Jungle World

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Jungle World
Logo Jungle World.svg
Beschreibung Linke Wochenzeitung
Sprache Deutsch
Verlag Jungle World Verlags GmbH (Deutschland)
Erstausgabe 4. Juni 1997
Erscheinungsweise wöchentlich/donnerstags
Verkaufte Auflage
(Verlag, Feb. 2016)
11.585 Exemplare
Chefredakteure Bernd Beier, Markus Ströhlein, Jörn Schulz
Geschäftsführer Irene Eidinger, Christine Pfeifer, Stefan Rudnick
Weblink www.jungle-world.com
ISSN 1613-0766Vorlage:Infobox Publikation/Unspezifische ISSN-Angabe
ZDB 1403696-4
Altes Jungle-World-Online-Logo, bis 2008

Die Jungle World ist eine linke politische Wochenzeitung. Sie wird in Berlin herausgegeben und bundesweit sowie in Österreich vertrieben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wochenzeitung Jungle World entstand im Jahr 1997 aus einem Arbeitskampf bei der Tageszeitung Junge Welt. Nachdem zunächst der Geschäftsführer Dietmar Koschmieder den amtierenden Chefredakteur Klaus Behnken abgesetzt hatte, trat aus Protest gegen diese Entscheidung die große Mehrheit der Redaktionsmitglieder in einen Streik und besetzte die Redaktionsräume.[1] An dem Streik beteiligten sich u. a. Bernd Beier, Ivo Bozic, Andreas Dietl, Jürgen Elsässer, Jürgen Kiontke, Martin Krauß, Stefan Ripplinger, Heike Runge, Heiko von Schrenk, Ralf Schröder, Wolf-Dieter Vogel, Beate Willms und Elke Wittich. Hintergrund der Auseinandersetzung war ein Streit über den weiteren politischen Kurs der Zeitung.[2][3][4] Die zunächst nur als Streikzeitung der Redaktionsmehrheit geplante Jungle World[5] wurde in der Anfangszeit in einer Wohnung in Berlin-Kreuzberg, der ehemaligen WG der Band Ton Steine Scherben, mit geliehenen Computern produziert.[6] Laut Eigendarstellung der Jungle World ging sie dann am 4. Juni 1997[7] erstmals ohne Startkapital oder eigene Produktionsmittel, „getragen nur von der großen Unterstützung der Leserinnen und Leser und der Solidarität anderer Medien“ als regelmäßig erscheinende Wochenzeitung in den Handel.[8]

Politische Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeitung ist parteilich unabhängig.[9] Ihrem Selbstverständnis nach will die Jungle World eine Plattform für unterschiedliche linke Positionen sein[10] und sieht sich als undogmatische linke Wochenzeitung[11] sowie als „wichtige Plattform für linke Debatten und subkulturelle Gegentrends“.[12] In der politischen Ausrichtung ist sie zwischen linksradikal[13] und unorthodox links einzuordnen und versteht sich insbesondere als „dezidiert nicht antizionistisch, antisemitisch und antiamerikanisch“.[14] Infolgedessen wird der dem politischen Spektrum des Antiimperialismus zuzurechnende Teil der Linken in der Jungle World regelmäßig vehement kritisiert, u. a. als nationalistisch und unreflektiert.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das inhaltliche Spektrum der Zeitung deckt die klassischen Themengebiete der sozialen und linken Bewegungen ab. Dazu zählen unter anderem die Themen Antifaschismus[15], Antirassismus, Feminismus, Kapitalismuskritik, Ökologie[16] und soziale Kämpfe sowie linke Theoriebildung. Darüber hinaus setzt die Jungle World weitere Schwerpunkte in ihrer Berichterstattung bei den Themen Antisemitismus und Islamismus. Auch die Themen Wirtschaft[17] Wissenschaft[18], Internet[19] und Sport[20] werden regelmäßig behandelt. In der Rubrik Deutsches Haus werden zudem wöchentlich Vorfälle aus Deutschland mit rechtsextremem Hintergrund dokumentiert.[21]

Der Magazinteil der Jungle World heißt Dschungel[22] und liegt jeder Ausgabe bei. Das Magazin enthält u. a. das Feuilleton, die Sportseiten[23] sowie ein Dossier,[24] in dem wechselnde Autoren in einem längeren Text zumeist politische oder sozialphilosophische Themen behandeln oder Vorabdrucke aus literarischen Werken veröffentlicht werden. Seit Anfang 2015 ist das Dossier als eigenständiges Ressort aufgelöst und dem allgemeinen Feuilleton eingefügt worden.[25] Außerdem erscheint im Dschungel die Kolumne Talmi von Leo Fischer, dem ehemaligen Chefredakteur des Satiremagazins Titanic. Die den Magazinteil abschließende Comicseite ist nur in der Printausgabe verfügbar und enthält u.a. Comicstrips und Zeichnungen von Andreas Michalke, Wolfgang Buechs[26] und 18Metzger[27].

Im Jungleblog[28] erscheinen unregelmäßig meist kürzere Beiträge zu tagesaktuellen Themen, die nur online veröffentlicht werden. In der eigenständigen Rubrik Von Tunis nach Teheran[29] schreibt Thomas von der Osten-Sacken speziell über Themen des Nahen Ostens.

