Juden in Afghanistan

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Juden lebten seit der Antike in Afghanistan, aber die Gemeinde hat sich aufgrund von Verfolgung und Auswanderung erheblich verringert. Heute existieren afghanische jüdische Gemeinden zumeist in Israel, den USA und Europa.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahrscheinlich reicht die Geschichte der Juden Afghanistans 2500 Jahre zurück bis hinein in das babylonische Exil 598 v. Chr. und die persische Eroberung Baktriens im Jahr 538 v. Chr.

Erwähnungen einer jüdischen Bevölkerung in Afghanistan gehen auf das 7. Jahrhundert, der arabischen Eroberung zurück. Die Araber zwangen die Juden zum Islam überzutreten. Felsinschriften in hebräischen Buchstaben auf der Seidenstraße zwischen Herat und Kabul werden auf das Jahr 750 n. Chr. datiert.

Im Jahre 1080 erwähnte der spanisch-jüdische Moses ibn Esra 40.000 an Ghazni tributpflichtige Juden und Benjamin von Tudela erwähnte in seinem Bericht, Reisen des Benjamin aus Tudelaim 12. Jahrhundert 80.000 Juden.

Im Verlauf der Invasion Dschingis Khans 1222 verkleinerte sich die Zahl der zunehmend isolierten jüdischen Gemeinden. Erst 1839 wuchs die Bevölkerung wieder an durch eine Flüchtlingswelle aus den iranischen Stadt Mesched nach Herat und erreichte die Größe von ca. 40.000.

Seit 1870 waren die Juden Verfolgungen seitens der afghanischen Behörden ausgesetzt, die sie zu vertreiben suchte. Im Jahre 1876 revoltierten die usbekischen Stämme gegen die afghanischen Herrscher von Maimana, und 13 Juden aus den Reihen der Gemeindeführung wurden von Afghanen, die die Stadt belagerten und wieder unter ihre Kontrolle bringen wollten, ermordet. Der Tag dieses Massakers wurde ein Trauer- und Gedenktag innerhalb der jüdischen Gemeinschaft.

Bis 1948 verließen ca. 5000 Juden trotz eines Verbotes das Land, und nachdem ihnen 1951 die Auswanderung gestattet wurde, zogen die meisten nach Israel. Bis 1969 blieben noch ca. 300 in ihrer Heimat; von diesen emigrierten die meisten mit der Sowjetische Intervention in Afghanistan im Jahr 1979, so dass 1996 10 afghanische Juden verblieben, die meisten von ihnen in Kabul. Viele Juden waren gezwungen, ihre Identität versteckt zu halten.

Während der Herrschaft der Taliban bis 2002 verblieben nur noch zwei Juden im Land: Zebulon Simentov, geboren 1960 und der rund 35 Jahre ältere Isaak Levi. Das konfliktgeladene Verhältnis zwischen Simentov und Levy wurde, angeregt durch die Nachrichtenmeldungen der die US-Truppen begleitenden Reporter während der Operation Enduring Freedom, zur Vorlage für zwei Theaterstücke: „The last two Jews of Kabul“, (Die letzten beiden Juden von Kabu) des Dramatikers Josh Greenfeld; es wurde 2002 in New York aufgeführt und die britische Tragikomödie My brother’s keeper von Michael Flexer 2006.

Isaak Levi verstarb Mitte Januar 2005.

Die verlorenen Stämme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche muslimische sowie einige jüdische Gelehrte sind überzeugt, die Mehrheit der Afghanen, nämlich das Volk der Paschtunen oder zumindest einige seiner Stämme seien Nachkommen der exilierten verlorenen Stämme Israels. Sie zitieren als Beweis für diese Behauptung mündliche Traditionen und die Namen der verschiedenen Stämme, die den Namen der vor 2700 Jahren aus Assyrien verbannten Stämme ähneln wie Rabani (Ruben), Jadschi (Gad), Schinvari (Simeon), Afridi (Efraim), Dschamschidi (Manasse) und der Pathanenstamm, der eine Abstammung von König Saul behauptet.

Andere Hinweise auf eine israelische Bevölkerung in Afghanistan gehen auf das 7. Jahrhundert zurück, wo das Taaqati-Nasiri, ein Volk erwähnt, die Bani Israel, das in Ghor ansässig war. Nach einer paschtunischen Legende wohnten hier Nachkommen der zehn verlorenen Stämme Israels. Es wird angenommen, dass der Name Kabul „von Kain und Abel“ und der Name Afghanistan von Afghana, einem Enkel König Sauls abstammt.

Diese Behauptung wurde jedoch durch einen kürzlich durchgeführten Gentest nicht bestätigt, der an einer kleinen nicht näher beschriebenen Gruppe von Paschtunen, die in Indien lebt durchgeführt wurde. Es ließ sich keine nennenswerte Verbindung zwischen Juden und Paschtunen nachweisen. Noch wird das Paschtu ins Feld geführt, wenn eine hebräische Herkunft belegt werden soll.

Man könnte schlussfolgern, diese Ansprüche wären in der Folge der Islamisierung Afghanistans unter den Paschtunen entstanden. So wird vermutet, viele Stämme hätten eine jüdische Nachkommenschaft gleichsam konstruiert, um sich den einflussreichen Völkern gleichzustellen, die der Koran erwähnt wie Juden, Griechen (siehe Alexander im Koran) und Araber, zu denen man Kontakte unterhielt, doch offenbar schwand deren genetischer Beitrag in der Bevölkerung, statt die Demographie Afghanistans grundlegend zu verändern.

Afghanische Juden heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2008 lebten mehr als 20.000 Juden afghanischer Herkunft in Israel. Die nächstgrößere afghanisch-jüdische Bevölkerungsgruppe, mit ca. 200 Familien lebt in New York City, in den Stadtteilen Flushing, Forest Hills, Jamaica oder Queens. Daneben gibt es kleinere Gruppen in Großbritannien und anderen europäischen Ländern.

Rabbi Jacob Nasirov ist Leiter der jüdisch-orthodoxen Gemeinde von Anshei Shalom, der einzigen afghanischen Synagoge der Vereinigten Staaten. Ihre Mitglieder haben Wurzeln nicht nur in Afghanistan, sondern auch im Jemen, Syrien, Russland, Irak, Marokko und Libanon.

Quellenangaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]