Journalistenwatch

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Journalistenwatch (Eigenbezeichnung auch JouWatch) ist ein Internet-Blog, der vorwiegend die Berichterstattung anderer Medien behandelt.[1]

Inhaltlich wird sie als rechtspopulistisch bis rechtsextrem und islamkritisch angesehen.[1][2][3] In Artikeln auf Journalistenwatch wird regelmäßig für die rechtsextreme „Identitäre Bewegung“ geworben. Weiteres zentrales Thema der Homepage sind Fälle von Ausländerkriminalität mit Verweisen auf Artikel anderer Medien. Die Website bezeichnet sich selbst als „Portal für Medienkritik und Gegenöffentlichkeit“.

Redaktion und Betreiber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chefredakteur des 2012 gegründeten Blogs war Thomas Böhm; Anfang 2018 hat er diese Funktion an seine Ehefrau Marilla Slominski abgetreten. Die Reichweite des Blogs wird mit rund einer Million Leser pro Monat angegeben.[3] Betrieben wird der Blog vom Verein Journalistenwatch e.V. – Verein für Medienkritik und Gegenöffentlichkeit mit Sitz in Meißen (bis 2017 in Berlin, bis 2019 in Jena).[4][5]

Der Verein galt von 2012 bis 2016 nicht als gemeinnützig, da das Berliner Amtsgericht für diesen Status Nachbesserungen an der Satzung forderte. Mit dem Umzug nach Jena änderte sich im Jahr 2017 die administrative Zuständigkeit und die Gemeinnützigkeit wurde erteilt. Im Juni 2019 wurde der Status aberkannt.[6][7]

Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Publizisten Akif Pirinçci und Vera Lengsfeld veröffentlichten dort Texte ebenso wie der Verleger Götz Kubitschek oder der damalige österreichische Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ). Eine Videokolumne von Henryk Broder wird publiziert und ein Videoformat des Sprechers der Identitären in Österreich, Martin Sellner.[8]

Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nico Schmidt beschreibt Journalistenwatch in der Zeit als einflussreiche Plattform der Neuen Rechten, die sich am „rechtsäußeren Rand des Internets [...] im Dunstkreis der AfD, irgendwo zwischen Epoch Times, Unzensuriert.at und Politically Incorrect“ etabliert habe und teilweise aus den USA finanziert werde. Der Tenor der veröffentlichten Texte schwanke zwischen Islamkritik und „kuscheligem AfD-Rechtspopulismus“. Die Plattform sei erklärtermaßen proisraelisch.[3]

Nach Darstellung der taz gehört der Blog wie Epoch Times und Anonymous News zu den Websites, die über Facebook am erfolgreichsten sind. Bevorzugte Themen sind demnach „Flüchtlingsfeindlichkeit, Rassismus, Merkelhass und die AfD“.[9] Die Jungle World berichtete, der Blog habe sich ebenso wie Politically Incorrect an einer Kampagne gegen den Silvio-Meier-Preis beteiligt.[10]

Die Evangelische Nachrichtenagentur Idea meldete, Journalistenwatch habe nach eigenen Angaben Strafanzeige wegen Volksverhetzung und Beleidigung gegen die EKD-Reformationsbotschafterin Margot Käßmann erstattet, nachdem sie beim Kirchentag 2017 die AfD scharf angegriffen und erklärt hatte, deren Forderung nach einer „Erhöhung der Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung“ entspreche dem „kleinen Arierparagrafen der Nationalsozialisten: Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern – da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht“.[11]

Im Oktober 2017 behauptete Journalistenwatch, so die Süddeutsche Zeitung, der DGB in München stelle seine Räume „Verfassungsfeinden zur Verfügung“, als im Gewerkschaftshaus ein Antifa-Kongress über Rechtsterrorismus veranstaltet wurde.[12] Die „Kampagne“ unter Beteiligung der Deutschen Polizeigewerkschaft hatte zunächst dazu geführt, dass der DGB die Nutzung der Räume gekündigt hatte.[13][14] Nach massiven Protesten innerhalb des Gewerkschaftsbundes wurde die Entscheidung zurückgenommen.[15]

2019 kam auf dem Portal Journalistenwatch der Chef der rechtsextremen Identitären Bewegung Deutschland Daniel Fiß in einem ausführlichen Interview zu Wort.[16]

Journalistenwatch wird vom US-amerikanischen Think Tank Middle East Forum, dessen Vorsitzender der Historiker Daniel Pipes ist und der die Vernetzung der Neuen Rechten in Europa fördert, zu einem geringen Teil finanziell unterstützt.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Strache und der geklaute Türken-Brief aus dem Web, kurier.at, 24. April 2017
  2. Esther Scheiner: Journalistenwatch die neue rechte Plattform die vorgibt gemeinnützig zu sein in Israel-Nachrichten, 15. November 2017, abgerufen am 26. Dezember 2017
  3. a b c Nico Schmidt: "Journalistenwatch": Die Amerika-Connection der Neuen Rechten, Zeit Online, 17. Dezember 2017
  4. "JouWatch": Rechtem Portal droht Entzug der Gemeinnützigkeit, Tagesspiegel, 10. Januar 2018
  5. tagesschau.de, Bayerischer Rundfunk: Streit um AfD-Stiftung: Rechte Strippenzieher hinter Projekt "Stresemann" | BR.de. 12. Januar 2018 (br.de [abgerufen am 15. Januar 2018]).
  6. Trägerverein nicht mehr gemeinnützig, auf tagesschau.de
  7. Christian Fuchs: "Journalistenwatch": Hetze ohne Spendenquittung. In: Die Zeit. 18. Juli 2019, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 19. Juli 2019]).
  8. Die Zeit am 18. Juli 2019: Jounalistenwatch[1]
  9. Juli 2017 in rechten Medien: Die sozialen Stars, taz.de, 8. August 2017
  10. Small Talk mit Christoph Kopke, Politikwissenschaftler, über die rechte Hetze gegen den Silvio-Meier-Preis: »Verhöhnung der DDR-Opposition«, Jungle World, 23. November 2017
  11. Journalistenwatch: Strafanzeige gegen Käßmann wegen Volksverhetzung gestellt, idea.de, 31. Mai 2017
  12. Paulchen-Panther-Video: Staatsschutz ermittelt nach Antifa-Kongress gegen Pegida, Süddeutsche Zeitung, 6. November 2017
  13. München: DGB lädt Antifa aus -Gewerkschaftsbund streitet über geplanten Kongress, Süddeutsche Zeitung, 19. Oktober 2017
  14. DGB-Haus in München: Antifa-Kongress: Ausladung ohne Einladung, br24.de, 19. Oktober 2017
  15. Antifa-Kongress in München: „Es geht nicht darum, wie man am besten einen Nazi zusammenschlägt“ www.sueddeutsche.de, 5. November 2017
  16. Alexander Fröhlich: Provokation mit neuem Westfernsehen-Tweet: Maaßen postet Hetz-Bericht von rechtsradikalem Medium. www.tagesspiegel.de, 14. Juli 2019
  17. Stresemann-Stiftung erhielt Geld rechter US-Finanziers, Zeit Online, 22. Dezember 2017