Joseph Weißhaar

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Joseph Weißhaar (* 4. März 1814 in Pfohren; † 22. Mai 1870 in Zürich) war ein Gastwirt und Politiker sowie Anführer einer Badischen Freischartruppe die am 21. April 1848 in Steinen nach kurzem Gefecht unterlag.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joseph Weißhaar, Engelwirt in Lottstetten, war nach Ausbruch der Badischen Revolution zum Civilkommissär des Amtsbezirks Jestetten ernannt worden. In der dritten Nummer des von den Revolutionären herausgegebenen Regierungsblattes ist seine Ernennung zum Civilkommissär enthalten.[1]

Wahl zum Mitglied der Konstituierenden Versammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. Mai 1849 hatte Weißhaar als Civilkommissär sämtliche Bürgermeister und Präsidenten der Volksvereine sowie alle Bürger, die sich um die Wahlen und die „Constitutionelle Versammlung“ besonders bekümmern, zu einer Vorberatung für diese Wahl nach Eggingen eingeladen.[2] Weißhaar und Friedrich Hecker der sich jedoch in den USA befand, wurden zur Wahl vorgeschlagen, und am 3. Juni dann auch gewählt.

Aufbruch und Niederlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 1848 wurde auf einer Versammlung in Dettighofen beschlossen sich dem Heckerzug anzuschließen. Joseph Weißhaar, Engelwirt und Posthalter, ein vermögender und angesehener Mann, in dessen Stallungen 50 bis 60 Pferde standen - wurde als Kommandant der Bürgerwehr zum Oberst gewählt. Friedrich Hecker hatte mit 1500 gut ausgerüsteten Schützen gerechnet, doch war es nur eine Gruppe von 700 teils mit Sensen bewaffneten Handwerkern und Bauern. Diese Weißhaar-Struve-Truppe oder Rheinkolonne traf über Grießen und Tiengen am 20. April in Lörrach ein, zu spät, und unzureichend informiert, denn die Entscheidung war bereits einen Tag zuvor in dem Gefecht auf der Scheideck gefallen. Auch die Kolonne des Generals Franz Sigel kam einen Tag zu spät, ebenfalls über Tiengen, in Todtnau an. Weißhaars Truppen flüchteten nach Rheinfelden wo ihnen die Waffen abgenommen wurden und kehrten auf Schweizer Gebiet nach Lottstetten zurück, hier konnte sich Weißhaar (offensichtlich nach Kautionleistung) zunächst noch frei bewegen. Gustav Struve war zuerst in Säckingen verhaftet worden, wurde jedoch wieder freigelassen, er kehrte zu Sigels Truppe zurück und diese marschierte nach Freiburg wo sie noch vor der Stadt, zwischen Schwabentor und Sternwald ebenfalls nach kurzem Gefecht zurückgeschlagen wurde.

In Freiburg ergriffen tagsdarauf Revolutionäre die Waffen, die Regierungstruppen griffen umgehend hart durch, und damit war auch diese Episode zu Ende. In Unkenntnis der Niederlagen von Struve, Weißhaar und Hecker versuchte der Dichter Georg Herwegh mit seiner in Frankreich rekrutierten deutschen Arbeiterlegion den Vorstoß von Kleinkembs nach Dossenbach wo er von den Niederlagen erfuhr und umkehren wollte, was nicht mehr gelang und so kam es noch zum Gefecht bei Dossenbach.

Ende des Aufstandes im Klettgau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reste der Revolutionsarmee zogen am Hochrhein aufwärts nach Waldshut und Grießen, um von dort nach Lottstetten zu gelangen. Bei Baltersweil bezogen sie Lager und führten die Artillerie bei Bühl gegen die rasch nachrückenden Preußen auf.[3] Am 11. Juli 1849 übertrat Sigel zusammen mit Joseph Weißhaar und den restlichen Truppen auf Anraten des Oberst Rudolf Benz von Pfungen, Kommissär der Kantonsregierung Zürich, bei Eglisau den Rhein, sie wurden entwaffnet und interniert.

Friedrich Engels als Adjutant des August Willich, der nach den verlorenen Gefechten von 1848 das Willichsche Freikorps in Frankreich mit der Besanconer Arbeiter–Companie, neu zusammengefasst hatte, betraten hier ebenfalls, (jedoch aufgrund von Missverständnissen zu Sigel), erst einen Tag später, am 12. Juli 1849 neutralen Boden. Das Beckersche Freikorps allerdings bei Rheinau. Ausschlaggebend war letztlich das Gefecht bei Waghäusel am 21. Juni 1849. Die Festung Rastatt wurde am 23. Juli 1849 übergeben. Die Preußen blieben in Baden als Besatzung bis 1850.

