Julia Shaw (Psychologin)

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Julia Shaw (2018)

Julia Shaw (* 20. Januar 1987 in Köln) ist eine deutsch-kanadische Rechtspsychologin und Autorin zweier populärwissenschaftlicher Sachbücher. Sie befasst sich insbesondere mit Erinnerungen und deren Manipulationen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Shaw wurde in Köln geboren und wuchs in Kanada auf. Dort studierte sie an der Simon Fraser University Psychologie und schloss mit einem Bachelor ab. Danach ging sie in die Niederlande und erwarb einen Master of Science in Psychologie und Rechtswissenschaften an der Universität Maastricht. Zurück in Kanada, promovierte Shaw an der University of British Columbia in Psychologie. 2013 nahm sie eine Stelle als Lecturer für forensische Psychologie an der University of Bedfordshire an, von 2015 bis 2017 arbeitete sie an der London South Bank University. Seit dem Sommer 2017 hat sie eine ehrenamtliche Position als Research Associate am University College London (UCL).[1][2]

Shaw beschäftigt sich unter anderem mit Erinnerungsverfälschungen und veröffentlichte 2015 zusammen mit Stephen Porter eine Studie, in der beide behaupteten, dass sie 70 % der Probanden davon überzeugt hätten, ein Verbrechen in der Vergangenheit begangen zu haben und sich nun an dieses zu erinnern. Diese Studie wurde außerhalb der Fachzeitschriften ausführlich in den Mainstream-Medien aufgegriffen.[3][4] In einer psychologischen Studie wurde insbesondere die Höhe der gefundenen Zahl von 70 % experimentell erzeugter „falscher Erinnerungen“ kritisiert. Die Autoren kritisierten zudem die fehlende Unterscheidung zwischen den unterschiedlichen Konzepten „falsche Erinnerungen“ (false memories) einerseits und „falsche Überzeugungen“ (false beliefs) anderseits. Die Autoren verwendeten eine nach ihren Aussagen gebräuchlichere Codierung und kommen damit auf einen entsprechenden Wert von etwa 26–30 %.[5]

Shaw verfasst regelmäßig Beiträge für den Mind Guest Blog des Scientific American und veröffentlichte 2016 ihr erstes Buch, das sich ebenfalls mit Erinnerungsverfälschungen befasst.

Shaws zweites Buch "Böse" von 2018 wurde in einer Rezension der FAZ ausgesprochen kritisch als Quellenmaterial für Partyplaudereien bezeichnet.[6]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Julia Shaw (l.) und Vivian Perkovic (r.) bei der Frankfurter Buchmesse (2018)
  • The Memory Illusion, London 2016
    • Das trügerische Gedächtnis. Wie unser Gehirn Erinnerungen fälscht. Hanser, München 2016, ISBN 978-3-446-44877-3.
  • Making Evil, London 2018

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Julia Shaw – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Profil. In: LinkedIn. Abgerufen am 13. September 2017.
  2. Dr Julia Shaw Senior Lecturer - Criminology. (Nicht mehr online verfügbar.) London South Bank University, archiviert vom Original am 16. März 2017; abgerufen am 27. September 2016 (englisch).
  3. Beispielsweise von Douglas Starr: Remembering A Crime That You Didn’t Commit. The New Yorker, 3. Mai 2015
  4. Das getäuschte Gedächtnis - Falsche Erinnerungen vor Gericht. In: 3sat.de. 30. März 2017, abgerufen am 21. April 2017.
  5. Wade, K. A.; Garry, M.; Pezdek, K. (2017). De-constructing rich false memories of crime: Commentary on Shaw and Porter (2015). Psychological Science. 29: 471–476. doi:10.1177/0956797617703667. PMID 29315022.
  6. Angela Rinn, Besprechung von "Böse" unter dem Titel "Hinweise für Partygeher" in: "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am 6. Oktober 2018.