Junkers Ju 52/3m D-AQUI

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Ju 52/3m D-AQUI, 2012
Die Ju 52/3m D-AQUI vor dem Start auf dem Verkehrslandeplatz Bayreuth, 2012

Die Junkers Ju 52/3m D-AQUI ist eines der letzten neun flugfähigen Flugzeuge des Typs Ju 52/3m und die einzige dieser Maschinen mit deutschem Luftfahrzeugkennzeichen. Das offizielle Kennzeichen ist D-CDLH, an den Trag- und Seitenflächen ist aber der Schriftzug D-AQUI angebracht. D-AQUI ist ein vom Reichsluftfahrtministerium vergebenes historisches Kennzeichen, das nach den aktuell geltenden Bestimmungen aber nicht wieder verwendet werden konnte. Die Maschine trägt den Taufnamen „Berlin-Tempelhof“, sie gehört der Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die D-AQUI wurde bei Junkers in Dessau mit der Werknummer 5555 gebaut und am 6. April 1936 in Betrieb genommen. Bei ihrer Indienststellung erhielt sie das Kennzeichen D-AGOO und, nach einem 1931 verunglückten Piloten der Lufthansa, den Taufnamen Fritz Simon.[1] Ein paar Monate lang flog sie für die Deutsche Lufthansa und wurde dann nach Norwegen verkauft. 1940 beschlagnahmte die deutsche Luftwaffe das Flugzeug und gab es für Versorgungsflüge zurück an die Lufthansa.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Maschine zunächst für skandinavische Fluggesellschaften im Einsatz. 1957 kam sie nach Ecuador, wo sie Ölbohrcamps im Amazonasgebiet versorgte. 1962 wurde sie am Rand des Flughafens der Hauptstadt Quito abgestellt und geriet in Vergessenheit.[2]

Acht Jahre später entdeckte ein US-amerikanischer Flugzeugfan die in einem desolaten Zustand befindliche Maschine und brachte sie, nach einer sechs Monate dauernden Instandsetzung, in die Vereinigten Staaten. Dort wechselte sie nochmals den Besitzer und wurde jahrelang unter dem Namen „Iron Annie“ bei Flugshows eingesetzt.

1984 entdeckten Piloten der Lufthansa das Flugzeug. Sie überzeugten den Vorstand der Fluggesellschaft, die Maschine nach Deutschland zurückzuholen, um sie zum 60. Jubiläum der Lufthansa im Jahr 1984 zu präsentieren. Der Überführungsflug dauerte sechzehn Tage, mit Zwischenstopps u. a. in Grönland und Island. Bei Lufthansa Technik in Hamburg-Fuhlsbüttel wurde sie erneut restauriert, seit 1986 wird sie jeden Sommer zu Rundflügen an verschiedenen Orten eingesetzt. In den Wintermonaten wird sie bei Lufthansa Technik überholt.[3]

Im Jahr 2016 hatte die D-AQUI 21.000 Flugstunden hinter sich. Sie bietet Platz für sechzehn Passagiere, ihre Höchstgeschwindigkeit beträgt rund 250 km/h.

Kennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in den Lufthansa-Farben der 1920er Jahre lackierte Ju 52 trägt auf Rumpf und Tragflächen zwei verschiedene Luftfahrzeugkennzeichen (D-AQUI und D-CDLH). Der Buchstabe A des in unübersehbarer Größe aufgemalten historischen Luftfahrzeug-Kennzeichens D-AQUI konnte nach den heute in Deutschland geltenden Luftfahrtbestimmungen nicht wieder vergeben werden, weil das Höchstabfluggewicht (MTOW, maximum take off weight) der Ju 52 nicht der aktuell dem Buchstaben A zugeteilten Klasse über 20 Tonnen entspricht. D-AQUI ist das vom damaligen Reichsluftfahrtministerium in den 1930er Jahren vergebene historische Luftfahrzeugkennzeichen, während das gültige Kennzeichen D-CDLH nur in kleinen Buchstaben zu lesen ist, um den „lufthanseatischen Nostalgie-Look“ der „guten alten Tante Ju“ nicht schon auf den ersten Blick zu desillusionieren. Die letzten drei Buchstaben (DLH) stehen für „Deutsche Lufthansa“.

Bewegliches Denkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2015 wurde mit der D-AQUI erstmals ein Verkehrsflugzeug als bewegliches Denkmal unter Schutz gestellt.[4]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die D-AQUI war am 30. Oktober 2008 die letzte Maschine, die vom Flughafen Berlin-Tempelhof startete, ehe dieser offiziell geschlossen wurde.

Der Konstrukteur der Ju 52, Ernst Zindel, stammte aus dem nahe Bayreuth gelegenen Dorf Mistelbach. Darauf wird bei den gelegentlich vom Verkehrslandeplatz Bayreuth ausgehenden Rundflügen mit der D-AQUI hingewiesen und ggf. eine Ehrenrunde über dem Ort gedreht.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. R. E. G. Davies: Lufthansa: An Airline and Its Aircraft. 1. Auflage. Paladwr Press, Rockville 1991, ISBN 0-9626483-3-7, S. 44.
  2. Fliegender Oldtimer wird 80: Happy Birthday to "Ju" bei Spiegel Online vom 6. April 2016, abgerufen am 8. April 2016
  3. Happy Birthday to „Ju“ in: Nordbayerischer Kurier vom 7. April 2016, S. 3
  4. «Tante Ju» wird ein Denkmal, das fliegt bei aerotelegraph.com, abgerufen am 8. April 2016