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Jungfernsprung (Dahn)

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Jungfernsprung
Jungfernsprung aus Südwesten

Jungfernsprung aus Südwesten

Lage Dahn
Kennung ND-7340-185
Geographische Lage 49° 9′ N, 7° 47′ OKoordinaten: 49° 9′ 11,86″ N, 7° 46′ 31,78″ O
Jungfernsprung (Dahn) (Rheinland-Pfalz)
Jungfernsprung (Dahn) (Rheinland-Pfalz)
Meereshöhe 280 m
Besonderheiten • Wahrzeichen der Stadt Dahn
• Bestandteil einer lokalen Sage
• ragt wie ein Keil in die Bebauung von Dahn hinein
• Teil des Klettergebiets Pfälzer Wald und regelmäßiges Ziel von Sportkletterern

Der Jungfernsprung am Rande der südwestpfälzischen Landstadt Dahn in Rheinland-Pfalz ist ein steiler Felsen am Westgrat des 296,7 m[1] hohen Vogelsbergs, dessen westlichen Nebengipfel er darstellt. Die Gesteinsformation überragt den Ort um etwa 70 m und trägt oben in 280 m Höhe[2] eine Art Gipfelkreuz.

Der Felsen ist das Wahrzeichen der Stadt und der gesamten Region.[3] Er ist als Naturdenkmal ND-7340-185 im Gemeindegebiet von Dahn ausgewiesen.[4] Zudem ist er Bestandteil der alten lokalen Sage vom Jungfernsprung.[5]

Geographische Lage

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Der Jungfernsprung liegt nordwestlich des Stadtkerns. Mit seiner West- und Nordseite tritt er schroff und steil, an der von West nach Ost etwa 200 m messenden Oberseite leicht treppenartig aus der Schräge der linken Flanke des Tals der Lauter, die hier Wieslauter genannt wird. Die Wohnbebauung von Dahn breitet sich an den Seiten der Felsbasis aus, die wie ein Keil in diese hineinragt.[6]

Zwischen dem Fuß des Felsens und der Wieslauter verlaufen parallel zu dieser die Bundesstraße 427, die von Hinterweidenthal im Nordwesten über Bad Bergzabern nach Kandel im Südosten führt und die Wieslauterbahn; der Bahnhof Dahn liegt unweit des Felsens. Die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich – zugleich die Grenze zwischen Pfalz und Elsass – ist Luftlinie elf Kilometer entfernt.

Der Felsen gehört zu den zahlreichen Buntsandsteinformationen, die für den Wasgau, der den Südteil des Pfälzerwalds umfasst, typisch und Teil der Trifels-Schichten sind.[7] Weil die Gegend von Dahn besonders reich an solchen Gebilden ist, wird sie Dahner Felsenland genannt. Beim Jungfernsprung handelt es sich – wie bei den anderen Felsen der Region – um härteres Gestein, das der Erosion stärker widerstanden hat als das umgebende weichere Material.

Wanderziel und Kletterfelsen

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Der Jungfernsprung ist für Wanderer von der Bergseite her erschlossen, der Zugangsweg ist Teil des Prädikatswanderwegs Pfälzer Waldpfad, der ersten Etappe des Premiumwanderwegs Felsenland Sagenweg, der Jungfern-Tour sowie des Dahner Rundwanderweg.[8][9]

Im Sommer ist der Felsen als Teil des Klettergebiets Pfälzer Wald zusätzlich regelmäßiges Ziel von Sportkletterern. Die ersten Versuche, ihn auf diese Weise zu besteigen, wurden in den 1930er und 1940er Jahren unternommen, scheiterten jedoch durch seinen Oberhang im Gipfelbereich. Erstmals erfolgreich bestiegen wurde er am 23. Juli 1955 von Hans Laub und Fred Frey über den spektakulären Franz-Seiler-Gedächtnisweg, der nach einem im Krieg gefallenen Jugendfreund Laubs benannt wurde,[10] weist den Schwierigkeitsgrad VII+ (UIAA) auf.[11] Er führt durch die senkrechte Talwand und ist vom Ort her einzusehen.[12][13]

Weitere Kletterrouten, die in den folgenden Jahrzehnten dazukamen, waren unter anderem der Südwesteinstieg und die Einquerungsvariante jeweils 1956, die Dachvariante 1959, der Südwandpfeiler und die Nord(wand)verschneidung jeweils 1963 und die Aussteigsvariante 1967.[14][13]

1980 bezwang der Dahner Dieter Klan den Franz-Seiler-Gedächtnisweg barfuß und ohne Hilfsmittel.[15]

1723 wird der Felsen erstmals urkundlich als „Jungferl Sprung“ erwähnt. 1772 wird er „Jungfrausprung“ und 1796 „Jungfersprung“ genannt.[16] Der Namensbestandteil „-sprung“ bedeutet Quelle und war im Pfälzischen früher in den Varianten „Spring“ oder „Sprung“ gebräuchlich. Er bezieht sich wahlweise auf einen Weiher, der sich seinerzeit im Bereich der Straßen Hohlgasse und Schulstraße erstreckte, oder von einer Quelle am Westfuß des Felsens.[7] Das Wissen um diese Bedeutung war bereits im 18. Jahrhundert abhandengekommen, was sich in der Erzählung der lokalen Sage widerspiegelte. Der Namensbestandteil „Jungfer“ geht nach Ernst Christmann auf die germanische Zeit zurück; damals wurden neben gewöhnlichen Göttern ebenso Quellgötter und Wassergeister verehrt. Diese wurden zum Gegenstand von Sagen und wandelten sich später zu „Jungfern“ beziehungsweise „Jungfrauen“.[17]

1879 errichtetes Eisenkreuz

An seinem Gipfel war ab 1837 ein Holzkreuz angebracht, das 1879 durch das derzeitige aus Eisen ersetzt wurde.[18] Die Erschließung begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts; auf dem ältesten Foto ist ein Steg zu sehen, der mit Holzlatten gesichert war. Die Plattform war erst spätestens 1890 mit einem Holzgeländer gesichert, das 1894 durch ein solches aus Eisen ersetzt wurde.[19]

Früher barg der Jungfernsprung das Risiko, durch Felsabstürze, die über die Jahrhunderte verteilt stattfanden,[17] Menschen oder umliegende Häuser zu Schaden zu bringen. 1751 wurden beispielsweise drei Männer durch einen Felsen erschlagen. Im Winter 1891/1892 zerstörte ein heruntergefallener Steinbrocken ein unmittelbar am Jungfernsprung befindliches Haus, das daraufhin im April 1892 abgerissen wurde. Andererseits versuchten manche Hausbesitzer im unmittelbaren Einzugsgebiet, durch Bergabtragungen ihre Grundstücke zu vergrößern, was das Gestein zusätzlich destabilisierte. Deshalb verbot die seinerzeitige Gemeinde Dahn weitere Maßnahmen dieser Art und versuchte, durch Baumpflanzungen weiteren Abbröckelungen entgegenzuwirken.[20] Dennoch kam es 1919 zu einem erneuten Felsabsturz, der ein nahes Haus beeinträchtigte.[21]

Die Schachspielerin Helga Axt, die sich 1959 wegen der in diesem Jahr in Dahn stattfindenden Schachmeisterschaft vor Ort aufhielt, verunglückte, als sie den Jungfernsprung besteigen wollte.

1992 wurden auf Initiative des Landesamtes für Geologie und Bergbau Maßnahmen zur Sicherung veranlasst. Zwei Jahre später lösten sich eine Lawine aus Geröll aus dem Berghang heraus.[22]

Sage vom Jungfernsprung

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Jungfernsprung aus Westen

Die Sage vom Jungfernsprung wurde jahrhundertelang mündlich überliefert. Die erste schriftliche Quelle stammt 1831 aus der „Pfalzbeschreibung“ von Friedrich Kolb.[23]

„Nach der Volkssage hat ein von einem Jäger verfolgtes Mädchen hier durch einen Sprung von der Felsenwand über die Landstraße Rettung gefunden; sogleich entsprang hier eine Quelle“

Friedrich Kolb

Einige Jahre später nahm der Autor und Pfarrer Georg Friedrich Blaul diese Geschichte in sein Buch „Träume und Schäume vom Rhein“ auf.[23] Die meistverbreitete Version stammt von dem Heimatschriftsteller August Becker (1857).[24] Dieser berichtet:

„Einst ging eine Jungfrau in den Dahner Wald, um Beeren zu pflücken. Weitab von den Häusern trat plötzlich ein Mann aus dem Dickicht. Nach einer Variante der Sage war es der als Raubritter „Hans Trapp“ verschriene Burgherr Hans von Trotha vom nahegelegenen Berwartstein, der sich anschickte, der Jungfrau die Unschuld zu rauben. Darum raffte sie die Röcke und begab sich auf die Flucht, doch der Unhold kam ihr immer näher. In ihrer Panik achtete die Verfolgte nicht auf den Weg. So stand sie mit einem Mal keuchend auf der vorspringenden Ecke des Felsens und sah tief unten die Häuser des Ortes liegen. Ohne zu überlegen, stürzte sich die Jungfrau in den Abgrund. Und nun geschah das Wunder: Weil ihre Röcke sich aufbauschten und sie langsam nach unten schweben ließen, überstand sie den Sprung völlig unverletzt. An der Stelle, wo ihr Fuß auftraf, sprudelt seither eine Quelle.“

August Becker

In der Sage nicht überliefert ist das weitere Schicksal von Jungfrau und Unhold, indessen waren mit dieser Erzählung die Steilheit des Felsens und die Existenz der Quelle für das vormalige Informationsbedürfnis ausreichend erklärt. Die Erzählung geht auch nicht darauf ein, dass Hans von Trotha überhaupt kein Raubritter war, zumal der Begriff erst zum Ende des 18. Jahrhunderts geprägt wurde.

Eine ähnliche Version der Sage gibt Franz Weiß in seinem Gedicht wieder, das ebenfalls um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstand. Darin ist der Unhold ein lüsterner „Jäger“, und die von ihm verfolgte Jungfrau ruft die Gottesmutter um Schutz an, ehe sie „muthig“ den Sprung in die Tiefe wagt. Und tatsächlich, eine Schar von Engeln begleitet sie, während sie „leichten Fluges“ hinabschwebt.[25]

Porträt des Felsens von Theodor Verhas

Vereinzelt haben Maler sich inspirieren lassen, den dramatischen „Jungfernsprung“ bildlich festzuhalten. Dabei stand offenbar immer die Vorstellung vom Fallschirmspringen Pate, wobei die gebauschten Röcke des Mädchens eine optische Deutung des „Wunders“ ermöglichten und zugleich ein attraktives Malereiobjekt darstellten. Das älteste Bild vom Jungfernsprung stammt von dem Landschaftsmaler Theodor Verhas. Es entstand vor 1837 und war die Vorlage für einen 1840 veröffentlichten Stahlstich von Carl Ludwig Frommel und Henry Winkles.[26][27]

Über die Sage hinaus spekuliert Friedrich Konrad Bruckner (1801–1851), der Felsen habe zu früheren Zeiten möglicherweise als Gerichtsplatz für Gottesurteile gedient, bei denen junge Frauen ihre Jungfräulichkeit nachzuweisen hatten.[28] Der Künstler und Bildhauer Richard Lenhard (1896–1969) fertigte in den 1930er Jahren einen Wegweiser an, der die Sage aufgreift.[29]

Nach dem Felsen sind eine mittlerweile leerstehende Gaststätte sowie eine nahe Apotheke benannt.[30][31]

  • August Becker: Die Pfalz und die Pfälzer. 7. Auflage. Plöger Medien, Gräfenhausen 2005, ISBN 3-89857-193-9 (topographisch-kulturhistorische Monographie, Nachdruck der 1. Auflage von 1857).
  • Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Hrsg.: Stadt Dahn. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 267–275.
Commons: Jungfernsprung (Dahn) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. LANIS: Vogelsberg auf topographischer Karte vom Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz. Abgerufen am 6. Oktober 2020.
  2. LANIS: Jungfernsprung auf topographischer Karte vom Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz. Abgerufen am 6. Oktober 2020.
  3. Felsen 4: Jungfernsprung. In: wanderportal-pfalz.de. 14. Dezember 2025, abgerufen am 14. Dezember 2025.
  4. Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz: Naturdenkmale auf topographischer Karte des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz. Abgerufen am 3. Dezember 2020.
  5. Nils erklärt: Die Legende vom Dahner Jungfernsprung. In: rheinpfalz.de. 28. Februar 2014, abgerufen am 14. Dezember 2025.
  6. Jungfernsprung bei Dahn. In: westpfalz.wiki. 19. Oktober 2018, abgerufen am 15. Dezember 2025.
  7. a b Michael Geiger: Der Pfälzerwald. Wanderungen in die Erd- und Landschgaftsgeschichte. Verlag Pfälzische Landeskunde, Landau in der Pfalz 2022, ISBN 978-3-9812974-6-1, S. 216.
  8. Felsenland-Sagenweg. Verbandsgemeinde Dahner Felsenland, abgerufen am 30. November 2017.
  9. Waymarked Trails: Wanderwege. In: hiking.waymarkedtrails.org. 28. Oktober 2025, abgerufen am 28. Oktober 2025.
  10. Alex Wenner: Alexander Wenner im Gespräch mit dem Pfälzer Kletterpionier Hans Laub. www.climbing.de, 3. März 2013, abgerufen am 2. Oktober 2020.
  11. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 274.
  12. Franz-Seiler-Ged.-Weg (7+). routen.climbing.de, 8. Oktober 2006, abgerufen am 2. Oktober 2020 (Foto).
  13. a b Jungfernsprung. In: felsenheimat-pfalz.de. 14. Dezember 2025, abgerufen am 14. Dezember 2025.
  14. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 274 f.
  15. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 275.
  16. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 269.
  17. a b Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 271.
  18. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 272.
  19. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 272.
  20. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 272 f.
  21. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 273 f.
  22. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 274 f.
  23. a b Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 267.
  24. Tourist-Information Dahner Felsenland (Hrsg.): Der Jungfernsprung – Sagen, Mythen und Legenden. Infoblatt ohne Datumsangabe.
  25. Franz Weiß: Der Jungfernsprung bei Dahn. In: Alexander Schöppner (Hrsg.): Sagenbuch der Bayrischen Lande. Lothar Borowsky, München 1979, Kapitel 57, S. 36 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  26. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 270.
  27. Der Jungfernsprung bei Dahn. In: rlp.museum-digital.de. 5. Februar 2025, abgerufen am 14. Dezember 2025.
  28. Friedrich Konrad Bruckner: Das Haardtgebirge und seine Umgebungen. 3. Auflage. Gottschick, Neustadt an der Haardt 1857, S. 164 (1. Auflage 1847).
  29. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 268.
  30. „Jungfernsprung“: Wie geht es weiter mit der alten Gaststätte? In: rheinpfalz.de. 17. Januar 2023, abgerufen am 15. Dezember 2025.
  31. Apotheke am Jungfernsprung. In: apojungfernsprung.de. 15. Dezember 2025, abgerufen am 15. Dezember 2025.