Junípero Serra

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Grabstätte von Fray Junípero Serra in der Mission-Kirche in Carmel

Fray Junípero Serra oder katalanisch Fra Juníper Serra (* 24. November 1713 in Petra, Mallorca; † 28. August 1784 in San Carlos Borromeo de Carmelo, Kalifornien) war ein Franziskaner, der als Gründer von San Francisco gilt. Er ist ein Heiliger der römisch-katholischen Kirche. Sein Gedenktag ist der 28. August.

Leben[Bearbeiten]

Gedenktafel an der Pfarrkirche Sant Pere in Petra

Junípero Serra wurde 1713 als Miquel Josep Serra i Ferrer geboren. Zu dieser Zeit bestand in seinem Geburtsort Petra schon seit über 100 Jahren ein Franziskanerkloster, das auch Schulunterricht erteilte. Im Alter von 16 Jahren trat der Bauernsohn Miquel Josep Serra dem Franziskanerorden bei und nahm den Namen Fray Junípero Serra an. Er studierte an der Universität „Lulliana“ in Palma und erwarb den Doktortitel der Theologie. Von 1744 bis 1749 war er in Palma als Prediger und Dozent an der dortigen Universität tätig. Danach entschloss er sich, mit einer Gruppe anderer Franziskaner als Missionar nach Mittelamerika zu gehen.

Im Vizekönigreich Neuspanien war Junípero Serra an der Gründung von 21 Missionsstationen und Klöstern vor allem im Norden des Landes beteiligt, wie der Mission Dolores in San Francisco. Viele der im heutigen Kalifornien gelegenen Missionen entwickelten sich im Laufe der Zeit zu Städten, die immer noch ihre spanischen Namen tragen: San Diego, Los Angeles oder Santa Barbara. Die meisten dieser Namen leitete Junípero Serra von Altären in der Kirche des dem heiligen Bernhardin von Siena gewidmeten Klosters seiner Geburtsstadt Petra ab.

Junípero Serra starb 1784 im heutigen Carmel in Kalifornien.[1]

Gedenken und Verehrung[Bearbeiten]

Statue von Junípero Serra im Golden Gate Park in San Francisco

In seinem Geburtsort Petra ist der Missionar allgegenwärtig. Am nördlichen Rand von Petra steht die Pfarrkirche Sant Pere, vom 16. bis ins 18. Jahrhundert auf den Grundmauern eines älteren Gotteshauses errichtet. Zur reichen Innenausstattung zählt auch das Taufbecken, über das der Neugeborene Miquel Josep gehalten wurde. Über die Carrer Major gelangt man zum Convent de Sant-Bernardí, 1607 gegründet und Sitz der Klosterschule des jungen Junípero Serra. Vor dem Gebäude erinnert ein Denkmal an verschiedene Stationen seines Lebens. Vom Konvent führt die Carrer Fra Juníper westwärts, vorbei an einer Reihe von Kachelbildern der verschiedenen Missionen, zum Geburtshaus und Museum des Franziskaners.

Casa Natal i Museu Juníper Serra: Das Geburtshaus des Junípero Serra steht im ältesten Teil des Ortes, in der Straße Carrer Barrancar Alt. Ganz in der Nähe beherbergt ein erst 1959 errichtetes Haus das Museu de Pare Serra, ein Museum, das sich anhand von Landkarten, Gemälden und Dokumentationen dem Leben des Missionars widmet.

In den USA wird er als Städtegründer verehrt. Seine Büste steht im Capitol in Washington, D.C., umgeben von anderen Helden der amerikanischen Nation.

Junípero Serra ist Namensgeber von Serra International, einer internationalen römisch-katholischen Laiengemeinschaft zur Förderung der geistlichen Berufe.

