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Judensau

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„Judensau“-Relief am Südostflügel der Stadtkirche Wittenberg

Die Tiermetapher „Judensau“ bezeichnet ein im Hochmittelalter entstandenes häufiges Bildmotiv der antijudaistischen christlichen Kunst. Es sollte Juden verhöhnen, ausgrenzen und demütigen, da das Schwein im Judentum als unrein (hebräisch tame) gilt und einem religiösen Nahrungstabu unterliegt. Reliefs, Skulpturen und Bilder mit diesem Motiv sind seit 1230 belegt und an oder in rund 40 kirchlichen und anderen Gebäuden vor allem im deutschsprachigen Raum bis heute vorhanden.

Seit dem 15. Jahrhundert erschien das Motiv auch als aggressive Typenkarikatur in Druckwerken, seit dem 19. Jahrhundert auch als antisemitische Karikatur. Die deutschsprachigen Schimpfworte „Judensau“, „Judenschwein“ und „Saujude“ tauchen seit etwa 1819 auf. Die nationalsozialistische Propaganda griff diese Hetze und Verleumdung auf und bereitete damit auch den Holocaust vor.

Öffentlicher Gebrauch solcher Ausdrücke gegen Menschen ist in Deutschland als Beleidigung (§ 185 des Strafgesetzbuchs), in schweren Fällen auch als Volksverhetzung (§ 130) strafbar. Ähnliche Straftatbestände gelten in Österreich mit § 115 StGB und in der Schweiz mit der Rassismus-Strafnorm (§ 261bis StGB).

Vorgeschichte

Bibel

Die hebräische Bibel begründet das Verhältnis von Mensch und Tier mit der Gottebenbildlichkeit des Menschen: Indem JHWH Adam und Eva nach Gen 1,26 EU zu seinem Ebenbild beruft, ordnet er sie den Mitgeschöpfen über. Tiere und Pflanzen sollen den Menschen zugutekommen. Sie sollen alles Leben bewahren (Gen 2,15 EU), aber nichts Geschaffenes mit Gott verwechseln (Ex 20,4 f. EU). Die Tora verbietet Intimität zwischen Mensch und Tier (Zoophilie) als schwere Perversion und bedroht sie mit der Todesstrafe (Ex 22,18 EU). Sie unterscheidet reine (wiederkäuende) und unreine (nicht wiederkäuende) Tierarten und verbietet das Opfern und den Verzehr der letzteren, darunter des Schweins (Lev 11,7 EU; Dtn 14,8 EU).[1]

Ab der frühen Eisenzeit (~850 v. Chr.) ist das Schwein als Nahrungsmittel archäologisch nur im Küstengebiet der Philister, nicht im Siedlungsgebiet der Israeliten belegt. Spätestens nach dem babylonischen Exil (ab 539 v. Chr.) wurde das Toraverbot, Schweine zu opfern und zu verzehren, in Israel durchgesetzt und seine Übertretung scharf verurteilt, etwa in Jes 65,4 EU und Jes 66,3.17 EU. Damit grenzte sich das Judentum von im Hellenismus üblichen Schweineopfern ab.[2] So wurde das Schwein im jüdischen Priestertum zum Symbol unerlaubter Opfer.[3]

Der Seleukidenherrscher Antiochos IV. (175–164 v. Chr.) nahm das Verbot zum Anlass, die jüdische Religion zu verfolgen: Er befahl den Juden in seinem Herrschaftsbereich, Schweine zu opfern (1 Makk 1,47 EU), und versuchte sie auch zum Essen von Schweinefleisch zu zwingen (2 Makk 6,18–31 EU). Seitdem gehörte der völlige Verzicht auf Schweinefleisch zum unbedingten Bekenntnis eines gläubigen Juden.[4] Darauf beruhen die im Talmud ausgeführten jüdischen Speisegesetze, wonach Schweinefleisch und Schweinemilch zur nicht koscheren Nahrung gehören.[5]

Auch im Urchristentum blieb das Schwein ein Differenzmerkmal von Juden gegenüber Nichtjuden. Jesus von Nazaret lässt nach Mk 5,1–20 EU einen vielköpfigen Dämon namens Legion, der einen Menschen im nichtjüdischen Ort Gerasa beherrscht, in eine Schweineherde fahren, worauf diese sich ins Meer stürzt und ertrinkt. Der Name spielt auf die römische Fremdherrschaft an, weil eine in Gerasa stationierte römische Legion das Schwein als Legionszeichen trug und viele Juden sich damals wünschten, die Römer ins Meer zu treiben.[6] Auch damalige Rabbiner benutzten das Schwein damals als kodierten Ausdruck für das gewalttätige Römische Reich, das Juden wie Urchristen gemeinsam verfolgte.[7]

In Mt 7,6 EU warnt Jesus seine Jünger: „Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.“ Gemeint war wohl, die kostbaren Worte der Tora und der Botschaft vom Reich Gottes nicht an nichtjüdische Verfolger von Juden und Urchristen zu verschwenden.[8]

In 2 Petr 2,22 EU heißt es: „Auf sie trifft das wahre Sprichwort zu: Der Hund kehrt zurück zu dem, was er erbrochen hat, und: Die gewaschene Sau wälzt sich wieder im Dreck.“ Das Sprichwort paraphrasiert Spr 26,11 EU, greift die im Judentum vorgeformte Paarung von Hunden und Schweinen auf und stellt den Abfall von Judenchristen zu einem habsüchtigen, gesetzlosen Lebenstil der Umwelt als unreines, verderbliches Verhalten dar. Vorausgesetzt ist Jesu Toraauslegung (Mt 5-7) als „Weg der Gerechtigkeit“ (2 Petr 2,20).[9]

Kirchlicher Antijudaismus

Schon einige Kirchenväter beschimpften Juden und Häretiker als solche als „Schweine“. Johannes Chrysostomos übertrug diese Herabsetzung im Jahr 388 in acht Hetzpredigten auf den jüdischen Gottesdienst in der Synagoge.[10] Er verglich Juden wegen ihrer angeblichen schamlosen Bräuche mit Schweinen, Ziegen, lüsternen Zuchthengsten, Hunden, Hyänen und allgemein mit wilden Raubtieren, die nur töten könnten und die als sanfte Schafe kontrastierten Christen bedrohten. Dabei hielt er fest, dass Juden ihrem Wesen nach Menschen geblieben seien, wenn auch der übelsten Art. Andere verglichen Juden mit Katzen, Eulen und Skorpionen. Dabei ordneten sie den Christen die nach biblischer Kategorie „reinen“, den Juden die „unreinen“ Tierarten zu. Sie lobten ihre Allegorien als der wörtlichen jüdischen Bibelexegese überlegene, da mehrfache („wiederkäuende“) Auslegung.[11] Diese verband Unreinheit mit moralischer und spiritueller Gefahr. Tiervergleiche machten diese Gefahr und die angeblichen moralischen wie intellektuellen Defizite der Juden anschaulich und ließen sich leicht in bildende Kunst übertragen.[12]

Mit der Übernahme hellenistischer Tugend- und Lasterkataloge bildete die christliche Theologie seit dem 5. Jahrhundert die Reihe der „Sieben Todsünden“ heraus: Die letzten beiden, Völlerei (lateinisch gula) und Wollust (luxuria), wurden bildlich oft als Schwein symbolisiert. Es verkörpert die Unreinen und die Sünder, deren Bauch mit Schweinereien angefüllt ist, deren verdaute Exkremente sie ihren Nachkommen hinterließen (Ps 17,14 EU). Ebenso verkörperten Mönche und Affen die inconstantia (Untreue, Unbeständigkeit). Rabanus Maurus stellte in seiner Enzyklopädie De universo (847) Juden Schweinen an die Seite, da beide in gleicher Weise ihre gottlose, sündhafte Unmäßigkeit und Unkeuschheit „vererbten“. Er bezog sich dabei auf die „Selbstverfluchung“ in Mt 27,25 EU: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder! Bis dahin wurden Juden mit Schweinen verglichen, nicht identifiziert, um einfache Christen mit drastischen Bildern vor analogen Lastern zu warnen.[13] Der Schweinevergleich konnte dabei ebenso für eine sündhafte Religionsausübung wie für einen unsauberen, gefräßigen, von Promiskuität geprägten Lebensstil oder unlautere Geschäftspraktiken stehen.[14]

Die seit dem 2. Jahrhundert üblichen christlichen Bestiarien schrieben Juden in moralisierenden Begleittexten Blindheit, Idolatrie und den Christusmord zu. Jedoch fehlt darin das spätere „Judensau“-Motiv. Dieses kam ohne Begleittext aus, beleidigte und verhöhnte Juden direkt, indem es sie mit dem am meisten verachteten Tier, mit Schmutz, Völlerei und Wollust identifizierte.[15] Zwangskonvertierte Juden wurden in Europa nicht zum Schweinefleischverzehr genötigt, und kirchliche Quellen werteten das kultische Schweinefleischverbot für Juden nicht ab. Was die Verhöhnung dieses Verbots angeregt hat, ist ungeklärt.[16]

Im Hochmittelalter stieg der Katholizismus zur herrschenden Weltanschauung Europas auf. Skulpturen an Kirchengebäuden stellten die siegreiche Ecclesia der unterlegenen Synagoge gegenüber (Ecclesia und Synagoge). Beide Figuren waren meist hoheitsvoll und wohlgestaltet. Während der Kreuzzüge (ab 1096) erhielt die Synagogenfigur auch vulgäre und pornografische Züge, etwa indem sie auf einer Sau gegen die Ecclesia reitet, die hoch zu Ross sitzt, oder sich mit der nackten Eva als Symbol von Unzucht, Erbsünde und Tod verbündet.[17] Ab dem 12. Jahrhundert neigten christliche Theologen zur Gleichsetzung von Juden mit Tieren. Odo von Tournai erwog nach einer erfolglosen Disputation, ob sein Gegner wegen seiner sturen Abwehr des Christentums nicht eher unverständiges Tier als Mensch sei. Petrus Venerabilis bestätigte dies.[18]

Im 13. Jahrhundert wurde die frühkirchliche Substitutionstheologie sozialpolitisch zementiert. Das 4. Laterankonzil von 1215 ordnete eine diskriminierende Kleiderordnung für Juden und ihren Ausschluss aus weltlichen Ämtern an. Das markierte sie als „Ungläubige“ und leitete ihre spätere europaweite Ghettoisierung ein. Im selben Zeitraum wurden Juden immer häufiger angeklagt, Ritualmorde und Hostienfrevel zu verüben. Neben solche Anklagen trat ab 1230 das bildhafte „Judensau“-Motiv in und an Kirchengebäuden.[19]

Reliefs, Skulpturen und Wandbilder ab 1230

Vorkommen des „Judensau“-Motivs als Skulptur, Relief oder Wandbild

Mittelalterliche Plastiken oder Wandbilder einer „Judensau“ stellen Menschen und Schweine in intimem Kontakt dar. Die menschlichen Figuren zeigen die typischen Kennzeichen der vom Laterankonzil 1215 verordneten Judentracht, etwa einen „Judenhut“ oder Gelben Ring. Oft saugen diese Figuren wie Ferkel an den Zitzen einer Sau, küssen, lecken oder umarmen Schweine.[14] In anderen Varianten reiten sie verkehrt herum auf einem Schwein, das Gesicht dem Anus zugewandt, aus dem Kot und Urin spritzt.[20]

Diese mitteleuropäischen plastischen Bilder gelten als früheste Form einer judenfeindlichen Karikatur, die drei sozialpsychologische Hauptzwecke erfüllte:

  • die Juden dem allgemeinen Spott preiszugeben, indem auf ihre angeblich typischen Verhaltensweisen hingedeutet wurde;
  • diese antijudaistischen Vorurteile der Betrachter zu verfestigen und zur Abgrenzung von Juden, indirekt so auch zum Handeln gegen sie zu ermuntern;
  • die Juden in ihrem religiösen Selbstverständnis anzugreifen und zu verletzen.[21]

Als grobe Spottbilder verbinden sie die Darstellung einer Intimität zwischen Mensch und Tier häufig mit Ausscheidungs- und Verdauungsprozessen.[22] Die Obszönität der Bilder zielte auf eine möglichst wirksame Diffamierung der Dargestellten und sollte beim Betrachter Ekel, Schamgefühl, Hass und Verachtung hervorrufen.[23] Dies sollte gläubige Juden in besonders quälender Form öffentlich verunglimpfen, demütigen und aus der menschlichen Gemeinschaft ausgrenzen. Dem Betrachter des Motivs wurde suggeriert, dass Juden besonders sündige, abstoßende, verkehrte und ausschweifende Dinge tun und mit Schweinen artverwandt seien. Das sprach ihnen ihre Menschenwürde ab, auf die es in ihrer Religion gerade ankommt. Zugleich zementierte das Motiv eine gesellschaftliche Distanz zur jüdischen Minderheit. Darum sehen Historiker darin einen Vorläufer des späteren Antisemitismus.[24]

Vorkommen

Die genaue Zahl der bildhaften „Judensau“-Darstellungen an Gebäuden ist ungewiss. 48 Beispiele in Mitteleuropa sind bekannt.[25] Rund 40 davon sind noch vorhanden. Einige sind bis zur Unkenntlichkeit verwittert, andere waren nicht in Quellen verzeichnet und wurden erst ab 2000 wiederentdeckt.[26]

