Judenhut

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Darstellung eines Judenhuts in der Frankfurter Judenordnung (Stättigkeit) (1613). Die Pflicht den Hut zu tragen, war um diese Zeit schon aufgehoben.
Der jüdische Spruchdichter Süßkind von Trimberg rechts im Bild mit Judenhut (Codex Manesse, 14. Jhd.)

Der Judenhut war ein halbkugeliger oder konisch zulaufender breitkrempiger Hut mit einem Knauf auf dem Scheitel („pileum cornutum“ = gehörnter Hut). Vom 11. bis zum 14. Jahrhundert war er üblicher Bestandteil der aschkenasischen Tracht jüdischer Männer in Europa. Zeitweise war er auch von der nicht-jüdischen Obrigkeit vorgeschrieben.

Das Vierte Laterankonzil von 1215 forderte von den weltlichen Machthabern, Bevölkerungsgruppen wie Juden, Sarazenen und Muslime zum Tragen eines spezifischen Kennzeichens, das jeweils regional festzulegen war, zu verpflichten. Während diese Forderung in einigen europäischen Ländern umgesetzt wurde, wenn auch nicht durch Vorschreibung des Judenhutes, sondern durch andere Kennzeichen, geschah das in den deutschen Ländern nur langsam. Dort forderten vor allem im 14. Jahrhundert verschiedene Partikularkonzilien die Festschreibung des genannten Hutes als Kennzeichen für Juden, was dazu beitrug, dass der Judenhut als bis dahin freiwillig getragener Bestandteil der jüdischen Tracht mehr und mehr verschwand.

Seit dem 15. Jahrhundert wurde er durch andere Kennzeichen, meist ein gelber oder roter Ring oder Kreis, ersetzt. Auch in islamischen Ländern wurde von Andersgläubigen gefordert, eigene Kennzeichen an ihrer Kleidung anzubringen. Die praktische Wirkung solcher Forderungen blieb aber gering. Die Kenntlichmachung sollte den Juden Kontakt zu Christen erschweren. Sie erleichterte damit deren soziale Kontrolle und provozierte durch die stigmatisierende Wirkung auch Übergriffe.

Im späteren Mittelalter wurden gelegentlich auch Christen als Schandstrafe [1] zum Tragen eines Judenhutes verurteilt, zum Beispiel Frauen, die sich mit Juden eingelassen hatten, oder Wucherer. Ikonographisch wurde der Judenhut in den deutschen Landen dazu verwendet, um männliche Personen als Juden zu kennzeichnen, auch wenn sie in der Realität gar keinen Judenhut getragen hatten, wie alttestamentliche Personen in biblischen Darstellungen oder unbekleidet dargestellte verurteilte Verbrecher.

Der Judenhut wurde auch als Siegelbild jüdischer Gemeinden, etwa in Prag benutzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Judenhut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. http://opac.khi.fi.it/cgi-bin/hkhi_de.pl?t_acsys=x&index=SYS&s1=Ik.09.02.05.04.02.%B7Schandstrafe