Verurteilung und Amnestie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joseph Weißhaar wurde am 24. Juni 1850 vom Hofgericht Bruchsal wegen Hochverrat zu achtjähriger Zuchthausstrafe verurteilt, sein Gnadengesuch wurde vom Großherzog abgelehnt. Später erreichte seine Frau eine Milderung der ebenfalls im Urteil enthaltenen hohen Geldstrafe. Da er sich in der Schweiz aufhielt, konnte er nicht inhaftiert werden. Die vom Großherzog Friedrich I. anlässlich seines Regierungsantritts 1857 erlassenen Amnestie nutzte er zu einem Aufenthalt in Lottstetten, wobei er seinen gesamten Besitz verkaufte. Er ließ sich in St. Fiden in der Gemeinde Tablat als dortiger Hirschenwirt nieder und wurde auf Antrag zusammen mit seinen drei Söhnen am 23. Oktober 1864 in das Bürgerrecht aufgenommen. Später erhielten sie auch das Kantonsbürgerrecht.

Anekdoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joseph Weißhaar ist bis heute mit der Geschichte des Klettgaus verwurzelt, er war bekannt als tüchtiger Geschäftsmann aber auch als ein zu allen möglichen Scherzen und Dreisten Stücklein bereiter Draufgänger, diese sind in zahlreichen Anekdoten überliefert worden, sogar eine Sage ist um ihn entstanden. So soll er einmal seinem Bernhardiner den Tischtuchzipfel eines reichgedeckten Tisches in einem noblen Zürcher Hotel, an den Schwanz gebunden haben, beim Hinausgehen hat er den Barry leise gerufen, der deckte dann in aller Ruhe ab, das Gelächter war natürlich sein Vergnügen, das er gern aus seiner vollen Börse bezahlte. Ein anderes Mal habe er gewettet, innerhalb einer unmöglich kurzen Zeit in Zürich zu sein, er spannte zwei feurige Rosse vor seinen Jagdwagen - und landete anstatt auf der Rheinbrücke bei Eglisau, daneben im Rhein, nur mit Mühe konnte er sich retten. Vor dem Gefecht bei Steinen soll der Adjutant Malzacher, der Kreuzwirt von Bülach ihm gemeldet haben : D´Prüße chömme! und weiter meinte: I glaub, Oberst, die chaibe Prüße sin bigoscht doch imstand un schüsse uf üs!Was, schüße oder nit schüße, mir schüße au! war die Antwort Weißhaars, doch als es dann die ersten Blessierten und Toten gab, räumten die Freischärler das Feld. (frei nacherzählt) aus Heitere Geschichten aus der Heimat.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Friedrich Hoggenmüller: Aus der Geschichte der Gemeinde Lottstetten. Gemeinde Lottstetten (Hrsg.), 1981.
  • Karl Friedrich Wernet: Die politische Entwicklung im Klettgau. In: Franz Schmidt (Hrsg.): Der Klettgau. 1971, DNB 730470016
  • Hans Matt-Willmatt: Heitere Geschichten aus der Heimat. In: Heimat am Hochrhein. 1965.
  • Wolfgang Hug, Kurt Benda, Andreas Ch. Weiß, Manfred Dietenberger, in: Heimat am Hochrhein Jahrbuch des Landkreises Waldshut, 1998, Band XXII, Landkreis Waldshut (Hrsg.) ISBN 3-7650-8190-6

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Friedrich Hoggenmüller: Aus der Geschichte der Gemeinde Lottstetten. Gemeinde Lottstetten (Hrsg.). 1981, S. 309.
  2. Karl Friedrich Hoggenmüller: Aus der Geschichte der Gemeinde Lottstetten. Gemeinde Lottstetten (Hrsg.), 1981, S. 310.
  3. Karl Friedrich Hoggenmüller: Aus der Geschichte der Gemeinde Lottstetten. Gemeinde Lottstetten (Hrsg.), 1981, S. 302 ff.
  4. Hans Matt Willmatt: Heitere Geschichten aus der Heimat. In: Heimat am Hochrhein. 1965/66, S. 137–138.