Ort Merkmale Entstehungszeit Zustand Bild
Liebfrauenkirche (Aarschot), Belgien Miserikordie;
Judenfigur reitet rückwärts auf einem Ziegenbock.
um 1500 erhalten Aarschot, Notre-Dame, misericord showing caricature of a Jew.png
St. Laurentius (Ahrweiler) Wasserspeier 1295 gut erhalten
Wernerkapelle (Bacharach) Wasserspeier um 1290 teilweise zerstört
Stiftskirche St. Peter (Bad Wimpfen) Wasserspeier restaurierte Kopie; erhaltenes Original im Reichsstädtischen Museum. Wimpfen-stiftskirche-judens.jpg
Basler Münster, Schweiz Relief an den Miserikordien des Domherrengestühls;
Schwein säugt zwei Männer mit Judenhüten.[27]
nach 1363 1997 entfernt und im Historischen Museum eingelagert.
Heilig Dreifaltigkeit (Bayreuth) Sockel einer Heiligenfigur außen 1430–1440[28] 2004 teilweise zerstört; voriger Zustand Stadtkirche Bayreuth Skulptur Aussenwand 03.04.07.jpg
St. Peter und Paul (Brandenburg an der Havel) Säulenkapitell im Kreuzgang um 1230 gut erhalten Darstellung einer Judensau (Dom Brandenburg).jpg
Franziskanerkirche (Bratislava), Slowakei Wasserspeier an Außensäule;
Figur mit Spitzhut reitet auf Schwein[29]
1280–1297 1897 ersetzt; Original verloren[30]
Stiftskirche Bützow Relief am Säulenkapitell im Mittelschiff um 1314 erhalten
Burgtor Cadolzburg Sandsteinrelief; größte bekannte „Judensau“-Skulptur 1380–1480 stark verwittert Cadolzburg 4394.jpg
St.-Stephani-Kirche (Calbe) Wasserspeier 15. JH 2019/2020 restauriert; verhüllt
Martinsmünster (Colmar) Wasserspeier und Figur beim Westportal um 1350 Colmar Cathédrale Judensau.JPG
Maria-Magdalenen-Kirche (Eberswalde) Säulenkapitell
Erfurter Dom spätgotisches Flachrelief, Schnitzarbeit am linken Chorgestühl; Turnier-Version 1400–1410 gut erhalten [31]
Kathedrale von Évora, Portugal Mann mit Schweinekopf und Judenhut[32] 14. JH
Alte Brücke (Frankfurt am Main) Außenwandgemälde 1475 1801 mit dem Brückenturm zerstört Judensau Frankfurt.jpg
Erzkathedrale von Gniezno, St. Andreas Kapelle Kapitell mit Relief, Portal rechte Seite um 1350
Goslar, aus unbekanntem Gebäude Stück einer Sandsteinsäule;
Figur mit Kegelhut sticht Schwein in die Schnauze, zweite Figur will es melken.
1150–1250 gut erhalten Judensau Goslar.png
Härkeberga kyrka, Uppland, Schweden Innenwandgemälde von Albertus Pictor[33] um 1480
St. Marien (Heilbad Heiligenstadt) Fragment eines Wasserspeiers, Nordecke der Annenkapelle um 1300 stark verwittert
Kloster Heiligenberg Siegelstempel 14. JH gut erhalten
Kloster Heilsbronn Sockel für Heiligenfigur an Säule im „Mortuarium“ um 1430[34] Heilsbronn Münster - Mortuarium 0.jpg
Kirche von Husby-Sjutolft, Uppland, Schweden Deckenfresko von Albertus Pictor[30] 1470–1480
Stadtapotheke Kelheim Außenwandrelief 1519 nach Kriegsende 1945 entfernt
Kölner Dom Holzschnitzerei am Chorgestühl um 1310[35] gut erhalten Choir seating of Cologne Cathedral with Judensau (left) and blood libel motif (right).tif
Kölner Dom Wasserspeier am Südostchor um 1280[35] restauriert und gesichert 2017-06-16-Wasserspeier Judensau Kölner Dom-2466.jpg
St. Bartholomäus (Kolín), Tschechien Kapitell der südöstlichen Innensäule um 1280 gut erhalten
St. Marien (Lemgo) Sandsteinskulptur, westliches Atrium;
kniende Figur mit Spitzhut umarmt ein Schwein.
um 1310 erhalten Lemgo - 2014-10-18 - St Marien (08).jpg
Schlosskapelle St. Lorenz in Lipnice nad Sázavou, Tschechien Säulenkapitell im Altarraum;
männliche Figur mit Judenhut hängt an Zitzen einer Sau
um 1350 gut erhalten
Magdeburger Dom, Ernst-Kapelle Sandsteinfries mit Farbspuren um 1270 oder 1493 gut erhalten Judensau magdeburg magdeburger dom ernstkapelle.jpg
Kathedrale von Metz, Karmel-Kapelle Sandsteinrelief um 1300–1330 JudensauMetzL1120243 (2).jpg
Nordhäuser Dom geschnitztes Chorgestühl um 1380 erhalten
St. Sebald (Nürnberg) Sandsteinskulptur als Konsole, Südostchor um 1380[34] gut erhalten, restauriert Judensau nuernberg sankt sebald kirche 2.jpg
Marienkirche (Pirna) Steinskulptur am Fuß der Kanzel 1546 gut erhalten Judensau Pirna.jpg
Regensburger Dom Steinskulptur, Wandpfeiler außen am Südeingang 14. JH erhalten, 2022 restauriert Regensburger Dom Judensau 2004.jpg
Rathausturm Salzburg, Österreich Steinskulptur von Hans Valkenauer um 1487 um 1800 entfernt[36]
Spalt, Haus Stiftsgasse 10 (früher Herrngasse 146) Sandsteinrelief 15. JH stark verwittert
Schloss Telč Holzschnitzerei im Goldenen Saal;
Jude reitet auf geflügelter Sau
1550–1561 gut erhalten
St.-Wenzeslaus-Kirche Theilenberg Sandsteinrelief an der Ostseite des Turms 14. JH verwittert
Dom zu Uppsala, Schweden Säulenkapitell im Chor, dreiseitiges Relief um 1350 B 4305.png
Wiener Neustadt, Hauptplatz Nr. 16, Österreich Sandsteinrelief ab 1496 schlecht erhalten; heute im Stadtmuseum Wien[37] Wiener Neustädter Judenspott.jpg
Stadtkirche Lutherstadt Wittenberg Sandsteinrelief mit Putzinschrift an der Südostecke der Chorfassade um 1290 1570 betitelt und nach außen verlegt;[38] 2017 restauriert[39] Judensau Wittenberg.jpg
Stiftskirche St. Viktor in Xanten, Nordseite vor dem Hochchor Steinsockel einer Marienfigur; Figur mit Judenhut, Sau beißt in den Hut[40] erhalten
St. Nikolai (Zerbst/Anhalt) (Ruine) Steinrelief am Strebepfeiler an der Nordostseite des Chores 1446–1448 gut erhalten Zerbst Nikolaikirche Judensau Detail.jpg
Zerbst/Anhalt, Wohnhaus Markt 16 geschnitzter gotischer Balken erhalten; heute im Stadtmuseum

Isaiah Shachar nannte in seiner maßgeblichen Forschungsarbeit zudem einige nicht oder nicht mehr vorhandene Beispiele aus teils unbestätigten literarischen Quellen:

  • an einer Hauptkirche in Anhalt-Köthen,
  • an Gasthöfen in Dessau, um Juden aus Berlin und anderswo von deren Besuch auszuschließen,
  • in Diesdorf,
  • in Torgau.[41]

Bedeutungswandel

Die älteste bekannte „Judensau“-Skulptur entstand um 1230 als Säulenkapitell im Domkreuzgang von Brandenburg. Sie zeigt ein Mischwesen aus Schweinekörper und Menschenkopf, der den 1215 verordneten Judenhut trägt.[42] Das deutete eine Wesensgleichheit von Jude und Schwein an. Diese Version wurde später nicht mehr aufgegriffen. Isaiah Shachar datiert auch die „Judensau“-Skulpturen in Bad Wimpfen, Eberswalde, Lemgo, Magdeburg und Xanten in das 13. Jahrhundert. Diese frühen Beispiele sollten ihm zufolge noch nicht das Judentum als solches verhöhnen, sondern Juden als moralische Exempelfiguren für alle Sünder darstellen.[43]

In das 14. Jahrhundert datiert Isaiah Shachar die „Judensau“-Figuren in Colmar, Gnesen, Heiligenstadt, Köln, Metz, Nordhausen, Regensburg und Uppsala. Er bestritt ihre Herkunft aus dem Motiv der Kapitolinischen Wölfin, die Romulus und Remus säugt.[44] Der Historiker Rudolf Reiser interpretierte die Regensburger Skulptur jedoch 2013 wegen ihres langen Schwanzes als säugende Wölfin.[45]

Das Fries im Magdeburger Dom zeigt eine Figur, die ein Spitzhut als Jude markiert. Er kniet unter einer Sau und saugt an einer Zitze. Zwei Ferkel befinden sich rechts davon. Links ist ein bärtiger Jude dem Hinterteil der Sau zugewandt; seine abgebrochene rechte Hand berührte es wohl ursprünglich. Um die Ecke herum hält eine der Sau zugewandte Frau eine Schüssel mit Eicheln, ein Jude hält eine Schriftrolle.[46]

Das Relief in St. Sebald (Nürnberg) zeigt vier männliche Figuren. Zwei hängen an den Zitzen einer Sau; eine davon trägt den Judenhut. Eine füttert links die Sau, eine fängt ihre Exkremente in einem Topf auf.[47] Die Konsole sollte ursprünglich eine Heiligenfigur tragen.[48]

Zwei Reliefs in Böhmen ahmen die schon etablierten deutschen Versionen nach. Die Figur in Kolín zeigt drei männliche Figuren mit Judenhut unter einer Sau; einer saugt ihre Zitze, einer hält ihren Schwanz, der dritte füttert sie. Dies symbolisiert wie die Magdeburger Figur die Sünde der Völlerei. Die Stadt gehörte zum Bistum Magdeburg und hatte anfangs großenteils deutschsprachige christliche Bewohner; Juden siedelten sich erst später dort an. Die Figur in der Schlosskapelle von Lipnice nad Sázavou ähnelt den Figuren in Bad Wimpfen, Bayreuth und Nürnberg. Sie ist von dämonischen Köpfen an weiteren Säulen umgeben, darunter dem Kopf des Teufels mit Grimasse, Stoßzähnen und herausgestreckter Zunge. Sie war aber hinter dem Altar platziert und daher kaum sichtbar.[49]

Am Chorgestühl des Erfurter Doms wird der religiöse Gegensatz als Turnier dargestellt: Während die Kirche auf einem Pferd reitet, sitzt die Synagoge auf einem Schwein. Die Figur im flämischen Aarschot wandelt das Motiv ab: Dort reitet ein Jude auf einem Ziegenbock. Dieser war auch ein Teufelssymbol, so dass das Motiv nun bereits über den bloßen satirischen Spott hinausging und das Judentum insgesamt dämonisierte.[50]

In Spanien wurden die durch Zwangstaufen zum Christentum konvertierte Juden seit etwa 1380 als Marranos (Schweine) beschimpft, da man ihnen keine innere Abkehr vom Judentum abnahm und dies auf eine unveränderliche jüdische Wesensart zurückführte. Mit dem frührassistischen Kriterium der Blutsreinheit (limpieza de sangre) versuchten spanische Christen getaufte Juden vom gesellschaftlichen Aufstieg auszuschließen. Im 15. Jahrhundert kam es zu landesweiten Pogromen und Vertreibungen der spanischen Juden und Judenchristen.[51] In Spanien wurden jedoch keine „Judensau“-Skulpturen nachgewiesen.

Ein Sonderfall ist der Siegelstempel aus dem 14. Jahrhundert, der 2019 bei Grabungen im Kloster Heiligenberg bei Bruchhausen-Vilsen gefunden wurde. Er zeigt einen Juden mit Spitzhut, der am Hinterteil einer Sau kniet, ein Hinterbein hält und seinen Mund ihrem After zuwendet. Die Umschrift lautet SECRETUM IACOBI PIG[neratoris] BREMENSIS („Geschäftssiegel des Bremer Pfandnehmers Jacob“). Dass sie die Berufsbezeichnung Pignerator („Pfandleiher“) auf das englische Wort “Pig” für „Schwein“ abkürzt, sollte den bezeichneten Juden vielleicht zusätzlich verhöhnen.[52] Andere Forscher ordnen das Siegel einem Christen zu, bestreiten aber nicht seine antijudaistische Bedeutung.[53]

Ab dem 15. Jahrhundert wurden derartige Bilder auch an nichtkirchlichen Bauten angebracht. Somit erweiterte sich der Adressatenkreis über den kirchlichen Rahmen hinaus in das Bürgertum; Juden wurden nun gesamtgesellschaftlich verachtet. Besonders provokant war das Wandbild am Frankfurter Brückenturm (um 1475): Es zeigte einen Rabbiner, der verkehrt herum auf einer Sau reitet, einen jungen Juden unter dem Bauch an den Zitzen, einen weiteren am After oder der Vulva saugend; hinter der Sau stehend den Teufel selbst und eine auf einem Ziegenbock reitende Jüdin. Darüber war der verstümmelte und gefolterte Simon von Trient als angebliches Opfer eines jüdischen Ritualmords zu sehen. Unter dem Bild stand: „Saug du die Milch, friß du den Dreck, Das ist doch euer best Geschleck.“ Dies sollte unterstreichen, dass Juden abartige Wesen seien, die den Tieren und dem Teufel näher stünden als dem Menschen.[54] Die Verknüpfung des „Judensau“-Motivs mit der Ritualmordlegende sollte eine Pogromstimmung schüren.[55] Das Bild befand sich direkt gegenüber der Frankfurter Judengasse und blieb bis zum Abriss des Brückenturms 1801 eine touristische Attraktion der Stadt.[56]

