Julianischer Kalender

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Dieser Artikel behandelt den julianischen Kalender; er ist nicht mit dem julianischen Datum zu verwechseln

Der julianische Kalender wurde von Julius Caesar eingeführt und war in manchen Teilen der Welt noch weit bis ins 20. Jahrhundert gültig, im kirchlichen Bereich teilweise noch bis heute. Er wird heute in der Wissenschaft rückwirkend auch für die Jahre vor dem Wirken Caesars verwendet. Er wurde seit dem 16. Jahrhundert schrittweise durch den gregorianischen Kalender abgelöst.

Seit 1900 (und noch bis 2099) besteht zwischen beiden Kalendern eine Differenz von 13 Tagen, um die der julianische dem gregorianischen Kalender nachläuft. Wenn zum Beispiel laut dem gregorianischen Kalender der 7. Januar ist, dann hat man laut dem julianischen erst den 25. Dezember (orthodoxes Weihnachtsfest).

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgängerkalender[Bearbeiten]

Censorinus beschreibt einen römischen Kalender als zwölfmonatigen Mondkalender. Dieser wurde je nach Bedarf in unregelmäßigen Abständen an das Sonnenjahr angepasst.

Cäsars Kalenderreform[Bearbeiten]

Appian, Cassius Dio und Macrobius berichten in ihren Schriften, dass Julius Caesar im Jahr 47 v. Chr. den Schaltzyklus des späteren julianischen Kalenders im hellenisierten Ägypten in Alexandria kennenlernte. Die ergänzenden Angaben des Macrobius lassen daher die Möglichkeit zu, dass Julius Caesar nach Ägypten reiste, um mit den Fachleuten des ägyptischen Kalenders die neue Kalenderform des julianischen Kalenders zu besprechen,[1] wahrscheinlich unter anderem mit dem ägyptischen Astronomen Sosigenes, nachdem Julius Caesar den ägyptischen Kalender durch Acoreus näher kennengelernt hatte.

Dieser neue – später ihm zu Ehren „julianisch“ genannte – Kalender trat im Jahre 45 v. Chr. in Kraft. Er bestand aus elf Monaten mit je 30 oder 31 Tagen sowie einem Monat mit 28 Tagen.[2] Die alten Bezeichnungen aus dem römischen Kalender wurden zunächst beibehalten. Das verworrene Jahr 708 a. u. c. wurde auf 445 Tage verlängert und begann am 14. Oktober 47 v. Chr. Im alten römischen Kalender wurde in den Schaltjahren der Februar zunächst auf 23 Tage verkürzt und der Schaltmonat Mensis intercalaris eingefügt, der ergänzend die gekürzten Resttage des Februar beinhaltete.

Veränderung der Tagesaufteilung auf die Monate (moderne Monatsnamen) durch die julianische Kalenderreform[3]
Jahr Jan. Feb. März Apr. Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. Summe
alter römischer Kalender
bis 46 v. Chr.
29 28 31 29 31 29 31 29 29 31 29 29 355 Tage
Julianischer Kalender
ab 45 v. Chr.
31 28 31 30 31 30 31 31 30 31 30 31 365 Tage

Spätere Änderungen[Bearbeiten]

Die Schaltregel wurde nach Cäsars Tod von den Pontifices wortwörtlich ausgelegt, was jedoch zu falschen Schaltungen führte. Caesar hatte die Schaltung in jedem vierten Jahr angeordnet, die Priester verstanden dies jedoch nach der Inklusivzählung als eine Schaltung alle drei Jahre. Dies ist vermutlich das älteste bekannte Beispiel eines Zaunpfahlfehlers. Die zu viel gezählten Schaltjahre wurden durch Kaiser Augustus korrigiert, indem er die Schaltungen in den Jahren 5 v. Chr., 1 v. Chr. und 4 n. Chr. aussetzte und erst 8 n. Chr. wieder aufnahm.

