre nach Pantages’ Verurteilung ihrem Anwalt gestanden hätte und kurz darauf an einer Zyankalivergiftung gestorben sei.[21] Kennedys Hauptinteresse, sich in der Filmindustrie zu engagieren, bestand vor allem darin, Geld, und weniger darin, gute Filme zu machen. Er hatte erkannt, dass die Theaterketten durch die Produktionsfirmen erpressbar waren und deshalb beschlossen, nicht zu den Erpressbaren zu gehören.[55] Mit dem starken Wachstum der Filmindustrie stiegen auch die Produktionskosten in astronomische Höhen – Stars, wie Charly Chaplin, erhielten bis zu US$ 10.000.—wöchentlich – , was die zunehmende Finanzierung durch Banken erforderlich machte. Allzu oft verweigerten die Banken jedoch ihr Engagement. Der Direktor von De Mille-Pathé, Cecil B. De Mille, beschrieb die Situation einmal so: „When banks came into pictures, trouble came in with them.“ [56] Die großen Banken waren alle an der Ostküste angesiedelt und zu ihnen hatte Kennedy, selbst von dort stammender Banker, bessere Kontakte als die etablierten Studios in Hollywood. Kennedys Markteintritt in das Filmgeschäft erfolgte relativ spät. Es waren fast ausschließlich Juden, die bereits seit 1912 damit begonnen hatten, die namhaften Filmstudios zu gründen und auch alle bedeutenden Schauspieler, die überwiegend ebenfalls jüdischer Abstammung waren, unter Vertrag hatten. [57] Einem Kollegen bei Hayden, Stone gegenüber äußerte er sich trotzig zu dieser Situation: „Look at that bunch of pants pressers in Hollywood making themselves millionaires. I could take the whole business away from them.“ [58] Kennedy gelang es, diese jüdische Dominanz in Hollywood erfolgreich zu unterwandern, indem er die Angst davor schürte, dass die amerikanischen Politiker einem bedeutenden Industriezweig misstrauen und Gesetze zu dessen Zensur beschließen werden, wenn dieser von osteuropäischen Juden dominiert und für deren Ziele genutzt würde. Er präsentierte sich als neues, frisches und nichtjüdisches Gesicht dieser Branche, dem es gelingen würde, die Filmbranche vor derartigen Entwicklungen zu beschützen. [59] Während die RKO finanziell auf tönernen Füßen stand, wird Kennedys persönlicher Vermögenszuwachs aus dem Filmgeschäft auf gut US$ 9,0 Mio. geschätzt – US$ 5,0 Mio aus dem Filmgeschäft selbst, sowie weitere knapp US$ 5,0 Mio aus der Spekulation mit Aktien von Unternehmen aus der Unterhaltungsindustrie. [60] [61] Durch seine Affäre mit Dorothy Schiff [62] [63], der Inhaberin der New York Post und einer der Erbinnen aus der Finanzdynastie des Bankhauses Kuhn, Loeb & Co, die ihre Promiskuität genauso ungeniert auslebte wie Kennedy selbst, verfügte er auch automatisch zu Kontakten zum Bankhaus Warburg und damit zum Rothschild‘schen Finanzimperium. Bereits im April 1929 sandte Paul Warburg im Auftrag des Bankhauses Rothschild eine geheime Nachricht an ausgewählte Spekulanten, zu denen u. a. John D. Rockefeller jr., J. P. Morgan jr. , Joseph Kennedy und Bernard Baruch gehörten, wonach für das Ende dieses Jahres ein Börsencrash mit einer anschließenden landesweiten Depression „geplant“ (nicht erwartet) wird, [64] was bedeutete, dass Kennedy rechtzeitig vorinformiert war, um sich aus dem hoffnungslos überhitzten Aktienmarkt zurückzuziehen. Drei Monate vor dem großen Börsencrash, der eine zehnjährige Wirtschaftskrise auslöst, stoßen Joe Kennedy, John Davison Rockefeller, William Durant und Michel Bouvier ihre Aktienpakete ab und leiten den Crash damit quasi ein. Durch gelungene Spekulationen machen die genannten Männer Millionengewinne. [65] Ende 1930 arrangierte Kennedy noch für die RKO die Übernahme des