Julius Schindler (Unternehmer)

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Julius Schindler, 1920er Jahre
Schindlers Unternehmenssitz Kontorhaus Hohe Bleichen 28, Hamburg

Julius Schindler (geboren am 30. Mai 1878 in Mährisch-Trübau, Österreich-Ungarn; gestorben am 20. Dezember 1941 in Great Neck, New York[1]) war ein deutscher Unternehmer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schindler lebte von 1905 bis 1931 in Hamburg, zuletzt in einer Stadtvilla im Nonnenstieg in Harvestehude.[2] Ab 1926 besaß er zudem einen Sommersitz in Rissen, die Villa Tannenhof.[2] Ende 1926 trat er der Hochdeutschen Israelitengemeinde zu Altona bei. „Parallel dazu beteiligte er sich aktiv in der weltlichen Gemeindearbeit der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg“.[3]

Darüber hinaus spendete er 1920 insgesamt 35.000 Reichsmark für die Hamburgische Wissenschaftliche Stiftung, die dieses gesellschaftliche Engagement durch namentliche Nennung des Spenders auf einer der zwei Marmortafeln für die „Begründer und Hauptförderer der Hamburgischen Wissenschaftliche Stiftung“ in der Lobby im Hauptgebäude der Universität honorierte.[4]

Im Herbst 1931 wanderte Schindler aus, gab die deutsche Staatsbürgerschaft auf[5] und nahm 1932 zusammen mit Frau und beiden Söhnen die liechtensteinische Staatsbürgerschaft an.[6] Bis 1939 lebte er in Frankreich und emigrierte dann über Kanada in die Vereinigten Staaten[1][2]

Schindler war der Gründer der Hamburger Unternehmen Oelwerke Julius Schindler und Tankschiffsreederei Julius Schindler.[1] Der Firmensitz der Oelwerke war das Kontorhaus Hohe Bleichen 28.[7]

Da Schindler Jude war, wurden seine Unternehmen 1938 bzw. 1939 von den Nazis konfisziert und „arisiert“.[1] Im Dezember 1941 starb Schindler in den Vereinigten Staaten.[1]

Aus seiner 1905 geschlossenen Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor.[1] Seinem Sohn Fritz (geboren am 30. Januar 1920 in Hamburg) ermöglichte er es, das von Martin Luserke geleitete reformpädagogische Landerziehungsheim Schule am Meer auf der ostfriesischen Insel Juist zu besuchen,[8] wo dieser sich mit Hagen Distelbarth (1918–1941) anfreundete, einem Sohn des Paul Distelbarth.

Die Kinder Anni Kleeber und Gustave Schindler stifteten 1961 ein fortwährendes Stipendium für den Fachbereich Chemical Engineering an der Technischen Universität in Haifa.[9] Das Stipendium trägt den Namen Julius and Irma Schindler Memorial Scholarship.

In Hamburg-Wilhelmsburg wurde eine Straße nach ihm benannt.

Schrift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 25 Jahre Oelwerke Julius Schindler, G. m. b. H., Hamburg. 1934, 40 Seiten

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volkard Bir: Julius Schindler und seine Unternehmen. 2008.
  • Theo Müller, Annette Schlapkohl: 100 Jahre Schindler: Chronik einer Hamburger Firma. Husum Verlag, 2008, ISBN 978-3898764261.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Claims Resolution Tribunal – in re Account of Julius Schindler bei crt-ii.org, abgerufen am 2. September 2015
  2. a b c Theo Müller, Annette Schlapkohl: 100 Jahre Schindler: Chronik einer Hamburger Firma. 2008, Seiten 9 ff
  3. Volkard Bir: Julius Schindler und seine Unternehmen. 2008, Blatt 13
  4. Volkard Bir: Julius Schindler und seine Unternehmen. 2008, Blatt 10 f.
  5. Volkard Bir: Julius Schindler und seine Unternehmen. 2008, Blatt 18
  6. Volkard Bir: Julius Schindler und seine Unternehmen. 2008.
  7. Sorgfältig restauriert: das Haus an der Ecke (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/blogbrunsmoellendorfdotcom.wordpress.com bei blogbrunsmoellendorfdotcom.wordpress.com, abgerufen am 4. September 2015
  8. Schülerbuch der Schule am Meer, Juist, Blatt 154. In: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel, Handschriftenabteilung, Nachlass Luserke, Martin, Signatur: Cb 37
  9. Volkard Bir: Julius Schindler und seine Unternehmen. 2008, Blatt 29.