Julius Bachem (Politiker, 1845)

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Julius Bachem

Nicolaus Heinrich Julius Bachem (* 2. Juli 1845 in Mülheim an der Ruhr; † 22. Januar 1918 in Köln) war ein deutscher Jurist, Verleger, Publizist und Politiker der Zentrumspartei.

Anwalt, Journalist und Verleger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bachem studierte Philologie, Naturwissenschaften und Rechtswissenschaften in Bonn und Berlin. Seit 1873 war er als Rechtsanwalt tätig. Im Zusammenhang mit dem Kulturkampf war er insbesondere in kirchenpolitischen Prozessen oder in Fragen des Presserechts Verteidiger.

Zwischen 1869 und 1914 arbeitete Bachem zudem als Chefredakteur zeitweise zusammen mit Hermann Cardauns bei der Kölnischen Volkszeitung. Herausgegeben wurde die Zeitung von der familieneigenen Verlagsbuchhandlung und Buchdruckerei J.P. Bachem. Die Leitung übernahm Bachem schließlich selbst. Das Blatt stand dabei in unmittelbarer Konkurrenz zur liberalen Kölnischen Zeitung des Verlegers DuMont. Begünstigt durch den Kulturkampf gelang der Volkszeitung seit den 1870er Jahren ein bemerkenswerter Aufschwung. Betrug ihre Auflage 1871 erst siebentausend Exemplare, waren es 1914 dreimal täglich jeweils etwa 30.000 Exemplare. Damit war sie das führende katholische Blatt in Westdeutschland. Aber auch in Süd- oder gar Ostdeutschland gab es im katholischen Bereich keine wirkliche Entsprechung.[1]

Politiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1875 und 1890 war Bachem Stadtverordneter in Köln. Er war außerdem eine der führenden Personen der Zentrumspartei im Rheinland und auf Reichsebene. Bachem gehörte dabei einer neuen Generation von Zentrumspolitikern an, die mit ihrem Einfluss auf Presse, katholische Vereine und einflussreiche Kleriker die alten Honoratioren der Partei verdrängten.[2] Zwischen 1877 und 1891 war er für diese Partei Mitglied im Preußischen Abgeordnetenhaus[3], wo er den Wahlkreis Köln 4 (Siegkreis – Mülheim am Rhein – Wipperfürth) vertrat.[4]

Seine parlamentarische Karriere musste er nach der Geburt eines unehelichen Kindes beenden. Gleichwohl blieb er im Zentrum einflussreich.[5] Von Bedeutung für diese Partei war nicht zuletzt seine programmatische Schrift von 1906: „Wir müssen aus dem Turm heraus.“ Gemeint war damit die Kritik an der Abschottung der katholischen Zentrumspartei gegenüber allen anderen politischen Kräften jenseits des katholischen Milieus. Bachem kritisierte die wachsende Überbetonung des konfessionellen Prinzips, sprach sich für die Unabhängigkeit der Politik von päpstlichen Weisungen und eine Stärkung der Laien aus. Mit dem Plädoyer für eine Zusammenarbeit mit Protestanten und letztlich für eine überkonfessionelle christliche Partei löste Bachem den so genannten Zentrumsstreit aus.[6] Die Kölnische Volkszeitung wurde dabei unter seiner Leitung zum Sprachrohr der von Bachem stark mitgeprägten „Kölnischen Richtung.“ Zumindest mittelfristig hat er so zur Öffnung des deutschen Katholizismus entscheidend beigetragen. Allerdings war Bachem im katholischen Deutschland ein Vertreter des Antisemitismus.[7]

Autor und Enzyklopädist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war Verfasser zahlreicher politischer Veröffentlichungen. Bachem war zudem Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Görres-Gesellschaft. Im Rahmen der Gesellschaft war er zwischen 1886 und 1912 Herausgeber des „Staatslexikons der Görres-Gesellschaft“.

Als Anerkennung für seine Verdienste wurde er zum Dr. iur. h. c. ernannt.

Julius Bachem starb am 2. Januar 1918 und wurde auf dem Melaten-Friedhof (Flur 82) begraben.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Simon Apel: Julius Bachem (1845–1918). In: Simon Apel, Louis Pahlow, Matthias Wießner (Hrsg.): Biographisches Handbuch des Geistigen Eigentums, Mohr Siebeck, Tübingen 2017, ISBN 978-3-16-154999-1, S. 29–31.
  • Anton Ritthaler: Bachem, Julius. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 493 f. (Digitalisat).
  • Hugo Stehkämper: Julius Bachem (1845–1818). In: Rheinische Lebensbilder, Band 5. Hrsg. von Bernhard Poll. Rheinland Verlag, Köln 1973, S. 213–226.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 3: Von der deutschen Doppelrevolution bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges. 1849–1914. München 1995, ISBN 3-406-32490-8, S. 1246
  2. Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1866–1918. Machtstaat vor der Demokratie. C. H. Beck, München 1992, ISBN 3-406-34801-7, S. 345
  3. Bernhard Mann (Bearb.) unter Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh, Thomas Kühne: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus 1867–1918 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 3). Droste, Düsseldorf 1988, ISBN 3-7700-5146-7, S. 51.
  4. Thomas Kühne: Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 6). Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5182-3, S. 712–716.
  5. Nipperdey: Machtstaat, S. 553
  6. Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1866–1918. Arbeitswelt und Bürgergeist. München 1990, ISBN 3-406-34453-4, S. 466
  7. Wehler, S. 926, 1186; Bachem sprach u. a. von einem angeblich in Berlin, Breslau und Frankfurt feststellbaren „fortschrittlich-jüdische<n> Terrorismus“ und bescheinigte Juden ein „Übermaß an Frechheit“ (nach Götz Aly: Warum die Deutschen? Warum die Juden? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800–1933. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M. 2012, S. 111). (Vgl. hierzu die Diskussionsseite)
  8. Josef Abt, Johann Ralf Beines, Celia Körber-Leupold: Melaten – Kölner Gräber und Geschichte. Greven, Köln 1997, ISBN 3-7743-0305-3, S. 161f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]