Joy Denalane

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Joy Denalane beim Open-Source-Festival (2014)
Gemeinsamer Auftritt mit ihrem späteren Ehemann Max Herre (1999)

Joy Maureen Denalane [dinaˈlaːni] (* 11. Juni 1973 in Berlin-Schöneberg) ist eine deutsche Soul- und R&B-Sängerin, die Arrangements angloamerikanischer und afrikanischer Musik mit deutschen Texten vereint.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Max Herre und Joy Denalane während eines Auftritts beim Splash-Festival 2012

Denalane wuchs im Stadtteil Kreuzberg auf. Sie war das dritte von sechs Kindern und erhielt den Namen Joy („Freude“). Der Vater, ein Südafrikaner, hatte sich während seines Studiums in Deutschland in Denalanes Mutter, eine Heidelbergerin, verliebt und blieb in Deutschland. Denalane zog mit 16 Jahren von Zuhause aus, machte mit 22 Jahren ihr Abitur und widmete sich fortan der Musik.

Joy Denalane lebt mit ihren beiden Söhnen in Berlin-Charlottenburg. Im Februar 2007 trennten sich Denalane und ihr Ehemann, der Musiker Max Herre. Musikalisch blieben sie weiterhin verbunden und kümmerten sich gemeinsam um die Erziehung ihrer Söhne. Im Wintersemester 2009/10 studierte Denalane für ein Semester Germanistik, Anglistik und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der FU Berlin.[1]

Im März 2011 gaben Joy Denalane und Max Herre bekannt, wieder zueinandergefunden zu haben.[2]

Musikalische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr damaliger Freund überredete Denalane mit 19 Jahren zu einem Vorsingen, das ihr zu Engagements als Sängerin in den Reggae- und Soulbands „Culture Roots“ und „Family Affair“ verhalf. Wenig später folgte der erste Plattenvertrag als Solointerpretin, der sich jedoch als große Enttäuschung erweisen sollte, da man Denalane keinerlei musikalische Freiheiten ließ und sie zur Popmusikerin machen wollte. Dieser Vertrag führte sie schließlich nach Stuttgart, wo Denalane erstmals mit den bekannten Produzenten DJ Thomilla und Tiefschwarz zusammenarbeitete und den Song Music schrieb.

Zu der Zeit hielt die Hiphop-Band „Freundeskreis“ für ihr Duett Mit dir nach einer passenden Sängerin Ausschau und fand sie in Joy Denalane. Dieses Liebeslied wurde ein Sommerhit des Jahres 1999. Freundeskreis-Frontmann Max Herre wurde Denalanes Freund.

Anschließend löste Denalane die Verträge mit ihrer Plattenfirma und tourte zwei Jahre mit der Band. Sie wurde Teil der „FK Allstars“, zu denen neben Freundeskreis unter anderem Afrob, Gentleman, Sékou, Deborah von „Sens Unik“ und Brooke Russell gehörten. Aus der gemeinsamen Tour entstand das Livealbum En Directo. 2001 unterzeichnete sie mit Hilfe von Herre einen Vertrag bei „Four Music“, der Plattenfirma der „Fantastischen Vier“, bei der auch „Freundeskreis“ zu jener Zeit unter Vertrag war.[3]

Debütalbum Mamani[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denalane entschloss sich dazu, eine Soulplatte auf Deutsch zu veröffentlichen, da sich die Sprache durch ihre Begegnungen mit vielen deutschen MCs neu für sie definiert hat. Denalane begann die Arbeit an ihrem Debüt, auf dem sie ihre südafrikanischen Wurzeln repräsentieren wollte. Dabei wurde sie von ihrem Freund und Produzenten Max Herre sowie von den Co-Produzenten Don Philippe, Frank Kuruc, Tommy Wittinger und Tom Krüger unterstützt.

Nach der Geburt ihres ersten Sohnes reiste Denalane nach Südafrika, um ihre Herkunft und die Geschichte ihrer Familie und des Landes zu erforschen. Dort gewann Denalane auch die Unterstützung vieler afrikanischer Musiker für ihr Album, wie zum Beispiel die von Jazz-Musiker Hugh Masekela. Zurück in Deutschland verarbeitete Denalane die Eindrücke ihrer Reise in den Songs Setho, den sie in der südafrikanischen Sprache isiXhosa singt, Mamani (Mutter, Großmutter, oder auch weibliche Vorfahrin) auf Tsonga, den sie ihrer Mutter widmete, dem Trauerlied Mathatha Agotlokamna mit den Mahotella Queens und Im Ghetto von Soweto. Dieser Song ist in drei Strophen gegliedert und bildet einen Querschnitt durch die jüngere südafrikanische Geschichte. Es handelt von der Apartheid, dem Schüleraufstand von Soweto und den Passgesetzen bis hin zur Gegenwart und AIDS. Die Musik ist funkig, mit afrikanischem Backgroundchor. Hugh Masekela spielt in dem Stück Trompete.