Heiligsprechung[Bearbeiten]

Fray Junípero Serra wurde am 25. September 1988 seliggesprochen.[2] Die Heiligsprechung durch Papst Franziskus erfolgte in einer in spanischer Sprache gefeierten Heiligen Messe im Nationalheiligtum Basilika der Unbefleckten Empfängnis in Washington, D.C. am 23. September 2015.[3][4]

Kritik[Bearbeiten]

Das Verhältnis zur indianischen Bevölkerung ist umstritten. Ältere Arbeiten gingen davon aus, dass er freundlich aufgenommen wurde. Hiernach habe es keine Misshandlung von Ureinwohnern gegeben.[5] Andere Quellen beschreiben, dass 90.000 amerikanische Ureinwohner zwangsmissioniert und mit Unterstützung der Armee in seinen Missionen gefangen gehalten wurden. Sie mussten ihre Sprache und Gebräuche aufgeben und wurden zu Zwangsarbeit verpflichtet. Von geschätzt 310.000 indianischen Einwohnern, die 1769 in Kalifornien lebten, sei 100 Jahre später nur ein Sechstel übrig gewesen.[6]

In Mexiko war er seit 1752 als Kommissar der Inquisition[7][8] unter anderem für Hexenprozesse zuständig.[9][10]

Insbesondere Indigene kritisieren die Heiligsprechung, denn Vorfahren hätten unter der Tätigkeit auch dieses Missionars gelitten. Eine Online-Petition gegen die Heiligsprechung wurde von gut 10.000 Unterzeichnern unterstützt.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Daniel Fogel: Junipero Serra, the Vatican and enslavement theology. ISM Press, San Francisco 1988, ISBN 0-910383-25-1.
  •  Steven W. Hackel: Junípero Serra. California’s Founding Father. Hill and Wang, New York 2013, ISBN 978-0-8090-9531-5.
  • Lorenzo Galmés Más: Fray Junípero Serra. Biblioteca de Autores Cristianos (B.A.C.), Madrid 1988
  • Mariano Gutiérrez Salazar: Fray Junipero Serra (= Colección Evangelizadores de América, Bd. 6). Ediciones Tripode, Caracas 1985.
  • Sylvia L. Hilton: Junípero Serra. Historia, Madrid 1987, ISBN 84-7679-071-6.
  • Francisco Palou: Junípero Serra y las Misiones de California (= Crónicas de América, Bd. 46). Dastin, Las Rozas (Madrid) 2002, ISBN 84-492-0249-3.
  • Enrique Oltra Perales: Vida de Fray Junípero Serra. Narrada para el hombre de hoy. Ed. Asis, Valencia 1988, ISBN 84-85461-07-X.
  • Andreas C. Walter: Heiliger oder Sünder? Junípero Serra, die Indianermissionen in Oberkalifornien und der Gebrauch von Geschichte. In: Horst Gründer (Hg.): Geschichte & Humanität. Lit, Münster 1994, ISBN 3-89473-354-3, S. 77–89.
  • Mildred Violet Woodgate: Junipero Serra. Apostle of California, 1713–1784. The Newman Press, Westminster, Md. 1966.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Junípero Serra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Kaliforniens

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mariano Gutiérrez Salazar: Fray Junipero Serra. Ediciones Tripode, Caracas 1985, S. 72.
  2. Santoral Franciscano: 28 de agosto – Beato Junípero Serra (1713–1784), abgerufen am 25. September 2015.
  3. Apostolische Reise von Papst Franziskus nach Kuba, in die Vereinigten Staaten von Amerika und Besuch der Vereinten Nationen – Heilige Messe und Heiligsprechung des Sel. Junípero Serra, Predigt des Heiligen Vaters, Nationalheiligtum der Unbefleckten Empfängnis, Washington, D.C., Mittwoch 23. September 2015 [1], aufgerufen am 30. September 2015
  4. Andreas Ross: Papst lobt Obamas Dialogpolitik. Franziskus fordert Aufnahme illegaler Einwanderer. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. September 2015, S. 5.
  5. Mariano Gutiérrez Salazar: Fray Junipero Serra. Ediciones Tripode, Caracas 1985, S. 72.
  6. Carol Pogash: To Some in California, Founder of Church Missions Is Far From Saint. New York Times, 15. Januar 2015, abgerufen am 25. September 2015 (englisch).
  7. http://www.mallorcazeitung.es/leben/2015/01/15/glauben-besessener/34541.html
  8. http://www.kathpedia.com/index.php?title=Junipero_Serra
  9. http://www.theologe.de/katholische_heiligsprechung_junipero-serra.htm
  10. http://www.latimes.com/opinion/op-ed/la-oe-platt-serra-sainthood-pope-francis-20150125-story.html
  11. Clara Akinyosoye: USA: Proteste gegen Heiligsprechung von Missionar. orf.at, 17. September 2015, abgerufen am 25. September 2015.