Junge Gemeinde (evangelisch)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Junge Gemeinde (JG) ist eine von mehreren unterschiedlichen Bezeichnungen für die evangelische Jugend innerhalb einer Kirchengemeinde.

Ursprünglich bezeichnete der Begriff Junge Gemeinde die Jugendgruppe einer Kirchengemeinde innerhalb der evangelischen Kirchen in der DDR. Dieser Name wurde nach der Wende und friedlichen Revolution in der DDR 1990 beibehalten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jungen Gemeinden versuchten, bewusst junge christliche Gemeinden innerhalb der Kirchengemeinden zu sein. Sie wurden insbesondere in den 1950er Jahren von der SED und dem von ihr beherrschten Staat verfolgt. Im Frühjahr 1953 wurde die Junge Gemeinde offen angegriffen und als „illegale Organisation Junge Gemeinde“ stark attackiert. Mit der „Säuberung“ der FDJ von Anhängern der Jungen Gemeinde wurde der damalige erste Sekretär der FDJ, Erich Honecker, beauftragt. Das FDJ-Zentralorgan Junge Welt erhielt die Anweisung, die Arbeit der Jungen Gemeinde durch Hetzartikel in Misskredit zu bringen. Damit sollte ein Verbot vorbereitet werden.[1][2]

Etwa 3000 Schüler, die sich zur Jungen Gemeinde bekannten und keine Austrittserklärung unterzeichneten, wurden von Oberschulen relegiert.[3] Bereits Ende 1952 wurden Tagungsstätten der evangelischen Jugendarbeit wie beispielsweise das Schloss Mansfeld enteignet und an die FDJ übergeben. Es kam zu Verhaftungen von Jugend- und Studentenpfarrern. Im Rahmen dieser Aktionen wurde im April 1953 das Evangelische Jugendamt in Leipzig als vermeintliche „Agentenzentrale“ von Sicherheitsorganen durchsucht.[4]

Mit der Verkündung des „Neuen Kurses“ durch die Regierung der DDR am 11. Juni 1953 wurden die Maßnahmen gegen die Junge Gemeinde und ihre Mitglieder eingestellt, zwischenzeitlich inhaftierte Jugend- und Studentenpfarrer aus der Haft entlassen und die Gebäude zurückgegeben. Schüler, die von der Oberschule verwiesen worden waren, wurden wieder aufgenommen und zum Abitur zugelassen.

Am 18. August 1961, fünf Tage nach dem Beginn des Baus der Berliner Mauer, wurden zehn Mitglieder Jungen Gemeinde Berlin-Schmöckwitz an Bord des Schiffes Seebad Binz verhaftet, da diese trotz schlechten Wetters die Weiterfahrt in Richtung Bornholm forderten. Zwei Angehörige der Jungen Gemeinde wurden als „Rädelsführer“ zu je acht Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Die anderen Jugendlichen der Gruppe erhielten Haftstrafen zwischen drei Monaten und zwei Jahren. Die beiden Hauptbeschuldigten wurden im Oktober 1963 von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft.[5]

Die Jungen Gemeinden boten in der DDR über ihre gemeindliche, biblische Orientierung hinaus einen Raum, eigene Gedanken auszusprechen, die unabhängig von staatlichen Denkvorschriften und der Zensur waren. Sie waren die einzige vom Staat unabhängige Jugendbewegung und wurden so zum Sammelbecken für systemkritische Jugendliche.[6] Sie wurden auch deshalb bis zuletzt argwöhnisch von den Staatsorganen der DDR beobachtet und gelten als Mit-Vorbereiter der Friedlichen Revolution.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christine Koch: Die junge Gemeinde der evangelischen Landeskirchen in Sachsen und Thüringen 1945–1953: dargestellt unter der besonderen Berücksichtigung des Konfliktes zwischen Staat und kirchlicher Jugendarbeit. Roderer, Regensburg 2000 (= Theorie und Forschung; Band 9, Zeitgeschichte), zugleich: Dissertation, Universität Mannheim, 1999, ISBN 3-89783-129-5
  • Ellen Ueberschär: Junge Gemeinde im Konflikt: evangelische Jugendarbeit in SBZ und DDR 1945-1961. Kohlhammer, Stuttgart 2003 (= Konfession und Gesellschaft, Band 27), zugl. Kurzfassung von: Dissertation, Universität Marburg, 2001, ISBN 3-17-017898-9
  • Peter Helmberger (2008): Blauhemd und Kugelkreuz. Konflikte zwischen der SED und den christlichen Kirchen um die Jugendlichen in der SBZ/DDR. Dissertation. Forum Deutsche Geschichte Bd.16. Meidenbauer,M Press

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Tag X – 17. Juni 1953. Die „Innere Staatsgründung“ der DDR als Ergebnis der Krise 1952/54. S. 318
  2. Die Junge Gemeinde auf jugendopposition.de (Bundeszentrale für politische Bildung / Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.), gesichtet am 8. März 2017.
  3. Der Tag X – 17. Juni 1953. Die „Innere Staatsgründung“ der DDR als Ergebnis der Krise 1952/54. S. 319
  4. Armin Görtz: „Agent Wallmann“ und sein Sohn, in DNN vom 26. März 2013, S. 3
  5. Hellmuth Henneberg: Meuterei vor Rügen - Was geschah auf der 'Seebad Binz'? Hinstorff Verlag, Rostock 2002, ISBN 3356009524
  6. Die Junge Gemeinde (JG) auf jugendopposition.de (Bundeszentrale für politische Bildung / Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.), gesichtet am 8. März 2017.