Für ihren Sohn singt Denalane das Kinderlied und Höchste Zeit, in Wem gehört die Welt singt sie von Diskriminierungen Schwarzer und Frauen, und im Stück Vier Frauen interpretiert sie Nina Simones Four Women mit Sara Tavares von den Kapverdischen Inseln, Chiwoniso Maraire aus Simbabwe und Freundeskreis-Sängerin Deborah neu. Für ihren Vater nahm sie eine Coverversion des Billie-Holiday-Klassikers I Cover the Waterfront auf.

Auf Joy Denalanes Album finden sich auch klassische Liebeslieder wie Miscommunication, das Oldschool-Stück Was auch immer und der Trennungsblues Geh jetzt. Sag’s mir wurde Delananes erste Singleauskopplung. Mamani, das am 3. Juni 2002 erschien, stieg auf Platz acht in die deutschen Albumcharts ein.

Tourneen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joy Denalane live in München (2006)

Joy Denalane absolvierte drei ausverkaufte Tourneen. Dabei wurde sie als „Gebieterin über Soul und Hiphop“ (Hamburger Abendblatt)[4] und „Queen of German Soul“ (Focus)[5] bezeichnet. Sie arbeitete unter anderem mit Youssou N’Dour zusammen,[6] ging mit dem Jazz-Trompeter Till Brönner auf Tour, gab Konzerte in New York[7] und Philadelphia[8] und war Gast in deutschen Fernseh- und Radiosendungen.[9] Sie gewann einen Comet in der Kategorie „Best Hiphop/R&B National“[10] und erhielt drei Echo-Nominierungen.[4]

Im Jahr 2003 ging Denalane auf „Acoustic Tour“, begleitet von den drei Musikern Dalma Lima (Perkussion), Frank Kuruc (Gitarre) und Fontaine Burnett (Bass).[11] Am 11. März 2004 gab Joy Denalane ein Konzert im Berliner Tränenpalast. Unterstützt wurde sie dabei neben ihrem Musikertrio von den Brüdern Matteo (Schlagzeug) und Lillo Scrimali (Keyboards) sowie Sebastian Studnitzky (Trompete). Dieses Akustikset wurde aufgezeichnet und im Herbst 2004 als Livealbum und -DVD veröffentlicht.[12]

Born & Raised[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der DVD-Aufzeichnung begann Joy Denalane mit den Arbeiten zu ihrem zweiten Studioalbum Born & Raised, dessen Songs sie im Sommer 2005 auf der Clubtour „For the Love Tour“ präsentierte. Das Album wurde am 11. August 2006 veröffentlicht, die erste Single trägt den Namen Let Go. Im Gegensatz zu Mamani enthält es ausschließlich englischsprachige Songs.

Im April 2006 gründeten Denalane, Max Herre, Götz Gottschalk und Sophie Raml ein neues Label namens „Nesola“ (Esperanto: „nicht allein“).

Im September 2006 konzertierte sie im Potsdamer Nikolaisaal mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg unter der Leitung von Scott Lawton.

Im Frühling 2007 veröffentlichte Joy Denalane die Single Change mit Lupe Fiasco in Großbritannien. Sie trat 2007 bei verschiedenen Festivals im Vereinigten Königreich, Japan und Südafrika auf. Change schaffte es nicht in die britischen Charts.

The Dresden Soul Symphony[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2008 trat Joy Denalane mit den Sängern Tweet, Dwele und Bilal gemeinsam mit dem MDR-Sinfonieorchester, dem MDR-Kinderchor und weiteren Begleitmusikern bei der Dresden Soul Symphony auf.

Maureen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gurtenfestival in Bern/Schweiz. Von links: DJ Friction, Brooke Russel, Joy Denalane, Don Philippe, Déborah, Frank Kuruc, Tommy Wittinger, Max Herre, Christoph Sauer

Am 20. Mai 2011 erschien Delananes viertes Studioalbum Maureen. Vorab nahm sie bereits einige der Lieder live auf, unter anderem mit Max Herre als Gast, und veröffentlichte diese als Videosessions im Internet. Maureen ist benannt nach Joy Delananes zweitem Vornamen. Die erste Singleauskopplung Niemand wurde als Rap-Version auf der CD des Magazins Juice veröffentlicht.[13] Joy Denalane nahm Maureen in Berlin und Philadelphia auf, unter anderem mit dem Produzenten Steve McKie (Jill Scott), dem Bassisten Tony Whitfield (Bilal), dem Ghostface- und T.-I.-Produzenten Jake One und dem Jazmine-Sullivan-Songwriter Anthony Bell.[14] Eine englische Version des Albums erschien ein Jahr später.