Eine Steingravur an einem Privathaus in Kelheim von 1519 zeigte eine Sau, die als Juden gekennzeichnete Figuren zum Lesen einer Gebotstafel mit hebräischen Buchstaben bringen. Damit verhöhnte es den jüdischen Tora-Glauben. Die Inschrift darunter bezog es auf die damalige Vertreibung der Regensburger Juden. Das Bild wurde vor 1850 auf Klagen von Juden abgenommen, aber 1895 an die Fassade der Stadtapotheke verlegt. Als einziges öffentliches „Judensau“-Bild wurde es 1945 zerstört, wohl auf Befehl eines Offiziers der US Army. Es ist nur noch auf Fotografien dokumentiert.[57] Das Wandgemälde an einem Privathaus in Spalt war ursprünglich an der Bibliothek des Spalter Chorherrenstifts angebracht. Es zeigt einen Juden mit Spitzhut, der unter einer Sau liegt und an einer ihrer Zitzen saugt, während er mit einem Arm ein Vorderbein der Sau hochdrückt. Das Gemälde wurde bei einer Hausrenovierung 1969 verputzt, konnte aber wieder freigelegt werden.[58]

Das um 1290 entstandene Relief der Wittenberger Stadtkirche war ursprünglich Teil eines Bildzyklus im Altarraum zur Abwehr von Dämonen und Sünden. Die als Juden kenntlichen Figuren unter einer Sau standen für die Sünde des Irrglaubens und sollten Christen vor einer Konversion zum Judentum warnen, die nach damaligem Glauben ewige Verdammnis nach sich zog.[59] Seit 1517 war die Stadtkirche Wittenberg der Predigtort Martin Luthers und Ursprung der Reformation. Seine Schmähschrift Vom Schem Hamphoras (1543) machte das Relief weithin bekannt. Folglich wurde es 1570 an die südliche Außenfassade der Stadtkirche versetzt und erhielt die Überschrift Rabini Schem HaMphoras (hebräisch „der unverstellte Name“). Das verknüpfte das für gläubige Juden unreine Schwein im Anschluss an Luther mit dem unaussprechlichen Gottesnamen.[38] Diese Verbindung bedeutet für gläubige Juden eine ungeheure Blasphemie. In der frühen Neuzeit hatte sich der ursprünglich religiöse Gegensatz von Kirche und Synagoge also zu einer totalen, alle Lebensbereiche umfassenden Verachtung des Judentums verdichtet.[60]

Die Skulptur an St. Nikolai in Zerbst entstand im Kontext einer lokalen Pest-Pandemie von 1448 und Pestpogromen an Judengemeinden.[61]

Druckerzeugnisse ab 1440

Einblattholzschnitt aus Breisach, um 1450–1500

Grafiken

Seit der Erfindung der Druckpresse (um 1440) findet sich das Motiv vermehrt auf Druckgrafiken und gelangte so mit anderen antijüdischen Stereotypen in die populäre Kunst. Ein zwischen 1450 und 1500 hergestellter und als Einblattdruck vervielfältigter Holzschnitt aus Breisach am Rhein gilt als erste profane Judenkarikatur.[62] Sie zeigt eine riesige Sau, die vier Juden säugt und von drei weiteren umhegt wird. Zwei jüdische Zeugen im Begleittext legen nahe, es gehe dabei um sexuellen Verkehr, nicht um den Verzehr der Sau. Dies unterstellte Juden wie die textlosen älteren Skulpturen einen heimlichen Trieb zum Bruch der Toraverbote. Dagegen deuteten Juden das Schwein dieser Bilder weiterhin als Symbol der gewaltsam herrschenden Macht Roms.[63]

Ein Kupferstich von 1475–1480 zeigt abstoßende Figuren mit dem gelben Ring, dessen Innenkreis mit einer Sau ausgefüllt ist. Sie schneiden ein nacktes Kind mit Messern und fangen sein Blut auf. Der italienische Untertitel verweist auf Simon von Trient. Das Bild verband das „Judensau“-Motiv erstmals mit der Ritualmordlegende und beeinflusste auch das spätere Frankfurter Wandbild.[64]

Der Prager Künstler Matouš illustrierte von 1490 bis 1495 ein Graduale und ein Hymnenbuch für Utraquisten in Kutná Hora mit farbigen Kalligrafien, die „Judensau“-Motive aufgreifen: Ein Mann mit blauem Hut reitet rückwärts auf einer Sau und hält ihren Schwanz fest in der linken Hand. Ein Mann mit Hut reitet im Turnierkampf eine Ziege, sein Gegner einen Eber oder eine Sau. Zwei Männer, einer mit blauem Hut, küsst das Hinterteil einer Ziege, der andere den After eines Schweins. Schon eine Bible moralisée von 1220 enthielt ein Bild eines Juden, der den Hintern einer Ziege küsst. Diese Motive beeinflussten auch deutsche Schandbilder: So zeigte die Anklageschrift gegen Dietrich von Klitzing (1550) eine Figur, die rückwärts auf einem Schwein reitet und den Mund auf dessen Anus presst.[65]

Ein bis 1517 illustriertes Graduale für Utraquisten in Litoměřice zeigt im Folio zu Pfingsten biblische Szenen vom Toraempfang des Mose und Opfer des Elija. Das Rahmenwerk stellt blonde nackte Babys eines Menschenpaars einer Sau mit vielen dunkelbraunen Ferkeln gegenüber. Unter ihnen streckt ein Baby seine Hände zum Bauch der Sau und saugt an ihren Zitzen. Dies kontrastiert Christen als fruchtbare Erben des Alten Testaments mit Juden, die sich vom Schwein nähren und zu Ferkeln geworden sind. Das Bild symbolisierte und verstärkte lokale Konflikte zwischen Utraquisten und der jüdischen Gemeinde. Diese wurde 1541 bei einem Pogrom vernichtet; 1546 wurde Juden die erneute Niederlassung am Ort verboten.[66]

Eins der 30 Holzreliefs, die Zacharias von Neuhaus von 1550 bis 1561 für den Goldenen Saal im Schloss Telč schnitzen ließ, zeigt einen bärtigen Mann im schwarzen Mantel mit dem gelben Ring. Er reitet eine fliegende Sau, hält ihren Schwanz fest in der linken, einen zerbrochenen Krug in der rechten Hand. Die deutsche Inschrift dazu („Veitl, ein Jude, ein Prüfer von Edelsteinen. Hier reitet er auf einer Sau. Er ist 60 Jahre alt.“) meint eine konkrete Person, eventuell den jüdischen Händler Feytl in Telč. Der zerbrochene Krug stellt ihn als Betrüger dar. Nach Feytls Tod 1561 mussten seine Söhne das Vaterhaus an den Schlossherrn verkaufen. Ob das Relief einen Privatkonflikt oder Judenhass ausdrückt, ist unklar.[67]

Viele frühe Holzschnitte griffen das Frankfurter Wandbild auf und verschärften es. So zeigte ein Flugblatt von 1563 unter dem Titel „Der Juden Messias“ eine von zwei Teufeln begleitete Prozession von 14 Personen mit dem gelben Ring, die die „Judensau“ zur Hölle tragen. 13 der Figuren sind mit Namen und verunglimpfenden Reimen markiert.[68]

Ab dem 16. Jahrhundert übertrugen Grafiken die assoziative Verbindung von Juden, Sau und Teufel auch auf Körpermerkmale und statteten die menschlichen Figuren etwa mit Schweinsohren, Bocksfüßen und Hörnern aus. Ein antijüdisches Pamphlet von 1571 etwa zeigt auf dem Deckblatt Judenfiguren mit dem Gelben Fleck, Teufelskrallen, Klauen- und Krähenfüßen und Schweinsgesichtern mit Hörnern und Geweihen. Eine davon, ein Gaukler mit Dudelsack, reitet auf einer Sau, die ihre Exkremente frisst.[69] Auch auf „Judenspottmedaillen“ taucht das Motiv ab der Reformationszeit öfter auf.[70]

Literatur

Das Fastnachtsspiel von Hans Folz Ein spil von dem herzogen von Burgland (Werktitel: Der Juden Messias) aus dem 15. Jahrhundert zeigt die Aufnahme des Motivs in der deutschsprachigen Literatur. In diesem Bühnenstück wird der jüdische Messias szenisch als Antichrist entlarvt und am Schluss als Strafe für die Juden vorgeschlagen:

„Ich sprich, das man vor allen ding
Die allergrost schweinsmuter pring,
Darunter sie sich schmiegen all
Saug ieder tutten mit schall;
Der Messias lig unter dem schwanz!“[71]

Die Szene bildet den dramatischen Höhepunkt des Spiels und gilt wegen ihrer Tabubrüche und Drastik als „eine der weitestgehenden antijüdischen Darstellungen in der volkssprachlichen Literatur des deutschen Mittelalters überhaupt“. Im Bild der „Judensau“ fasste Folz die dämonisch inspirierte „Verstocktheit“ der Juden, die aus damaliger christlicher Sicht die neue Heilsnahrung verweigern und stattdessen Exkremente und Erbrochenes, also im historischen und endzeitlichen Sinn Verdautes verzehren. Folz kannte die theologischen Stereotypen über Juden gut und transportierte sie in eine für sein Laienpublikum verständliche derb-komische, fäkal-obszöne Sprache, die das spätere antisemitische Schimpfwort „Saujude“ anbahnte.[72]

Einblattdruck mit Wittenberger „Judensau“, 1596

Besonders wirksam war Luthers Schmähschrift Vom Schem Hamphoras von 1543. Darin deutete er das Wittenberger Relief wie folgt: „Hinter der Saw stehet ein Rabin, der hebt der Saw das rechte Bein empor, und mit seiner lincken hand zeucht er den pirtzel uber sich, bückt und kuckt mit grossem vleis der Saw unter dem pirtzel in den Thalmud hinein, als wolt er etwas scharffes und sonderlichs lesen und ersehen.“[73] Damit bezog Luther die „Judensau“ auf den Talmud und verhöhnte die Bibelauslegung der Rabbiner und den jüdischen Glauben insgesamt als schmutzige Lächerlichkeit. So schloss er jeden denkbaren theologischen Dialog mit Juden und die Anerkennung ihrer eigenständigen Religion aus.[74] Luthers Verhöhnung regte zahlreiche Traktate über die „Judensau“-Skulpturen an.[75]

Grafik der Frankfurter „Judensau“ (frühes 17. Jahrhundert)

Im 17. und 18. Jahrhundert wurden die besonders populären „Judensau“-Darstellungen von Wittenberg und Frankfurt oft für antijüdische Zwecke in Büchern abgebildet und beschrieben. Dabei hat der Teufel meist eine als jüdisch angesehene Gestalt und trägt auch den Gelben Ring. Johann Jacob Schudt beschrieb das Frankfurter Bild 1714 in einem seiner antisemitischen Pamphlete: „…unter diesem Schwein liegt ein junger Jud / der die Zitzen saugt / hinter der Sau liegt ein alter Jud auf den Knien / und läst die Sau den Urin und anders aus dem Affter ihm ins Maul laufen.“ Achim von Arnim beschrieb dasselbe Bild in seiner Tischrede über die Kennzeichen des Judenthums (1811) so: „Auf einem Mutterschwein, das einen jungen Juden säugt, sitzt rücklings ein Rabbiner… ein anderer Jude horcht darunter hinein nach Prophezeiung, während die Jüdin sich an den Hörnern des Sündenbocks hält und von ihm zum Teufel geführt wird“. Arnim behauptete, die besten Maler Frankfurts hätten das Bild „durch zwey Jahrhunderte… immer neu aufgefrischt“, weil es „so allgemeynen Beifall“ gefunden habe. Er schlug vor, das Bild zur „Belustigung der Zwischenakte“ auf die Vorhänge des Berliner Schauspielhauses zu übertragen, um so jüdische Käufer der besten Logen dort zu demütigen. Johann Wolfgang von Goethe erwähnte jenes „große Spott- und Schandgemälde“ in seiner Autobiographie Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit (1808–1838).[76]

Antisemitische Rezeption

Antisemitische Karikatur aus „Die Judenschule“ von Hartwig von Hundt-Radowsky, 1822[77]

1800 bis 1933

Die medial breit ausgefächerte antijüdische Propaganda im 19. Jahrhundert setzte eine etablierte, durch die älteren Bildzeugnisse verfestigte Assoziation von Juden mit Schweinen voraus. Das Schimpfwort „Judensau“ wurde in Volksliedern und Kinderreimen weitergetragen. Das Schimpfwort „Saujude“ wurde mit dem Hetzruf „Hep Hep“ durch die Hep-Hep-Krawalle von 1819 populär und auch mit Flugblättern und Spielkarten verbreitet.[78] Es erschien ab 1861 mit vielen anderen antisemitischen Ausdrücken in der Wiener Kirchenzeitung. Prominente christliche Theologen bezichtigten Juden mit diesem Vokabular der revolutionären Erhebungen 1848 und forderten eine endgültige Lösung der „Judenfrage“.[79] Das Schimpfwort wurde in Druckwerken der Folgezeit auch für Pogromaufrufe benutzt.[80]

1852 veröffentlichte Alexander Schöppner in seinem „Sagenbuch der bayerischen Lande“ eine satirische Erzählung: Nachdem der Stadtrat von Heidingsfeld den örtlichen Juden das Anbringen des Stadtwappens an ihrer Synagoge verboten habe, hätten sie sich beim Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim darüber beklagt. Darauf habe er ihnen befohlen, sein Wappen, das zwei Säue enthielt, an ihrer Synagoge anzubringen. Der Rabbiner habe das befohlene Wappen für koscher erklären müssen; seither äßen die Heidingsfelder Juden gern Schweinefleisch.[81] Die Erzählung beruht wohl nicht auf einem realen Vorgang, verdeutlicht aber die regionale Verachtung der Juden.[82]

