Junge Nationalisten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Junge Nationaldemokraten)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Logo
Junge Nationalisten Logo 2018.png
Basisdaten
Vorsitzender: Sebastian Weigler
Ausrichtung: Rechtsextremismus
Völkischer Nationalismus
Antisemitismus
Mitglieder: 280 (Stand: 2021)[1]
Gliederung: 12 Landesverbände
Website: aktion-widerstand.de

Junge Nationalisten (kurz: JN; bis 13. Januar 2018 Junge Nationaldemokraten) ist die 1969 gegründete offizielle Jugendorganisation der rechtsextremen NPD. Die JN sind laut NPD-Satzung „integraler Bestandteil“ der Partei.[2]

Ideologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die JN bekennen sich zum Grundsatzprogramm der NPD, vertreten diese Standpunkte aber wesentlich aggressiver, was sich sowohl während Demonstrationen als auch im politischen Stil zeigt. Sie werden vom Verfassungsschutz beobachtet und als rechtsextrem eingestuft. Ihre regelmäßig erscheinende Publikation heißt Der Aktivist.[3] In diesem Zentralorgan bezeichnen sie sich unter der Überschrift „Der Bundesführer hat das Wort“ als „Vertreter des nationalrevolutionären Flügels innerhalb der NPD“. Die Jugendorganisation kritisiert diejenigen in der NPD, die den „Kampf um die Parlamente“ zum „wichtigsten Kampfziel“ gemacht hätten. Stattdessen seien „Widerstand und Kritik angebracht, da in diesen Entwicklungen die Gefahr der schrittweisen Anpassung und Verbürgerlichung“ bestehe.[4] Die JN bezeichnen sich selbst als antiimperialistisch. Unter anderem fordern sie den Abzug deutscher Truppen aus Afghanistan,[5] bezeichnen in einem Grundsatzpapier (2018) Israel als „Feind aller Völker“ und sprechen in Bezug auf diesen Staat von einer „parasitäre[n] Staatswerdung“.[6] In dem Januar 2021 veröffentlichten Grundsatzpapier „Staatsangehörigkeit = Nationalität?“ werden Juden als inkompatibel mit den Völkern Europas erklärt, wenn es darin heißt: „Denn durch den anhaltenden Schuldkult, wie auch durch das Hochloben der jüdischen Gemeinden, welche ebenso wenig wie der Araber mit der nordisch-germanischen Art Europas zu tun hat, wird dieser Einfluss geschürt.“[7]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2018 benannten sich die Jungen Nationaldemokraten in „Junge Nationalisten“ um und verlegten ihren Sitz von Lübtheen nach Riesa.[8][9] In einem Interview mit der NPD-Parteizeitung Deutsche Stimme im September 2018 erklärte der neue JN-Bundesvorsitzende Christian Häger, dass der bisherige Name nicht mehr „dem heutigen Zeitgeist“ entsprochen habe. Man habe von „neu gebildeten Gruppen“, insbesondere der Identitären Bewegung (IB), gelernt und der neue Name solle den Begriff „Nationalismus“ wieder positiv in die Öffentlichkeit tragen.[10]

Die Jungen Nationalisten gliedern sich in einen Bundesverband und einige Landesverbände. Der Vorsitzende der JN ist kraft seines Amtes automatisch Vorstandsmitglied der NPD. Unter anderem waren der spätere NPD-Vorsitzende Günter Deckert und der ehemalige Parteivorsitzende und Chef der sächsischen Landtagsfraktion Holger Apfel früher Bundesvorsitzende der Jungen Nationalisten und nutzten dies zum Sprungbrett in die Führungsetage der NPD. Die JN sind nicht in allen Bundesländern vertreten. Aktiv ist die Organisation vor allem im Norden, Süden und Osten der Bundesrepublik: In Baden-Württemberg existierten Mitte 2008 zehn, in Sachsen neun, in Bayern acht, in Sachsen-Anhalt sieben und in Thüringen fünf Stützpunkte. Rekrutiert werden oft Mitglieder der Freien Kameradschaften. Schwerpunkt liegt in der Jugendarbeit durch „Formung und Schulung“ der Mitglieder zwischen 14 und 35 Jahren.

Generell leistet die NPD intensive Jugendarbeit. Sie gibt Nachhilfestunden, organisiert Feste und Freizeiten und besitzt eine eigene Fußballmannschaft. Zielsetzung der Partei und der JN ist es, über zunächst unpolitisch erscheinende Aktivitäten Jugendliche und Kinder an rechtsextremistisches Gedankengut heranzuführen. Unter Vorspiegelung einer jugendpflegerischen Tätigkeit betreibt sie eine gezielte Ideologisierung der Teilnehmer. Mit dem von 2008 bis 2011 bestehenden Nationalen Bildungskreis (NBK) verfügte die JN zudem über eine in vier Bundesländern aktive Hochschulorganisation,[11][12] die auch teilweise bei Hochschulwahlen, wenngleich bisher erfolglos, antrat.

