Jost Delbrück

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Jost Wilhelm Ernst Delbrück (* 3. November 1935 in Pyritz, Pommern) ist ein deutscher Völkerrechtler und war von 1985 bis 1989 Rektor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Familie, Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jost Delbrück gehört zu jener ursprünglich aus Alfeld an der Leine stammenden niedersächsischen Delbrück-Familie, die im 19. Jahrhundert in Preußen und im Deutschen Kaiserreich einige einflussreiche Positionen innehatte.

Delbrück studierte Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft an Eberhard Karls Universität Tübingen, der Indiana University School of Law in Bloomington und an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wo er 1963 mit der Untersuchung "Die Entwicklung des Verhältnisses von Sicherheitsrat und Vollversammlung der Vereinten Nationen" zum Dr. iur. promovierte. Von 1963 bis 1971 war er Lehrbeauftragter an der Universität in Kiel, habilitierte sich anschließend zum Thema "Die Rassenfrage als Problem des Völkerrechts und nationaler Rechtsordnungen" und wirkte von 1971 bis 1972 als Vertretungsprofessor an der Universität Hamburg. Zum Sommersemester 1972 erhielt er einen Ruf als Professor für Politische Wissenschaften an die Universität Göttingen, kehrte aber zum Wintersemester 1976 an die Kieler Universität zurück und erhielt dort den Lehrstuhl für Völkerrecht, Staatsrecht und Allgemeine Staatslehre der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Von 1976 bis 2001 war Delbrück neben seiner Lehrtätigkeit Direktor am Walther-Schücking-Institut für internationales Recht an der Universität Kiel. Ab 1978 wirkte er auch als Richter am gemeinsamen Oberverwaltungsgericht der Länder Niedersachsen und Schleswig-Holstein in Lüneburg bis zu dessen Teilung 1991 in zwei eigenständige Oberverwaltungsgerichte. 1985 bis 1989 war Delbrück Rektor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Ab 1991 hielt er zudem regelmäßig Vorlesungen an seiner alten Alma Mater, der Indiana University School of Law in Bloomington.

2001 wurde Delbrück emeritiert.

Ehrenämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1988 ist Delbrück Mitglied des Ständigen Internationalen Schiedshofes in Den Haag. Von 1997 bis 2001 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Völkerrecht. Delbrück war u. a. Delegierter der Bundesrepublik Deutschland im UN-Menschenrechtsausschuss und ist Mitglied in der Förderkommission der Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung. Er gehörte ferner dem Kuratorium Unteilbares Deutschland an.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. Mai 2002 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg verliehen[1] und 2006 das Kieler Prunksiegel.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das frühe Werk Delbrücks vor dem Ende des Ost- Westkonfliktes umfasst insbesondere die Kriegsursachenforschung, Arbeiten zu ethischen Diskursen der Friedens- und Weltordnungspolitik sowie zum gesamteuropäischen Sicherheitssystem und zu völkerrechtlichen Normen. Nach 1990 widmete er sich vermehrt der Gestaltung des Staats-, Europa- und Völkerrechts durch die einsetzende Globalisierung. Ergänzt wird dieser Forschungskern durch Analysen zum Rundfunk- und Telekommunikationsrecht, zum Ausländerrecht sowie zu Recht und Politik der Vereinten Nationen im Allgemeinen.[2] Selbständige Schriften:

  • "The Development of the Security Council’s Powers and Voting Procedure Prior to San Francisco", LL.M. Thesis, Bloomington/Indiana 1960.
  • "Die Entwicklung des Verhältnisses von Sicherheitsrat und Vollversammlung der Vereinten Nationen", Diss., Kiel 1964.
  • "Deutsche Ostpolitik und Europäisches Sicherheitssystem", Sankelmark 1968.
  • "Die Rassenfrage als Problem des Völkerrechts und nationaler Rechtsordnungen", Habil., Frankfurt am Main 1971.
  • "Menschenrechte und Grundfreiheiten im Völkerrecht anhand ausgewählter Texte, internationaler Verträge und Konventionen", Stuttgart/München/Hannover 1972´.
  • "Direkter Satellitenrundfunk und nationaler Regelungsvorbehalt", Frankfurt am Main 1982.
  • "Die Rundfunkhoheit der deutschen Bundesländer im Spannungsfeld zwischen Regelungsanspruch der Europäischen Gemeinschaft und nationalem Verfassungsrecht", Berlin/Frankfurt am Main 1987.
  • "Die UNESCO im Dienste des Menschenrechtsschutzes: Die speziellen Gewährleistungen auf den Gebieten Erziehung, Wissenschaft, Kultur und ihre Durchsetzung" (Antrittsrede als Rektor am 30. Mai 1985), Neumünster 1988; abgedruckt in: J. Delbrück, Die Konstitution des Friedens als Rechtsordnung, herausgegeben von K. Dicke, S. Hobe, K.-U. Meyn, E. Riedel und H.-J. Schütz, Berlin 1996, S. 32–43.
  • "Von der Schwierigkeit, Deutscher zu sein: Gedanken aus Anlaß der 50. Wiederkehr der Reichskristallnacht", Neumünster 1988.
  • "Verantwortung für den Staat des Grundgesetzes: Staatsmacht – Parteienmacht – Bürgerohnmacht?", Kiel 1988.
  • "Im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik – Rückblick auf die Amtszeit 1985-1989", Neumünster 1989.
  • (Zusammen mit Rüdiger Wolfrum): Völkerrecht, Band I/1, 2. Auflage des von Georg Dahm begründeten Werkes, Berlin/New York 1989.
  • "Die Konstitution des Friedens als Rechtsordnung. Zum Verständnis rechtlicher und politischer Bedingungen der Friedenssicherung im internationalen System der Gegenwart", Duncker & Humblot, Berlin 1996.
  • "Das Staatsbild im Zeitalter wirtschaftsrechtlicher Globalisierung". In: C.Tietje/G. Kraft: "Erste Christian Thomasius-Vorlesung zum Internationalen Wirtschaftsrecht", Halle/Saale 2002.
  • (Zusammen mit Rüdiger Wolfrum): "Völkerrecht, Band I/2", 2. Auflage des von Georg Dahm begründeten Werkes, Berlin 2002.
  • (Zusammen mit Rüdiger Wolfrum): "Völkerrecht, Band I/3", 2. Auflage des von Georg Dahm begründeten Werkes, Berlin 2002.
  • "Nichtregierungsorganisationen: Geschichte – Bedeutung – Rechtsstatus", Trier 2003.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Presseerklärung der Universität Magdeburg vom 27. Mai 2002
  2. Presseerklärung der Universität Magdeburg vom 27. Mai 2002