Jugger

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Jugger [ˈdʒʌɡə(r)] ist eine Sportart, welche die Elemente von Mannschaftssport (u. a. ähnlich Rugby, mit weniger Kontakt; oder Handball mit schnellem Wechsel zwischen Offensive und Defensive) mit Elementen von verschiedenen Individualsport-Arten (u. a. ähnlich Fechten, oder Ringen) verbindet.

Vogelperspektive eines Jugger-Spiels

Jugger bezeichnet sowohl das Spiel an sich, als auch die Spieler. Bei diesem Spiel geht es darum, den Spielball so oft wie möglich in das gegnerische Tor zu bringen. In jeder Mannschaft kann nur ein Spieler mit dem Spielball ein Tor erzielen. Die anderen Spieler gehen mit gepolsterten Sportgeräten gegeneinander vor, um die gegnerische Mannschaft am Punkten zu hindern. Obwohl das Spiel für den unbeteiligten Beobachter recht martialisch anmutet, ist es nicht gefährlicher als andere Mannschaftssportarten. Eine Besonderheit des Juggersports liegt darin, dass es keine nach Geschlechtern getrennten Abteilungen gibt. Gemischtgeschlechtliche Mannschaften sind zugelassen.

Geschichte[Bearbeiten]

Seinen Ursprung hat Jugger in dem dystopischen Film Die Jugger – Kampf der Besten (Australien 1989) mit Rutger Hauer. Der Regisseur und Drehbuchautor David Webb Peoples erfand das Spiel für die Handlung des Films. Hier spielen umherziehende Mannschaften um ihren kargen Lebensunterhalt, viele mit dem Ziel vor Augen, einmal in die sagenumwobene Liga aufgenommen zu werden, in der, Gladiatorenwettkämpfen gleich, zur Belustigung der Wohlhabenden Wettkämpfe ausgetragen werden. Im Film wird äußerst brutal gespielt, so dass Knochenbrüche und Platzwunden die Regel sind. Das reale Spiel hingegen ist ungefährlich.

Das erste belegbare Spiel fand 1993 auf einem Liverollenspiel der LARP-Gruppe Die Dilettanten statt. Auf dem DracCon VII im Sommer 1993 wurde ebenfalls eine Jugger-Vorform gespielt. Die Ausübung des Juggerspiels begann sich in Deutschland seit dieser Zeit zu verbreiten. Die Regeln wurden durch Ausprobieren definiert und nach Kontakt der Gruppen angeglichen. Das erste Turnier außerhalb eines Liverollenspiels fand 1995 in Hamburg statt. Die erste Deutsche Jugger-Meisterschaft fand 1998 in Berlin statt. Die deutsche Juggerliga wurde 2003 eingeführt und setzt sich aus mehreren lokalen Turnieren über ganz Deutschland verteilt zusammen. Das erste Turnier mit internationaler Beteiligung des Teams Setanta aus Irland wurde im Mai 2007 in Hamburg ausgetragen.

2006 erhielt der Jugger e.V. aus Berlin die Sportförderungswürdigkeit.

Auf der 11. Deutschen Meisterschaft in Berlin 2008 war mit der australischen Mannschaft Red Backs erstmals eine außereuropäische Mannschaft vertreten. Anfang September fand 2012 in Berlin mit der 15. Deutsche Meisterschaft das bisher größte Juggerturnier statt. Unter den 61 teilnehmenden Mannschaften waren auch zwei australische, vier spanische und ein Team aus Irland vertreten.

Regeln und Grundsätze[Bearbeiten]

Jugger-Spielregeln, Berlin-Tempelhof, 2012

Im deutschen Regelwerk sind die offiziellen Regeln niedergeschrieben. Änderungen werden nach subjektiv ausreichender Testphase vorgeschlagen und anschließend von den deutschen Teams anhand der Umsetzbarkeit und Funktion gewählt. Trotz der einheitlichen Grundlage gibt es lokale Regelvariationen.[1] Folgend wird ein Auszug der wichtigsten deutschen Grundregeln erklärt.

Spielfeld[Bearbeiten]

Das Spielfeld sollte eine gleichmäßige Ebene ohne Gefälle darstellen. Es sollte kein harter Untergrund gewählt werden, wenn ohne Schutz für Knie und Ellenbogen gespielt wird. Eine einfache Rasenfläche ohne viel Bewuchs hat sich als optimaler Spielgrund bewährt. Das Spielfeld wird mit Linien abgegrenzt. Jeder Turnierausrichter kann selbst entscheiden, ob ein Betreten der Linien als außerhalb des Spielfeldes zählt oder nicht.