Seit 1998 produziert die Redaktion der Zeitung einmal jährlich eine Sonderausgabe im (meist europäischen) Ausland.[30] Den redaktionellen Schwerpunkt bildet dabei die politische und kulturelle Situation des entsprechenden Landes. Im Jahr 2004 unterstützte die Kulturstiftung des Bundes einen zweiwöchigen Aufenthalt in Israel,[31] bei dem die Redaktion eine Israel-Sonderausgabe produzierte, die unter dem Slogan „Reise nach Jerusalem“ beworben wurde.[32][33] Im Jahr 2007 erschien anstelle einer Auslands- eine Geburtstagsausgabe zum zehnjährigen Bestehen der Zeitung.[34][35] 2014 produzierte die Redaktion aus Wien eine Österreich-Ausgabe.[36][37][38]

Sämtliche Ausgaben der Wochenzeitung seit ihrer Gründung 1997 sind auf der Webseite frei zugänglich archiviert. Die Artikel der jeweils aktuellen Ausgabe werden im Verlauf der Woche nach und nach freigeschaltet.[39]

Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Printausgabe ist unterteilt in einen 20 Seiten umfassenden Mantelteil im Berliner Format und einen 24 Seiten umfassenden Magazinteil im halben Berliner Format.[40] Als Schriftarten verwendet die Jungle World die von dem Typografen und Schriftentwerfer Lucas de Groot eigens für die Zeitung designten Schrifttypen Floris JW und Floris Text.[41]

Ab der 7. Ausgabe 2016 erscheint die Zeitung in neuem Design.[42] Unter anderem wurde die Titelseite übersichtlicher gestaltet und der Mantelteil von drei auf fünf Spalten umgestellt. Als Logo der Printausgabe fungiert nun ein großes „J“.

Auflage und Vertrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Angaben des Verlagsservice erscheint die Zeitung wöchentlich bundesweit mit einer Auflage von 16.250 Exemplaren, wobei die verkaufte Auflage 2016 bei 11.585 Exemplaren lag, davon etwa 6300 Abonnements.[43][44] Diese sind entscheidend für die Finanzierung der Zeitung.[45][46]

Die Jungle World wird von dem Carnivora Verlagsservice vertrieben[47] und ist an zahlreichen Bahnhöfen sowie in ausgewählten Kiosken und Buchhandlungen in Deutschland und Österreich erhältlich.[48]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Feuilleton-Übersicht Heute in den Feuilletons von Perlentaucher und Spiegel-Online werden in der Jungle World veröffentlichte Texte regelmäßig vorgestellt.[49]

Als nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 in der Jungle World auch Artikel veröffentlicht wurden, die ein militärisches Vorgehen von westlichen Staaten gegen al-Qaida oder die Taliban guthießen, wurde die Zeitung dafür von Antimilitaristen kritisiert.[50]

Regelmäßig kommen auch Autoren zu Wort, die dem politischen Spektrum der Antideutschen zugerechnet werden. Einerseits wird die Jungle World von der allgemein als „antideutsch“ eingestuften Zeitschrift Bahamas häufig kritisiert,[51] andererseits wurde die Zeitschrift u. a. vom Verfassungsschutz des Landes Brandenburg im Jahr 2005 als eine der wichtigsten Publikationen des antideutschen Spektrums eingestuft.[52]

In einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage verwies das Bundesfamilienministerium im Januar 2012 auf „Hinweise auf Veranstaltungen aus dem linksextremistischen Spektrum“ in der Jungle World, dort „werden regelmäßig unter anderem Fragestellungen des linksextremistischen antideutschen Spektrums aufgegriffen“.[53] In der taz beschrieb Deniz Yücel darauf, wie ihn im Jahr 2006 die spätere Familienministerin Kristina Schröder persönlich empfangen und ihm für die Jungle World ein längeres Interview gewährt hatte,[54] was in der Zeitung veröffentlicht wurde.[55]

Autoren (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit ihrer Gründung im Jahr 1997 erschienen in der Zeitung u. a. Beiträge von:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ivo Bozic: Wie man einen Dschungel pflanzt, Jungle World, 27. Juni 2007.
  2. Wie man einen Dschungel pflanzt, Jungle World, 27. Juni 2007.(abgerufen am 4. März 2015)
  3. Wie aus einer Revolte in der „Jungen Welt“ die neue Wochenzeitung „Jungle World“ wurdeDIE ZEIT Nr. 38/1997 (abgerufen am 3. März 2015)
  4. Wenn Linke weinen taz, 8. September 2004 (abgerufen am 4. März 2015)
  5. Wie aus einer Revolte in der "Jungen Welt" die neue Wochenzeitung "Jungle World" wurdeDIE ZEIT Nr. 38/1997 (abgerufen am 3. März 2015)
  6. Kurzbeschreibung auf kollektiv-betriebe.org
  7. 18 Jahre ungezogen. In: jungle-world.com. 4. Juni 2015, abgerufen am 4. Juni 2015.
  8. Help! Jungle World kämpft um Existenz (Abo-Aufruf), achgut.de, 2006 (abgerufen am 4. März 2015)
  9. Schon drei Jahre Jungle World Die Zeit (33/2000), abgerufen am 15. Februar 2015.
  10. Wenn Linke weinen taz, 8. September 2004 (abgerufen am 4. März 2015)
  11. Die Diskussion der deutschen Linken um die Haltung zum Nahostkonflikt am Beispiel der Wochenzeitung »Jungle World«, 22. Mai 2005.
  12. Help! Jungle World kämpft um Existenz (Abo-Aufruf), achgut.de, 2006 (abgerufen am 4. März 2015)
  13. Die letzten Fortschrittsgläubigen, FAZ, 11. Dezember 2009 (abgerufen am 23. Februar 2014).
  14. Freunde von links, Jüdische Allgemeine, 12. Juli 2007.
  15. Rubrik: antifaRubrik(abgerufen am 2. März 2015)
  16. Rubrik: Ökologie (abgerufen am 2. März 2015)
  17. Rubrik: Wirtschaft (abgerufen am 2. März 2015)
  18. Rubrik: Wissenschaft(abgerufen am 2. März 2015)
  19. Rubrik: Networld (abgerufen am 2. März 2015)
  20. Ressort: Sport (abgerufen am 2. März 2015)
  21. Rubrik: Deutsches Haus Chronologie rechtsextremer Übergriffe (abgerufen am 2. März 2015)
  22. Dschungel Magazinbeilage (abgerufen am 2. März 2015)
  23. Ressort: Sport (abgerufen am 2. März 2015)
  24. Ressort: Dossier (abgerufen am 2. März 2015)
  25. Ressort: Dossier (abgerufen am 24. August 2015)
  26. digirev: zuhause während der digitalen Revolution Comicstrip (abgerufen am 2. März 2015)
  27. 18Metzger: Totes Meer, Comic (abgerufen am 2. März 2015)
  28. JungleBlog (abgerufen am 2. März 2015)
  29. Von Tunis nach Theran JungleBlog (abgerufen am 2. März 2015)
  30. Jungle on the Road, Jungle World (26/2007), 27. Juni 2007.
  31. Kulturstiftung des Bundes: Reise nach Jerusalem, abgerufen am 15. Februar 2015.
  32. Reise nach Jerusalem, Jungle World Nr. 18/2004, abgerufen am 15. Februar 2015.
  33. Jungle World in Israel Hagalil, 22. Juni 2004 (abgerufen am 8. März 2015)
  34. Jungle World - Der Dschungel lebt Artikel in den Blättern des IZ3W, Ausgabe Nr. 302, 2007(abgerufen am 3. März 2015)
  35. Zehn Jahr sind genug!, Jungle World Sonderausgabe 2007, abgerufen am 15. Februar 2015.
  36. Do Swidanja! Zwei Wochen lang residierte die deutsche linke Zeitung Jungle World in Wien. Falter 39/14 (abgerufen am 18. Februar 2015)
  37. Jungle World Österreich Ausgabe Gesprächsrunde mit RedakteurInnen der Jungle World am 19. September 2014 im WUK, Wien (abgerufen am 8. März 2015)
  38. Senf-TV trifft Jungle World Sendung vom 19. September 2014 (abgerufen am 8. März 2015)
  39. Online-Abo (abgerufen am 3. März 2015)
  40. Mediadaten Jungle World(abgerufen am 2. März 2015)
  41. Case Study: Jungle World Homepage Lucas de Groot (abgerufen am 3. Februar 2015)
  42. Homestory. In: jungle-world.com. 18. Februar 2016, abgerufen am 20. März 2016.
  43. Mediadaten März 2016 (PDF), jungle-world.com.
  44. Carnivova Verlagsservice über Jungle World
  45. Jungle World kämpft um Existenz(Abo-Kampagne), Achse der Guten, 2006, abgerufen am 15. Februar 2015
  46. Finale Rettungskampagne gestartet: JUNGLE WORLD in Not Hagalil, 20. Juni 2004 (abgerufen am 8. März 2015)
  47. Carnivora Verlagsservice: Referenzen, abgerufen am 15. Februar 2015.
  48. Verkaufstellenübersicht Verlagsservice, abgerufen am 15. Februar 2015.
  49. Heute in den Feuilletons, spiegel.de, abgerufen am 20. Oktober 2015.
  50. Linke Bellizisten auf Gespensterjagd, graswurzel.net, Februar 2002.
  51. Mut. Klartext. Jungle World Redaktion BAHAMAS, 20. November 2002
  52. Verfassungsschutzbericht Land Brandenburg 2005
  53. Die Ministerin weiß von nichts, taz, 9. Januar 2012.
  54. Familienministerin und Jungle World: Schröders Flirt mit Linksradikalen taz, 9. Januar 2012, abgerufen am 15. Februar 2015.
  55. „Nicht jeder muss Leberwurst essen“ Interview mit Kristina Köhler in Jungle World 11/2006, abgerufen am 15. Februar 2015.