Entgegen mittelalterlicher Deutungen hat Augustus die Verteilung der Tage auf die Monate nicht ändern lassen.[4]

Kalendersystem[Bearbeiten]

Jahresanfang[Bearbeiten]

Der julianische Kalender an sich war im gesamten Römischen Reich anerkannt, die Jahresanfänge jedoch wurden von Region zu Region verschieden gehandhabt. Der Jahresanfang war nach dem Römischen Kalender bis zum Jahre 153 v. Chr. am 1.März, in Ägypten am 29. August, in Konstantinopel und später auch in Russland am 1. September, im westlichen Mittelmeer sowie verbreitet in England, Deutschland und in der Schweiz am 25. Dezember, später in Großbritannien am 25. März und in anderen Ländern an noch anderen Tagen. Erst ab der frühen Neuzeit setzte sich der 1. Januar im Westen mehr oder weniger allgemein durch, im Osten erst ab dem frühen 18. Jahrhundert.

Jahreszählung[Bearbeiten]

Auch die Jahreszählung war in den verschiedenen Teilen des Römischen Reiches verschieden; im Westen wurde meist gar nicht durchgezählt, sondern die Jahre wurden nach den beiden jeweils für ein Jahr amtierenden Konsuln benannt. Daneben wurde auch die Zählung „ab Gründung der Stadt (Rom)“ und später die diokletianische Ära benutzt. Im Osten war die Seleukidische Ära üblich, die 312 v. Chr. als Jahr Eins zählte. Später setzte sich im Westen die bis heute übliche christliche Zeitrechnung durch, im Osten war noch lange die Zeitrechnung „ab der Erschaffung der Welt“ üblich; diese wurde von den Byzantinern auf das Jahr 5509 v. Chr. angesetzt.

Monatsnamen[Bearbeiten]

Römisches Reich[Bearbeiten]

Im Jahre 44 v. Chr. wurde der Quintilis (ursprünglich „fünfter Monat“, seit 153 v. Chr. der siebte) Julius Caesar zu Ehren in Julius umbenannt (Lex Antonia de mense Quintili übersetzt: über den Monat Quintilis). Später wurde der Sextilis (ursprünglich „sechster Monat“, seit 153 v. Chr. der achte) zu Ehren Kaiser Augustus’ nach diesem benannt. Der Kalender zur Zeit des römischen Reichs kannte die folgenden Monate:

Auch andere Monate wurden zeitweise nach römischen Herrschern benannt, aber anscheinend überlebte keine dieser Änderungen deren Tod. Caligula nannte den September (siebter Monat) Germanicus; Nero nannte den Aprilis (zweiter Monat) Neroneus, den Maius (dritter Monat) Claudius und den Iunius (Juni) Germanicus; Domitian nannte den September Germanicus und den Oktober (achter Monat) Domitianus. September wurde auch in Antoninus und Tacticus umbenannt, November (neunter Monat) bekam auch die Namen Faustina und Romanus. Commodus war in der Hinsicht einzigartig, dass er alle zwölf Monate nach seinen angenommenen Namen benannte (Januar bis Dezember): Amazonius, Invictus, Felix, Pius, Lucius, Aelius, Aurelius, Commodus, Augustus, Herculeus, Romanus und Exsuperatorius.

Fränkisches Reich[Bearbeiten]

Karl der Große benannte später alle Monate mit größtenteils landwirtschaftlichen Begriffen des Althochdeutschen. Diese wurden bis ins 15. Jahrhundert und mit einigen Veränderungen auch noch bis ins 18. Jahrhundert und im heutigen Deutsch verwendet.