Spielfeldabmessung

Die Form entspricht einem Rechteck mit abgeschnittenen Ecken. Der Teil der kurzen Linien des Rechtecks, der nicht abgeschnitten ist, sind die Grundlinien. Die längsten Linien heißen Seitenlinien. Die schrägen Linien, die durch das Abflachen der Ecken des Rechteckes entstanden sind, haben keine eigene Bezeichnung. Der Mittelpunkt des Spielfeldes ist markiert. Auf diesen Punkt wird der Spielball vom Hauptschiedsrichter bei Spielbeginn und nach jeder Spielunterbrechung gelegt.

Abmessungen
  • Länge (gesamt) 40 m
  • Seitenlinie 30 m
  • Breite (gesamt) 20 m
  • Grundlinie 10 m

Tor (Mal)[Bearbeiten]

Das Mal ist eine Art Nest, in das der Spielball gesteckt werden muss, um einen Punkt zu erzielen. Die Form des Mals entspricht der eines Kegelstumpfes, dessen Basis einen Durchmesser von ca. 50 cm hat. Auf der Oberseite befindet sich ein Loch mit ca. 12 cm Durchmesser, in welchem der Spielball platziert wird. Das Mal ist komplett aus Schaumstoff gefertigt und muss vollständig gepolstert sein. Jedes Team hat ein Mal, das sich, ausgehend von der Mitte der eigenen Grundlinie, zwei Meter in Richtung des Mittelpunktes befindet.

Spielball (Jugg)[Bearbeiten]

Als Spielball dient, in traditioneller Anlehnung an den Film, ein künstlicher Hundeschädel aus Schaumstoff. Es darf jedes ähnlich geformte Objekt, das ausreichend gepolstert ist, verwendet werden. Der Spielball wird als Jugg oder Schädel bezeichnet.

Spieler[Bearbeiten]

Eine Mannschaft besteht aus bis zu acht Spielern. Davon können maximal fünf Spieler pro Spielzug auf dem Spielfeld sein. Einer der Feldspieler muss ein Läufer sein und es darf höchstens einen Kettenmann auf dem Feld geben. Die Restlichen Spieler sind Pompfer.

Läufer

Der Läufer, auch Qwik[2] genannt, trägt keine Pompfe und ist somit gegen die Pompfer ungeschützt. Er darf als einziger den Jugg aufnehmen. Sein Ziel ist es, ihn in das Mal auf der gegnerischen Seite zu stecken. Die Läufer dürfen miteinander ringen.

Pompfer

Die Pompfer dürfen frei zwischen den Varianten der Sportgeräte wählen. Sie haben die Aufgabe, ihren Läufer zu beschützen und ihm den Weg frei zu machen, bzw. den gegnerischen Läufer zu behindern.

Sportgeräte (Pompfen)[Bearbeiten]

Pompfen nach Berliner Vorbild

Die verwendeten Sportgeräte beim Jugger heißen Pompfen. Dieser Begriff, bereits 1970 in einem Klamaukfilm für Keulen verwendet[3], umschreibt lautmalerisch auch das Geräusch, das bei einem Treffer einer Polsterwaffe auf einen Spieler entsteht.[4] Die Polsterung muss rund sein. Stilisierte Schwertklingen o.ä. sind verboten. Die Polsterung einer Pompfe dient der allgemeinen Sicherheit und muss entsprechend sorgfältig ausgeführt sein.

Stab

Der Stab ist 180 cm lang und wird mit beiden Händen geführt. Am oberen Ende befindet sich eine Schlagfläche. Darunter folgt eine Grifffläche, die Blockfläche und noch eine Grifffläche. Die mittlere Grifffläche endet 110 cm vom Schlagflächenende. Hinter dem Griff sollte eine Manschette befestigt sein, die verhindert, dass man den Stab weiter hinten anfassen kann, um seine Reichweite zu erhöhen. Sollte ein Spieler mit der Blockfläche getroffen werden, zählt dies nicht als Treffer. Der Stab ist mit je einer Hand an jeder Grifffläche zu führen. Mit dem Stab darf nicht gestochen werden. In Hamburg gilt die Blockfläche am Stab ebenfalls als Schlagfläche.

