Jovenel Moïse

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Jovenel Moïse (2017)

Jovenel Moïse (* 26. Juni 1968 in Trou-du-Nord, Département Nord-Est) ist ein haitianischer Landwirtschaftsunternehmer und seit dem 7. Februar 2017 Präsident von Haiti.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn von Etienne Moïse und Lucia Bruno zog im Sommer 1974 mit seiner Familie nach Port-au-Prince, wo er die Grundschule École Nationale Don Durélin, das Lycée Toussaint Louverture und das Kulturzentrum am Collège Canado-Haïtien besuchte. An der 1988 gegründeten Université Quisqueya studierte er zunächst Erziehungswissenschaften und wechselte dann zur Politikwissenschaft.

Im Jahr 1996 heiratete er seine Mitschülerin Marie Martine Etienne Joseph und zog mit ihr, um das Hinterland zu entwickeln, nach Port-de-Paix im Norden Haitis. Mit Martine gründete er dort JOMAR Auto Parts[1] und eine Bananen-Plantage von 10 Hektar. Kurz darauf begann er ein Projekt für sauberes Wasser in den ländlichen Gebieten, bei dem er seit 2001 mit Culligan – einem US-amerikanischen Unternehmen für Wasseraufbereitung – in Port-au-Prince zusammenarbeitet. Mit Darlehen von Finanzinstituten und Einzelpersonen eröffnete er ein Wasserwerk für die Nordwest- und Nordostregion.

2004 wurde er Mitglied der Industrie- und Handelskammer des Nordwesten (Chambre de Commerce et de l'Industrie du Nord-Ouest; CCINO), zu deren Präsident er bald gewählt wurde. Später wurde er Generalsekretär der Industrie- und Handelskammer von Haiti (CHIC). Interessiert an der Elektrifizierung der Region, gründete er 2008 mit assoziierten Unternehmen die Compagnie Haïtienne d’Energie S.A. (COMPHENER S.A.). 2012 folgten Agritrans SA und seine Mitwirkung an der ersten landwirtschaftlichen Freihandelszone NOURRIBIO[2] bei Trou-du-Nord.

Präsident Michel Martelly benannte Moïse 2015 als Präsidentschaftskandidaten der Parti haïtien Tèt Kale (PHTK, „Tèt Kale“ bedeutet im haitianischen Kreolisch Kahlkopf). Im Wahlkampf präsentierte sich Moïse als „Nèg Bannann“ (Kreyòl: wörtlich „Bananen-Neger“ im Sinne von „Arbeiter einer Bananen-Plantage“),[3] also als jemand, der zu arbeiten gelernt hat. Bei der Stichwahl der Präsidentschaftswahl am 20. November 2016 erhielt er – dem vom „Vorläufigen Wahlrat“ (Conseil Électoral Provisoire) verkündeten vorläufigen Wahlergebnis zufolge – 55,7 % der Stimmen.[4] Am 7. Februar 2017 trat er sein Amt an.

Im Januar und im März 2019 wurden zwei Untersuchungsberichte des haitianischen Rechnungshofes bekannt, in denen es um die Veruntreuung von Geldern geht, die für Straßen, Brücken und Markthallen bestimmt waren, die jedoch nie gebaut wurden. Einer der Geldempfänger, bei dem die Mittel „versickerten“, war Moïses Firma Agritrans.[5] Im September 2019 erschien ein Bericht, in dem Moïse, weitere Regierungsmitgliedern und eine Gruppe privater Unternehmer der Korruption beschuldigt wurden. Dabei sollen in Verbindung mit dem venezolanischen Strukturförderungsprogramm Petrocaribe Millionen US-Dollar veruntreut worden sein.[6] Die starke Unzufriedenheit der Haitianer wegen der herrschendes Armut, der steigenden Preise sowie des Versagens der Behörden und der Polizei dauert an. Im Zuge der Konfrontationen durch die Demonstrationen starben mehr als 40 Personen, gegen die Polizei werden schwere Vorwürfe erhoben, da sie mutmaßlich in viele der Fälle verwickelt ist.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.pseau.org/outils/organismes/organisme_detail.php?org_organisme_id=18890&l=en
  2. Haïti - Agriculture : Création de la première Zone Franche Agricole haïtienne. In: HaitiLibre. 10. August 2013, abgerufen am 12. Januar 2020 (französisch).
  3. Gerard Maxineau: Jovenel Moïse séduit le Nord. In: Le Nouvelliste, 16. September 2015, abgerufen am 1. Februar 2020.
  4. Résultats préliminaires de la présidentielle. Jovenel Moïse aux portes du palais national. Le Nouvelliste, 28. November 2016, abgerufen am 1. Februar 2020.
  5. Klaus Ehringfeld: Aufstand im ausgelaugten Land. Haiti bewegt sich weiter im Teufelskreis aus Armut und Gewalt – das Volk und die Opposition wollen einen Regimewechsel erzwingen. In: Neue Zürcher Zeitung, 30. Dezember 2019, S. 5.
  6. Haiti erlebt eine Revolution – und die Welt schaut weg. In: amerika21. 31. Oktober 2019, abgerufen am 12. Januar 2020.
  7. UNO bestätigt 42 Tote in Haiti, Amnesty kritisiert Polizei. In: america21. 5. November 2019, abgerufen am 12. Januar 2020.
VorgängerAmtNachfolger
Jocelerme PrivertPräsident von Haiti
7. Februar 2017 – amtierend
amtierend