Josephskapelle (Hofburg)
Die Josephskapelle (umgangssprachlich meist Kammerkapelle genannt, früher Michaelskapelle) in Wien ist eine Kapelle der Hofburg sowie eine ehemalige Hauskapelle der Habsburger. Sie wurde gelegentlich von der K.u.k. Hof- und Burgpfarre genutzt.
Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Josephskapelle befindet sich am Westende des Leopoldinischen Traktes, in dem heute die Amtsräume des Bundespräsidenten untergebracht sind. Vom Heldenplatz aus ist die Lage der Josephskapelle durch fünf ihrer oberen Fenster erkennbar, die um ein paar Scheiben höher als die Fenster der übrigen Zimmer sind. Der Eingang zum Oratorium der mehrere Stockwerke hohen kleinen Kirche befindet sich, der Bellaria benachbart, im Bereich der Präsidentschaftskanzlei und ist nicht öffentlich zugänglich.[1]
Geschichte
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Die Kapelle wurde 1772 von Maria Theresia von Grund auf erneuert und ersetzte bei hohen Festen, zum Beispiel bei der Grablegung am Karfreitag, die fehlende Seitenkapelle der im Schweizertrakt der Hofburg gelegenen gotischen Hofkapelle.[1]
Das Altarbild „Tod des hl. Joseph“ von Joseph Hautzinger, eine Kopie von 1774 nach dem ursprünglichen Original von Carlo Maratta 1676, wurde in den Chroniken als besonders schön gerühmt. Anlässlich der Silbernen Hochzeit von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth (genannt Sisi) wurde es 1879 durch ein von ihren Kindern (Kronprinz Rudolf, Gisela und Marie Valerie) gestiftetes, dreiteiliges Gemälde Hans Canons ersetzt, das die Porträts der kaiserlichen Familie in allegorischer Darstellung vereinigt.[1][2]
Am 18. Jänner 1865 heiratete Herzog Philipp von Württemberg in der Josephskapelle der Wiener Hofburg Erzherzogin Marie Therese, Tochter von Feldmarschall Erzherzog Albrecht. Ebenfalls in der Josephskapelle wurde im Jänner 1868 der Sarg des bei Santiago de Querétaro erschossenen Kaisers Maximilian von Mexiko aufgebahrt.[3]
Die Wandmalereien stammen unter anderem von den österreichischen Barockmalern Franz Anton Maulbertsch und Vinzenz Fischer.[4]
Die aktuelle Restaurierung der Kapelle erfolgte 2010.[5] Hierbei konnten die zunächst als Fabrikware des Historismus eingeschätzte sternförmig-polyedrische Ewig-Licht-Ampel als Meisterwerk des Nürnberger Goldschmieds Hans Petzold aus dem Jahr 1598 identifiziert werden, die sich ursprünglich in der Kunstkammer Kaiser Rudolf II. in Prag befand.[6] Auch die Herkunft des Altars mit Prunk-Tabernakel, ein Hauptwerk neapolitanischen Kunstgewerbes, konnte geklärt werden.[7]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Reihe FOKUS DENKMAL herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Band Nr. 1 herausgegeben von Friedrich Dahm: Die Josephskapelle in der Wiener Hofburg. 1. Auflage 2016, Berger Horn, Wien. ISBN 978-3-85028-789-0
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Josephskapelle (Hofburg) im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
- Friedrich Polleroß: Hofburg & Kapelle. In: kunstgeschichte.univie.ac.at
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c Josephskapelle. In: bundespraesident.at. Archiviert vom am 12. Juni 2012; abgerufen am 25. Juni 2023.
- ↑ Andreas Gamerith: Joseph Hauzinger versus Carlo Maratta: >Tod des Hl. Joseph<. S. 153–159 in: Reihe FOKUS DENKMAL herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Band Nr. 1 herausgegeben von Friedrich Dahm: Die Josephskapelle in der Wiener Hofburg. 1. Auflage 2016, Berger Horn, Wien. ISBN 978-3-85028-789-0.
- ↑ Stefan Müller: Die Akte Maximilian. In: zeit.de. 2. Januar 2014, abgerufen am 25. Juni 2023.
- ↑ Hofburg/Leopoldinischer Trakt. In: burgen-austria.com. Martin Hammerl
- ↑ Friedrich Dahm: Die Bau- und Ausstattungsgeschichte der Josephskapelle in der Wiener Hofburg - Eine Einführung. S. 15–29 in: Reihe FOKUS DENKMAL herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Band Nr. 1 herausgegeben von Friedrich Dahm: Die Josephskapelle in der Wiener Hofburg. 1. Auflage 2016, Berger Horn, Wien. ISBN 978-3-85028-789-0.
- ↑ Paulus Rainer, Elisabeth Krebs: Schlechte Fabriksware oder ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst in der Josephskapelle der Wiener Hofburg. S. 119–137 in: Reihe FOKUS DENKMAL herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Band Nr. 1 herausgegeben von Friedrich Dahm: Die Josephskapelle in der Wiener Hofburg. 1. Auflage 2016, Berger Horn, Wien. ISBN 978-3-85028-789-0.
- ↑ Jörg Garms: Altar und Tabernakel der Josephskapelle. S. 177–213 in: Reihe FOKUS DENKMAL herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Band Nr. 1 herausgegeben von Friedrich Dahm: Die Josephskapelle in der Wiener Hofburg. 1. Auflage 2016, Berger Horn, Wien. ISBN 978-3-85028-789-0.
Koordinaten: 48° 12′ 27,78″ N, 16° 21′ 50,25″ O