Julia Koschitz

Julia Koschitz (* 26. Dezember 1974 in Brüssel, Belgien) ist eine österreichische[1] Schauspielerin. Ihre Ausbildung erhielt sie am Franz Schubert Konservatorium in Wien, danach trat sie an verschiedenen Theatern in Coburg, Regensburg und Landshut auf. In diesen war sie in vielen Produktionen erfolgreich, 2006 erhielt sie bei den Bayrischen Theatertagen den Darstellerpreis. Ab 2004 wandte sich Koschitz vermehrt Film und Fernsehen zu und wirkte in einer Reihe von Produktionen mit (siehe Filmografie). Einige der Filme wurden gut aufgenommen, alleine für den Film Pass gut auf ihn auf! erhielt sie vier Auszeichnungen.
Leben und Karriere
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Koschitz wuchs als Tochter von Wiener Eltern in Frankfurt am Main auf[2] und machte an der Elisabethenschule[3] das Abitur. Ihr Vater arbeitete in der Werbung.[4] Von ihrem vierten bis zu ihrem 16. Lebensjahr erhielt Koschitz eine Ballettausbildung und wollte ursprünglich Tänzerin werden.[5] Ihre Schauspielausbildung absolvierte sie von 1995 bis 1998 am Franz Schubert Konservatorium in Wien.[6] Koschitz sagt von sich selbst, sie sei ein „reiner Kopfmensch und eher reflektiert. Das ist schon eine hervorstechende Seite von mir.“[7] Koschitz lebt seit 2002 in München.[8]
Theater
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ihr erstes festes Engagement hatte sie von 1998 bis 2000[8] am Landestheater Coburg, wo sie unter anderem die Marie in Georg Büchners Woyzeck, Hero in Shakespeares Viel Lärm um nichts, Virginia in Bertolt Brechts Leben des Galilei und Annie in Franz Xaver Kroetz’ Oberösterreich spielte.
Anschließend war sie von 2000 bis 2002[8] Ensemblemitglied am Theater Regensburg und spielte dort Rollen wie die Sarah in Thomas Bernhards Der Theatermacher oder Johanna in Schillers Die Jungfrau von Orleans, Hermia in Shakespeares Sommernachtstraum, Lysistrata oder Julie in Igor Bauersimas norway.today. In Gastproduktionen wirkte sie mit am Teamtheater Tankstelle, München, wo sie unter anderem neben Markus Anton als Schustersfrau in Lorcas Die wundersame Schustersfrau zu sehen war, als Sonja in Yasmina Rezas Drei Mal Leben oder als Else in Arthur Schnitzlers Fräulein Else. Darauf folgten Engagements am kleinen Theater – Kammerspiele Landshut, und sie feierte große Erfolge in den Inszenierungen von Sven Grunert als Abby in Tag der Gnade von La Bute und als Antigone in Antigone von Sophokles (eingeladen auf das Europäische Theaterfestival nach Hermannstadt).
Bei den Bayerischen Theatertagen 2006 erhielt sie den Darstellerpreis in Grunerts Inszenierung für die Titelrolle in Henrik Ibsens Nora. 2007 spielte sie in Edward Albees Wer hat Angst vor Virginia Woolf? die Martha (eingeladen auf die Bayerischen Theatertage 2009) und 2008 in Yasmina Rezas Der Gott des Gemetzels.
Ihre Theaterarbeit trat allmählich in den Hintergrund, auch wenn ihre Auftritte im sehr anspruchsvollen Einpersonenstück Die Wand im Kleinen Theater Landshut[9] sehr erwähnenswert sind.
Film und Fernsehen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Fernsehserie München 7 war sie ab der ersten Staffel 2004 als Polizistin Sandra Holzapfel zu sehen. In dieser Serie trat sie bis zu deren Ende auf (2004–2016). In der Sat.1-Comedyserie Allein unter Bauern spielte sie an der Seite von Christoph M. Ohrt eine Dorfärztin. Von 2008 bis 2011 war sie in der Fernsehserie Doctor’s Diary als Dr. Maria Hassmann zu sehen. 2008 spielte sie in dem Fernsehfilm Putzfrau Undercover die Hauptrolle einer gefeuerten Patentanwältin, 2011 im Fernsehfilm Männer ticken, Frauen anders neben Tim Bergmann die Hauptrolle einer Karrierefrau, die sich nicht nur mit weiblichen Waffen in einer männlich dominierten Ratingagentur zu behaupten versteht. Im Drama Der letzte schöne Tag, das 2013 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, trat sie als Mutter und Ärztin auf, deren Suizid ihre Familie schockiert. Bei der Grimme-Preis-Verleihung 2014 erhielt sie eine Spezial-Nominierung für ihre schauspielerische Leistung in den ZDF-Filmen Pass gut auf ihn auf! und Tödliche Versuchung.
