Judith Kerr

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Judith Kerr (* 14. Juni 1923 in Berlin) ist eine in London lebende britische Künstlerin und Schriftstellerin deutscher Herkunft. Sie wurde vor allem durch ihre Jugendbücher bekannt, in denen sie die Geschichte der Flucht ihrer jüdischen Familie aus dem nationalsozialistischen Deutschland und das Leben in der Emigration beschreibt.

Leben

Judith Kerr ist die Tochter des Theaterkritikers Alfred Kerr und dessen Frau Julia, geborene Weißmann, und die Schwester von Michael Kerr. Im Jahr 1933 floh die Familie Kerr, da sie in Deutschland verfolgt wurde, über die Schweiz und Frankreich, wo Judith zwei Jahre die Schule besuchte und Französisch als neue Sprache erlernte.[1] Die Familie floh 1935 weiter nach England, wo sie in London zunächst in einem kleinen Hotel wohnte.[2]

Kerr besuchte die Central School of Arts and Crafts. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete sie beim Roten Kreuz. Nach dem Krieg war Kerr als Redakteurin und Lektorin für den Sender BBC tätig, wo sie ihren Mann, den britischen Fernsehautor Nigel Kneale, kennenlernte, mit dem sie von 1954 bis zu seinem Tod im Jahr 2006 verheiratet war. Gleichzeitig illustrierte sie als freiberufliche Malerin und Textdesignerin zahlreiche Kinderbücher, darunter das von ihr selbst verfasste The Tiger Who Came to Tea. Sie hat eine Tochter, Tacy Kneale, und einen Sohn, Matthew Kneale.

Judith Kerr ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

Schriftstellerische Tätigkeit

1971 veröffentlichte Kerr Als Hitler das rosa Kaninchen stahl. Hier wie in den beiden folgenden Büchern Warten bis der Frieden kommt (1975) und Eine Art Familientreffen (1979) beschrieb sie die Flucht ihrer Familie aus dem nationalsozialistischen Deutschland.

Neben diesen drei Romanen veröffentlichte Kerr in England weitere Erzählungen, die nicht alle in Deutschland veröffentlicht wurden, vor allem aber von ihr selbst illustrierte Bilderbücher, darunter 17 Bände mit Geschichten über den Kater Mog. Des Weiteren arbeitete sie als Autorin für die BBC in London und publiziert in englischer Sprache noch heute.

In England wurde sie durch ihre Bilderbücher berühmt, vor allem The Tiger who came to tea (1968) und die Serie mit dem Kater Mog.[3] Sie liebt es nach eigenen Angaben, Geschichten durch Bilder zu erzählen.[3] Mit Worten sei sie nicht nur aus Rücksichtnahme auf die Schwierigkeiten des Lesenlernens sparsam, sondern dies sei auch auf Stilideale aus ihrer Kindheit zurückzuführen, unter anderem Die Abenteuer des Tom Sawyer.[3] Als ihr Vorbild nannte sie den Kinderbuchautor Dr. Seuss.[3]

Werke (Auswahl)

Öffentliche Auftritte

Würdigung

Für ihre Bücher wurde Kerr mit vielen Preisen ausgezeichnet; unter anderem erhielt sie 1974 den Deutschen Jugendliteraturpreis für Als Hitler das rosa Kaninchen stahl.

Die Judith Kerr Primary School in London und die Judith-Kerr-Grundschule in Berlin-Schmargendorf tragen ihren Namen.

Literatur

  • Birgitta Reddig-Korn, Gabriele Runge, Judith Kerr: Materialien zur Unterrichtspraxis: Judith Kerr, „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“. Ravensburger Buchverlag, 1991. ISBN 3-473-98292-X.

Weblinks

 Commons: Judith Kerr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Thomas Kielinger: „Ich bin keine Schriftstellerin“. Interview in: Die Literarische Welt, 8. Juni 2013, S. 7
  2. Deborah Vietor-Engländer: Alfred Kerr. Die Biographie. Rowohlt, Reinbek 2016
  3. a b c d Lothar Müller: Das rote Zimmer. Wie man wenig Worte macht und viel sagt. Eine Begegnung mit der Kinderbuchautorin Judith Kerr in Berlin. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 216, 17./18. September 2016, S. 21.