Im Zuge der Coronakrise 2020 riefen die JN zur Nachbarschaftshilfe für Corona-Risikogruppen auf, wofür die im Herbst 2017 erstmals propagierte Kampagne „Jugend packt an“ genutzt wurde. Die nationalistischen Hilfsaktionen nur für Deutsche wurden seinerzeit mit Slogans wie „Wir helfen, wo der Staat versagt“ versehen.[13] Zudem wird die seit Beginn 2022 aktive Kampagne "Gegengift2022" Akteuren zugeschrieben, die ebenfalls bei den Jungen Nationalisten aktiv sind.[14] Diese Kampagne, die sich als "Gegengift zum Great Reset" versteht, fiel durch Demonstrationen, Videos, Flugblattverteilungen und andere Propagandamaßnahmen auf.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2003 führte die JN mehrfach den „Europäischen Kongress der Jugend“ durch, beispielsweise 2003 in Bayern sowie 2007 und 2014 in Sachsen.[15][16][17]

Vorsitzende der Jungen Nationalisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Amtszeit Wichtige politische Ämter und Mandate
Alfons Hueber 1971–1973
Günter Deckert 1973–1975 Parteivorsitzender der NPD 1991–1996
Winfried Krauß 1975–1977
Gösta Thomas 1977–1980
Rainer Vogel 1980–1983
Claus Kruse 1983
Hermann Lehmann 1983–1987
Karl-Heinz Sendbühler 1987–1989 Bundesvorsitzender des NHB 1983–1985
Thilo Kabus 1989–1990
Frank Kolender 1990–1991
Erhard Hübchen 1991–1992
Andreas Storr 1992–1994 Bundesschatzmeister der NPD seit 2011
Mitglied des sächsischen Landtags 2009–2014
Holger Apfel 1994–1999 Parteivorsitzender der NPD 2011–2013
Fraktionsvorsitzender im sächsischen Landtag 2004–2013
Sascha Roßmüller 1999–2003
Stefan Rochow 2003–2007
Michael Schäfer 2007–2012
Andy Knape 2012–2014
Sebastian Richter 2014–2018
Christian Häger 2018–2019
Paul Rzehaczek 2019–2022
Sebastian Weigler 2022–

Printmedien / Periodika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verfassungsschutzbericht 2021. (PDF; 5,2 MB) Bundesamt für Verfassungsschutz, 7. Juni 2022, S. 93, abgerufen am 7. Juni 2022.
  2. Satzung der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands, § 23. (pdf; 2,7 MB) Bundeswahlleiter, 18. November 2010, S. 12, archiviert vom Original am 16. Juni 2011; abgerufen am 25. Januar 2018.
  3. Rechtsextremistische Jugendorganisationen in der Bundesrepublik Deutschland, S. 5, Wissenschaftlicher Dienst des Bundestages, 2009
  4. Verfassungsschutzbericht 2007. Bundesamt für Verfassungsschutz, S. 82, abgerufen am 25. Januar 2018.
  5. Verfassungsschutzbericht Hessen 2009, S. 29
  6. Bundesverfassungsschutz „Lagebild Antisemitismus“, Juli 2020, S. 27
  7. Bundesamt für Verfassungsschutz: Lagebild Antisemitismus 2020/21, S. 30
  8. Versuch der Einflussnahme von Rechtsextremisten auf Anti-Asyl-Kundgebungen des demokratischen Spektrum verfassungsschutz.de, abgerufen am 27. Februar 2020.
  9. Verfassungsschutzbericht 2017. (Memento des Originals vom 15. Januar 2019 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.verfassungsschutz.de Bundesamt für Verfassungsschutz, 24. Juli 2018, S. 84, abgerufen am 24. Juli 2018 (pdf; 3,7 MB).
  10. Verfassungsschutzbericht Bayern 2018, S. 145
  11. Nationaler Bildungskreis
  12. „Nationaler Bildungskreis“ (NBK) nimmt Kampf um „geistige Gegenelite“ auf endstation-rechts.de, 28. Februar 2008
  13. Corona-Hilfe von ganz Rechtsaußen. www.bnr.de, 23. März 2020
  14. STO: Erkenntnisse zur Kampagne „Gegengift2022“. Abgerufen am 12. Juni 2022.
  15. Gefährliche Liebschaften 2011 – Rechtsextremismus im kleinen Grenzverkehr, Europakongresse der JN, boell.de, S. 71
  16. Rudolf von Hüllen: „MODERNISIERTER RECHTSEXTREMISMUS“, S. 42, kas.de, 2008
  17. Anton Maegerle: „Schulterschluss der europäischen Nationalen“. In: Endstation Rechts. Institut für Information und Dokumentation e.V., 6. März 2014, abgerufen am 3. April 2022.
  18. „Jugend-wacht“ geht online. In: Webseite des Verfassungsschutzes Brandenburg. Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg, archiviert vom Original am 25. Februar 2015; abgerufen am 25. Februar 2015.