Josip Juraj Strossmayer

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J. J. Strossmayer, Lithographie von Josef Kriehuber, 1850

Josip Juraj Strossmayer (auch Joseph Georg Strossmayer und Josip Juraj Štrosmajer) (* 4. Februar 1815 in Osijek; † 8. April 1905 in Đakovo) war Bischof und katholischer Theologe sowie einflussreicher kroatischer Politiker in der Österreich-Ungarischen Monarchie.

Leben[Bearbeiten]

Strossmayer hatte deutsche Vorfahren, die aus der Steiermark (Österreich) stammten.

Theologe[Bearbeiten]

Er besuchte das Gymnasium in Osijek und studierte anschließend Theologie in Đakovo und Philosophie in Budapest, wo er sich für die Ideale des Illyrismus begeisterte. Im Jahr 1834 promovierte Strossmayer in Philosophie, 1838 erhielt er die Priesterweihe. Von 1838 bis 1840 war er Vikar in Peterwardein (Petrovaradin). Schon 1838 hatte er sich mit Einverständnis seines Bischofs um die Aufnahme in die vom Kaiser finanzierte Höhere Bildungsanstalt für Weltgeistliche St. Augustin in Wien beworben, die nach ihrem Gründer Jakob Frint auch Frintaneum oder Augustineum genannt wurde. Dort wurden von 1816 bis 1918 jeweils über 20 Jungpriester aus der ganzen Monarchie für den höheren Kirchendienst fortgebildet (z.B. für die Lehre an kirchlichen Hochschulen, Aufgaben in den Verwaltungsstäben der Diözesen oder staatlichen Kirchenverwaltungen); viele von ihnen wurden später vom Kaiser bzw. König zu Bischöfen ernannt. Das Frintaneum bot ein eigenes fachliches wie spirituelles Ausbildungsprogramm, das die Kollegsmitglieder auf ihren künftigen Dienst sowie auf die vier sog. strengen Prüfungen (Rigorosen) zum Erwerb des theologischen Doktorats an der Universität vorbereiten sollte. Darüber hinaus versahen sie liturgische Dienste in der Hofkapelle und in Schönbrunn, unterrichteten jugendliche Mitglieder der kaiserlichen Familie in Religion oder in Sprachen und halfen bei Bedarf in der Seelsorge an Landsleuten (z.B. Soldaten) aus. 1840 wurde Strossmayer tatsächlich ins Frintaneum aufgenommen und absolvierte in nur zwei Jahren alle vier Rigorosen mit Bravour, woraufhin ihn die Universität Wien 1842 zum Doktor der Theologie promovierte. In seiner Wiener Zeit knüpfte Strossmayer zahlreiche Kontakte, die ihn sein weiteres Leben begleiteten. In die Heimat zurückgekehrt, wurde Strossmayer als Dozent und in der Leitung am Priesterseminar in Đakovo eingesetzt. 1846 trat er nach Entrichtung der erheblichen Aufnahmetaxe der Wiener Theologischen Fakultät als Mitglied bei. 1847 bewarb er sich um eine theologische Professur an der Universität in Pest sowie um die frei gewordene Stelle eines Kaplans der Hof- und Burgpfarre Wiener Hofburg, an die der Dienst als Studiendirektor für Kirchengeschichte und Kirchenrecht im Frintaneum geknüpft war. An der Wiener Universität unterrichtete er aushilfsweise Kanonisches Recht. Der Dienst an der Burgpfarre und am Frintaneum machte ihn den maßgeblichen Kreisen in Wien bekannt und schuf eine gute Ausgangslage für die weitere kirchliche Karriere.

Bischof[Bearbeiten]

Strossmayer-Denkmal in Đakovo

1849 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph auf Vorschlag von Ban Joseph Jelačić von Bužim zum Bischof von Đakovo, Bosnien und Syrmien mit Sitz in Đakovo, 1850 erfolgte die Bestätigung durch Papst Pius IX. 1851 wurde er apostolischer Administrator für Serbien. 1857 errichtete er ein Priesterseminar in Đakovo, wo er auch eine Lehrerbildungsanstalt gründete. Mit seiner Hilfe und finanziellen Unterstützung wurde die Kathedrale zu Đakovo erbaut. 1859 unterstützte er die Renovierung des Instituts des hl. Hieronymus in Rom.

