Joseph von Utzschneider

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Joseph von Utzschneider
Geburtshaus: Schloss Rieden

Joseph Utzschneider, ab 1808 von Utzschneider, (* 2. März 1763 in Rieden am Staffelsee; † 31. Januar 1840 in München) war ein für die Entwicklung Bayerns zu Beginn des 19. Jahrhunderts äußerst einflussreicher Techniker und Unternehmer. Er war als hoher bayerischer Staatsbeamter Salinenadministrator in Berchtesgaden. Daneben gründete er eine Reihe von Unternehmen, darunter eine Kunstglashütte und das seit 1809 bestehende und von Josef von Fraunhofer als Partner geleitete Mathematisch-Feinmechanische Institut als Grundlage zur Erstellung von Präzisionsinstrumenten und astronomischen Teleskopen, aus dem das Optische Institut in München hervorging. Als Vorstand der Vorgängerinstitution der Technischen Universität München hatte er an deren Ausbau maßgeblichen Anteil. Auch das bayerische Grundstückskataster geht auf ihn zurück. Von 1818 bis 1823 war er Bürgermeister von München und nach der Verfassungsgebung von 1818 Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Für seine Verdienste wurde der Sohn eines Bauern 1808 geadelt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Büsten für Utzschneider und Fraunhofer, am Optischen Institut München, Müllerstraße 40
Grab von Joseph Utzschneider auf dem Alten Südlichen Friedhof in München Standort

Nach der Matura 1778 am (heutigen) Wilhelmsgymnasium München[1] studierte Utzschneider in München und Ingolstadt und wurde 1784 bayerischer Hofkammerrat. Danach wurde er Administrator der bayerischen Salinen in der Fürstpropstei Berchtesgaden und 1799 Geheimer Referendar für landständische Angelegenheiten im Finanzdepartement. Seine Verbesserungspläne missfielen allerdings einem großen Teil der Stände, sodass Utzschneider 1801 (mit nur 38 Jahren) unter der grundlosen Beschuldigung, er stehe an der Spitze der Umsturzpartei, zur Disposition gestellt wurde.

Er errichtete nun eine Ledermanufaktur in München und 1804 mit Georg Friedrich von Reichenbach und Joseph Liebherr (1767–1840) auch das Mathematisch-Feinmechanische Institut, welchem die von ihm zu Benediktbeuern angelegte Kunstglashütte das nötige Kron- und Flintglas lieferte. Aus letzterem entstand, nachdem er 1809 den jungen Josef von Fraunhofer in seinem Institut beschäftigte, das weltberühmte Optische Institut, welches fast ganz Europa mit Teleskopen und anderen Instrumenten belieferte.

Inzwischen war Utzschneider 1807 wieder als Generalsalinenadministrator und Geheimer Finanzreferendar in den Staatsdienst getreten. Unter seiner Leitung wurde der Bau der Saline zu Rosenheim mit der Solenleitung von Reichenhall dahin ausgeführt, und durch seinen Einfluss ging 1809 außer der Saline Berchtesgaden auch die zu Hallein in bayerische Administration über. Ebenso wurde unter seiner Leitung in Bayern der Grund zu dem Parzellenkataster gelegt. 1811 wurde er Vorstand der Staatsschulden-Tilgungsanstalt, verließ aber 1814 wieder den Staatsdienst und errichtete eine Brauerei im Gebäude des heutigen Café Luitpold[2] und eine Tuchmanufaktur. Von 1818 bis 1823 war er Zweiter Bürgermeister von München. 1818 wurde er zum Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt. 1835 wurde er Vorstand der 1827 errichteten Münchner polytechnischen Zentralschule, aus der Ende des 19. Jahrhunderts die Technische Hochschule München hervorgehen sollte.

Joseph von Utzschneider starb am 31. Januar 1840 in München an den Folgen eines Kutschenunfalls am Giesinger Berg.[3]

Grabstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grabstätte von Joseph Utzschneider befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München (Alte Arkaden Platz 32 bei Gräberfeld 23) Standort. Die Grabstätte zierte ursprünglich eine Büste Utzschneiders, die Johann von Halbig gestaltet hatte. In dem Grab liegt auch seine Frau Amalie v. Utzschneider geb. Walch (15. Oktober 1758 – 19. März 1842)[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wikisource: Joseph von Utzschneider – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Max Leitschuh: Die Matrikeln der Oberklassen des Wilhelmsgymnasiums in München. 4 Bände. Band 3, München 1970–1976, S. 160.
  2. Chronik - Luitpoldblock München. Abgerufen am 11. August 2018.
  3. vgl. Kunst und Memoria, Der Alte Südliche Friedhof in München, Claudia Denk, John Ziesemer, 2014, S. 287
  4. vgl. Kunst und Memoria, Der Alte Südliche Friedhof in München, Claudia Denk, John Ziesemer, 2014, S. 286/287