Jussuf Abbo

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Jussuf Abbo in den 1940er Jahren
Berliner Gedenktafel am Haus, Reichpietschufer 92, in Berlin-Tiergarten

Jussuf Abbo, ursprünglich Jussuff Abbu (geboren 14. Februar 1890[1] in Safed, Osmanisches Reich; gestorben 29. August 1953 in London) war ein im Deutschen Reich und in Großbritannien tätiger jüdischer Künstler, der aus Palästina stammte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jussuff Abbu wurde in eine große jüdische Familie von Landarbeitern geboren. Er gewann ein Stipendium zum Besuch der von der Alliance Israélite Universelle unterhaltenen Schule in Jerusalem. Der deutsche Architekt Otto Hoffmann beschäftigte ihn in seinem Architektenbüro in Jerusalem und vermittelte ihm einen Studienplatz an der Hochschule für bildende Künste in Charlottenburg, wo er ab 1913 Malerei und Bildhauerei studierte. 1919 hatte er ein Meisteratelier an der Akademie der Künste als Bildhauer und wurde Mitglied im Deutschen Künstlerbund, auf dessen 25ster Jahresausstellung (1929 im Kölner Staatenhaus) er mit einem bronzenen Frauentorso und einem Bleiguss vertreten war.[2] Im August 1921 widmete die hannoversche Galerie von Garvens ihm eine Einzelausstellung. Abbo wurde Mitglied der Hannoverschen Sezession.[3] Nachdem er 1923 an einer Kollektiv-Ausstellung im Berliner Kunstsalon Ferdinand Möller teilgenommen hatte, folgte 1926 eine weitere Ausstellung in der Galerie Neue Kunst Fides in Dresden.[4] Abbo gehörte in den Zwanziger Jahren zum Freundeskreis von Else Lasker-Schüler, die ein Gedicht auf ihn schrieb.[5] Er arbeitete als Bildhauer und brannte in der Werkstatt von Otto Douglas-Hill seine keramischen Arbeiten.

Er musste 1935 mit seiner Frau Ruth Schulz aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Großbritannien emigrieren, er hatte noch die ägyptische Staatsangehörigkeit. Seine Skulpturen musste er zunächst zurücklassen und war dadurch gehindert, mit einer Ausstellungsbeteiligung sein Werk in dem Gastland zu präsentieren und Fuß zu fassen. Er konnte dann 1937 auch nur einen Teil nachholen.[6] Sein Werk wurde 1937 in Deutschland als Entartete Kunst gebrandmarkt und aus den öffentlichen Museumsbeständen entfernt.[7]

Abbo erhielt 1937 einen Auftrag für eine Büste des Politikers George Lansbury.[8] 1939 traf er in Paris Charles Despiau. Während des Krieges konnte er sein Atelier in London nicht nutzen und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. Abbo zerstörte 1945 aus Enttäuschung einen Großteil der in England entstandenen Werke.[6]

Seine finanzielle Situation sowie Krieg, Flucht und die schwere körperliche Arbeit führen zu körperlichen und seelischen Leiden. Nach langer Krankheit stirbt Jussuf Abbo am 29. August 1953 in London.

Sein Sohn Jerome Abbo (1935–2016) arbeitete ebenfalls als Bildhauer.

Am 29. August 2018 wurde an seinem ehemaligen Wohnort, Berlin-Tiergarten, Reichpietschufer 92, eine Berliner Gedenktafel enthüllt.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Abbo, Jussuff. In: Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 1: A–D. E. A. Seemann, Leipzig 1953, S. 3.
  • Andreas Hüneke: Abbo, Jussuff. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 1, Seemann, Leipzig 1983, ISBN 3-598-22741-8, S. 61.
  • Hajo Hahn (Hrsg.): Der blaue Reiter ist gefallen: Else-Lasker-Schüler-Jubiläumsalmanach, aus Anlass des 25jährigen Bestehens der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft ; Dokumentation eines Vierteljahrhunderts und des XX. ELS-Forums vom 27. – 30. März 2014 in Solingen und Wuppertal. Hammer, Wuppertal 2015 [Beiträge über Else Lasker-Schüler und ihre Freundschaft zum Bildhauer Jussuf Abbo]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Jussuf Abbo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Akten im: Landesverwaltungsamt Berlin, Abteilung I - Entschädigungsbehörde, Berlin Fehrbelliner Platz.
  2. s. Katalog Deutscher Künstlerbund Köln 1929. Mai–September 1929 im Staatenhaus, M. DuMont Schauberg, Köln 1929, S. 13: Abbo, Jussuff, Berlin. Kat.nr. 11: Frauen-Torso (br.), 12: Kopf (Bleiguß).
  3. Henning Rischbieter: Die zwanziger Jahre in Hannover. Hrsg.: Kunstverein Hannover. Kunstverein, Hannover 1962, S. 45, 68.
  4. s. Abbo, Jussuff. In: Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 1: A–D. E. A. Seemann, Leipzig 1953, S. 3.
  5. Else Lasker-Schüler: Jussuff Abbu (Gedicht), in: Berliner Börsen-Courier, 15. Juli 1923.
  6. a b Burcu Dogramaci: Scheitern und Bestehen in der Fremde. Deutschsprachige Künstler im britischen Exil nach 1933. In: Uwe Fleckner, Maike Steinkamp, Hendrik Ziegler (Hrsg.): Der Künstler in der Fremde : Migration - Reise - Exil. De Gruyter, Berlin 2015, S. 267 und Anmerkung 8 auf S. 280.
  7. [1] Thomas Gerlach: Zurück ins Bewusststein. In: TAZ, 1. November 2014.
  8. Bust of George Lansbury by Jussuf Abbo, 1937 (Memento des Originals vom 23. September 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.phm.org.uk, bei phm, 2016.
  9. Sonderausstellung Jussuf Abbo Grafik, sprengel-museum-hannover.de, abgerufen 5. Dezember 2019