amerikanischen Zweiges von dem französischen Filmproduzenten De Mille-Pathé, bevor er Im Jahr 1931 seine letzten RKO-Anteile an Nelson Rockefeller und seine Brüder verkaufte. [66] Im Zuge der Weltwirtschaftskrise litt die RKO unter stark rückläufigen Zuschauerzahlen und konnte aufgrund ihrer zu geringen Kapitalausstattung die hohen Belastungen aus den zahlreichen Übernahmen nicht mehr tragen [67]. Die RKO schrieb Verluste und wurde zudem ab Ende des Jahres 1933 als erstes Unternehmen der Filmbranche von den im Auftrag des Chicago Outfit operierenden George Browne und William Bioff erpresst. [68] Im selben Jahr beantragte die RKO eine geordnete Insolvenz, aufgrund der sie bis 1940 unter Zwangsverwaltung gestellt wurde. [69] Kennedy baute sich sein Vermögen ab etwa 1929 mit Aktienspekulationen und offenbar auch aus illegalem Schnapshandel auf. Allerdings besaß er auch eine Lizenz zum Import von medizinischem Alkohol und verdiente entsprechend riesige Summen mit dem Verkauf von Alkohol-Lagerbeständen, als die Prohibition 1933 aufgehoben wurde. Roosevelt hat seine Präsidentschaftswahl u. a. wegen seines Versprechens gewonnen, die Prohibition aufzuheben, so dass diese bevorstehende Veränderung alles andere als überraschend für Kennedy kam. Auf einer Englandreise mit Roosevelts Sohn sicherte sich Kennedy die Import- und Vertriebsrechte für Gordon’s Gin, Dewar’s-, sowie Haig-Whiskeys und gründete zusammen mit James Rossevelt die Firma ‚Somerset Importers‘. [70] Mit der Aufhebung der Prohibition am 05.12.1933 entbrennt ein neuer Verteilungskampf innerhalb der Mafia um Produktionslizenzen und –firmen, sowie Absatzstellen. So entwickelte sich aus der ehemaligen Partnerschaft zwischen Joe Kennedy und Frank Costello ein erbitterter Konkurrenzkampf. [71] Alle der ehemals illegal operierenden Alkoholschmuggler legten sich legale Produktions- und Importfirmen zu bzw. legalisierten ihre bereits bestehenden Unternehmen: Samuel Bronfman begann damit, Seagram’s zum größten Spirituosenhersteller der Welt auszubauen, Lewis S. Rosenstiel übernahm Schenley Distillers, Joe Reinfeld, Longy Zwillman und Doc Stacher gründeten Browne Vintners, Frank Costello „Alliance Distributors“ und Joe Linsey Whitehall Distributers. Aus den ehemals illegalen speakeasies wurden nun sogenannte carpet joints, für deren Betrieb Politiker und Polizisten aber weiterhin bestochen werden mussten, weil die Mafia nun hierüber auch ihr illegales Glücksspiel betrieb. [72] Die Gewinnspannen im Alkoholgeschäft gingen zwar deutlich zurück, waren aufgrund einer zeitgleich mit der Aufhebung der Prohibition erhobenen Alkohol- und Importsteuer aber immer noch sehr auskömmlich. Denn nun lohnte es sich, die dramatisch gestiegene Nachfrage nach Importprodukten durch einheimisch gebrannten Fusel, der in Flaschen mit Import-Labeln abgefüllt wurde, zu befriedigen. Hiermit machte auch Kennedy Millionen Profite. [73] Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges begann Kennedy, massiv in Immobilien zu investieren. 1945 erwarb er unter Einsatz von nur $ 800.000.— Eigenkapital für knapp US$ 13 Mio. die Merchandise-Mart in Chicago [74], die 1930 von Marshall Field‘s ursprünglich einmal für $ 30 Mio. errichtet worden war [75] und damals mit ihren 372.000 qm nicht nur die größte Gewerbeimmobilie der Welt war, sondern in der auch das vom Outfit kontrollierte Glücksspiel und die Prostitution florierten [76] nachdem er zwei Wochen zuvor ein dreizehngeschossiges Gebäude von der Socony-Vacuum Oil Co. in Albany für US$ 1,8 Mio. gekauft hatte. [77] Der Kauf der Merchandise-Mart ist insofern bemerkenswert, da