Junge Alternative für Deutschland

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Vorsitzende
Basisdaten
Gründungsdatum Juni 2013
Gründungsort Darmstadt
Vorsitzende Sven Tritschler
Markus Frohnmaier
Stellvertreter Krzysztof Walczak
Reimond Hoffmann
Schatzmeister Dominik Weth
Ausrichtung: Rechtspopulismus
Nationalkonservativismus
Völkischer Nationalismus
Nationalismus
Antifeminismus
Mitgliederzahl ca. 1200
(Stand: Juli 2016)[1]
Mindestalter 14 Jahre
Gliederung 16 Landesverbände[2]
Website www.jungealternative.com

Die Junge Alternative für Deutschland (kurz JA) ist die 2013 gegründete und am 28. November 2015 durch den Bundesparteitag anerkannte Jugendorganisation der Partei Alternative für Deutschland.[3] Ihr stehen Sven Tritschler und Markus Frohnmaier vor.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und Anerkennung durch die Mutterpartei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Junge Alternative (JA) wurde im Juni 2013 in Darmstadt gegründet.[2] Im Juni 2014 erkannte der Landesparteitag des AfD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen die Delegierten der JA erstmals an.[4] Zum Oktober 2014 hatten auch die Landesverbände Hamburg und Saarland die JA als Jugendorganisation anerkannt.[5] Im Verlauf des Jahres 2015 waren es insgesamt zehn Landesverbände[1] und auf dem 4. Parteitag im November 2015 in Hannover wurde die JA schließlich als Jugendorganisation des Bundesverbandes anerkannt.[6]

Abspaltung Junge Reformer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im Vorlauf des Essener Parteitags der AfD gab es eine Abspaltung innerhalb der Jugendorganisation. Am 28. Juni 2015 wurden die Jungen Reformer als Jugendorganisation der ALFA gegründet. Viele Vorsitzende der Jungen Alternative, u. a. der damals aktuelle Bundesvorsitzende Philipp Ritz, wechselten zu den Jungen Reformern.

Bundeskongresse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philipp Ritz' Stellvertreter Benjamin Nolte, der auf dem 2. Bundeskongress im Februar 2014 gewählt wurde, trat bereits wenig später (Ende März 2014) wieder zurück, nachdem bekannt geworden war, dass er Alter Herr in der Burschenschaft Danubia München ist, deren Aktivitas seit 2001 vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet wird.[2]

Auf dem Bundeskongress der Jungen Alternative im Mai 2015 in Okarben wurden mit Tritschler und Frohnmaier zwei als „Luckegegner“ geltende JA-Vertreter zu den neuen Bundesvorsitzenden gewählt.[7] Frohnmaier war ein Erstunterzeichnern der "Erfurter Resolution", des Positionspapiers des rechtsnationalen Flügels der AfD.[8]

Auf dem Bundeskongress im Juli 2016 wurden Frohnmaier und Tritschler wiedergewählt. Ebenso beschloss die Junge Alternative eine Unvereinbarkeit mit der Identitären Bewegung.[9]

Bundesvorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2013–2014: Torsten Heinrich
  • 2014–2015: Philipp Ritz
  • 2015: Philipp Meyer
  • seit 2015: Sven Tritschler und Markus Frohnmaier

Landesverbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landesverband Gründung Vorsitzende bzw. Landessprecher Mitglieder
Baden-Württemberg Baden-WürttembergBaden-Württemberg Baden-Württemberg 2014 Moritz Brodbeck, Markus Frohnmaier
Bayern BayernBayern Bayern 2014 Christoph Steier
Berlin BerlinBerlin Berlin 2014 Thorsten Weiß
Brandenburg BrandenburgBrandenburg Brandenburg 2013 Dennis Hohloch
Bremen BremenBremen Bremen 2016 NN
Hamburg HamburgHamburg Hamburg 2014 Krzysztof Walczak
Hessen HessenHessen Hessen 2015 Jan Nolte, Fabian Flecken
Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-VorpommernMecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern 2015 Robert Schnell
Niedersachsen NiedersachsenNiedersachsen Niedersachsen 2014 Sören Hauptstein
Nordrhein-Westfalen Nordrhein-WestfalenNordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen 2014 Sven Tritschler
Rheinland-Pfalz Rheinland-PfalzRheinland-Pfalz Rheinland-Pfalz 2013 Damian Lohr
Saarland SaarlandSaarland Saarland 2015 Moritz Guth
Sachsen SachsenSachsen Sachsen 2013 Julien Wiesemann, Ronny Steinicke
Sachsen-Anhalt Sachsen-AnhaltSachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt 2015 Jan Wenzel Schmidt
Schleswig-Holstein Schleswig-HolsteinSchleswig-Holstein Schleswig-Holstein 2015 Leonhard Rehfeld
Thüringen ThüringenThüringen Thüringen 2014 Jana Schneider[10]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kategorie:Mitglied der Jungen Alternative für Deutschland

Die Junge Alternative hat seit Januar 2016 über 1000 Mitglieder.[1] Davon sind ungefähr 90 Prozent gleichzeitig Mitglied in der Alternative für Deutschland.[2] Laut dem Sozialwissenschaftler Alexander Häusler „rekrutiere [die JA] ihren Anhang aus dem burschenschaftlichen Milieu und Vertretern der sogenannten ‚Neuen Rechten‘.“[7]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut dem Sozialwissenschaftler David Bebnowski (Göttinger Institut für Demokratieforschung) stellt sich die Jugendorganisation als „antifeministische Kraft dar“.[11] Für Häusler befürwortet die JA eine rechtspopulistische Richtung und fungiere als „Brückenkopf“[7] der Partei zur Neuen Rechten. Wie andere Jugendorganisationen versuche sie die Position der Mutterpartei zuzuspitzen.[12] Entgegen dem Entschluss auf dem Bundeskongress 2016 kommt es auf lokaler Ebene auch immer wieder zur Zusammenarbeit mit der rechtsextremen Identitären Bewegung.[13][14]

Nach Einschätzung von Anna-Lena Herkenhoff fallen Mitglieder der Jungen Alternative „immer wieder durch öffentliche Äußerungen auf, die an extrem rechte Diskurse ausgesprochen anschlussfähig sind.“ Die Soziologin führt Äußerungen von Markus Frohnmaier und Robert Wasiliew an, die exemplarisch zeigen würden, wie die „die JA einen gängigen rechten, rassistischen Diskurs“ bediene und dabei einem „für die extreme Rechte typischen öffentlichkeitsstrategischen Vorgehen“ folgen würde.[15] Ob die Junge Alternative auch „als Gesamtverband Affinitäten zu rechtspopulistischen oder extrem rechten Positionen hat“, stellt für Martin Langebach jedoch noch ein „Forschungsdesiderat“ dar.[16]

„Offensiver als die Mutterpartei“ setze sich die Junge Alternative nach Einschätzung von ... „für Kontakte zu anderen rechtspopulistischen Parteien in Europa ein.“ So organisierte die JA beispielsweise 2014 eine parteiintern umstrittene Veranstaltung mit Nigel Farage, dem Parteichef der britischen Partei UKIP. Darüber hinaus hätten Frohnmaier und Tritschler auch „[f]rüher als die führenden Funktionäre ihrer Mutterpartei [...] den direkten Kontakt zur FPÖ“ gesucht und unterhalte mittlerweile auch Kontakte mit den Jugendorganisationen der SVP, der Wahren Finnen und der „Putin-Partei“ Einiges Russland.[17][4]

Im Sommer 2014 bewarb die JA in einer Kampagne auf Facebook Selbstjustiz als „die neue Polizei“.[5]


Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anna-Lena Herkenhoff: Rechter Nachwuchs für die AfD – die Junge Alternative (JA). In: Alexander Häusler (Hrsg.): Die Alternative für Deutschland. Programmatik, Entwicklung und politische Verortung. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-10638-6, S. 201–217.
  • Vincent Knopp: Provokation und Pragmatismus. Der Umgang der nordrhein-westfälischen AfD-Jugend mit gesellschaftspolitischen Konfliktlagen. Working Paper Series des IKG. Vol 08. Bielefeld: IKG; 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Alexander Häusler, Rainer Roeser: Zwischen Euro-Kritik und rechtem Populismus. Merkmale des Rechtsrucks in der AfD. In: Andreas Zick, Beate Küpper: Wut, Verachtung, Abwertung. Rechtspopulismus in Deutschland. Hrsg. für die Friedrich-Ebert-Stiftung von Ralf Melzer und Dietmar Molthagen, Dietz, Bonn 2015, ISBN 978-3-8012-0478-5, S. 124–145, hier: S. 133.
  2. a b c d Anna-Lena Herkenhoff: Rechter Nachwuchs für die AfD – die Junge Alternative (JA). In: Alexander Häusler (Hrsg.): Die Alternative für Deutschland. Programmatik, Entwicklung und politische Verortung. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-10638-6, S. 201–217, hier: S. 202.
  3. Lenz Jacobsen: Die zwei Gesichter der AfD. Zeit online, 29. November 2015, abgerufen am 30. Januar 2016.
  4. a b Alexander Häusler, Rainer Roeser: Die »Alternative für Deutschland« – eine Antwort auf die rechtspopulistische Lücke?. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe – Analysen – Antworten. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01983-9, S. 119.
  5. a b Christoph Asche: AfD-Jugendorganisation Junge Alternative: "Fast unverhohlen rechtsradikal". Spiegel Online. 17. Oktober 2014. Abgerufen am 29. November 2015.
  6. Sabine am Orde: Bis kaum ein Flüchtling übrig bleibt. taz. 28. November 2015. Abgerufen am 29. November 2015.
  7. a b c Alexander Häusler, Rainer Roeser: Zwischen Euro-Kritik und rechtem Populismus. Merkmale des Rechtsrucks in der AfD. In: Andreas Zick, Beate Küpper: Wut, Verachtung, Abwertung. Rechtspopulismus in Deutschland. Hrsg. für die Friedrich-Ebert-Stiftung von Ralf Melzer und Dietmar Molthagen, Dietz, Bonn 2015, ISBN 978-3-8012-0478-5, S. 124–145, hier: S. 134.
  8. Die „Erfurter Resolution“ – Wortlaut und Erstunterzeichner. In: Der Flügel. Abgerufen am 8. April 2016.
  9. Bundeskongress der "Jungen Alternative" in Bingen: Petry ruft AfD-Jugend zur Einigkeit auf | Rheinland-Pfalz | Nachrichten. Abgerufen am 18. Juli 2016 (de-de).
  10. http://ja-thueringen.org/vorstand/
  11. David Bebnowski: Die Alternative für Deutschland. Aufstieg und gesellschaftliche Repräsentanz einer rechten populistischen Partei. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-08285-7, S. 10.
  12. Marlis Schaum: Radikaler als die AfD (Gespräch mit Alexander Häusler). dradiowissen.de, 30. Januar 2015.
  13. Felix Krebs: "Identitäre Bewegung": Wehrsport mit Burschenschaftlern. In: Die Zeit. 6. Februar 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 2. März 2017]).
  14. Junge Alternative: AfD-Abgeordneter bestätigt Zusammenarbeit mit Identitärer Bewegung. In: Die Zeit. 30. Januar 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 2. März 2017]).
  15. Anna-Lena Herkenhoff: Rechter Nachwuchs für die AfD – die Junge Alternative (JA). In: Alexander Häusler (Hrsg.): Die Alternative für Deutschland. Programmatik, Entwicklung und politische Verortung. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-10638-6, S. 201–217, hier: S. 203f.
  16. Martin Langebach: Rechtsextremismus und Jugend. In: Fabian Virchow, Martin Langebach, Alexander Häusler (Hg.): Handbuch Rechtsextremismus, VS Verlag 2016, S. 375–440.
  17. Alexander Häusler, Rainer Roeser, Lisa Scholten: Programmatik, Themensetzung und politische Praxis der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD). Eine Studie im Auftrag der Heinrich Böll Stiftung. 2016, S. 134, digital verfügbar