Q-Tip

Der Q-Tip ist zwei Meter lang und hat zwei Schlagflächen, ähnlich einem Paddel. Der Griff ist 80 cm lang, so dass sich eine maximale Reichweite von 140 cm ergibt. Bei der Führung des Q-Tips ist darauf zu achten, dass immer beide Hände am Griff sind. Treffer, die mit einhändig geführten Q-Tips ausgeführt werden, zählen nicht. Mit dem Q-Tip darf gestochen werden.

Langpompfe

Die Langpompfe ist insgesamt 140 cm lang. Davon macht die Länge des Griffs 40 cm aus. Sie muss mit beiden Händen am Griff geführt werden. Treffer, die einhändig gesetzt wurden, zählen nicht. Mit der Langpompfe darf gestochen werden.

Kurzpompfe und Schild
Ein Schildspieler weicht dem Angriff einer Kette durch einen Sprung aus

Eine Kurzpompfe ist 85 cm lang. Dabei macht die Länge des Griffs 20 cm aus. Sie wird einhändig geführt, da man in der anderen Hand den Schild oder eine zweite Kurzpompfe führt. Mit einer Kurzpompfe darf gestochen werden.

Der Schild hat einen Durchmesser von 60 cm. Es sind nur Rundschilde erlaubt, da man sich an eckigen Schilden verletzen kann. Um den Schild am Arm zu befestigen, werden häufig ein bis zwei Zurrgurte benutzt.

Kette

Die Kette ist insgesamt 320 cm lang. Sie besteht aus der Schlaufe, der Kette und dem Schwungkörper. Der Schwungkörper muss einen Mindestdurchmesser von 20 cm haben und muss sehr gut gepolstert sein. Die Kette muss einen Meter vom Schwungkörper in die Richtung der Schlaufe gepolstert sein. Sie muss mit mindestens einer Hand geführt werden.

Ablauf[Bearbeiten]

Zu Beginn jedes Spielzuges stellen sich die Mannschaften hinter ihrer Grundlinie auf und der Jugg wird in der Mitte des Feldes platziert. Nach dem Startkommando des Schiedsrichters („Drei - Zwei - Eins - Jugger!“) dürfen beide Mannschaften das Spielfeld betreten. Die Läufer versuchen den Jugg zu nehmen und ihn in das gegnerische Mal zu stecken. Gelingt dies, so bekommt seine Mannschaft einen Punkt. Mit dem erzielen eines Punktes endet der Spielzug und die Mannschaften stellen sich neu auf. Es werden so viele Spielzüge gemacht, bis die Zeit abgelaufen ist. In der Halbzeitpause wechseln beide Teams die Seite.

Zeitmessung[Bearbeiten]

Die Zeitmessung geschieht im Film durch das Werfen von Steinen an einen Gong. Daher bezeichnet man die Zeiteinheit beim Jugger als Steine. Jedoch hat sich die symbolische Verwendung von Trommelschlägen etabliert. Jedes Spiel besteht aus zwei Halbzeiten von jeweils 100 Steinen Länge. Die Zeitspanne eines Steins ist auf 1,5 Sekunden festgelegt. Somit besitzt eine Halbzeit 2:30 Minuten reine Spielzeit. Ein Spielzug dauert gewöhnlich 10 bis 30 Steine, ein sehr schneller Spielzug kann aber auch nur sechs oder weniger Steine dauern. Dadurch beinhaltet ein Spiel auch häufige Neuaufstellungen und kurze taktische Besprechungen der Mannschaften. Ein Spiel mit zweimal 100 Steinen Länge erreicht eine Bruttolaufzeit von etwa 20 bis 30 Minuten.

Treffer[Bearbeiten]

Trefferzonen nach dem deutschen Grundregelwerk

Wird ein Spieler von einer Pompfe mit einem gültigen Treffer getroffen, so hat er sich auf den Boden zu knien und darf eine Zeit lang nicht in das Spielgeschehen eingreifen. Die Pompfe muss flach auf den Boden gelegt werden, so dass kein anderer Spieler darüber stolpern kann. Der Läufer muss den Jugg so neben sich auf den Boden legen, dass der gegnerische Läufer ihn aufnehmen kann. Die Auszeit für von Pompfen getroffene Spieler beträgt fünf Steine. Kettentreffer werden mit acht Steinen bestraft.