Kennedy sie für etwas weniger als die Hälfte ihrer ursprünglichen Errichtungskosten erwarb, obwohl sich der nationale Immobilienindex für die Errichtungskosten im Jahr 1930 zu deren Handelswert im Jahr 1945 mehr als verdoppelte. [78] Die Entwicklung des Index‘ konnte die Merchandise-Mart zwar u. a. deshalb nicht nachvollziehen, weil ein großer Teil ihrer Büros von staatlichen Behörden belegt war, die nur eine sehr geringe Miete hierfür bezahlten, doch zum Zeitpunkt ihres Verkaufs stand sie bei Marshall Field’s immerhin noch mit US$ 21 Mio. in den Büchern. [79] Unmittelbar nach dem Erwerb gelang es Kennedy, die staatlichen Behörden zum Auszug zu bewegen und sie durch gewerbliche Mieter zu ersetzen, wodurch er die jährlichen Mieteinnahmen aus diesem Objekt auf US$ 13 Mio. und dessen Verkehrswert auf US$ 75 Mio. steigerte. [80] Fast alle seine Immobiliengeschäfte wickelte Kennedy über den New Yorker Makler und Immobilientycoon John J. Reynolds ab, der außerdem hauptsächlich damit beschäftigt war, die Immobiliengeschäfte der New Yorker Erzdiözese zu regeln [81] und Kennedy von dem mit ihm befreundeten Kardinal Francis Joseph Spellman empfohlen worden war. [82] Durch die über Reynolds abgeschlossenen Immobiliengeschäfte vermehrte Kennedy sein Vermögen um schätzungsweise US$ 100 Mio. [83] Kennedy ging bei seinen Immobilienengagements nach der ''leverage on equity'' genannten Strategie vor: Für den Erwerb einer Immobilie im Wert von beispielsweise $ 2 Mio. lieh er sich $ 1,8 Mio. zu 4,0 % p. a. (= $ 72.000.-). Bei Nettomieteinnahmen von 6,0 % (= $ 120.000.-) erzielte er einen Überschuss von $ 48.000.—p. a., was einer Rendite auf sein eingesetztes Eigenkapital von 24,0 % p. a. entspricht. [84] [85]

Den Handel mit Alkohol gab er erst 1946 auf, um das Image seiner Söhne nicht zu gefährden.[86] Sommerset Importers wurde an Abner „Longy“ Zwillmann, der zur Zeit der Prohibition für Samuel Bronfman Alkohol von Kanada in die USA schmuggelte, eng zusammenarbeitete mit Lucky Luciano und Meyer Lansky, Mitglied der von Arthur Rothstein ins Leben gerufenen Seven Group, sowie einer der sechs Bosse der Murder, Incorporated [87] war und auch als Al Capone von New Jersey bezeichnet wurde [88] ,und Joe Reinfeld verkauft; aus dem Verkauf der 17 % Beteiligung an den Hialeah-Tracks, die er erst 1943 erworben hatte, erzielte er allein acht Millionen US-Dollar. Obwohl Kennedy dank der Mafia reich geworden war, weigerte er sich zunehmend Gegenleistungen zu erbringen und war bemüht, seine geschäftlichen Aktivitäten von denen seiner alten Komplizen abzugrenzen: Als Kennedy 1956 von Frank Costello gebeten wurde, für diesen ein Immobiliengeschäft unter seinem Namen abzuschließen, lehnte Kennedy diese Bitte unter Hinweis darauf ab, dass er die politische Karriere seines Sohnes damit gefährden könnte, woraufhin Costello ein Kopfgeld auf Kennedys Ermordung aussetzte. [89] Durch die Vermittlung des Bürgermeisters von Chicago, Richard J. Daley, trat Kennedy in Kontakt zu Sam Giancana, mit dem er sich in einer Suite des Ambassador East traf und ihn um Hilfe bat, Costello von seinem Vorhaben abzubringen. Kennedy erklärte, dass es nur durch seine Kontakte möglich sein werde, dass sein Sohn eines Tages zum Präsidenten gewählt würde und sicherte Giancana für dessen nun erbetene Hilfe die Loyalität seines Sohnes zu. [90] Giancana ging auf diesen Vertrag ein und sorgte für die Annullierung des Todesurteils. [91] Doch seit diesem Treffen war Giancana auch eines deutlich geworden: „Whenever I had a Gordon’s Gin, it always reminded me that Joe Kennedy would sell anything to save his own skin. His liquor business, the Senate, the presidency, the White House, even his own son.