Allein der Film Pass gut auf ihn auf! erhielt vier Auszeichnungen und Julia Koschitz darin ebenfalls vier als „Beste Schauspielerin“. Im Mittelpunkt steht ihre Erkrankung an Bauchspeicheldrüsenkrebs, so wie auch in der Tragikomödie Hin und weg ihr Film-Ehemann an der ebenso unheilbaren Krankheit ALS leidet. In beiden Fällen spielt der Tod die entscheidende Rolle, genauso wie ihr Leben in Der letzte schöne Tag aufgrund schwerer Depression im Suizid mündet; dasselbe Film-Ende stellt sie auch in Steirergift dar.
Im Kino war Koschitz unter anderem in zwei preisgekrönten Spielfilmen von Ralf Westhoff zu sehen. In der Speed-Dating-Komödie Shoppen (2006) gehörte sie als Susanna zum Hauptensemble, im Liebesfilm Der letzte schöne Herbsttag war sie die Hauptfigur Claire. Zusammen mit Florian David Fitz, Jürgen Vogel, Miriam Stein, Volker Bruch und Hannelore Elsner drehte sie 2013 unter der Regie von Christian Zübert die Tragikomödie Hin und weg.
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auch wenn sie in einer Reihe von Filmkomödien mitwirkte, so wurde sie doch von Kritik und Medien ganz überwiegend für die sehr ungewöhnliche Bandbreite und Kompetenz ihrer mimischen Fähigkeiten in ihren ernsten, auch tragischen, Rollen und Psychothrillern gerühmt. Als Markenzeichen gilt ihr ausdrucksvolles mimisches Spiel, das ihr die Bezeichnung „Gesichtstänzerin“[10] einbrachte. Als Beispiel lobte die Jury in der Laudatio für ihren Bayerischen Fernsehpreis 2014 als „Beste Schauspielerin“ dabei insbesondere die Nuancen und Transparenz ihres Spiels, die es ihr ermöglichten, die Zuschauer tief zu berühren und zu erschüttern.[11]
Auffallend ist auch, dass sie relativ häufig erfolgreiche Karrierefrauen verkörpert wie 2011 im Fernsehfilm Männer ticken, Frauen anders, wohl auch mit begünstigt durch ihre sportlich-magere Figur. In den Großproduktionen Das Sacher (2016) und Herrhausen – Der Herr des Geldes (2023) spielte sie an prominenter Stelle mit.
Filmografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2004–2016: München 7
- 2006: Shoppen, Regie Ralf Westhoff
- 2007: Allein unter Bauern (TV-Serie)
- 2007: Die Jäger des Ostsee-Schatzes
- 2007: Tatort: Der Traum von der Au (Fernsehreihe)
- 2008: Putzfrau Undercover
- 2008–2011: Doctor’s Diary
- 2009: Der Fall des Lemming
- 2009: Höllenritt (Kurzfilm)[12]
- 2009: Woran dein Herz hängt
- 2009: Ein Hausboot zum Verlieben
- 2009: Wohin mit Vater?
- 2010: Teufelskicker
- 2010: Der Einsturz – Die Wahrheit ist tödlich
- 2010: Der Kaiser von Schexing[13]
- 2010: Der letzte schöne Herbsttag
- 2011: Das Beste draus machen (Kurzfilm)
- 2011: Vermisst – Alexandra Walch, 17
- 2011: Männer ticken, Frauen anders
- 2011: Uns trennt das Leben
- 2011: Das Wunder von Kärnten
- 2011: Der letzte schöne Tag
- 2012: Tatort: Schmuggler
- 2012: Der Klügere zieht aus
- 2012: Ruhm
- 2013: Tödliche Versuchung
- 2013: Pass gut auf ihn auf!
- 2013: Wenn es am schönsten ist
- 2013: Bocksprünge
- 2013: München Mord: Wir sind die Neuen (Fernsehreihe)
- 2014: In gefährlicher Nähe
- 2014: Tatort: Großer schwarzer Vogel
- 2014: Die Toten von Hameln
- 2014: Hin und weg
- 2015: Harter Brocken (Fernsehfilm)
- 2015: Am Ende des Sommers
- 2015: Gespensterjäger – Auf eisiger Spur
- 2015: Unsichtbare Jahre
- 2015: Zweimal lebenslänglich
- 2015: Kleine Ziege, sturer Bock
- 2015: Vertraue mir
- 2016: Jonathan
- 2016: Schweigeminute
- 2016: Das Sacher. In bester Gesellschaft
- 2017: Spuren des Bösen: Begierde (Fernsehreihe)
- 2017: Happy Burnout
- 2017: Gift
- 2017: Hanni & Nanni – Mehr als beste Freunde[14]
- 2017: Am Ruder (Fernsehfilm)
- 2017: Harter Brocken: Der Bankraub
- 2018: Tatort: Mord ex Machina (Fernsehreihe)
- 2018: Gefangen – Der Fall K.
- 2018: Stadtkomödie – Geschenkt (Fernsehreihe)
- 2018: Counterpart (Fernsehserie)
- 2019: Wie gut ist deine Beziehung?