Anti-Aids-Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch ihr Engagement im Kampf gegen AIDS und ihre Unterstützung von „Wola Nani“, einer südafrikanischen Organisation, die AIDS-kranken Frauen durch den Verkauf ihrer Handarbeit hilft, wurde 2003 die „Deutsche AIDS Hilfe“ auf Joy Denalane aufmerksam; in der Folge wurde sie das Gesicht der Kampagne „Ausgrenzung macht krank“.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Chartpositionen[15] Anmerkung
DE AT CH
2002 Mamani 8
(30 Wo.)
44
(5 Wo.)
54
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: 16. Mai 2002
2004 Mamani Live 44
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 18. Oktober 2004
2006 Born & Raised 2
(13 Wo.)
42
(4 Wo.)
5
(9 Wo.)
Erstveröffentlichung: 11. August 2006
2008 The Dresden Soul Symphony Erstveröffentlichung: 24. Oktober 2008
(MDR Sinfonieorchester & Jun Märkl feat. Joy Denalane, Bilal, Dwele & Tweet)
2011 Maureen 8
(9 Wo.)
36
(3 Wo.)
11
(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: 20. Mai 2011
Erstveröffentlichung English Version: 30. März 2012

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Chartpositionen[15] Anmerkung
DE AT CH
1999 Can't Stop, Won't Stop Erstveröffentlichung: 3. Mai 1999
(feat. Scorpio)
Mit dir
Esperanto
9
(19 Wo.)
30
(6 Wo.)
12
(13 Wo.)
Erstveröffentlichung: 5. Juli 1999
(Freundeskreis mit Joy Denalane)
Time Heals the Pain Erstveröffentlichung: 25. Dezember 1999
2001 Sag's mir
Mamani
Erstveröffentlichung: 13. August 2001
2002 Geh jetzt
Mamani
64
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: 6. Mai 2002
Was auch immer
Mamani
86
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 23. September 2002
2003 Im Ghetto von Soweto
Mamani
Erstveröffentlichung: 17. Februar 2003
Kinderlied
Mamani
Erstveröffentlichung: 12. Mai 2003
So Many Men
Nothing’s in Vain (Coono du réer)
Erstveröffentlichung: 8. Dezember 2003
(Youssou N’Dour mit Joy Denalane)
2004 Höchste Zeit
Mamani Live
Erstveröffentlichung: 4. Oktober 2004
1ste Liebe
Max Herre
33
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 30. August 2004
2005 Go! (Remix)
Be
Erstveröffentlichung: 5. September 2005
(Common feat. Joy Denalane)
2006 Let Go
Born & Raised
45
(9 Wo.)
46
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: 16. Juni 2006
Heaven or Hell
Born & Raised
Erstveröffentlichung: 6. Oktober 2006
(feat. Raekwon)
2007 Sometimes Love
Born & Raised
Erstveröffentlichung: 9. März 2007
Change
Born & Raised
Erstveröffentlichung: 25. Juni 2007
(feat. Lupe Fiasco)
2011 Bin und bleib dein
Maureen
Erstveröffentlichung: 29. April 2011
Frei
Maureen
Erstveröffentlichung: 6. Mai 2011
Nie wieder, nie mehr
Maureen
Erstveröffentlichung: 6. Mai 2011
(feat. Julian Williams)
Niemand (was wir nicht tun)
Maureen
Erstveröffentlichung: 13. Mai 2011
(feat. Max Herre; Remix mit Megaloh & Samy Deluxe)
2012 No More
Maureen (English Version)
Erstveröffentlichung: 9. März 2012
2014 Do They Know It’s Christmas? (Deutsche Version) 1
(5 Wo.)
10
(3 Wo.)
21
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 21. November 2014
(mit Band Aid 30 Germany)
2015 Keine Religion 97
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: Februar 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Joy Denalane – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Schockierend, dass so viele auf Sarrazin angesprungen sind“ 22. Mai 2011, TAZ
  2. Gala.de „Joy Denalane: Glücklich vereint“
  3. 2001 - Four Music gibt Vollgas. Abgerufen am 12. Mai 2013.
  4. a b Susanne Oehmsen: Gebieterin über Soul und HipHop. In: Hamburger Abendblatt. 27. März 2003, abgerufen am 12. Mai 2013.
  5. Michael Steppen: Joy denalane - Die Soul-Mama. In: Focus Online. 14. August 2006, abgerufen am 12. Mai 2013.
  6. So Many Men (Single) von Joy Denalane und Youssou N'Dour. Amazon.com, 8. Dezember 2003, abgerufen am 12. Mai 2013.
  7. Hannes Ross: Joy Denalane - Tief aus der Seele. In: Stern.de. 9. Oktober 2004, abgerufen am 12. Mai 2013.
  8. Stefan Franzen: Erst auf Englisch, dann auf Deutsch. In: Badische Zeitung. 17. Mai 2011, abgerufen am 12. Mai 2013.
  9. Hanno Busch: Joy Denalane bei TV Total. Abgerufen am 21. Dezember 2015.
  10. Comet für Tote Hosen: Düsseldorfer sahnen in Köln gleich doppelt ab. In: Spiegel Online. 17. August 2002, abgerufen am 12. Mai 2013.
  11. 2003 - Echo für Four Music. Abgerufen am 12. Mai 2013.
  12. 2004 - Die ersten #1-Alben für Four Music. Abgerufen am 15. Mai 2013.
  13. Joy Denalane - News vom 14. April 2011
  14. Album-Review zu „Maureen“
  15. a b Chartplatzierungen: DE AT CH