“ [92] ; was ihn zu dem Schluss gelangen ließ: „Jesus, if ever there was a crook, it’s Joe Kennedy.“ [93] In privater Hinsicht hatte Kennedy hingegen nach wie vor weniger Berührungsängste: mit Johnny Roselli spielt er von Zeit zu Zeit Golf, mit Meyer Lansky trifft er sich 1957 in Kuba, kurz darauf mit "Smiling Gus" Battaglia und Joe Bonanno. [94] Dass es der Kennedy-Familie nie gelungen ist, ihre Mafia-Verbindungen zu lösen, zeigt die Tatsache, dass noch im Jahr 1976 Meyer Lanskys ehemaliger Statthalter in Neuengland, Joseph Linsey, der zu Zeiten der Prohibition bereits mit Joe Kennedy zusammenarbeitete, der Hauptunterstützer für die Kampagne von Ted Kennedy zu den anstehenden Senatswahlen war. [95] [96]

Politische Karriere[Bearbeiten]

Kennedy unterstützte aktiv den Wahlkampf von Franklin D. Roosevelt und wurde von diesem im Juli 1934 zum Vorsitzenden der United States Securities and Exchange Commission (SEC) ernannt, ein Amt, das er bis September 1935 ausübte. Kennedy arbeitete im Wahlkampfausschuss für Roosevelt. Seine Unterstützung bestand neben einer Spende in Höhe von US$ 100.000 vor allem darin, dass es ihm gelang, den Zeitungsmogul William Randolph Hearst in die Propaganda für Roosevelt einzubinden.[97] Dem überraschten Publikum, warum Roosevelt ausgerechnet Kennedy ausgewählt hatte, der vielen nicht nur als Profiteur der Weltwirtschaftskrise, sondern als deren Mitverursacher galt,[5] erklärte der Präsident sinngemäß, dass Diebe am besten Diebe fangen können.[98] Aufgrund seiner massiven Unterstützung Roosevelts hatte Kennedy eigentlich erwartet, einen Ministerposten – vorzugsweise den des Finanzministers – zu erhalten.[5] Von 1936 bis 1937 war Kennedy Vorsitzender der United States Maritime Commission (MARCOM). Im Dezember 1937 wurde er von Roosevelt zum US-Botschafter in London berufen. Kennedy erlangte damit den prestigeträchtigsten diplomatischen Posten, den Amerika zu vergeben hatte.[99] Hier verband Kennedy sehr schnell eine enge Freundschaft mit der US-stämmigen, britischen Unterhausabgeordneten Nancy Witcher Langhorne Astor, die auf ihrem luxuriösen Landsitz mit dem sog. Cliveden Set einen erzkonservativen Zirkel führte, dem u. a. auch der Gründer und Führer der Partei der britischen Faschisten (BUF), Oswald Mosley, angehörte. Nancy Astor war eine ausgewiesene Antikommunistin und Antisemitin und schrieb in einem Brief an Kennedy, dass Adolf Hitler möglicherweise die Lösung für beide Probleme sein könnte.[100] Auch zum deutschen Botschafter, Herbert von Dirksen, pflegte Kennedy früh und reichlich Kontakt und teilte diesem einmal mit, dass Roosevelt ein „Opfer jüdischen Einflusses“ sei,[100] woraufhin von Dirksen nach Berlin meldete, dass Kennedy Deutschlands bester Freund sei. Kennedys Anbiederung an Repräsentanten Nazi-Deutschlands war u. a. auch Winston Churchill suspekt, der ihn deshalb vom MI5 observieren ließ und dadurch außer den Kontakten zu Nancy Astor und Oswald Mosley ein geheimes Treffen Kennedys mit Görings Stellvertreter, Helmuth Wohlthat, das am 9. Mai 1939 entgegen Roosevelts explizitem Verbot stattfand, dokumentierte.[5][17] Auch Roosevelt traute Kennedy nicht und isolierte ihn deshalb, indem er seine Kontakte zu Großbritannien über seinen Botschafter in Paris laufen ließ und in direkten, geheimen Kontakten mit Churchill stand.[5] Zur Dekodierung aller außergewöhnlichen Telegramme engagierte Kennedy den Spezialisten Tyler Kent, der massenweise geheime Roosevelt-Churchill-Telegramme sammelte und an Kennedy weiterleitete, die dieser wiederum zu einem Dossier zusammenfasste, mittels dessen er versuchte, Roosevelt zu erpressen und politisch auszuschalten.