Ein gültiger Treffer ist dann erreicht, wenn die Pompfe des Treffenden regelkonform geführt wurde und eine gültige Trefferzone des Spielers getroffen wurde. Trefferzonen sind der gesamte Körper ohne Kopf, Hals und Händen. Diese Ausnahmen stellen aus Sicherheitsgründen keine Trefferzone dar, um gezielte Schläge auf diesen Bereich zu vermeiden. Bei dem Spieler, der die Kette führt, zählen auch Treffer an den Händen. Bei dem Läufer zählen sowohl Treffer an den Händen, als auch am getragenen Jugg. So kann der Läufer keine Schläge mit dem Jugg abwehren. Es zählen bei allen Spielern auch Treffer von den Spielern aus der eigenen Mannschaft.

Wird zuerst der Kopf oder Hals getroffen und innerhalb des gleichen Schlages eine gültige Trefferzone, so zählt auch dieser Treffer nicht. Wird andersherum, zuerst eine gültige Trefferzone und danach der Kopf oder Hals getroffen, zählt der Treffer. Ein Treffer gilt bei jeder Berührung, unabhängig von der Härte des Schlags. Schnelle, gezielte Schläge zeigen also mehr Wirkung als eine unnötig harte Spielweise. Ebenso zählt auch eine Berührung der Kleidung als Treffer.

Treffen sich zwei Spieler gleichzeitig, muss dies mit „Doppel“ angesagt werden. Beide Spieler müssen für die volle Strafzeit aussetzen. Gleichzeitig bedeutet nach dem deutschen Grundregelwerk, dass beide Treffer innerhalb einer halben Sekunde gelandet wurden. Eine viel gespielte Variante ist in Deutschland als Irisches Doppel bekannt. Dabei zählt nur als Doppeltreffer, wenn nicht mehr unterscheidbar ist, wer den ersten Treffer gelandet hat.

Pinnen[Bearbeiten]

Der Spieler in dem schwarzen Trikot wird gepinnt

Spieler, die ihre Strafzeit abknien, können gepinnt werden. Dabei wird die Schlagfläche einer Pompfe auf eine gültige Trefferzone des Knienden gelegt. Dieser darf erst wieder aufstehen und weiterspielen, wenn sowohl seine Auszeit abgelaufen ist, als auch das Pinnen aufgehoben wurde. Ist seine Auszeit nach dem Lösen des Pinns noch nicht vorbei, zählt der Spieler sie regulär herunter und steht direkt danach wieder auf.

Läuferkampf[Bearbeiten]

Läufer dürfen ausschließlich den jeweils gegnerischen Läufer behindern. Ähnlich wie beim griechisch-römischen Ringen zählt hierbei als Angriffsfläche nur der Oberkörper. Erlaubte Techniken sind das Stoßen, Greifen, Festhalten und Zu-Boden-Ringen des Gegners. Schläge, Tritte, Würfe und blockierende Griffe, etwa gegen Extremitäten oder Gelenke, sind verboten.

Australische Regeln[Bearbeiten]

Trefferzone nach Australischen Regeln

Siehe auch: Jugger in der englischsprachigen Wikipedia

Die australischen Regeln unterschieden sich teilweise von den deutschen Grundregeln. Einige Elemente sind weitaus näher an der Form angelehnt, wie sie im Film gespielt werden, andere wiederum dienen aufgrund der damit verbunden Härte der steigernden Sicherheit. Es existieren noch andere Formen in den jeweils anderen Ländern. Die deutschen Regeln sind jedoch die ersten gewesen und die australischen waren die ersten nachfolgenden. Diese beiden Grundarten finden sich somit in allen weiteren Umsetzungen in gewandelter, bzw. kombinierter Form.[5]

Mal[Bearbeiten]

Das Mal besteht aus einer Schaumstoff-Stange, auf welche der Schädel aufgespießt werden muss.

Pompfer[Bearbeiten]

Es muss neben dem Läufer und dem Kettenspieler mindestens eine lange Pompfe und eine kurze Pompfe vertreten sein. Diese Gattungen können doppelt vertreten sein (z.B. eine lange Pompfe und zwei kurze Pompfen, oder zwei lange Pompfen und eine kurze Pompfe)

Pompfen[Bearbeiten]

Die Pompfen sind von ähnlicher Beschaffenheit, jedoch gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Pompfen zu gestalten. So gibt es z.B. Äxte, Sensen, Hämmer usw. Auch hier gilt die vorgeschriebene Polsterung, zur Vermeidung und Vorbeugung von Verletzungen.

