Joseph R. Gusfield

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Joseph R. Gusfield (* 6. September 1923 in Chicago[1]; † 5. Januar 2015) war ein US-amerikanischer Soziologe und Suchtforscher.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joseph Gusfield wuchs als Jude aus kleinen Verhältnissen im ethnisch und sozial spannungsreichen Chicago in der Zeit der Großen Depression auf, dieses und die Berichte über die Judenverfolgung der 1930er Jahre im (entfernten) Deutschland machten ihn zu einem Zionisten und Linken.[2]

Gusfield studierte ab 1941 Soziologie an der University of Chicago und jobbte für den Lebensunterhalt und die Studiengebühren nebenher. Zwischen 1943 und 1946 nahm er als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil, was ihn von wissenschaftlichen Gewissheiten „desillusionierte“.[2] 1946 beendete er das Soziologiestudium, begann ein Jurastudium und wurde als Lehrassistent in den soziologischen Lehrbetrieb integriert. Seine Masterarbeit machte er 1950 mit einer empirischen Studie über Selbstkonzepte. Danach lehrte er als einziger Soziologe bis 1955 am Hobart and William Smith in Geneva (New York). 1954 schloss er die Promotion zum Ph.D. bei Herbert Blumer ab und wurde bis 1969 Soziologieprofessor an der Universität Illinois. Seit 1969 war er Professor für Soziologie an der University of California, San Diego und wurde 2007 emeritiert.

Das bekannteste Werk des Kultursoziologen, der seinen Forschungsschwerpunkt im Bereich der sozialen Bewegungen hat, ist die Studie zur US-amerikanischen Abstinenzbewegung Symbolic crusade. Status politics and the American temperance movement (1963). Nach Arbeiten zu Themen der indischen Gesellschaft, wo er mehrere mehrmonatige Forschungsaufenthalte hatte, über Japan, mit David Riesman über Bildungsforschung, holte ihn das Alkoholthema wieder ein und er arbeitete über Alkoholkonsum und Straßenverkehr: The Culture of Public Problems: Drinking, Driving, and the Symbolic Order.[2]

Gusfield war mit der Sozialarbeiterin Irma Geller verheiratet.[3]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Social Structure and Moral Reform: A Study of the Woman's Christian Temperance Union, in: The American Journal of Sociology, 61, No. 3 (1955)
  • Moral Passage. The Symbolic Process in the Public Designations of Deviance. In: Social Problems, 15, 1967/1968, S. 175-189.
    • Moralische Passage. Der symbolische Prozess der öffentlichen Kennzeichnung von Devianz. In: Daniela Klimke und Aldo Legnaro (Hrsg.), Kriminologische Grundlagentexte, Springer VS, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-06503-4, S. 68-87, übersetzt von Aldo Legnaro.
  • Community: A Critical Response. Harper & Row, New York 1975, ISBN 0061361763.
  • Alcohol Problems: An Interactionist View, in: Jean-Pierre von Wartburg, Pierre Magnenat, Richard Muller, Sonja Wyss (Hrsg.): Currents in Alcohol Research and the Prevention of Alcohol Problems - Proceedings of an International Symposium Held in Lausanne, Switzerland, November 7–9, 1983, Bern : Hans Huber 1985, S. 71-81
  • Symbolic crusade. Status politics and the American temperance movement. 2. Auflage, University of Illinois Press, Urbana 1986, ISBN 0252013212.
  • Contested Meanings: The Construction of Alcohol Problems. University of Wisconsin Press, Madison 1996, ISBN 0299149307.
  • The Culture of Public Problems: Drinking, Driving, and the Symbolic Order, University of Chicago Press, Chicago 1981, ISBN 0226310930.
  • My Life and Soft Times, in: Bennett M. Berger (Hrsg.): Authors of their own lives : intellectual autobiographies by twenty American sociologists, Berkeley : Univ. of California Pr., 1990, S. 104–129.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nachruf in The San Diego Union Tribune vom 22. März 2015 (abgerufen am 22. November 2015)
  2. a b c Joseph Gusfield: My Life and Soft Times, 1990, S. 104–129
  3. Irma (Geller) Gusfield, bei Universität Chicago