Judengasse (Köln)

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Koordinaten: 50° 56′ 15,2″ N, 6° 57′ 31,7″ O

Judengasse im Jahr 2006

Die Judengasse ist eine etwa 60 Meter lange Gasse in der Kölner Altstadt. Sie führt parallel zur Straße Unter Goldschmied von der Straße Obenmarspforten in nördlicher Richtung bis zur Portalsgasse. Ursprünglich reichte sie vor der Herausbildung des vor dem Historischen Rathaus gelegenen Rathausplatzes und der Umbenennung ihres nördlichen Abschnittes in Bürgerstraße bis zur Kleinen Budengasse und umfasste eine Gesamtlänge von etwa 180 Meter. Die Judengasse bildet die östliche Seite des ehemaligen jüdischen Viertels und der Archäologischen Zone Köln und verlief zugleich entlang der römischen Stadtmauer.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Judengasse bildete die östliche Grenze des ca. 14.000 Quadratmeter umfassenden Areals des mittelalterlichen Judenviertels. In den Schreinsbüchern wird sie ab 1135 erwähnt. Mithilfe von Katasterplänen aus dem Jahr 1863 konnte für die Gasse eine Breite von 3 bis 3,50 Metern rekonstruiert werden. Während die mittelalterliche Bebauung an der Ostseite beim Bau des neuen Rathaustraktes nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, konnten im Zuge von archäologischen Untersuchungen Kellermauern der hochmittelalterlichen Häuser an der Westseite der Judengasse erfasst werden. Sie waren mit Schutt aus dem Pogrom 1349 verfüllt und danach nicht wiederhergestellt worden.

Durch die Ausgrabungen konnte die Stratigraphie der Gasse von der Zeit des Praetoriums über mehrere Laufhorizonte bis zur Aufplanierung im 14. Jahrhundert rekonstruiert werden. Bei der Zuordnung halfen Bauplastik aus Kalkstein aus dem 6. bis 7. Jahrhundert, Keramikfunde aus dem 9. bis 10. Jahrhundert sowie Scherben (Faststeinzeug) aus dem 12. Jahrhundert. Die Befunde wurden von dem Grabungstechniker Marco Hocke für das Dezernat für Kunst und Kultur, Archäologische Zone der Stadt Köln dokumentiert.[1]

Grabungszone Köln, 2015

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Judengasse durch die Gestaltung des zuvor bebauten Areals zwischen Rathausplatz/Portalsgasse, Judengasse, Obenmarspforten und Unter Goldschmied zu einer freien Platzfläche ihre Eigenständigkeit als Straße, jedoch blieb der Name erhalten.[2] Seit Beginn der Ausgrabungen 2011 ist sie Teil der Grabungsstätte der Archäologischen Zone.

Aktuelles Ereignis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 hinderten Kölner Streifenpolizisten junge Täter aus dem rechtsextremen Spektrum daran, das Straßenschild der Judengasse herunterzureißen. Von den rund 20 Tätern, die auch die hinzugekommenen Polizisten angriffen, konnten später sechs festgenommen werden. Sie mussten sich wegen Landfriedensbruchs, Widerstands, Bedrohung, Beleidigung und versuchter Sachbeschädigung verantworten.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Glasner: Die Lesbarkeit der Stadt. Lexikon der mittelalterlichen Straßennamen Köln, Du Mont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2002, ISBN 3-8321-7815-5, S. 120 f.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Katja Kliemann: Die Judengasse in Köln. Stratigraphie einer Straße vom frühen bis zum späten Mittelalter. In: Archäologie im Rheinland 2013, herausgegeben vom LVR Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland / Römisch-Germanisches Museum der Stadt Köln 2013, Theiss Verlag, Darmstadt 2014, ISBN 978-3-8062-2986-8, S. 178–181.
  2. Katja Kliemann: Die Judengasse in Köln. Stratigraphie einer Straße vom frühen bis zum späten Mittelalter. In: Archäologie im Rheinland 2013, herausgegeben vom LVR Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland / Römisch-Germanisches Museum der Stadt Köln 2013, Theiss Verlag, Darmstadt 2014, ISBN 978-3-8062-2986-8, S. 178.
  3. Kölner Stadtanzeiger vom 11. Oktober 2010, abgerufen am 19. Mai 2017