Treffer[Bearbeiten]

Die Unterarme, sowie die Waden und Füße gehören nicht zur Trefferzone. Den Spielern ist es erlaubt, die Angriffe der Gegner mit diesen Körperteilen abzuwehren.

Treffer von Kurz- oder Langpompfe bedeuten Auszeit von 3 Steinen, Kettentreffer führen zu 5 Steinen Auszeit. Treffer der eigenen Mannschaft zählen nicht. Headshot (Treffer am Kopf, dazu zählen auch Haar-/Barttracht) / Groinshot / Boobieshot (in die Weichteile (Männer Hoden, Frauen Scham und auch Brüste) – sofern so schmerzhaft, dass man ausfällt) bedeuten 5 Steine Auszeit für den Angreifer. Trefferzone ist nur der Rumpf und Extremitäten oberhalb Knie und oberhalb Ellenbogen. Auch Kleidung in der Trefferzone sind Treffer (s.o.). Pinnen ist nur durch den Treffenden möglich. Der Läufer kann nicht gepinnt werden. Doppeltreffer („Double“) sind anzusagen und führen dazu, dass beide Spieler weiterspielen können. Auszeiten sind üblicherweise im Knien zu verbringen. Sofern dies zu Schmerzen (z.B. aufgrund von Knieproblemen) führt, kann man sie auch im Stehen mit der/den Pompfe/n über den Kopf gehoben verbringen. Eine Hand soll dann die Steine/Auszeit abzählen.

Ablauf[Bearbeiten]

Die Spielrunden starten in einem Kreis von 4 m Durchmesser in der Mitte des Feldes. In dessen Mitte liegt der Schädel. Die beiden Qwiks ringen um den Besitz des Spielballs (es gibt keine Ring-Regel). Solange beide Qwiks im Kreis sind, sind sie nicht angreifbar. Erst sobald mindestens ein Fuß außerhalb ist, sind die Angriffe der Pompfer wirksam.

Spielbetrieb[Bearbeiten]

Bisherige Austragungsorte von Juggerturnieren in Deutschland[6]

Neben den meist wöchentlich an den jeweiligen Standorten stattfindenden Trainings, werden in Deutschland zahlreiche Turniere veranstaltet.[6] Das Siegerteam erhält den entsprechenden Titel, welcher neben ausgefallenen Kreationen wie etwa Träger der Hamburger Standarte, oft der des jeweiligen Landesmeisters ist.

Die Spieler Gemeinschaft reicht von einem LARP geprägten Flügel, welcher ein wesentliches Anliegen in den die Turniere begleitenden Partys sieht[7], bis zu einem der Jugger als ernstzunehmenden Sport verstanden wissen will.[8] Trotz dieses Spannungsbogens kam es bisher nicht zu einer Spaltung.[9]

Mit dem Jugger Pöbelblock existiert seit 2012 ein loser Zusammenschluss von Spielern und Fans der die Endspiele von Turnieren nach Vorbild der Ultras mit Performances und Gesängen begleitet.[10]

Deutsche Meisterschaft[Bearbeiten]

Einmal jährlich wird mit der Deutschen Meisterschaft, die umfangreichste Jugger Veranstaltung ausgetragen. Der Gewinner erhält den Titel des Deutschen Meisters. Ungeachtet des Namens können auch nicht-deutsche Teams teilnehmen, was dazu führt das solche Turniere auch German Open genannt werden. Der Austragungsort der Deutschen Meisterschaft wird von Januar bis Ende Februar durch die Teams welche auch über Regeländerungen entscheiden abgestimmt.[1]

Die 16. deutsche Meisterschaft brachte eine Kuriosität hervor, die wohl bis jetzt auch in anderen Sportarten einmalig ist. Deutscher Meister 2013 im Jugger ist das spanische Team Murcia jugger selection aus Murcia.[11]