Während der gesetzlichen Judenemanzipation (1870–1890) im Deutschen Kaiserreich nahm die Tradition antisemitischer Karikaturen einen Aufschwung.[83] Damalige politische Karikaturen verspotteten die Herrschenden, um über Machtverhältnisse aufzuklären und eine subversive Distanz in der Bevölkerung zu fördern. Dagegen richteten sich antisemitische Karikaturen gegen eine unterlegene Minderheit, die dem Betrachter als verabscheuungswürdig ausgeliefert und als Sündenbock angeboten wurde, etwa für die Wirtschaftskrise 1877.[84] Damit wurden aktuelle Ereignisse aufgegriffen und in Form einer „personalen Typenkarikatur“ auf eine angeblich typische, dauerhafte Charaktereigenschaft aller Juden zugespitzt, die auf Ursachen in der jüdischen Kultur, Religion und einer angeblichen „Rasse“ verweisen sollte.[85]

Im und nach dem Ersten Weltkrieg zeigten antisemitische Postkarten mit dem Titel „Levys Werdegang“ einen Juden, der auf einem Schwein reitend einem anderen Juden einen prall gefüllten Geldbeutel übergibt.[42] Das typisierte Juden als angebliche „Kriegsgewinnler“, Profiteure des Krieges und der Kriegsniederlage.[86]

Seit der Gründung der Weimarer Republik 1919 infolge der Novemberrevolution von 1918 beschimpften deutsche Rechtsradikale demokratische Politiker öffentlich als „Novemberverbrecher“ und als „Judensau“. So hetzte ein deutschnationales Stammtischlied von etwa 1920 gegen den damaligen Außenminister:

„Knallen die Gewehre – tak, tak, tak
Aufs schwarze und aufs rote Pack.
Auch Rathenau, der Walther,
Erreicht kein hohes Alter,
Knallt ab den Walther Rathenau,
Die gottverdammte Judensau!“[87]

1922 wurde Rathenau gemäß dieser Aufforderung auf offener Straße erschossen.[88]

Nationalsozialismus

Seit 1919 aktivierten die Nationalsozialisten die mittelalterlichen antijudaistischen Stereotypen, die das „Judensau“-Motiv mit Ritualmordlegenden, Motiven von Juden als „Blutsaugern“ und dem „Satan“ verbunden hatten, gezielt für ihre Propaganda. Damit bedrohten sie deutsche Juden schon in der Weimarer Zeit. So beschimpften und schlugen NS-Angehörige den Kaufmann Siegmund Fraenkel im Juni 1923 in einer Münchner Straßenbahn mit den Worten „Du Ostjude, du Saujude“ und verletzten ihn dabei so schwer, dass er zwei Jahre später an den Folgen starb.[89]

Das 1923 gegründete NSDAP-Hetzblatt Der Stürmer übernahm und steigerte die Tradition antisemitischer Karikaturen zu Zerrbildern von Juden mit schiefen Zähnen, Tierklauen, triefenden Mundwinkeln und gierigem Blick, die Scharen junger blonder Mädchen verführten und „vergifteten“: Das verband religiöse mit pornografischen und rassistischen Motiven und bezog sie auf die „Rassenschande“ und das „Aussaugen“ der „arischen Rasse“.[90] Oft verwendete der Stürmer in Titeln und Karikaturen das Bild vom „Judensaustall“, den es auszumisten gelte.[91] In einer Stürmer-Karikatur vom April 1934 symbolisiert das Motiv die angebliche Medienmacht der Juden: Die mit einer Mistgabel durchbohrte Sau trägt die Aufschrift „Juden-Literatur-Verlage“, die Bildunterzeile lautet: Wenn die Sau tot ist müssen auch die Ferkel verderben. Als am Tropf der Verlage hängende „Ferkel“ sind Albert Einstein, Magnus Hirschfeld, Alfred Kerr, Thomas Mann, Erich Maria Remarque und andere dargestellt.[92]

Diese Hetzpropaganda bereitete die Judenverfolgung der NS-Zeit vor, die mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 einsetzte und vom „Judenboykott“ (1. April 1933) an ständig gesteigert wurde. Seit den „Gesetzen zum Schutz des deutschen Blutes“ von 1935 waren Sexualkontakte zwischen jüdischen und nichtjüdischen Deutschen streng untersagt und für den männlichen Partner mit Haftstrafe bedroht. Nichtjüdische Frauen, die solcher „Rassenschande“ beschuldigt wurden, wurden öffentlich als „Judenhure“ gedemütigt, etwa indem man ihnen Schilder mit der Aufschrift um den Hals hängte: „Ich bin am Ort das größte Schwein und lass mich nur mit Juden ein.“[93] Überlebende Insassen nationalsozialistischer Konzentrationslager berichten von sadistischen Ritualen mancher Aufseher der SS: Sie zwangen jüdische Häftlinge etwa dazu, sich zu entkleiden und von einem Baum herab zu rufen: „Ich bin eine dreckige Judensau!“[94] SA-Leute misshandelten und quälten den Nichtjuden Carl von Ossietzky 1936 im KZ Sonnenburg wochenlang unter Rufen wie „Jude“, „Judensau“ und „Sau“. Er starb 1938 auch an den Folgen dieser Folter.[95]

Edgar Kupfer-Koberwitz, überlebender Häftling des KZ Dachau und Autor der Dachauer Tagebücher, beschrieb die sadistische und traumatisierende Folter der KZ-Aufseher, die einen Häftling beim Hofappell als „Saujud“ und „Judensau“ anbrüllten und stundenlang quälten, und die eigene Ohnmacht im hilflosen Versuch, dem Gequälten beizustehen, in seinem Gedicht „Erinnerung“.[96]

Karena Niehoff, eine „Halbjüdin“, war 1950 Hauptzeugin im Prozess gegen Veit Harlan, den Regisseur des NS-Propagandafilms Jud Süß von 1940. Sie belastete ihn mit der Aussage, er habe den Drehbuchentwurf eigenhändig antisemitisch verschärft. Sie wurde darauf vom Publikum als „Judensau“ beschimpft und bedroht, so dass sie Polizeischutz brauchte und die Öffentlichkeit fortan vom Prozess ausgeschlossen wurde. Die Drohungen gegen sie, weitere Prozessumstände und der Freispruch für Harlan wurden in den Medien weltweit beachtet und vielfach als Zeichen mangelnder Vergangenheitsbewältigung in der Nachkriegszeit in Deutschland bewertet, so dass Bundeskanzler Konrad Adenauer den Vorfall öffentlich bedauerte.[97]

Gegenwart

Umgang mit den Skulpturen

Der Umgang mit den historischen „Judensau“-Darstellungen ist umstritten. Denkmalpfleger und Historiker wollen auch äußerst anstößige Motive als Zeitzeugnisse in ihrem damaligen architektonischen Kontext dokumentieren.[98] Kritiker wollen diese Bilder entfernen lassen, weil sie mangelnde Sensibilität gegenüber heutigen Juden und mangelnde Abkehr vom Antisemitismus darin sehen. Zumindest fordern sie eine deutliche Distanzierung in Begleittexten.

Der Aktionskünstler Wolfram P. Kastner thematisierte die Judensau am Chorgestühl des Kölner Domes bei einer Protestaktion 2002 als „Modellfall für die Produktion von Gewaltbildern in unseren Köpfen“.[99] Die Melanchthon-Akademie Köln richtete dazu eine Tagung aus und forderte zwar keine Entfernung des Schnitzwerks, aber eine Auseinandersetzung mit diesem „exemplarischen Gewaltbild“ in der Kirche. Die Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner lehnte eine distanzierende Hinweistafel und die Thematisierung des kirchlichen Judenhasses als „absurd“ ab, weil das Chorgestühl auch judenfreundliche Schnitzereien enthalte. Sie verwies auf eine benachbarte Steinplatte zum „Judenprivileg“ von 1266, das die Kölner Juden dem besonderen Schutz des Erzbischofs unterstellte.[100] Auf diesen Schutz verweist auch der Kunsthistoriker Marc Steinmann im Domkatalog.[101] Trotz des Schutzprivilegs folgten Pogrome an Kölner Juden, etwa in der Pestepidemie 1348/49.[102] 2017 lehnte Dombaumeister Peter Füssenich auch für den Wasserspeier eine Erklärtafel ab, bejahte aber Führungen und Texte im Domblatt dazu.[103]

Das Bistum Regensburg lehnte eine Hinweistafel am Regensburger Dom zunächst ab. Im Mai 2004 hinderte Polizei die Aktionskünstler Wolfram Kastner und Günter Wangerin daran, mit Wasserfarbe „Judensau“ auf das Pflaster vor dem Dom zu schreiben. Danach verlangten auch die israelitischen Kultusgemeinden in Bayern ein Hinweisschild zum Relief am Dom.[104] Am 30. März 2005 stellte der Freistaat Bayern, Eigentümer des Regensburger Doms, eine Texttafel vor: „Die Skulptur als steinernes Zeugnis einer vergangenen Epoche muss im Zusammenhang mit ihrer Zeit gesehen werden. Sie ist in ihrem antijüdischen Aussagegehalt für den heutigen Betrachter befremdlich. Das Verhältnis von Christentum und Judentum in unseren Tagen zeichnet sich durch Toleranz und gegenseitige Achtung aus.“[103] Historiker kritisierten diesen Text als die Geschichte glättend, verharmlosend und belanglos.[105] Am 11. Mai 2005 hängten Kastner und Wangerin einen Gegenentwurf an die Domwand, der die christliche Mitschuld benannte. Ihre Tafel wurde am selben Tag entfernt.[106] 2014 entfernten Unbekannte die umstrittene offizielle Texttafel.[107]

Im Februar 2019, zum 500. Jahrestag der Vertreibung der Regensburger Juden, eröffnete das städtische Kulturreferat die Ausstellung Regensburg – Mittelalterliche Metropole der Juden. Für den gleichnamigen Katalog hatte die Historikerin Eva Haverkamp-Rott die „Judensau“-Skulptur eingeordnet: „Das Gebot, nach dem Juden kein Schweinefleisch essen, wird hier zur Absurdität verkehrt. Diese ekelerregende Propaganda degradierte die Juden und war ein Angriff auf die jüdische Religion.“ Stattdessen stand in der Druckvorlage der Tafeltext von 2005. Die Historikerin protestierte: Kulturreferent Klemens Unger habe den Text gegen ihren Willen gestrichen, dadurch die Skulptur verharmlost und das ganze Kapitel zur mittelalterlichen Judenverfolgung verfälscht. Daraufhin erschien der Katalog im Juli 2019, sechs Wochen nach dem Ende der Ausstellung, ganz ohne die Passage zur „Judensau“. Dies kritisierten Katalogautoren und Medienberichte als unerlaubten und sinnverändernden Eingriff: „Zu so einem unangenehmen Erbe wie der ‚Judensau‘ am Regensburger Dom zu stehen, hieße, die in der Wissenschaft unstrittige Tatsache anzuerkennen, dass der über 1000 Jahre lang von der Kirche systematisch angeheizte Hass auf die Juden die Basis war, auf der die Nazis aufbauen konnten, auf der Auschwitz möglich war.“[108]

Im Januar 2022 einigte sich das Bistum Regensburg mit der jüdischen Gemeinde und dem Freistaat Bayern auf einen von Eva Haverkamp-Rott verfassten neuen Hinweistext, der auch Vorlage für andere Orte sein soll: „Judensau“-Darstellungen seien „zu Stein gewordener Antisemitismus“. Das Motiv finde sich ab dem 13. Jahrhundert fast nur im deutschen Sprachraum. Es habe Ekel und Verachtung gegenüber Juden hervorrufen sollen und sie zu Feinden des Christentums erklärt. Dazu sei es in Regensburg im 14. Jahrhundert gegenüber dem jüdischen Wohnviertel angebracht worden: „Ausgrenzung, Verfolgung bis hin zum Mord waren die Folge.“ Heute solle diese Skulptur alle Menschen mahnen, „gegen jede Form von Propaganda, Hass, Ausgrenzung und Antisemitismus vorzugehen“. Die Skulptur sollte an den Kirchen hängen bleiben, um aktuell „auf jede Art von Judenfeindlichkeit und Hass hinzuweisen“ und diese als „Erinnerungsorte für dramatische Vorstellungen vergangener Zeiten“ zu bewahren.[109]

In Bayreuth forderte der Pfarrer Klaus Rettig seit 2000 die Entfernung der stark verwitterten „Judensau“-Skulptur. Der Kirchenvorstand der Stadtkirche lehnte ab und beschloss stattdessen im Oktober 2004 eine Gedenktafel dazu. Eine Woche danach zerschlugen Unbekannte die Skulptur.[110] Die Gedenktafel wurde 2005 angebracht und trägt die Inschrift: „Unkenntlich geworden ist das steinerne Zeugnis des Judenhasses an diesem Pfeiler. Für immer vergangen sei alle Feindseligkeit gegen das Judentum.“[111]

In Cadolzburg forderten Bürger im Juli 2003 bei einer Aktion Wolfram Kastners eine unmissverständliche Distanzierung der Stadt vom „Judensau“-Relief am Burgtor. Der Bürgermeister versuchte die Kundgebung mit Polizei und Feuerwehr zu verhindern. Nachdem der Zentralrat der Juden in Deutschland Kastners Initiative unterstützt hatte, ließ Bayerns damaliger Finanzminister Kurt Faltlhauser im Januar 2004 eine Informationstafel bei dem Relief anbringen.[112]