Politiker[Bearbeiten]

Er nahm ab 1860 an der kaiserlichen Ratsversammlung teil, wo er die monarchistische Föderation befürwortete. 1860 wurde Strossmayer Führer der Kroatischen Volkspartei im ungarischen Landtag bis zum Jahre 1873 und war 1861, 1865 und 1866 Mitglied des kroatischen Sabors. 1861–1863 bekleidete er die Funktion eines Großgespans von Virovitica. 1866 war Strossmayer Vorsitzender des kroatischen königlichen Ausschusses. Er setzte sich für eine Revision des kroatisch-ungarischen Ausgleichs ein. Als ihm dies nicht gelang, verließ er den Sabor 1873.

Politisch war Strossmayer ein Vorkämpfer für die Aufwertung der slawischen Völker in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie sowie für einen Zusammenschluss aller südslawischen Völker (Illyrismus) unter habsburgischer Führung. Aus diesem Grund trat er kirchlicherseits für eine Annäherung der Katholischen Kirche an die Orthodoxe Kirche ein und strebte eine einheitliche slawische Liturgie für Kroaten und Serben an. Vorbild war für ihn als Katholiken unter anderem der in Dalmatien gepflegte Altslawische Ritus. Strossmayer engagierte sich auch für die Union mit der Russisch-Orthodoxen Kirche, als führender Kirche der slawisch-orthodoxen Kirchen, ohne dass es zu seiner Zeit dafür irgendwelche kirchenpolitischen Voraussetzungen gab. Beim Ersten Vatikanischen Konzil in Rom wehrte er sich lange Zeit gegen das neu eingeführte Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit, da es ein Hindernis für die Unionsgespräche mit den Orthodoxen darstellte.

Mäzen[Bearbeiten]

Da die Diözese Strossmayers sehr groß war und reiche Einkünfte brachte, ermöglichte ihm dies, zahlreiche Stiftungen und Neugründungen von Kirchen und Schulen durchzuführen. Besonders bedeutend war seine Rolle bei der Gründung der Südslawischen Akademie der Wissenschaften und Künste (1867) und der Universität Zagreb (1874), in Zusammenarbeit mit seinem engen Freund Franjo Rački. Er schenkte der Akademie eine Gemäldegalerie, unterstützte finanziell die Gymnasien in Osijek, Rijeka, Varaždin, Vinkovci und Senj, gründete Bibliotheken, unterstützte die Beschaffung von Archivalien und verlegerische Projekte sowie verschiedene kulturhistorische Gesellschaften, förderte aber auch begabte Einzelpersonen. So wurde er zu einem der bedeutendsten Mäzene und Förderer der Kroaten.

Werke[Bearbeiten]

  • Rede gegen die Unfehlbarkeit des Papstes, Linz 1871 Original lesbar offenbarung.de Evangelische Website
  • Der Papst und das Evangelium. (PDF) Anglikanische Kirche; Rede
  • Govor o nepogrješivosti pape na crkvenom saboru u Rimu (Rede über die Unfehlbarkeit des Papstes, gehalten auf dem Konzil in Rom), Vukovar 1872
  • Die Heiligen Cyrill und Method, Hirtenbrief, Wien 1881
  • Korespondencija Rački-Strossmayer, Zagreb 1928–31

Ehrungen[Bearbeiten]

Strossmayer-Denkmal in Zagreb von Ivan Meštrović

Nach Josip Juraj Strossmayer wurden zahlreiche Gebäude sowie Straßen und Plätze benannt; mehrere Denkmäler wurden ihm zu Ehren errichtet. In Đakovo wurde 1991 ein Museum für Strossmayer eröffnet. Sowohl der jugoslawische als auch der kroatische Staat ehrten Strossmayer mehrmals durch Sonderbriefmarken.

Zu nennen sind unter anderem:

sowie

  • eine Straße im historischen Zentrum Dubrovniks
  • eine Straße in Sarajevo
  • in Zagreb ein Platz (Trg J.J. Strossmayera) sowie eine Promenade (Strossmayerovo šetalište)
  • der Strossmayerplatz (Strossmayerovo náměstí) in Prag-Holešovice, 1925 nach ihm benannt.
  • Strossmayerstraße (Strossmayerova ulica) in Osijek, die längste Straße in der Oberen Stadt (ehem. Hauptstraße, später Lange Gasse).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Josip Juraj Strossmayer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien