Junge Volkspartei

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Vorstand
Bundesobmann: Sebastian Kurz
Stellvertreter: Asdin El Habbassi
Patrik Fazekas
Helena Kirchmayr
Lukas Michlmayr
Lukas Schnitzer
Dominik Schrott
Melanie Laure
Christian Zoll
Generalsekretär: Stefan Schnöll
Website: http://www.junge.oevp.at/

Die Junge Volkspartei (JVP), umgangssprachlich auch Junge ÖVP, bis 1971 Österreichische Jugendbewegung, ist eine politische Jugendorganisation und eine der sechs Teilorganisationen der Österreichischen Volkspartei.

Struktur[Bearbeiten]

Ihr Ziel ist die politische Interessenvertretung für junge Menschen bis zu einem Alter von 35 Jahren. Sie ist in neun Landesgruppen organisiert, die sich weiter in Bezirks- und Ortsgruppen aufteilen. Die Bundesorganisation hat ihren Sitz in Wien, das Mindestalter für einen Beitritt beträgt 15 Jahre, mit Erreichen des 35. Lebensjahrs scheidet man (normaler Weise) aus der Organisation aus. Die JVP hat nach eigenen Angaben etwa 100.000 Mitglieder.

Politische Inhalte[Bearbeiten]

Die Junge Volkspartei wurde 1946 als eigenständiger Bund innerhalb der ÖVP gegründet. Ihre politische Ausrichtung wird als christdemokratisch bezeichnet. Die JVP bekennt sich „zu einem selbstständigen Österreich und zur europäischen Integration“. Innerhalb der ÖVP war die Junge Volkspartei der erste Bund, der einen Beitritt Österreichs zur damaligen Europäischen Gemeinschaft befürwortete.

Die JVP vertrat oftmals Standpunkte, die sie in Konflikt mit der Bundespartei brachten, war jedoch seit ihrer Gründung das wichtigste Instrument der Partei um junge Wählerschichten anzusprechen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die JVP wurde 1945 als „Österreichische Jugendbewegung“ gegründet und verstand sich zunächst als Vorfeldorganisation der ÖVP. 1971 wurde sie - unter dem Namen Junge Volkspartei - zur gleichberechtigten Teilorganisation der Partei.[1] Einige Bezirks- und Ortsorganisationen verwenden die frühere Bezeichnung bis heute als Namenszusatz.

Die proeuropäische Linie der Organisation wurde besonders unter Bundesobmann Othmar Karas geschärft, der die JVP von 1981 bis 1990 führte. Unter ihm stellten die "Jung Schwarzen" innerhalb der ÖVP den Antrag auf Aufnahme Österreichs in die damalige Europäische Gemeinschaft.

"Bonzen quälen, Himmer wählen"[Bearbeiten]

Ab 1990 übernahm Harald Himmer die Junge Volkspartei. In seine Zeit als Bundesobmann fiel auch der Nationalratswahlkampf 1990. Der damals 26-jährige wurde wie die meisten jüngeren Kandidaten auf einem eher aussichtslosen Listenplatz gereiht. Er versuchte daher im Wahlkampf über Vorzugsstimmen ein Mandat zu erringen und trat mit Aufklebern mit der Aufschrift „Bonzen quälen – Himmer wählen“ mit dem Untertitel „Bonzen, wollt Ihr ewig fressen?" an. Harry Himmer lud unter dem Motto "Diätvorschläge gegen die Politversklavung“ zu einer Pressekonferenz ein. Seine Forderungen waren eine Beschränkung der parlamentarischen Tätigkeit auf zwei Funktionsperioden in einer Folge und ein Persönlichkeitswahlrecht. Harald Himmer bekam durch seine Kampagne allerdings nicht die nötige Anzahl von Vorzugsstimmen, um in den Nationalrat einziehen zu können.[2] 1993 übergab Himmer sein Amt an Werner Amon.

Mit Werner Amon erstmals im Nationalrat[Bearbeiten]

1993 wurde der Steirer Werner Amon zum neuen Bundesobmann gewählt. Ein Jahr später zog dieser für die Junge ÖVP in den Nationalrat ein und engagiert sich ab dem Zeitpunkt im Parlament. Als ehemaliger Bundesschulsprecher etablierte er ein enges Kooperationsverhältnis zwischen der Bundes-JVP und der Schülerunion, weswegen er auch zum Förderer der damaligen Bundesobfrau der Schülerunion Silvia Grünberger wurde. [3]

Silvia Grünberger – die erste Bundesobfrau[Bearbeiten]

Am Bundestag von Knittelfeld wurde Silvia Grünberger (geb. Fuhrmann) 2001 mit 91 Prozent zur ersten Bundesobfrau in der Geschichte der Organisation gewählt. Während ihrer Amtszeit setzte sie u.a. in den Bereichen Wehr- und Zivildienst sowie Generationengerechtigkeit Schwerpunkte, geriet aber aufgrund ihres von Teilen der Organisation als "eigenwillig" erachteten Stils (u.a. "Wurstsemmelsager") sehr bald in die Kritik. Nicht zuletzt auch deshalb hatte Grünberger 2004 am Bundestag in Linz mit Lukas Mandl einen Gegenkandidaten. Sie konnte jedoch die Wahl mit 64,7 Prozent für sich entscheiden. 2007 erreichte sie in Alpbach ohne Gegenkandidaten 53,4 Prozent. Dieses Ergebnis löste letztlich einen JVP-internen Diskussionsprozess über Grünberger aus. Innerhalb mehrerer Landesorganisationen wurde bald offen ein Wechsel an der Spitze der Bundesorganisation gefordert. Die JVP Landesgruppen in der Steiermark und in Kärnten bekräftigten dies zusätzlich durch Vorstandsbeschlüsse zur Abhaltung eines außerordentlichen Bundestags. Grünberger gab dem internen Druck schließlich am 3. Mai 2009 nach und man einigte sich auf den damaligen Wiener JVP-Chef Sebastian Kurz, der von der JVP Bundesleitung einstimmig zum neuen Obmann gekürt wurde.[4]

Die JVP in der Ära Sebastian Kurz[Bearbeiten]

Im Juni 2009 wurde Sebastian Kurz in Eisenstadt mit 99 Prozent der Delegiertenstimmen zum neuen JVP-Bundesobmann gewählt. Die erste Phase seiner Arbeit widmete er der internen Stabilisierung und Neuausrichtung der Jungen ÖVP, sowohl inhaltlich als auch personell. Einen hohen Aufmerksamkeitsgrad erlangte er dabei mit z.T. provokant geführten Kampagnen. Bei den Wiener Gemeinderatswahlen am 10. Oktober erreichte er 858 Vorzugsstimmen und zog in den Landtag ein.[5]. Am 21. April 2011 wurde Kurz im Rahmen einer Kabinettsumbildung als neuer Integrations-Staatssekretär angelobt - mit 24 Jahren war er somit das jüngste Regierungsmitglied in der Geschichte der Zweiten Republik.[6]. Am 14. April 2012 präsentierte die JVP auf ihrem Bundestag in Graz ihre Vorschläge zum Ausbau der direkten Demokratie in Österreich. Sebastian Kurz wurde zudem mit 100 Prozent in seinem Amt als Bundesobmann bestätigt.[7].

Nach der Nationalratswahl 2013 sind mit Asdin El Habbassi aus Salzburg und Eva-Maria Himmelbauer aus Niederösterreich zwei Abgeordnete aus den Reihen der Jungen ÖVP im Nationalrat vertreten. Seit 16. Dezember 2013 ist Sebastian Kurz österreichischer Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten.

Nach 2004 war Linz am 10. Jänner 2015 erneut Austragungsort eines JVP Bundestags, wo Kurz wieder mit 100 Prozent in seinem Amt bestätigt wurde. Zudem beschloss die JVP einen Forderungskatalog, der u.a. ein detailliertes Vorzugsstimmenmodell zur Erlangung von Mandaten beinhaltete.[8]

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Auf europäischer Ebene ist die JVP Mitglied der YEPP. Fünf ihrer neun Landesorganisationen sind zudem Mitglieder der Jungen Alpenregion.

Bisherige Bundesobleute der Jungen Volkspartei[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Günther Steiner: Konsequent der richtige Weg. Ein Lesebuch zum 60 jährigen Bestehen der Jungen ÖVP Österreich. Molden Wien 2005, ISBN 3-85485-159-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. JVP Wien: Unsere Geschichte
  2. Ein "Ex-Lausbub" soll Wiener VP-Chef werden in Der Standard vom 5. November 2009 (abgerufen am 5. November 2009)
  3. [1]
  4. Jung-Schwarze: Neue Führung nach Querelen
  5. Vorzugsstimmenergebnisse der Wahlen zum Wiener Gemeinderat und Landtag. Abgerufen am 20. Mai 2011.
  6. Oliver Pink: Gerechtigkeit für Sebastian Kurz. In: Die Presse. 22. April 2011, abgerufen am 23. April 2011.
  7. Kurz mit 100 Prozent als JVP Obmann wiedergewählt. In: Die Presse. 14. April 2012, abgerufen am 16. April 2012.
  8. Anliegen der JVP zum Bundestag 2015. Abgerufen am 12. Januar 2015.