[5] Das von Kennedy angezettelte Komplott wurde vom MI-5 jedoch entdeckt und von Churchill als Spionage für Nazi-Deutschland ausgelegt. Um seine eigene Haut zu retten, hob Kennedy Tyler Kents diplomatische Immunität auf, woraufhin dieser zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde. [101] Kennedy war in seiner politischen Geisteshaltung rassistisch (Schwarze waren „Nigger“), antisemitisch (Juden bezeichnete er als „kikes“ oder „pants pressers“) und reaktionär (bereits Liberale sah er als Kommunisten).[102][103] Kennedy war in dieser Zeit aktiver Befürworter der Appeasement-Politik des britischen Premierministers Chamberlain, was ihm den Ruf eines Nazi-Sympathisanten bescherte und ihn schließlich in Gegensatz zu Präsident Roosevelt brachte. Sein ständiges Betonen der Neutralität der USA brachte Kennedy in Gegensatz zur britischen Regierung und führte schließlich im November 1940 zu seiner Abberufung als Botschafter in England.[104] Kennedys Abberufung erfolgte unmittelbar nachdem er Louis M. Lyons, einem Journalisten des Boston Globe, ein Interview gab, welches am 10. November 1940 veröffentlicht wurde, in dem er sich negativ über die Aussichten Englands im Krieg gegen Deutschland, sowie abfällig über die First Lady, Eleanor Roosevelt, äußerte. Kennedy behauptete anschließend, diese Äußerungen in der Annahme gemacht zu haben, dass in diesem Moment das Aufnahmegerät Lyons‘ ausgeschaltet gewesen sei, was von diesem jedoch bestritten wurde. [105] Kennedys Behauptung ist auch deshalb unglaubwürdig, weil ein gleichlautendes Interview, geführt von Ralph Coghlan, zeitgleich im St. Louis Post-Dispatch erschien.[106] Wie auch immer, bedeuteten diese Interviews nicht nur das Ende von Kennedy’s diplomatischer, sondern auch das seiner gesamten politischen Laufbahn. [107] Fortan konzentrierte Kennedy seine politischen Ambitionen auf die Förderung der Karrieren seiner Söhne.

Alter und Tod[Bearbeiten]

1946 zog sich Kennedy aus dem öffentlichen Leben zurück. Im Dezember 1961 erlitt er einen schweren Schlaganfall, der sein weiteres Leben stark beeinträchtigte. Warnungen seiner Ärzte hatte das Oberhaupt der Kennedy-Familie, der es hasste, nicht alles unter Kontrolle zu haben, nicht beachtet. Nach dem auf seinen Schlaganfall folgenden Krankenhausaufenthalt konnte er kaum noch sprechen und saß im Rollstuhl. Der Patriarch starb 1969 im Alter von 81 Jahren auf dem Familiensitz in Hyannis Port.

Sonstiges[Bearbeiten]

Kennedy galt zeitlebens als Playboy. Seine Geliebte, die Schauspielerin Gloria Swanson, deren Filme er eine Zeit lang auch finanzierte, war ebenso häufig Gast in seinem Haus wie auch Filmstar Marlene Dietrich, die als Freundin der Familie galt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Dallek: John F. Kennedy – Ein unvollendetes Leben. München 2003. (Enthält wesentliche Informationen zum Leben von Joseph Kennedy)
  • David Nasaw: The Patriarch – The Remarkable Life and Turbulent Times of Joseph P. Kennedy.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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  3. Knox Beran, Michael in The New York Times: The Last Patrician – Bobby Kennedy and the End of American Aristocracy. http://www.nytimes.com/books/first/b/beran-patrician.html
  4. Nasaw, David: The Patriarch – The remarkable life and turbulent times of Joseph P. Kennedy, The Penguin Press, New York, 2012, ISBN 978-1-59420-376-3
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