In Nürnberg beschloss der Kirchenvorstand von St. Sebald am 15. September 2005, dem 70. Jahrestag der Nürnberger Gesetze, eine Erklärung: „Das ‚Judensau‘-Schmähbild aus dem Spätmittelalter drückt den Judenhass aus, der die Schoa vorbereitet hat. Im selben Ungeist sind jüdische Bürger Nürnbergs bis ins 20. Jahrhundert verachtet und verteufelt, vertrieben und vernichtet worden. Voller Scham verbeugen wir uns vor den Millionen Opfern des Judenhasses. Wir bitten sie und unseren gemeinsamen Gott um Vergebung.“ Die Erklärung wurde in einem Faltblatt abgedruckt, aber nicht als Tafel an der Außenmauer angebracht.[103]

Im August 2017 verwies Morten Freidel (FAZ) auf fehlende Hinweistafeln zu den Skulpturen in Calbe, Eberswalde, Köln und anderswo sowie auf Argumente betroffener Juden für den Erhalt der Skulpturen: Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, plädierte für „Aufklärung vor Beseitigung“. Die aktive Auseinandersetzung mit historischen antisemitischen Phänomenen und Personen sei wichtiger als deren bloße Entfernung aus dem öffentlichen Raum. Im Originalkontext an Kirchen könne man mehr darüber lernen als im Museum. Nur in extremen Ausnahmefällen solle man die Skulpturen entfernen. Josef Schuster (Zentralratspräsident) wollte Kirchengemeinden vor die Wahl stellen, die Skulpturen zu entfernen oder eindeutige Erklärtafeln anzubringen. Andere deutsche Juden wollten die Skulpturen an Kirchen erhalten, um diese nicht aus ihrer Verantwortung für ihre Geschichte zu entlassen. Die Entfernung würde den genuinen, im Christentum angelegten Antijudaismus unsichtbar machen.[113]

In Bayern entschieden der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden, Kirchen- und Staatsvertreter wie der Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle im Dezember 2020 einstimmig, die rund 12 antijüdischen Plastiken an Kirchen hängen zu lassen, sie aber „sichtbar und gut erkennbar“ vor Ort einzuordnen.[114]

An der St.-Stephani-Kirche (Calbe) wurden 2019/2020 vierzehn historische Wasserspeier aus dem 19. Jahrhundert mit Landesmitteln restauriert, darunter die „Judensau“-Skulptur. Diese wurde auf Beschluss des Gemeinderats danach nicht wieder angebracht. Pfarrer Jürgen Kohzt erklärte dazu: Die Figur beleidige Menschen anderen Glaubens; eine Erläuterungstafel wie die in Wittenberg ändere daran nichts.[115] Die Denkmalbehörde lehnte die Abnahme des Reliefs in Calbe jedoch ab und erzwang, dass sie im Juni 2020 wieder angebracht wurde. Die Gemeinde beschloss daraufhin, die Figur vorläufig zu verhüllen, wollte die Abnahme aber weiterverfolgen und juristisch prüfen lassen.[116]

In Zerbst wurde Anfang 2022 eine Erklärtafel unter der Skulptur aufgehängt. Die Kirchengemeinde, ein Förderverein und die Landeskirche planen ein Gegendenkmal und erhielten bis März 2022 zehn künstlerische Vorschläge dazu.[61]

Streit um das Wittenberger Relief

Mahnmal am Südostflügel der Stadtkirche Wittenberg

1988 entwarf der Bildhauer Wieland Schmiedel im Auftrag der Wittenberger Stadtkirchengemeinde eine Gedenkplatte, die unterhalb des Reliefs in den Boden eingelassen wurde. Sie verweist auf den Holocaust als historische Folge dieses Judenhasses. Ihre Trittplatten sollen etwas verdecken, das jedoch aus allen Fugen hervorquillt. Der umrahmende Text zitiert auf Hebräisch Ps 130,1 LUT („Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“), auf Deutsch den Berliner Schriftsteller Jürgen Rennert: „Gottes eigentlicher Name, der geschmähte Schem Ha Mphoras, den die Juden vor den Christen fast unsagbar heilig hielten, starb in sechs Millionen Juden unter einem Kreuzeszeichen.“[117]

Im Herbst 2016 forderte der Londoner Theologe Richard Harvey im Internet die Abnahme der Wittenberger „Judensau“-Skulptur zum Reformationsjubiläum 2017. Seine Petition fand rasch 5000 Unterstützer. Der Zentralrat der Juden in Deutschland befürwortete die Abnahme oder eine bessere Erläuterung; die vorhandene Tafel sei unzureichend. Die evangelische Landesbischöfin Ilse Junkermann lehnte die Abnahme ab: Die Kirche müsse „diese Wunde unserer eigenen Geschichte offen halten“ und könne sie nicht selbst zurechtrücken. Die Skulptur müsse als „Erinnerungs- und Mahnzeichen“ dafür stehenbleiben, dass die Kirche nichts beschönigen wolle, sondern die Kraft der Vergebung erhoffe. Die Bodenplatte darunter liefere die notwendige Einordnung.[118]

Im Mai 2017 gründete der Leipziger Pastor Thomas Piehler ein „Bündnis zur Abnahme der ‚Judensau‘ im Reformationsjahr 2017“. Die Evangelische Marienschwesternschaft Darmstadt unterstützte es maßgeblich. Es demonstrierte 2017 wöchentlich auf dem Wittenberger Marktplatz dafür, die Skulptur abzunehmen und in ein Museum zu bringen. Dagegen veröffentlichte der Kreisvorsitzende der rechten Alternative für Deutschland (AfD) eine Petition zum Erhalt der Skulptur und beantragte dazu einen Beschluss des Stadtrats.[119] Dieser entschied im Juli 2017 ebenso wie zuvor der Gemeindevorstand, die Skulptur an der Kirchenwand zu belassen.[120]

Ein Mitglied einer jüdischen Gemeinde in Deutschland erhob Klage mit dem Ziel, das Wittenberger „Judensau“-Relief entfernen zu lassen. Am 24. Mai 2019 entschied das Landgericht Dessau: Das Relief sei Teil des historischen Baudenkmals der Stadtkirche und weder als Missachtung der Juden in Deutschland noch als Beleidigung des Klägers zu verstehen.[121] Am 4. Februar 2020 wies das Oberlandesgericht Naumburg die Berufung zurück: Die Stadtkirchengemeinde habe das Relief in ein Gedenkensemble eingebunden und sich mit einer Informationstafel unmissverständlich vom Antijudaismus der Skulptur und Luthers Schriften distanziert. Damit entfalle die Gefahr, die Plastik als Teil der christlichen Verkündigung misszuverstehen. Der Wunsch des Klägers, die Skulptur in ein Museum zu verlegen, widerspreche seinem Argument, auch eine kommentierte Beleidigung bleibe eine Beleidigung.[122] Der Kläger hatte im Prozess argumentiert, solange das Relief an der Kirche hänge, sei es Teil der christlichen Verkündigung und damit ein Angriff auf Juden. Der Text der Bodenplatte verfälsche zudem die Geschichte: Die Juden seien in der Shoa nicht gestorben, sondern ermordet worden, und hätten nicht das Kreuzeszeichen, sondern den Davidstern tragen müssen. Der Text vereinnahme Juden als christliche Märtyrer. An der Kirchenwand behalte das Relief eine aufhetzende Wirkung, im Museum diene es der Aufklärung. Doch daran sei die Kirchengemeinde nicht interessiert.[123] Am 14. Juni 2022 wies der Bundesgerichtshof (BGH) die Revision des Klägers zurück: Das Relief sei zwar bis 1988 beleidigend gewesen, könne aber an der Stadtkirche bleiben, weil die Kirchengemeinde sich seither ausreichend distanziert habe. Mit der Bodenplatte und einem aufgestellten Erläuterungstext habe sie das „Schandmal“ in ein „Mahnmal“ zum Gedenken umgewandelt.[124]

Begleitend zum Prozess wurden verschiedene Vorschläge diskutiert. Im Juli 2017 wies Dmitrij Kapitelman die Argumente zur Beibehaltung zurück: Niemand müsse künstlerisch an historischen Hass erinnert werden, der Juden noch immer treffe. Kunstwerke, die nur Vorurteile transportieren, seien wertlos. Sonst könne man auch wieder ein Hakenkreuz im Reichstagsgebäude als kunsthistorisches Denkmal aufhängen. An Synagogen oder Moscheen würde eine ähnlich obszöne Marienstatue nie hängen bleiben, weil dies unweigerlich Selbstmord für die Gemeinde wäre. Die „Judensau“ müssten vor allem die in Deutschland übrig gebliebenen Juden aushalten, nicht die Christen. Das zeige: „Wenn das Schwein bleibt, ist es eine Machtdemonstration dafür, wer in diesem Land die Schmerzgrenzen zieht.“[125] Im Mai 2019 plädierten die Präses der EKD-Synode Irmgard Schwaetzer und Landesbischof Friedrich Kramer dafür, die Skulptur von der Kirchenwand abzunehmen und in ein neues Denkmal vor der Kirche zu integrieren. Dieses solle die Gemeinde mit den jüdischen Institutionen zusammen gestalten und die Kommune und der Landkreis mittragen. Denn die Skulptur bleibe auch mit der Kommentartafel eine Beleidigung. Die nachträgliche Inschrift zum Gottesnamen drücke reinen Judenhass aus. Dazu müssten sich die evangelischen Christen aktuell wieder verhalten und auch an die Gefühle der jüdischen Betrachter denken.[38] Im Februar 2020 forderte Felix Klein, Antisemitismus-Beauftragter der Bundesregierung, die Skulptur ins Museum zu bringen. Dagegen befürwortete der Antisemitismusbeauftragte in Sachsen-Anhalt Wolfgang Schneiß eine von allen Streitparteien getragene „behutsame Weiterentwicklung“ des Mahnmals, etwa 2021 im Rahmen der bundesweiten Erinnerung an „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.[126] Ronen Steinke kritisierte, dass die Gerichte nicht auf den Text der Bodenplatte von 1988 eingegangen waren, und stellte dessen Aussagekraft in Frage: „Gottes Name ‚starb‘? Er starb ‚in‘ Juden? Wie charmant finden Juden solche Sätze?“[127]

Der Zentralrat der Juden in Deutschland fand das BGH-Urteil nachvollziehbar, aber unklar, inwiefern die Begleittexte an der Kirche die Skulptur in ein Mahnmal verwandelten. Der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees bedauerte das BGH-Urteil, weil das jahrhundertealte Schandmal an einem der wichtigsten Orte des Protestantismus das Verhältnis zwischen Juden und Christen bis heute belaste.[128] Der Pfarrer der Stadtkirche Alexander Garth kündigte für den Herbst ein Gedenkkonzept an, das jeder Besucher sofort erfassen könne.[129] Niklas Otterbach (Deutschlandfunk) kritisierte die Argumentation der Kirchengemeinde als „selbstbezogene Geschichtsbetrachtung, die zwar die eigenen Untaten thematisiert wissen will, aber die Wirkung auf die, die damit beleidigt werden, ausblendet.“ Geschichte und damit das Stadtbild entwickelten sich weiter. Man könne nicht behaupten, im Museum gehe die öffentliche Debatte um die „Judensau“ verloren.[130] Die Theologin Margot Käßmann kritisierte das BGH-Urteil als „falsche Entscheidung“, weil die Skulptur auch heutige Juden beleidige: „Die ‚Judensau‘ ist eine Hassbotschaft. Und Hassbotschaften gehören nicht in den öffentlichen Raum.“[131]

Beschimpfungen

Die Ausdrücke „Judensau“, „Saujude“, „Judenschwein(e)“ oder „Schweinejude(n)“ gehören bis heute zum antisemitischen Vokabular, das auf die jahrhundertelange „Judensau“-Tradition zurückgeht.[132] Sie sind fester Bestandteil der verbreiteten Schändung jüdischer Friedhöfe.[24] Es sind nach deutschem Strafrecht eindeutig strafbare Beleidigungen.[133] Sie gehen über gewöhnlichen Fremdenhass hinaus, da sie Personen in antisemitischer Tradition gezielt als Angehörige eines Kollektivs entmenschlichen, herabsetzen und bedrohen.