- 2019: Balanceakt (Fernsehfilm)
- 2019: Im Schatten der Angst (Fernsehreihe)
- 2019: Der Kriminalist – Gefährliche Liebschaft
- 2019: Weil du mir gehörst
- 2019: Unterm Birnbaum (Fernsehfilm)
- 2020: Die Wolf-Gäng (Kinofilm)
- 2020: Das Gesetz sind wir (Fernsehfilm)
- 2020: Das schaurige Haus (Kinofilm)
- 2020: Wer einmal stirbt dem glaubt man nicht (Fernsehfilm)
- 2020: Auf dünnem Eis (Fernsehfilm)
- 2021: Am Anschlag – Die Macht der Kränkung (Fernsehserie)
- 2021: Ein Hauch von Amerika (Miniserie)
- 2022: Souls (Fernsehserie)
- 2022: Eismayer (Kinofilm)
- 2023: Im Schatten der Angst – Du sollst nicht lügen (Fernsehreihe)
- 2024: 80 Plus (Alternativtitel Toni und Helene, Kinofilm)[15]
- 2024: Ewig Dein (Fernsehfilm)
- 2024: Herrhausen – Der Herr des Geldes (Miniserie)
- 2024: Landkrimi: Steirergift (Fernsehreihe)
- 2024: Der Vierer (Kinofilm)
- 2025: Nix ist fix (Fernsehfilm)
- 2025: Das verschwundene Kind (Fernsehfilm)
- 2025: Hagen Benz – Das Böse in dir (Fernsehfilm)
- 2025: Im Schatten der Angst – Der Skorpion (Fernsehreihe)
- 2025: Verschollen (Fernsehfilm)
Hörspiele (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2022: Edgar Linscheid und Stuart Kummer: GRЁUL – Die Legende erwacht (WDR)[16]
- 2024: Edgar Linscheid und Stuart Kummer: GRЁUL 2 – Die Legende lebt (Hörspiel – WDR)[17]
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2014: Deutscher Schauspielerpreis für die Hauptrolle in Pass gut auf ihn auf!
- 2014: Bayerischer Fernsehpreis als beste Schauspielerin in der Kategorie ‚Fernsehfilm‘ für ihre Rolle in Pass gut auf ihn auf!
- 2014: Goldene Nymphe, Festival de Télévision de Monte Carlo in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle in Pass gut auf ihn auf!
- 2019: Festival des deutschen Films, Preis für Schauspielkunst
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Julia Koschitz bei IMDb
- Julia Koschitz bei filmportal.de
- Julia Koschitz im Lexikon des internationalen Films
- Julia Koschitz bei Crew United
- Julia Koschitz bei Agentur die agenten
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Julia Koschitz: „Ein jüngerer Freund käme für mich infrage“. In: abendzeitung-muenchen.de. 16. Mai 2014, abgerufen am 21. März 2021.
- ↑ Julia Koschitz: „Wienerisch ist mir vertraut“ in der Presse vom 26. Dezember 2016, abgerufen am 3. April 2021.
- ↑ Im Roadmovie radeln Schauspieler durch FFM. Bei: welt.de, 17. Oktober 2013, abgerufen am 22. Februar 2020
- ↑ Interview mit Anne Seith, in: Spiegel Geld 3/2021, S. 19.
- ↑ Julia Koschitz im Munzinger-Archiv, abgerufen am 12. Februar 2023 (Artikelanfang frei abrufbar)
- ↑ Interview mit Anne Seith, in: Spiegel Geld 3/2021, S. 19.
- ↑ ZDF, Volle Kanne, 11/2022.
- ↑ a b c Julia Koschitz. In: filmportal.de. Deutsches Filminstitut, abgerufen am 23. Oktober 2024.
- ↑ Spielplan Kammerspiele Landshut, abgerufen am 14. Januar 2026.
- ↑ Die WELT, 13. März 2017
- ↑ Der Blaue Panther 26. Bayerischer Fernsehpreis: Bekanntgabe der Juryentscheidung über die Nominierungen 23. Mai 2014 Bayerische Staatskanzlei, 23. Mai 2014, abgerufen am 16. Januar 2026.
- ↑ cinema.de: Höllenritt, abgerufen am 23. Oktober 2024.
- ↑ Das Team ist der Star. In: BR, 27. September 2012.
- ↑ cinema.de: Hanni & Nanni – Mehr als beste Freunde, abgerufen am 23. Oktober 2024.
- ↑ cinema.de: Toni und Helene, abgerufen am 23. Oktober 2024.
- ↑ GRËUL - Fantasy-Hörspiel-Serie. Abgerufen am 11. Dezember 2023.
- ↑ WDR: Hörspiel "GRЁUL" von Stuart Kummer und Edgar Linscheid. 12. Januar 2024, abgerufen am 31. Januar 2024.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Koschitz, Julia |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichische Schauspielerin |
| GEBURTSDATUM | 26. Dezember 1974 |
| GEBURTSORT | Brüssel |