Julia Hauke

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Julia Hauke 1840, Zeichnung von Vladimir Hau
Gräfin Julia Hauke in polnischer Tracht
Julia, Fürstin von Battenberg, mit ihrem Ehemann, Prinz Alexander von Hessen 1882

Julia Teresa Salomea Hauke (nach 1851 auch Julie von Hauke genannt, * 12. November 1825 in Warschau; † 19. September 1895 auf Schloss Heiligenberg bei Jugenheim) war die morganatische Ehefrau von Prinz Alexander von Hessen, Mutter von Fürst Alexander von Bulgarien und Stammmutter des zweiten Hauses Battenberg (nachmals im englischen Zweig der Familie auch: Mountbatten).

Leben[Bearbeiten]

Julia Teresa Salomea Hauke kam in Warschau 1825 als Tochter des zwei Jahre später, 1827, geadelten Hans Moritz Hauke (1775–1830) und dessen Frau Sophie, geborene Lafontaine (*1790 in Warschau), zur Welt. Ihr Vater war hessischer Abstammung und Berufssoldat und hatte mit Napoleons Armeen in Österreich, Italien, Deutschland und Spanien gedient; die Familie der Mutter stammte aus Bieberach an der Riss. Ab 1815 diente Hauke in der Armee Kongress-Polens. Zar Nikolaus I. ernannte ihn zum Stellvertretenden Kriegsminister von Kongress-Polen und erhob ihn 1829 in den Grafenstand. Während des Novemberaufstands von 1830 wurde er, als er zur Verteidigung des polnischen Generalgouverneurs Großfürst Konstantin eilte, von aufständischen Kadetten, die ihn zuerst aufforderten, sie anzuführen, was er brüsk als "Dummheit und kindisches Zeug" zurückwies, vor den Augen seiner Frau und drei seiner Kinder mit 19 Schüssen getötet. Seine Witwe starb kurz darauf am Schock, und die Kinder wurden Mündel des Zaren.

Die junge Julia Hauke wurde Hofdame der aus dem Haus Hessen stammenden Zarin Maria Alexandrowna, Gemahlin des Zaren Alexander II. Bei Hof in St. Petersburg lernte sie den Bruder der Zarin, Prinz Alexander von Hessen und bei Rhein, kennen. Da der Zar einer Ehe seines Schwagers mit einer Hofdame nicht zustimmen konnte, verließen die beiden heimlich den Hof und reisten nach Breslau. Dort heirateten sie am 28. Oktober 1851. Julia war zu diesem Zeitpunkt bereits im fünften Monat schwanger.

Als Tochter eines neugeadelten Grafen war sie ihrem Gatten standesmäßig nicht ebenbürtig und die Ehe war daher morganatisch. Julia, in Darmstadt nunmehr Gräfin Julie von Hauke genannt,[1] erhielt 1851 von ihrem Schwager, Großherzog Ludwig III. von Hessen und bei Rhein, den damals vakanten Titel einer Gräfin von Battenberg mit dem Prädikat „Erlaucht“. 1858 erhob er sie zur erblichen Fürstin von Battenberg mit dem Prädikat „Durchlaucht“. Battenberg wurde damit der Name eines jüngeren, nicht thronberechtigten Zweiges des Hauses Hessen.

Julia von Battenberg konvertierte im Mai 1875 von der römisch-katholischen zur evangelischen Konfession.

Letzte Ruhestätte von Prinz Alexander von Hessen und Fürstin Julia von Battenberg

Nach ihrem Tode wurde sie im ein Jahr zuvor fertiggestellten Mausoleum ihres 1888 verstorbenen Gatten beigesetzt. Dessen Leichnam war zuerst in das 1869/70 erweiterte großherzogliche Mausoleum auf der Rosenhöhe in Darmstadt überführt worden; da Julia wegen ihrer Abstammung dort aber keinen Platz neben ihrem Gemahl bekommen konnte, wurde im Kreuzgarten auf dem Heiligenberg bei Jugenheim das Mausoleum errichtet. Im Jahre 1902 kam es zu einer erneuten Umbettung, und Julia und Alexander fanden ihre gemeinsame letzte Ruhestätte in einem Grab unter freiem Himmel, direkt am Goldenen Kreuz. Das Mausoleum wurde danach zur Gedächtniskapelle des zweiten Hauses Battenberg/Mountbatten mit Gedenktafeln im Inneren umgewidmet, wie laut den Erinnerungen von Prinzessin Marie schon vor 1866 von Prinz Alexander geplant.[2]

Nachkommen[Bearbeiten]

Julia und Alexander hatten fünf Kinder:

∞ 1872 Graf Gustav Ernst zu Erbach-Schönberg.
∞ 1884 Prinzessin Viktoria von Hessen-Darmstadt (1863–1950);
Nachkommen unter anderem Alice von Battenberg, Königin Louise von Schweden und Louis Mountbatten, 1. Earl Mountbatten of Burma, Onkel von Prinz Philip.
∞ 1889 Johanna Loisinger.
∞ 1885 Prinzessin Beatrice von Großbritannien und Irland (1857–1944) und erhielt den Titel Königliche Hoheit.
Seine Nachkommen waren unter anderem Prinzessin Victoria Eugénie von Battenberg, spätere Königin von Spanien. Seine Kinder lebten im Vereinigten Königreich; der älteste Sohn wurde 1917 zum Marquess of Carisbrooke ernannt, starb aber ohne männliche Erben und der Titel erlosch mit ihm.
∞ 1897 Prinzessin Anna Petrovich-Niegosh von Montenegro. Die Ehe blieb kinderlos.

Erwähnenswert[Bearbeiten]

Der häufig gebrauchte Titelzusatz "von" ist im Falle der Grafen Hauke fraglich, da es ihn in Russland wie Polen nie gab - ähnlich fraglich wie die Namensveränderung vom (polnischen) Julia zum polyglotten "Julie", was erst nach der Heirat mit Alexander von Hessen geläufig wurde und neuerdings dazu führt, dass der Name der als Julia getauften Gräfin Hauke romantisierend französisch Julie ausgesprochen wird - wohl weil sie mit ihrem Gatten vornehmlich französisch korrespondierte, was ihre Eltern bei der Taufe kaum ahnen konnten.

Der älteste Sohn von Julia und Alexander, Ludwig Alexander, wurde britischer Staatsbürger und anglisierte, auf Grund der deutschfeindlichen Stimmung im Ersten Weltkrieg, seinen Namen von Ludwig Alexander von Battenberg zu Louis Mountbatten; ebenso seine Neffen, die Söhne von Heinrich Moritz und Beatrice. Die Familie verzichtete auf alle deutschen Titel und wurde von ihrem Cousin, König Georg V., mit britischen Adelstiteln bedacht: Louis wurde Marquess of Milford Haven mit zusätzlichen Würden des Earl of Medina und Viscount Alderney, während Alexander, der Sohn Heinrichs, Marquess of Carisbrooke wurde.

Gegenwärtig besteht nur noch die Linie Milford Haven. Das Haupt der Familie Battenberg-Mountbatten ist George Mountbatten, 4. Marquess of Milford Haven (* 1961).

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Baisch und Claudia Schäfer, "Jugenheim Der Heiligenberg und die Battenberger", Verkehrs- und Verschönerungsverein Jugenheim 1863 e.V., Seeh.-Jugenheim 2011, ohne ISBN
  • Fürstin Marie zu Erbach-Schönberg Prinzessin von Battenberg: Aus stiller und bewegter Zeit. Erinnerungen aus meinem Leben. Für den Buchhandel H. L. Schlapp, Antiquariat in Darmstadt 1921
  • Fürstin Marie zu Erbach-Schönberg Prinzessin von Battenberg: Entscheidende Jahre. 1859 - 1866 - 1870. Aus meiner Kindheit und Mädchenzeit. 1.A. Braunschweig, H.Wollermann 1921, 262S., ohne ISBN
  • Eckhart G. Franz, Das Haus Hessen: Eine europäische Familie, Kohlhammer, Stuttgart 2005 (S. 164-170) ISBN 3-17-018919-0
  • Almanach de Gotha, Gotha 1931

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Grossherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1851
  2. Fürstin Marie zu Erbach-Schönberg, Prinzessin von Battenberg: Entscheidende Jahre. 1859 - 1866 - 1870. Aus meiner Kindheit und Mädchenzeit.S.122/123
  3. Um den Skandal zu verbergen, dass ihre Mutter bei ihrer Heirat bereits im fünften Monat schwanger war, wurde offiziell für die Geburt angegeben: 15. Juli 1852, Genf, ein Datum, das sich zahlreich auch in der Literatur findet. Zu dem tatsächlichen Geburtsdatum vgl.: Michel Huberty: Allemagne dynastique. Bd. 1, Le Perreux 1976, S. 216, u. Nachtrag: Bd. 2, S. 626; Rainer Maaß: Die Sehnsucht nach dem Absolutismus. Das Geschichts- und Kunstinteresse Großherzog Ludwigs III. von Hessen und bei Rhein. In: Bernd Heidenreich u.a. (Hrsg.): Kronen, Kriege, Künste. Das Haus Hessen im 19. und 20. Jahrhundert. Frankfurt 2009, S. 84–118 (122).