  • Wintarmanoth (Wintermonat) – Januar
  • Hornung – Februar
  • Lentzinmanoth (Lenzmonat) – März
  • Ostarmanoth (Ostermonat) – April
  • Winnemanoth (Weidemonat) – Mai
  • Brachmanoth (Brachmonat) – Juni
  • Hewimanoth (Heumonat) – Juli
  • Aranmanoth (Erntemonat) – August
  • Witumanoth (Holzmonat) – September
  • Windumemanoth (Weinmonat) – Oktober
  • Herbistmanoth (Herbstmonat) – November
  • Heilagmanoth (heiliger Monat) – Dezember

Übergang zum gregorianischen Kalender[Bearbeiten]

Das julianische Jahr ist gegenüber dem Sonnenjahr um 11 Minuten und 14 Sekunden zu lang. Dies führte zu einer zunehmenden Abweichung vom Sonnenlauf, die im 14. Jahrhundert schon mehr als sieben Tage betrug. Weiterer Anlass für die Gregorianische Reform war der mit der alten Osterformel fehlerhaft ermittelte Frühlingsvollmond, von dem der Ostertermin abhängt.

Papst Gregor XIII. führte im Jahre 1582 den gregorianischen Kalender mit einer verbesserten Schaltregel ein. Diese besagt, dass volle Jahrhunderte (wie 1700, 1800, 1900 usw.) nur dann Schaltjahre sind, wenn sie durch 400 teilbar sind (daher war das Jahr 2000 ein Schaltjahr, das Jahr 1900 dagegen nicht).

Für den Übergang bestimmte Gregor XIII. weiterhin, dass auf Donnerstag, den 4. Oktober 1582 (julianisch) direkt Freitag, der 15. Oktober 1582 (gregorianisch) zu folgen hatte, womit 10 Tage übersprungen wurden (unter Beibehaltung der Wochentagfolge). Da der neue Kalender vom Papst eingeführt wurde, benutzten ihn zunächst nur die römisch-katholischen Staaten. Die meisten protestantischen Staaten behielten den julianischen Kalender bis ins 18. Jahrhundert bei, was vor allem in konfessionell gemischten Gebieten Deutschlands zu einem umständlichen Nebeneinander von „altem Stil“ neben „neuem Stil“ führte. In den protestantischen Reichsständen des Heiligen Römischen Reiches erfolgte die Umstellung am 18. Februar des Jahres 1700, dem sogleich der 1. März „neuen Stils“ folgte. Die meisten reformierten Orte der Schweizerischen Eidgenossenschaft stellten nach dem 31. Dezember 1700 „alten Stils“ auf den 12. Januar 1701 „neuen Stils“ um; die letzten Graubündner Gemeinden Schiers und Grüsch folgten allerdings erst im Jahre 1812.

In Russland, wo bis ins 17. Jahrhundert die byzantinische Zeitrechnung galt, stellte Peter der Große Ende 1699 nicht auf den neuen gregorianischen, sondern auf den obsoleten julianischen Kalender um (ab 1. Januar 1700 gültig). Dieser wurde dort noch bis nach der Oktoberrevolution beibehalten, dann aber von den Bolschewiki am 1. Februarjul./ 14. Februar 1918greg. durch den gregorianischen Kalender ersetzt.

Die USA, bis 1776 englische Kolonie und somit nach britischer Gesetzgebung bis 1752 dem julianischen Kalender unterliegend, beschlossen nach ihrer Unabhängigkeit in einem Gesetz, proleptisch den gregorianischen Kalender seit 1582 anzuerkennen. Die US-amerikanischen Geschichtswissenschaftler praktizieren dies auch heute.

Heutige Verwendung des julianischen Kalenders[Bearbeiten]

Hauptartikel: Altkalendarier

Ein Teil der orthodoxen Kirchen (z. B. die mazedonische, die russische, die georgische, die serbische) begeht alle ihre Feste weiterhin nach dem julianischen Kalender. Ihr Weihnachtsfest (25. Dezember) fällt darum derzeit auf den 7. Januar (gregorianisch).

Für die Ermittlung des Ostertermins und der anderen beweglichen Feste wird in allen orthodoxen Kirchen (außer der finnischen) auch heute der julianische Kalender und die mit ihm gekoppelte alte Osterformel verwendet; sie fallen daher nur gelegentlich mit den entsprechenden Festen der westlichen Kirchen zusammen, oft sind sie eine bis fünf Wochen später.