Jahr Austragungsort Anzahl teilnehmender Teams Sieger Bemerkung
1998 Berlin 5 Merciless Bastards (Hamburg)
1999 Berlin 7 Gorditos Cojones (Hamburg)
2000 Berlin 7 Gorditos Cojones (Hamburg)
2001 Berlin 7 Gorditos Cojones (Hamburg)
2002 Berlin 5 Gorditos Cojones (Hamburg)
2003 Berlin 7 Gorditos Cojones (Hamburg)
2004 Berlin 14 Gorditos Cojones (Hamburg)
2005 Berlin 8 Rigor Mortis (Berlin)
2006 Berlin 10 Rigor Mortis (Berlin)
2007 Berlin 17 Gorditos Cojones (Hamburg) 1.German Open
2008 Berlin 31 Grünanlagen Guerilla (Berlin) 2.German Open
2009 Berlin 36 Rigor Mortis (Berlin) [12]
2010 Berlin 24 Rigor Mortis (Berlin) [13]
2011 Waidhaus[14] 32 Rigor Mortis (Berlin) [15]
2012 Berlin 61 Rigor Mortis (Berlin) 3.German Open, Parallel fand ein Kinder- und Jugendturnier statt [16]
2013 Berlin 60 Murcia jugger selection (Murcia) 4.German Open, Parallel fand ein Kinder- und Jugendturnier statt[17]
2014 Villingen-Schwenningen bis zu 80 - 5. German Open[18]
[19]

Juggerligen[Bearbeiten]

Das Ligalogo

German Jugger League[Bearbeiten]

In der German Jugger League (GJL) wird im jährlichen Rhythmus um den Titel Ligasieger der German Jugger League gespielt. Die Ligasaison beginnt am 1. Mai eines Jahres und endet am 31. Oktober desselben Jahres. In dieser Zeit versuchen die Mannschaften möglichst viele Punkte auf Ligaturnieren zu erzielen. Die Mannschaft mit den meisten Punkten am Ende der Saison wird Ligasieger.Die GJL ist von der Deutschen Meisterschaft unabhänging. Die Titel Deutscher Meister und Ligasieger der German Jugger League sind zu unterscheiden.

Die GJL umfasste im Jahr ihrer Gründung vier Turniere (Freiburg/Waidhaus/Hamburg/Berlin). In den letzten Jahren schwankte die Anzahl der Ligaturniere pro Jahr zwischen 2 und 8. Die GJL hat das Ziel, Jugger als Sport zu betreiben. Allzu martialische und Rollenspielähnliche Darstellungen werden innerhalb der Liga nicht durchgeführt.

Ligalogo

In Anlehnung an das Logo der Fußball-Bundesliga entstand 2003 das Ligalogo der GJL. Man spricht trotz des englischen Wortes „League“ von der Jugger-Liga. Der englische Begriff wurde gewählt, um die richtige Aussprache des Wortes „Jugger“ sicherzustellen.

Trophäe
Die Ligaschale

Die Ligaschale wurde 2004 zur 7. Deutschen Meisterschaft und gleichzeitig dem letzten Ligaturnier des Jahres vom Jugger e. V. Berlin fertig gestellt und konnte so, mit einjähriger Verspätung, den Ligasiegern 2003 und 2004, Drachenblut, überreicht werden.

Wer die Ligaschale gewinnt, darf seinen Teamnamen und das Jahr auf eines der silbernen Ringplättchen eintragen. Wer diese Trophäe fünf Mal gewinnt (wobei hier nicht wichtig ist, dass die fünf Mal in Folge sind), darf den Teamnamen und das Jahr auf eine der goldenen Plaketten schreiben. Auf diese Weise könnte dieser Pokal insgesamt 66 Jahre lang den Besitzer wechseln. Auf der Rückseite der Ligaschale stehen die Regeln, nach denen sie vergeben wird.

Ligaturniere

In der Saison 2013 fanden zwei Ligaturniere statt:

  • 2. Berlin Masters (Berlin)
  • 6. Thüringer Meisterschaft (Jena)

Frühere Ligaturniere wurden auch in Bad Oldesloe, Darmstadt, Freiburg i. Br., Hamburg, Hannover, Homburg, Lübeck, Lippstadt, Lüneburg, Oldenburg, Saarbrücken, Villingen und Waidhaus abgehalten.

Amtierender Ligameister ist Rigor Mortis (Berlin). Dabei hat Rigor Mortis den Titel 2013 zum neunten Mal in Folge gewonnen. Zuvor war Drachenblut (Waidhaus) zweifacher Ligameister.