Seit 1989 nahmen solche Straftaten in Deutschland zu; einige wurden öffentlich stärker beachtet. So wurde das gemeinsame Grab von Bertolt Brecht und Helene Weigel, die jüdischer Herkunft war, kurz nach Öffnung der Berliner Mauer mit der Parole „Sau-Jude“ beschmiert. Am 20. April 1992, dem Jahrestag des „Führergeburtstags“, und am 20. Juli 1992 warfen Neonazis Schweineköpfe vor die Erfurter Synagoge. Auf dem beim zweiten Mal beigefügten Zettel stand: „Dieses Schwein Galinski ist endlich tot. Noch mehr Juden müssen es sein.“ Heinz Galinski, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, war am Vortag gestorben.[134] Im Oktober 1993 wurde das Mahnmal zu deportierten Juden in Berlin-Grunewald mit Schweineköpfen geschändet. In Marl beschimpfte ein Skinhead einen Obdachlosen als „Judensau“ und misshandelte ihn so schwer, dass er bewusstlos wurde und drei Monate später im Krankenhaus starb.[135] 1997 rief die rechtsextreme Gruppe Blood and Honour in Altenburg zur Ermordung des als „korrupte Judensau“ bezeichneten Oberbürgermeisters und sechs weiterer Personen auf.[136] Im Oktober 1998, als Martin Walser mit Ignatz Bubis um die angebliche „Moralkeule Auschwitz“ debattierte, trieben Neonazis ein Ferkel mit einem aufgemalten Davidstern und dem Namen von Ignatz Bubis über den Alexanderplatz in Berlin.[137] Am 22. November 1999 forderte Meir Mendelssohn, der das Grab von Bubis in Israel mit Farbe übergossen hatte, das Publikum bei einem Theaterabend der Volksbühne Berlin auf, „… das Wort Judensau zu sagen, ganz normal und ganz natürlich.“ Er wurde wegen Volksverhetzung angezeigt.[138]

Im Juni 2006 beschimpfte der Schweizer Neonazi Pascal Lüthard einen Restaurantgast als „Judensau“. Er erhielt dafür gemäß der Schweizer Rassismus-Strafnorm eine Geldstrafe, weil (so das Obergericht Bern nach seinem Revisionsantrag) ihm die jüdische Identität des Opfers bekannt war, so dass sein Ausspruch über eine Einzelperson hinaus eine Ethnie und Religion gewollt herabgesetzt habe.[139] 2008 bestätigte die dritte Instanz das Urteil des Obergerichts.[140]

Am 16. April 2010 beschimpfte ein ortsbekannter Rechter in Laucha einen gebürtigen Israeli und Enkel eines Holocaustüberlebenden als „Judenschwein“, schlug und trat ihn schwer.[141]

Rechtsradikale Fußballstadienbesucher beschimpfen und bedrohen als jüdisch angesehene Fußballer und Schiedsrichter in Deutschland seit Jahrzehnten mit solchen Ausdrücken.[142] 2006 beschloss der Verband Makkabi Deutschland, Spiele deutschjüdischer Vereine bei solchen Vorfällen künftig abzubrechen und vor Sport- und Strafgerichte zu bringen.[143] Infolge der ausgelösten Debatte nahm der DFB zwei Jahre darauf „Beleidigungen (§ 185 StGB) aus rassistischen bzw. fremdenfeindlichen Motiven“ als Grund für unbefristete Stadionverbote in seine Richtlinien auf.[144] Die Beschimpfung „Judensau“ fällt unter die Diskriminierungsverbote des DFB, die Ausbilder, Schieds- und Strafrichter durchsetzen sollen.[145] Antisemitische Beschimpfungen in deutschen Stadien werden jedoch statistisch kaum erfasst und besonders auf Vereinsebene nur selten verfolgt.[146]

Manche antisemitisch eingestellte Muslime beschimpfen Juden als „Affen und Schweine“. Sie berufen sich dazu auf drei Suren des Koran (2,65; 5,60; 7,166), nach denen Allah frevelnde Menschen, im Kontext Juden und Christen, in Affen und/oder Schweine verwandelt haben soll.[147] Die Suren werden ähnlich wie prophetische Bibelstellen als zeitbedingte Vorwürfe an die Mehrheit der Juden gedeutet, nicht gottesfürchtig zu sein. Die Akademie für islamische Untersuchungen der al-Azhar-Universität beschloss 2003, diese Stellen nicht mehr gegen heutige Juden zu verwenden.[148]

Antisemitische Symbolik

Der Rockmusiker Roger Waters ließ in jeder Bühnenshow seiner Tournee “The Wall” (2010–2013) einen Ballon in Gestalt eines Schweins aufsteigen, bemalt unter anderem mit dem Davidstern. Auf Kritik erklärte er, das Schwein symbolisiere „das Böse“ und der Stern legitime Kritik am Staat Israel. Doch es wurde als Rückgriff auf die bekannte Symbolik der „Judensau“ und daher als antisemitisch eingestuft.[149]

Bei der documenta fifteen 2022 in Kassel zeigte das indonesische Künstlerkollektiv „Taring Padi“ ein detailreiches Wandgemälde, darauf ein Soldat mit Schweinsgesicht und Davidstern, der einen Helm mit der Aufschrift „Mossad“ trägt, und einen orthodox gekleideten Juden mit Schläfenlocken, spitzen Zähnen und SS-Runen auf der Kopfbedeckung. Diese Symbole wurden als eindeutig antisemitisch kritisiert und mit der „Judensau“ verglichen.[150]

Literatur

Zu mittelalterlichen Darstellungen

  • Jörg Bielig, Johannes Block, Harald Meller, Ernst-Joachim Waschke (Hrsg.): Die „Wittenberger Sau“. Entstehung, Bedeutung und Wirkungsgeschichte des Reliefs der sogenannten „Judensau“ an der Stadtkirche Wittenberg. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Halle 2020, ISBN 3-944507-99-1 (Rezension von Klaus Graf auf archivalia.hypotheses.org, 25. September 2020)
  • Birgit Wiedl: Laughing at the Beast. The Judensau. Anti-Jewish Propaganda and Humor from the Middle Ages to the Early Modern Period. In: Albrecht Classen (Hrsg.): Laughter in the Middle Ages and Early Modern Times. Epistemology of a Fundamental Human Behavior, its Meaning, and Consequences. De Gruyter, Berlin/New York 2010, ISBN 3-11-024547-7, S. 325–364 (PDF; 6,1 MB)
  • Hermann Rusam: „Judensau“-Darstellungen in der plastischen Kunst Bayerns. Ein Zeugnis christlicher Judenfeindschaft. In: Evangelisch-Lutherischer Zentralverein für Begegnung von Christen und Juden (Hrsg.): Begegnungen. Zeitschrift für Kirche und Judentum 90, Sonderheft März 2007, ISSN 1612-4340 und ISSN 0083-5579.
  • Heinz Schreckenberg: Die Juden in der Kunst Europas. Ein historischer Bildatlas. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-63362-9, S. 343–349 („Das ‚Judensau‘-Motiv“).
  • Petra Schöner: Judenbilder im deutschen Einblattdruck der Renaissance. Ein Beitrag zur Imagologie. Valentin Koerner, Baden-Baden 2002, ISBN 3-87320-442-8, S. 189–208 (Rezension).
  • Claudine Fabre-Vassas: The Singular Beast. Jews, Christians, and the Pig. Columbia University Press, 1997, ISBN 0-231-10366-2 (englisch).
  • Thomas Bruinier: Die „Judensau“. Zu einem Symbol des Judenhasses und seiner Geschichte. In: Forum Religion. Kreuz-Verlag Breitsohl, Stuttgart 1995, 4, S. 4–15, ISSN 0343-7744.
  • Wilfried Schouwink: Der wilde Eber in Gottes Weinberg. Zur Darstellung des Schweins in Literatur und Kunst des Mittelalters. Jan Thorbecke, Sigmaringen 1985, ISBN 3-7995-4016-4, S. 75–88.
  • Isaiah Shachar: The Judensau. A Medieval Anti-Jewish Motif and its History. Warburg Institute, London 1974, ISBN 0-85481-049-8 (PDF)
  • Bernhard Blumenkranz: Juden und Judentum in der mittelalterlichen Kunst. Kohlhammer, Stuttgart 1965.
  • David Kaufmann: Die Sau von Wittenberg. (1890) In: Gesammelte Schriften Band 1, Frankfurt am Main 1908, S. 161 ff. (Volltext online).

Zu antisemitischen Karikaturen

  • Eduard Fuchs: Die Juden in der Karikatur. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte. (München 1921) Nachdruck: Verlag Adrian Schelm, Leipzig 2018, ISBN 3-947190-11-5.
  • Julius H. Schoeps, Joachim Schlör (Hrsg.): Bilder der Judenfeindschaft. Antisemitismus, Vorurteile und Mythen. Bechtermünz, Augsburg 1999, ISBN 3-8289-0734-2.
  • Angelika Plum: Die Karikatur im Spannungsfeld von Kunstgeschichte und Politikwissenschaft. Eine ikonologische Untersuchung zu Feindbildern in Karikaturen. Berichte aus der Kunstgeschichte. Shaker, Aachen 1998, ISBN 3-8265-4159-6.
  • Michael Wolffsohn: Das Bild als Gefahren- und Informationsquelle. Von der „Judensau“ über den „Nathan“ zum „Stürmer“ und zu Nachmann. In: Uwe Backes, Eckhard Jesse, Rainer Zitelmann (Hrsg.): Die Schatten der Vergangenheit. Impulse zur Historisierung des Nationalsozialismus. Ullstein, Berlin 1992, ISBN 3-548-33161-0, S. 522–542.
  • Stefan Rohrbacher, Michael Schmidt: Judenbilder. Kulturgeschichte antijüdischer Mythen und antisemitischer Vorurteile. Rowohlt, Reinbek 1991, ISBN 3-499-55498-4.
  • Matthias Beimel: Die Karikatur als Ersatzhandlung. Antisemitismus in der NS-Propaganda und ihre Vorbilder. In: Geschichte lernen. Friedrich, Velber 3/1990, Heft 18, Klett, Stuttgart 1990, ISSN 0933-3096, S. 28–33

Weblinks

Commons: Judensau – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Judensau – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelbelege

  1. Donald Guthrie, J. Alec Motyer: Kommentar zur Bibel: AT und NT in einem Band. 5. Auflage, R. Brockhaus, Wuppertal 2012, ISBN 3-417-24740-3, S. 178.
  2. Othmar Keel (Hrsg.): Orte und Landschaften der Bibel: Die Geschichte Jerusalems und die Entstehung des Monotheismus Teil 2. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 3-525-50177-3, S. 1198 f.
  3. Matthias Krieg (Hrsg.): erklärt: Der Kommentar zur Zürcher Bibel, Bibel und Kommentar in 3 Bänden. Theologischer Verlag, Zürich 2010, ISBN 3-290-17425-5, S. 273.
  4. Othmar Keel et al. (Hrsg.): Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studien-Reiseführer zum Heiligen Land Band 1: Geographisch-geschichtliche Landeskunde. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1984, ISBN 3-525-50166-8, S. 122.
  5. Andreas Brämer: Die 101 wichtigsten Fragen. Judentum. Beck, München 2010, ISBN 3-406-59984-2, S. 49.
  6. Matthias Klinghardt: Legionsschweine in Gerasa: Lokalkolorit und historischer Hintergrund von Mk 5,1–20. In: Zeitschrift für neutestamentliche Wissenschaft 98/2007, S. 28–48.
  7. Hermann L. Strack, Paul Billerbeck: Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch Band 1: Das Evangelium nach Matthäus. Neuausgabe, Beck, München 2020, ISBN 3-406-75701-4, S. 449
  8. Peter Fiedler: Theologischer Kommentar zum Neuen Testament (ThKNT): Das Matthäusevangelium. Kohlhammer, Stuttgart 2006, ISBN 3-17-018792-9, S. 15.
  9. Martin G. Ruf: Die heiligen Propheten, eure Apostel und ich. Metatextuelle Studien zum zweiten Petrusbrief. Mohr Siebeck, Tübingen 2011, ISBN 3-16-150592-1, S. 468–474
  10. Petra Schöner: Judenbilder im deutschen Einblattdruck der Renaissance. Baden-Baden 2002, S. 189–191.
  11. Irven M. Resnick, Kenneth F. Kitchell: “The Sweepings of Lamia”: Transformations of the Myths of Lilith and Lamia. In: Alexandra Cuffel, Brian Britt (Hrsg.): Religion, Gender, and Culture in the Pre-Modern World. Palgrave Macmillan, New York 2007, ISBN 0-230-60429-3, S. 77–99, hier S. 77–80
  12. Irven M. Resnick: Marks of Distinctions: Christian Perceptions of Jews in the High Middle Ages. Catholic University of America Press, Washington D.C. 2012, ISBN 0-8132-1969-8, S. 152
  13. Stefan Rohrbacher, Michael Schmidt: Judenbilder. Reinbek 1991, S. 161.
  14. a b Monika Urban: Von Ratten, Schmeißfliegen und Heuschrecken. Judenfeindliche Tiersymbolisierungen und die postfaschistischen Grenzen des Sagbaren. Herbert von Halem Verlag, Köln 2014, ISBN 3-7445-0845-5, S. 80
  15. Debra Higgs Strickland: Antisemitism in Medieval Art. In: Steven Katz (Hrsg.): The Cambridge Companion to Antisemitism. Cambridge University Press, Cambridge 2022, ISBN 1-108-49440-4, S. 248–272, hier S. 267 f.
  16. Gerlinde Strohmaier-Wiederanders: Darstellungen von Juden an und in der St. Maria-Magdalenen-Kirche von Eberswalde. In: Tanja Pilger, Markus Witte (Hrsg.): Mazel tov. Interdisziplinäre Beiträge zum Verhältnis von Christentum und Judentum. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2012, ISBN 3-374-03669-4, S. 401–420, hier S. 418
  17. Rudolf Kreis: Die christliche Bildwelt und der Antisemitismus aus der Gegensicht Kafkas. In: Gerhart von Graevenitz (Hrsg.): Die Unvermeidlichkeit der Bilder. Narr, Tübingen 2001, ISBN 3-8233-5706-9, S. 103–114, hier S. 109
  18. Irven M. Resnick, Kenneth F. Kitchell: “The Sweepings of Lamia”. In: Alexandra Cuffel, Brian Britt (Hrsg.): Religion, Gender, and Culture in the Pre-Modern World, New York 2007, S. 79 f.
  19. Edith Petschnigg: Biblische Freundschaft: Jüdisch-christliche Basisinitiativen in Deutschland und Österreich nach 1945. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2018, ISBN 3-374-05388-2, S. 59
  20. Thomas H. Macho: Arme Schweine: eine Kulturgeschichte. Nicolai, Berlin 2006, ISBN 3-89479-343-0, S. 60
  21. Angelika Plum: Die Karikatur im Spannungsfeld von Kunstgeschichte und Politikwissenschaft: Eine ikonologische Untersuchung zu Feindbildern in Karikaturen. Aachen 1998, S. 81–83.
  22. Gerhard Langemeyer: Mittel und Motive der Karikatur in fünf Jahrhunderten. Prestel, München 1984, ISBN 3-7913-0685-5, S. 151.
  23. Alex Bein: Die Judenfrage: Biographie eines Weltproblems. Band 2, Deutsche Verlags-Anstalt, München 1980, ISBN 3-421-01963-0, S. 74.
  24. a b Alex Töllner: Judensau. In: Wolfgang Benz, Brigitte Mihok (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus Band 3: Begriffe, Theorien, Ideologien. De Gruyter, Berlin 2010, ISBN 3-11-023379-7, S. 159f.
  25. Hermann Rusam: „Judensau“-Darstellungen in der plastischen Kunst Bayerns. In: Begegnungen, Sonderheft März 2007, S. 3.
  26. Hauptquellen: Isaiah Shachar: The Judensau, London 1974; Wilfried Schouwink: Der wilde Eber in Gottes Weinberg, Sigmaringen 1985; weitere Quellen bei Wolfram Kastner: Christliche Sauerei (Liste der Einzelorte rechts).
  27. Hans-Rudolf Meier, Dorothea Schwinn Schürmann et al.: Das Basler Münster. Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt Band X. Basel 2019, ISBN 3-03797-573-3, S. 306, Abbildung 373.
  28. WilfriedEngelbrecht: Ein obszönes Sandsteinschwein. Das antijüdische Schmähbild am Chor der Bayreuther Stadtkirche. In: Bernd Mayer, Frank Piontek (Hrsg.): Jüdisches Bayreuth. Ellwanger, Bayreuth 2010, ISBN 3-925361-81-2, S. 27–34.
  29. Theodor Ortvan: Geschichte der Stadt Preßburg. Von den ältesten Zeiten bis zum Erlöschen des Árpádenhauses. Stampfel, Bayerische Staatsbibliothek, München 1892, S. 351 f.
  30. a b Jan Dienstbier: The Metamorphoses of the “Judensau”. In: Eva Janáčová, Jakub Hauser (Hrsg.): Visual Antisemitism in Central Europe: Imagery of Hatred. De Gruyter, Berlin 2021, ISBN 3-11-061641-6, S. 2, Fn. 2
  31. Wood carving at the choir benches of the Erfurt cathedral, Thuringia, Germany (about 1400-1410). In: Negative images of Judaism in Christian Art ó Ecclesia and Synagoga. Jewish-Christian Relations
  32. Götz Ruempler: Tiere in der plastischen Kunst des Mittelalters. Agenda Verlag, Münster 2017, ISBN 3-89688-574-X, S. 223
  33. Jonathan Adams: “Untilled Field” or “Barren Terrain”? Researching the Portrayal of Jews in Medieval Denmark and Sweden. In: Jonathan Adams, Cordelia Heß (Hrsg.): Antisemitism in the North: History and State of Research. De Gruyter, Berlin 2019, ISBN 3-11-063193-8, S. 31–47, hier S. 39
  34. a b Rolf Kießling: Jüdische Geschichte in Bayern: Von den Anfängen bis zur Gegenwart. De Gruyter, Berlin 2019, ISBN 3-11-039845-1, S. 78
  35. a b Ulrike Brinkmann, Rolf Lauer: Judendarstellungen im Kölner Dom. In: Bernd Wacker, Rolf Lauer (Hrsg.): Der Kölner Dom und ‚die Juden‘. Verlag Kölner Dom, Köln 2008, ISBN 3-922442-65-X, S. 27–32
  36. Eduard Fuchs: Die Juden in der Karikatur, Leipzig 2018, S. 117 f.
  37. „Judensau“ aus Wiener Neustadt. In: Helfried Valentinitsch, Ileane Schwarzkogler (Hrsg.): Hexen und Zauberer. Die große Verfolgung - ein europäisches Phänomen in der Steiermark. Leykam, Graz/Wien 1987, ISBN 3-7011-7184-X, S. 237
  38. a b c Debatte um Abnahme der Wittenberger „Judensau“ von Kirchenfassade. epd, 28. Mai 2019
  39. Vor dem BGH-Urteil: Positionen im Streit ums Wittenberger Schmäh-Relief. MDR, 29. Mai 2022
  40. Bernd Iben: Perlen vor die Säue (2. Teil). Der Mensch in Ambivalenz zum Schwein. In: Grosstierpraxis, Fachzeitschrift für Veterinäre, Witzenhausen 2009, S. 186 (Abb. Nr. 10)
  41. Isaiah Shachar: The Judensau, London 1974, S. 74 und Fn. 209–215. Für das außerdem erwähnte Beispiel am Mainzer Tor in Friedberg (Hessen) fehlen sämtliche archivalische Hinweise.
  42. a b Alex Töllner: „Judensau“-Motiv. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus Band 7: Literatur, Film, Theater und Kunst. De Gruyter, Berlin 2014, ISBN 3-11-025873-0, S. 227
  43. Isaiah Shachar: The Judensau, London 1974, S. 22 f.
  44. Isaiah Shachar: The Judensau, London 1974, S. 74.
  45. Thomas Dietz: Warum die „Judensau“ eine Wölfin ist. Mittelbayerische Zeitung, 12. Oktober 2013.
  46. Isaiah Shachar: The Judensau. London 1974, S. 19 f.
  47. Virtueller Rundgang: „Judensau“-Plastik. Sebalduskirche.de
  48. Hermann Rusam: „Judensau“-Darstellungen in der plastischen Kunst Bayerns. In: Begegnungen, März 2007, S. 20.
  49. Jan Dienstbier: The Metamorphoses of the “Judensau”. In: Eva Janáčová, Jakub Hauser (Hrsg.): Visual Antisemitism in Central Europe: Imagery of Hatred. Berlin 2021, S. 4–6
  50. Isaiah Shachar: The Judensau, London 1974, S. 40 und 84, Fn. 280, Tafel 36b.
  51. Max Sebastián Hering Torres: Rassismus in der Vormoderne: Die „Reinheit des Blutes“ im Spanien der Frühen Neuzeit. Campus, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-593-38204-0, S. 16, Fn. 7.
  52. Konrad Elmshäuser: Ein Bremer Pfandleiher und sein Siegel: Die „Judensau“ vom Heiligenberg. In: Bremisches Jahrbuch 99/2020, S. 54–89 (PDF)
  53. Andreas Lehnertz, Markus Wenninger: Zum Heiligenberger Siegeltypar mit einer ‘Judensau’: Das Siegel eines Christen, nicht das eines Juden. In: Bremisches Jahrbuch 100/2021, S. 52–78
  54. Heinz Schreckenberg: Die Juden in der Kunst Europas. Göttingen 1996, S. 343–345
  55. Wilfried Schouwink: Der wilde Eber in Gottes Weinberg, Sigmaringen 1985, S. 88.
  56. Rudolf Kreis: Die christliche Bildwelt und der Antisemitismus aus der Gegensicht Kafkas. In: Gerhart von Graevenitz (Hrsg.): Die Unvermeidlichkeit der Bilder. Narr, Tübingen 2001, ISBN 3-8233-5706-9, S. 103–116, hier S. 109.
  57. Isaiah Shachar: The Judensau. London 1974, S. 39 f.; The Central Archives for the History of the Jewish People Jerusalem (CAHJP): P 160 – Fotosammlung Theodor Harburger. Nr. 456–457a/Buch S. 319 f., PDF S. 24 f.
  58. Hermann Rusam: „Judensau“-Darstellungen in der plastischen Kunst Bayerns. In: Begegnungen, März 2007, S. 28.
  59. Jörg Bielig et al. (Hrsg.): Die „Wittenberger Sau“, Halle 2020
  60. Wilhelm Güde: Die rechtliche Stellung der Juden in den Schriften deutscher Juristen des 16. und 17. Jahrhunderts. Jan Thorbecke, Ostfildern 1981, ISBN 3-7995-6026-2, S. 10.
  61. a b Susann Reich: Judenfeindliche Plastik: So geht Zerbst damit um. MDR, 15. Juni 2022
  62. Monika Kucharz: Das antisemitische Stereotyp der „jüdischen Physiognomie“. Seine Entwicklung in Kunst und Karikatur. LIT, Münster 2017, ISBN 3-643-50808-5, S. 97–99 und Abbildung 104; Isaiah Shachar: The Judensau, London 1974, S. 34 f.
  63. Debra Higgs Strickland: The Jews, Leviticus, and the Unclean in Medieval English Bestiaries. In: Mitchell B. Merback: Beyond the Yellow Badge: Anti-Judaism and Antisemitism in Medieval and Early Modern Visual Culture. Brill, Leiden 2007, ISBN 90-04-15165-6, S. 202–233, hier S. 227
  64. Wolfgang Treue: Der Trienter Judenprozeß. Voraussetzungen - Abläufe - Auswirkungen (1475-1588). In: Helmut Castritius et al. (Hrsg.): Forschungen zur Geschichte der Juden, Abteilung A: Abhandlungen, Band 4. Hahnsehe Buchhandlung, Hannover 1996, PDF S. 370 f. und Abbildung 109.
  65. Jan Dienstbier: The Metamorphoses of the “Judensau”. In: Eva Janáčová, Jakub Hauser (Hrsg.): Visual Antisemitism in Central Europe: Imagery of Hatred. Berlin 2021, S. 14–18 und Fn. 36
  66. Jan Dienstbier: The Metamorphoses of the “Judensau”. In: Eva Janáčová, Jakub Hauser (Hrsg.): Visual Antisemitism in Central Europe: Imagery of Hatred. Berlin 2021, S. 20–23
  67. Jan Dienstbier: The Metamorphoses of the “Judensau”. In: Eva Janáčová, Jakub Hauser (Hrsg.): Visual Antisemitism in Central Europe: Imagery of Hatred. Berlin 2021, S. 24–32
  68. Monika Kucharz: Das antisemitische Stereotyp der „jüdischen Physiognomie“, Münster 2017, S. 100 und Abbildung 106.
  69. Stefan Rohrbacher, Michael Schmidt: Judenbilder. Hamburg 1991, S. 160.
  70. Bruno Kirschner, Arie Kindler: Deutsche Spottmedaillen auf Juden. Battenberg, München 1968, S. 25 ff.
  71. Petra Schöner: Judenbilder im deutschen Einblattdruck der Renaissance. Baden-Baden 2002, S. 197.
  72. Matthias Schönleber: ‚der juden schant ward offenbar‘: Antijüdische Motive in Schwänken und Fastnachtsspiele von Hans Folz. In: Ursula Schulze: Juden in der deutschen Literatur des Mittelalters. Religiöse Konzepte – Feindbilder – Rechtfertigungen. De Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-093304-7, S. 163–182, Zitat S. 163.
  73. Weimarer Ausgabe Band 53, S. 600–602.
  74. Folker Siegert: Israel als Gegenüber: Vom Alten Orient bis in die Gegenwart. Studien zur Geschichte eines wechselvollen Zusammenlebens. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-54204-6, S. 299 und Fn. 39.
  75. Gerd Schwerhoff: Verfluchte Götter: Die Geschichte der Blasphemie. Fischer, Frankfurt am Main 2021, ISBN 3-10-397454-X, S. 92