Folgende autokephale und autonome orthodoxe Kirchen benutzen den julianischen Kalender: Patriarchat von Jerusalem, Patriarchat von Moskau, Patriarchat von Serbien, Patriarchate von Georgien, Kirche von Sinai, Kirche von Japan, Kirche von China, Kirche der Ukraine, Erzdiözese von Ohrid, Kirche von Albanien. Außerdem wird er von Abspaltungen der griechisch-orthodoxen Kirche und einigen Klöstern auf dem Heiligen Berg Athos sowie in der äthiopischen Kirche und in ganz Äthiopien verwendet.

Unabhängig von der gesetzlichen Einführung des gregorianischen Kalenders in den verschiedenen Ländern Europas werden alle geschichtlichen Daten seit dem 15. Oktober 1582 stets gregorianisch umgerechnet.

Julianisches Jahrhundert[Bearbeiten]

Kalender ab 1.Jan.des Jahres 1 (Nicht berücksichtigt ist die Korrektur von Augustus bis zum Jahr 8)

Das julianische Kalenderjahr dauert 365,25 Tage bzw. 365 Tage und 6 Stunden. Im julianischen Kalender dauert der Schaltjahrzyklus vier Jahre. Ein Zeitraum von 100 Jahren im julianischen Kalender (z. B. vom 12. April 1424 mittags bis zum 12. April 1524 mittags) enthält daher stets eine ganzzahlige Anzahl von Schaltjahrzyklen und damit immer gleich viele Tage, nämlich 36.525. Im Gegensatz dazu kann ein Jahrhundert im gregorianischen Kalender entweder 36.524 Tage (z. B. vom 12. April 1724 mittags bis zum 12. April 1824 mittags) oder 36.525 Tage (z. B. vom 12. April 1924 mittags bis zum 12. April 2024 mittags) enthalten. Wegen dieser begrifflichen Eindeutigkeit, der Ganzzahligkeit und der praktischen Nähe zur Dauer von 100 tropischen Jahren (36.524,219… Tage) benutzt man das so genannte julianische Jahrhundert zu 36.525 Tagen als bequeme Zeiteinheit in astronomischen Formeln.

So lässt sich einschlägigen Tabellenwerken beispielsweise entnehmen, dass sich die Lage des Perihels der Erdbahn mit einer Geschwindigkeit von 0,323 Grad pro julianischem Jahrhundert entlang der Bahn verschiebt. Unter einem Tag ist in diesem Zusammenhang in der Regel der aus 86.400 Sekunden bestehende Ephemeridentag zu verstehen, so dass das julianische Jahrhundert lediglich einen intuitiv leicht fasslichen Namen für einen Zeitraum von 3.155.760.000 SI-Sekunden darstellt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jörg Rüpke: Zeit und Fest: Eine Kulturgeschichte des Kalenders. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54218-2.
  • Jörg Rüpke: Kalender und Öffentlichkeit: Die Geschichte der Repräsentation und religiösen Qualifikation von Zeit in Rom. de Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-014514-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Julian calendar – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Perpetual calendars – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friedrich Karl Ginzel: Handbuch der mathematischen und technischen Chronologie, Bd. 2 - Zeitrechnung der Juden, der Naturvölker, der Römer und Griechen sowie Nachträge zum 1. Bande -. Austrian Literature Online, Innsbruck 2007 (Nachdruck Originalausgabe Leipzig 1906) ISBN 3-226-00428-X, S. 274-275.
  2. Jörg Rüpke: Zeit und Fest: Eine Kulturgeschichte des Kalenders. S. 33.
  3. Macrobius, Saturnalien 1, 14, 7.
  4. Sacha Stern: Calendars in Antiquity. Oxford University Press, 2012. Anmerkung 155 auf S. 212.