Open Jugger League[Bearbeiten]

Die Open Jugger League begründete sich aus dem Ziel, eine freiere Variante eines messbaren Wettstreits auszuführen. Grundlegender Unterschied ist die Planung der Begegnungen, die nicht wie in der GJL innerhalb eines festgelegten Turnierbaumes, sondern per Absprache der Teams, frei auf den stattfindenden Turnieren Begegnungen ausruft. Sie wird seit dem Frühjahr 2012 gespielt.[20] Sieger 2012 war das Team Gossenhauer (Freiburg).[21]

Quellen[Bearbeiten]

  • Ruben Philipp Wickenhäuser Jugger - Das Praxisbuch Grundlagen - Training - Teambuilding, Braunschweig: Zauberfeder Verlag 2014, ISBN 978-3-938922-37-8
  • Ruben Philipp Wickenhäuser: Ran an die Pompfe! : pädagogische Chancen einer neuen Sportart, Ludwigsfelde: Ludwigsfelder Verl.-Haus, 2011, ISBN 978-3-933022-71-4
  • Ruben Philipp Wickenhäuser: Jugger. Der Endzeit-Sport. Berlin: Archiv der Jugendkulturen, 2010. ISBN 978-3-940213-59-4
  • Christoph Brunken: Ablehnung und Aufnahme von Vereinen mit neuen Sportarten in den LandesSportBund Niedersachsen: Das Beispiel Jugger Sport, in: Krüger, A./Wedemeyer-Kowle, B.: Vergessen, verdrängt, abgelehnt – Zur Geschichte der Ausgrenzung im Sport, Tagungsberichte der 10. Hoyaer Tagung zur Sportgeschichte vom 10. bis 12. Oktober 2008. Berlin:LIT, 2009. ISBN 978-3-643-10338-3
  • Ruben Philipp Wickenhäuser: Juggern statt Prügeln. Der Trendsport für Aggressionsabbau und soziales Lernen. Mülheim: Verlag an der Ruhr, 2006. ISBN 3-8346-0178-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jugger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Jugger Regelwerk Version 3.0. jugger.org, 5. Mai 2012, abgerufen am 24. Januar 2014 (PDF 403 kB).
  2. Zur Schreibweise siehe Brief des Autors/Regisseurs, in: Wickenhäuser, Juggern, Mülheim a.d. Ruhr 2006, S. 7
  3. Filmausschnitt „Tier mit Pompfe.avi“ aus „Als die Frauen noch Schwänze hatten
  4. „Die Heidelberger hatten ihre Waffen Pompfen genannt (…) macht 'Pompf', wenn man getroffen wird.“ Wickenhäuser, Jugger, S. 87 (Interview Mark Hahn)
  5. Australian Rules The Rules of Jugger. Australian Jugger League Inc Management Committee, 15. April 2011, abgerufen am 9. Februar 2014 (englisch).
  6. a b Vergangene Turniere. jugger.org, abgerufen am 14. Juni 2013.
  7. Exemplarisch: Jugger Spieler singen Karaoke. youtube, 9. September 2011, archiviert vom Original am 22. Februar 2014, abgerufen am 1. Februar 2014 (Video).
  8. Student Senst träumt von Olympia in Katrin Brinkmann: Exotensport "Jugger": Keilerei mit Hundeköpfchen. SPON, 1. Juli 2009, abgerufen am 1. Februar 2014.
  9. Christian Spiller: Die Schlacht mit den großen Ohrenstäbchen. Zeit Online, 12. September 2012, abgerufen am 2. Februar 2014.
  10. Jugger Pöbelblock. Facebook, abgerufen am 1. Februar 2014.
  11. DM-2013. Jugger e.V., abgerufen am 24. Januar 2014.
  12. 12. Deutsche Meisterschaft. jugger.org, abgerufen am 25. Januar 2014.
  13. 13. Deutsche Meisterschaft. jugger.org, abgerufen am 25. Januar 2014.
  14. 14. Deutsche Meisterschaft. jugger.org, abgerufen am 24. Januar 2014.
  15. 14. Deutsche Meisterschaft. jugger.org, abgerufen am 25. Januar 2014.
  16. 15. Deutsche Meisterschaft. jugger.org, abgerufen am 25. Januar 2014.
  17. 16. Deutsche Meisterschaft. jugger.org, abgerufen am 25. Januar 2014.
  18. 17. Deutsche Meisterschaft. jugger.org, abgerufen am 16. Mai 2014.
  19. Zu Teamanzahl vor 2009 Berliner Jugger-Aktivitäten. jugger.de, abgerufen am 25. Januar 2014.
  20. openjuggerleague - aktueller Diskusionsstand. jugger.org, abgerufen am 31. Januar 2014.
  21. ojl - Saison 2012 Rangliste. google, abgerufen am 2. Februar 2014.