  76. Stefan Niehaus (Hrsg.): Ludwig Achim von Arnim: Texte der deutschen Tischgesellschaft. De Gruyter, Berlin 2008, ISBN 3-484-15611-2, S. 111 f. (Arnim), 371 (Goethe) und 498 (Schudt). Alle Zitate bei Jutta Ditfurth: Der Baron, die Juden und die Nazis. Adeliger Antisemitismus. Hoffmann und Campe, Hamburg 2015, ISBN 3-455-50394-2, S. 43 f. sowie S. 324 f., Fn. 75–79.
  77. Monika Kucharz: Das antisemitische Stereotyp der „jüdischen Physiognomie“, Münster 2017, S. 101 f. und Abbildung 109
  78. Monika Kucharz: Das antisemitische Stereotyp der „jüdischen Physiognomie“, Münster 2017, S. 102; frühe Beispiele bei Karl Friedrich August Müller (Hrsg.): Bayerische Landbötin Nr. 132, 2. November 1833, S. 1150.; Nikolaus von Weis (Hrsg.): Der Katholik, Band 60, Speyer 1836, Beilage IV, S. 62
  79. Wolfgang Duchkowitsch: Medien: Aufklärung – Orientierung – Missbrauch. Vom 17. Jahrhundert bis zu Fernsehen und Video. Wien/Berlin 2014, ISBN 3-8258-7475-3, S. 11–15; „Saujude“ S. 14
  80. Wolfgang Duchkowitsch: Medien: Aufklärung – Orientierung – Missbrauch, Wien/Berlin 2014, S. 60
  81. Karl Maria Guth (Hrsg.): Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayerischen Lande, Zweiter Band. Neuausgabe, Contumax Hofenberg, Berlin 2014, ISBN 3-8430-3748-5, S. 257: 669. Das Synagogenwappen zu Heidingsfeld.
  82. Arye Maimon: Germania Judaica Band 3, 1350-1519: Teilband 1. Ortschaftsartikel Aach - Lychen. Mohr, Tübingen 1987, ISBN 3-16-745107-6, S. 530
  83. Eduard Fuchs: Die Juden in der Karikatur, Leipzig 2018, S. 128.
  84. Eduard Schneider: Schatten der Geschichte und der Gegenwart. Simowa, Bern 1999, ISBN 3-9521463-9-0, S. 12.
  85. Matthias Beimel: Die Karikatur als Ersatzhandlung. In: Geschichte lernen 3, Stuttgart 1990, S. 28
  86. Achim Bühl: Antisemitismus: Geschichte und Strukturen von 1848 bis heute. Marix Verlag, Wiesbaden 2020, ISBN 3-8438-0645-4, S. 73
  87. Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland. Nachdruck: Antigonos, Paderborn 2012, ISBN 3-95472-176-7, S. 166
  88. Dieter Heimböckel: Walther Rathenau und die Literatur seiner Zeit: Studien zu Werk und Wirkung. Königshausen & Neumann, Würzburg 1996, ISBN 3-8260-1213-5, S. 354–358.
  89. Abraham Adolf Fraenkel: Lebenskreise: Aus den Erinnerungen eines jüdischen Mathematikers. Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 1967, S. 49–51
  90. Carsten Pietsch: Die Entfesselung des Hasses: Antijüdische Stereotype in den Karikaturen und Hetzartikeln des „Stürmers“. (Memento des Originals vom 17. Juni 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.carsten-pietsch.de Universität Oldenburg, WS 2001/2002 (PDF; 758 kB).
  91. Monika Urban: Von Ratten, Schmeißfliegen und Heuschrecken, Köln 2014, S. 82
  92. Paul Egon Hübinger: Thomas Mann, die Universität Bonn und die Zeitgeschichte: drei Kapitel deutscher Vergangenheit aus dem Leben des Dichters 1905–1955. Oldenbourg, München 1974, ISBN 3-486-44031-4, S. 138; Hinrich Siefken: Thomas Manns „Dienst an der Zeit“ in den Jahren 1918–1933. In: Thomas Mann Jahrbuch 10 (1997), S. 167–185, hier S. 172.
  93. Christian Zentner: Deutschland 1870 bis heute: Bilder und Dokumente. Südwest-Verlag, München 1970, S. 296; Micha Brumlik (Hrsg.): Reisen durch das jüdische Deutschland. DuMont, Köln 2006, ISBN 3-8321-7932-1, S. 404.
  94. David A. Hackett: Der Buchenwald-Report. Bericht über das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47598-1, S. 187.
  95. Elke Stenzel (Hrsg.): „Den Nazis eine schallende Ohrfeige versetzen“: Zeitzeugen erinnern sich. Frank & Timme, Berlin 2009, ISBN 3-86596-254-8, S. 137 und 147.
  96. Andrés José Nader: Traumatic Verses: On Poetry in German from the Concentration Camps, 1933-1945. Camden House, Rochester/New York 2007, ISBN 1-57113-375-5, S. 128–130
  97. Torben Fischer, Matthias N. Lorenz (Hrsg.): Lexikon der „Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland. Debatten- und Diskursgeschichte des Nationalsozialismus nach 1945. 2. Auflage, Transcript, Bielefeld 2009, ISBN 3-89942-773-4, S. 97.
  98. Burkhard Müller-Ullrich: Korrektur im Namen der political correctness (Interview mit Achim Hubel vom Lehrstuhl für Denkmalpflege in Bamberg). Deutschlandfunk (DLF), 31. März 2005
  99. Marten Marquardt: Judenfeindschaft in der christlichen Kunst am Beispiel der Kölner Judensau. In: Antisemitismus – Erscheinungsformen der Judenfeindschaft gestern und heute. EPD-Dokumentation, Frankfurt am Main 2003, S. 40–45
  100. Hartmut Kraft: Die Lust am Tabubruch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, ISBN 3-647-49154-3, S. 34; Judensau im Kölner Dom. Brief der Dombauverwaltung der Hohen Domkirche Köln an Wolfram Kastner, 19. Juni 2002.
  101. Marc Steinmann: Judensau, Wange von Westen, Judensau – Chorgestühl Nord. Koelner-dom.de
  102. Carola Maria Werhahn: Die Stiftung des Victor von Carben (1423-1515) im Kölner Dom. Glaubenspropaganda zwischen Judentum und Christentum in Text und Bild. Herbert Utz, München 2013, ISBN 3-8316-4196-X, S. 15
  103. a b c Josef Wirnshofer: Schweinerei. SZ-Magazin, 25. Dezember 2017
  104. Schild am Regensburger Dom: Streit um „Judensau“ hält an. Ntv, 29. März 2005
  105. Michael Brenner, Renate Höpfinger (Hrsg.): Die Juden in der Oberpfalz. De Gruyter, Berlin 2009, ISBN 3-486-79131-1, S. 8
  106. Wolfram P. Kastner, Günter Wangerin: „Judensau“-Skulptur: Tafel am Regensburger Dom. HaGalil, 11./12. Mai 2005
  107. Mathias Wagner: Umstrittene Dom-Inschrift wurde gestohlen. Mittelbayerische Zeitung, 28. Juli 2014 (nach Anmeldung)
  108. Florian Sendtner: In Stein gemeißelter Antisemitismus. Bayerische Staatszeitung, 26. Juli 2019; Stefan Aigner: Text über „Judensau“: Wenn der Kulturreferent zensiert. regensburg-digital, 2. August 2019
  109. Umfangreichere Informationstafel soll Schmähskulptur einordnen: Einigung zu Umgang mit „Judensau“-Darstellung am Regensburger Dom. Katholisch.de, 7. Januar 2022; Antisemitismusbeauftragter Bayern: Dr. Ludwig Spaenle und Ilse Danziger, Vorsitzende der IKG Regensburg, stellen Ergebnis des Runden Tischs zum Umgang mit der sog. „Judensau“ am Dom vor. Regensburg, 7. Januar 2022
  110. Wilfred Engelbrecht: Die Bayreuther Stadtkirche. Unnser lis goczhawss sant Marie magdalene. Geschichte des ältesten Bauwerks der Stadt. Bayreuther Zeitlupe Verlag, Bayreuth 2017, S. 15–17.
  111. Bernd Mayer (Hrsg.): Jüdisches Bayreuth. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Bayreuth 2010, ISBN 3-925361-81-2, S. 24
  112. Wolfram P. Kastner, Günter Wangerin: Staatliche Sau-Skulptur erhält einen distanzierenden Kommentar. HaGalil, 7. Januar 2004
  113. Morten Freidel: Eine große Sauerei. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS), 20. August 2017.
  114. Entscheidung in Antisemitismusdebatte: Bayern lässt sämtliche „Judensau“-Skulpturen hängen. dpa/Spiegel Online, 8. Dezember 2020.
  115. Thomas Höfs: „Judensau“ kommt nicht an die Kirche. Volksstimme, 12. März 2020
  116. Thomas Höfs: „Judensau“-Relief in Calbe jetzt verdeckt. Volksstimme, 19. Juni 2020
  117. Albrecht Steinwachs, Stefan Rhein, Jürgen M. Pietsch: Die Stadtkirche der Lutherstadt Wittenberg. Edition Akanthus, Spröda 2000, ISBN 3-00-006918-6, S. 107.
  118. Streit um Bild an Stadtkirche Wittenberg: Kirche will „Judensau“-Relief behalten. MDR, 7. Oktober 2016
  119. Christoph Richter: Spottskulptur: „Die Welt schaut auf Wittenberg – und sieht eine Judensau“. DLF, 24. Mai 2017
  120. Jérôme Lombard: Reformationsjahr: Relikt aus der Lutherzeit. Jüdische Allgemeine, 11. Juli 2017
  121. Justiz: Berufung gegen „Judensau“-Urteil. Jüdische Allgemeine, 26. Juni 2019.
  122. „Judensau“-Schmähplastik darf weiter an Stadtkirche bleiben. Evangelisch.de, 4. Februar 2020.
  123. Stephan Kosch: Das Urteil zur „Judensau“. In: Zeitzeichen. Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft. 21. Jahrgang, März 2020, S. 12
  124. BGH-Urteil zu Schmähskulptur: »Judensau« an Wittenberger Stadtkirche muss nicht entfernt werden. Spiegel Online, 14. Juni 2022; Bundesgerichtshof zur Wittenberger Sau. Pressemitteilung des BGH Nr. 094/2022, 14. Juni 2022; BGH, Urteil vom 14. Juni 2022 – VI ZR 172/20.
  125. Dmitrij Kapitelman: Sieben Thesen zur Judensau. taz, 8. Juli 2017
  126. Debatte um judenfeindliche Darstellungen an Kirchen geht weiter. epd, 20. Februar 2020
  127. Ronen Steinke: Die „Judensau“ von Wittenberg: Juristische Narrenfreiheit für die Kirche in Sachsen-Anhalt. In: Andreas Fischer-Lescano et al. (Hrsg.): Recht gegen rechts: Report 2020. Fischer, Frankfurt am Main 2020, ISBN 3-10-403862-7, S. 251
  128. „Judensau“-Schmähplastik kann an Wittenberger Kirche bleiben. DLF, 14. Juni 2022
  129. Iris Mayer: BGH-Urteil: Antijüdische Schmähplastik darf bleiben. Süddeutsche Zeitung, 14. Juni 2022
  130. Niklas Ottersbach: Urteil zur „Judensau“-Schmähplastik: Eine sehr selbstbezogene Geschichtsbetrachtung. DLF, 14. Juni 2022
  131. Schmähplastik aus Wittenberg: Theologin Käßmann kritisiert BGH-Urteil: „Die 'Judensau' ist eine Hassbotschaft“. MDR, 19. Juni 2022
  132. Monika Schwarz-Friesel, Jehuda Reinharz: Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert. De Gruyter, Berlin 2013, ISBN 3-11-027772-7, S. 34 und S. 136, Fn. 38
  133. Sabine Tofahrn: Strafrecht Besonderer Teil I: Straftaten gegen Persönlichkeitswerte. 3. Auflage, C.F.Müller, Heidelberg 2014, ISBN 3-8114-7152-X, S. 151
  134. Juliane Wetzel: Antisemitismus als Element rechtsextremer Ideologie und Propaganda. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Antisemitismus in Deutschland. Zur Aktualität eines Vorurteils. dtv, München 1995, ISBN 3-423-04648-1, S. 106.
  135. Werner Bergmann, Rainer Erb: Neonazismus und rechte Subkultur. Metropol, Berlin 1994, ISBN 3-926893-24-9, S. 38.
  136. Johannes Jäger: Die rechtsextreme Versuchung. Lit Verlag, Münster 2001, ISBN 3-8258-5722-0, S. 139.
  137. Margret Chatwin: Die Rolle des Antisemitismus im Rechtsextremismus. In: Thomas Grumke, Bernd Wagner (Hrsg.): Handbuch Rechtsradikalismus: Personen – Organisationen – Netzwerke. Vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft. Leske + Budrich, Opladen 2002, ISBN 3-8100-3399-5, S. 178.
  138. Arne Hoffmann: Das Lexikon der Tabubrüche. 2. Auflage, Ubooks, Mossautal 2018, ISBN 3-944154-57-6, S. 436
  139. Rassismusurteil revidiert: Obergericht hebt Rassismusurteil gegen ehemaligen Pnos-Präsidenten teilweise auf. In: Humanrights.ch, 14. Juni 2007
  140. Fall 2006-050N: Beschimpfung «Judensau»; Verteilen von CDs mit nationalsozialistischen Inhalten. Eidgenössische Kommission gegen Rassismus, Entscheid 2008-014N
  141. Ronen Steinke: Terror gegen Juden: Wie antisemitische Gewalt erstarkt und der Staat versagt. Eine Anklage. Berlin Verlag, Berlin 2020, ISBN 3-8270-8016-9, S. 2010
  142. Florian Schubert: Antisemitismus im Fußball: Tradition und Tabubruch. Wallstein, Göttingen 2019, ISBN 3-8353-3420-4, S. 44, 121, 195, 356, 600
  143. „Wir werden weiter gegen jede Art von Antisemitismus kämpfen“ – Interview mit Roger Dan Nussbaum von Makkabi Deutschland (Memento vom 14. Juni 2009 im Internet Archive) Amballbleiben.org, 21. August 2007.
  144. Christoph M. Klein: Sicherheit durch Stadionverbote? Eine empirische Studie zu den Auswirkungen auf Fußballstadien und ihr Umfeld. Budrich, Opladen 2019, ISBN 3-86388-803-0, S. 87
  145. Horst Hilpert: Das Fußballstrafrecht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). De Gruyter, Berlin 2018, ISBN 3-11-053523-8, S. 294
  146. Gutachten von Florian Schubert für den Expertenkreis Antisemitismus: Fußball und Antisemitismus. In: Bundesinnenministerium: Antisemitismus-Expertisen, 2016, PDF S. 192–216, hier S. 208 (intern: S. 17)
  147. Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus: Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart Band 1: Länder und Regionen. De Gruyter/Saur, Berlin 2008, ISBN 3-598-24071-6, S. 148.
  148. Kurt Greussing: »Esel mit Büchern«, Agenten und Verschwörer. Von den Judenbildern des Koran zum modernen islamischen Antisemitismus. In: Hanno Loewy (Hrsg.): Gerüchte über die Juden: Antisemitismus, Philosemitismus und aktuelle Verschwörungstheorien. Klartext, Essen 2005, ISBN 3-89861-501-4, S. 149–170, hier S. 152 und 168, Fn. 3
  149. Kirsten Dierolf: Roger Waters, das Schwein und BDS. Antisemitische Argumentationsmuster in der Boycottkampagne gegen Israel. In: Samuel Salzborn (Hrsg.): Antisemitismus seit 9/11: Ereignisse, Debatten, Kontroversen. Nomos, Baden-Baden 2019, ISBN 3-8452-9585-6, S. 427–448, hier S. 437 f.
  150. Axel Rahmlow: Antisemitismus-Skandal auf der Documenta: „Dieses Kunstwerk muss komplett entfernt werden“. DLF, 20. Juni 2022; Jürgen Kaube: Skandal um die Documenta: Die Judensau von Kassel. FAZ, 21. Juni 2022 (kostenpflichtig)