Justin der Märtyrer

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Iustini opera, 1636
Die frühe Ausbreitung des Christentums (Zentren=dunkelrosa). Gebiete christlicher Gemeinden um das Jahr 100 n. Chr.

Justin, genannt der Märtyrer, auch der Philosoph (altgriechisch Ἰουστῖνος ὁ Μάρτυρ Iustínos ho Mártyr, lateinisch Iustinus Martyr; * um 100 in der Provinz Palaestina; † 165 in Rom), war ein christlicher Märtyrer und Kirchenvater sowie Philosoph. Justin war ein Kirchenlehrer des 2. Jahrhunderts, der unter die Apologeten eingereiht wird. Seine Auffassung ist vom Platonismus beeinflusst und gilt als Beginn der Adaption griechischer Philosophie im Christentum (wenngleich auch schon das auf dem Logos-Gedanken gegründete Evangelium des Johannes in diese Richtung weist). Auf der Suche nach der Wahrheit hat er sich mit mehreren philosophischen Richtungen vertraut gemacht (Stoiker, Peripatetiker und Pythagoreer). Als Platoniker dachte er über die Gottesfrage nach und wurde auf die Propheten aufmerksam. So bekehrte er sich schließlich zum Christentum, der „allein zuverlässigen und brauchbaren Philosophie“.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen für die Biografie des Justin sind, neben seinen eigenen Werken, das Martyrium S.Iustini et sociorum, sowie eine Aufzählung der Schriften des Justin in der Kirchengeschichte des Eusebius von Caesarea.[1]

In seiner Apologie stellte sich der Autor selbst als „Justinos, Sohn des Priskos (= Priscus), Sohn des Bacheios, von Flavia Neapolis, in Syrien Galiläa“ vor. Flavia Neapolis ist der heutige Ort Nablus in den Palästinensischen Autonomiegebieten. Der Vater trug einen lateinischen, der Großvater einen griechischen Namen; man hat deshalb vermutet, dass es sich um eine Familie griechischer oder römischer Kolonisten handelte. Justin war als „Unbeschnittener“ weder Jude noch Samaritaner; Justins Kenntnis der samaritanischen Religion, nahe deren Zentrum (Berg Garizim) er lebte, ist unsicher.[1]

Wenn Justin beschrieb, wie er verschiedene Philosophien erkundete und sich schließlich für den Platonismus entschied, so ist dies eine literarische Konvention (philosophisches Itinear) und daher biographisch nicht sehr aussagekräftig. Ein zufälliges Gespräch mit einem alten Christen, der ihn auf die Bücher der Propheten hinwies, führte zu Justins Hinwendung zum Christentum. Er lebte in der Folge als christlicher Wanderprediger.[1]

Später ließ sich Justin in Rom nieder, wo die erhaltenen drei authentischen Werke verfasst wurden. Hier kam es zu einer heftigen Konfrontation mit dem Kyniker Crescens, woraufhin Justin seinen eigenen Tod nahe glaubte.[2] Ob Crescens aber mit der Verhaftung des Justin etwas zu tun hatte, wie Eusebius vermutete, ist unsicher. Die Verhaftung ereignete sich unter dem Präfekten Rusticus, der von 163 bis 167 amtierte. Justin wurde so während der Regierungszeit des Kaisers Marc Aurel unter mit sechs anderen Christen verhaftet, im folgenden Prozess zu deren Wortführer und schließlich verurteilt und hingerichtet. Das Chronicon Paschale nennt als Todesjahr 165 n. Chr., was als historisch wahrscheinlich gilt.[3]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drei authentische Schriften Justins sind erhalten. Einerseits ist der Dialog mit dem Juden Tryphon erhalten geblieben, der in der Form der platonischen Dialoge das Suchen des einstigen Heiden wiedergibt und ein wichtiges Zeugnis der frühen christlichen Auseinandersetzung mit dem Judentum ist; andererseits zwei (wie vielleicht auch der Dialog) an Antoninus Pius gerichtete Apologien, die in teilweise forensisch anmutender, doch in Ton und Inhalt hartnäckiger Rhetorik die Sache des Christentums gegen ihre Gegner wie auch die gängigen Vorurteile zu verteidigen suchen.

Neben der Aufnahme der Philosophie in das Christentum wird mit Justin auch die Auslegung der biblischen Schriften, vor allem des Alten Testamentes, verbunden. In Justin manifestiert sich die klare Option der frühen Kirche für eine Philosophie, die von den heidnischen Mythen und Götterkulten sowie von den kulturellen Gewohnheiten der Zeit gereinigt ist, um der Wahrheit des Seins den Vorrang zu geben. In dieser Optik stellt die Philosophie einen bevorzugten Platz der Begegnung zwischen Heidentum, Judentum und Christentum und auch der Hinführung zu Jesus Christus dar.[4] Justin soll hier den Schriftbeweis bis hin in die umfangreiche Sammlung von Belegstellen und deren Katalogisierung hinein betrieben haben. Das hieran erwachende Interesse würde auch das Ende der Naherwartung der urchristlichen Gemeinde und den Beginn der »Verkirchlichung« bekunden. Eine im engeren Sinne theologische Lehre oder Dogmatik ist von Justin jedoch nicht überliefert.

Kult des Heiligen Justinus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Kirche verehrt Justin als Heiligen und Patron der Philosophen. Sein (evangelischer, anglikanischer, römisch-katholischer, orthodoxer und armenischer) Gedenktag ist der 1. Juni.

Das Römische Martyrologium nennt sein Fest am 17. September. Da heißt es: „Zu Rom an der Tiburtinischen Straße der Tod heiligen Priesters und Martyrers Justin. In der Verfolgung des Valerian und Galienus zeichnete er sich durch ein ruhmvolles Bekenntnis aus. Er hat den hl. Papst Sixtus II., die Heiligen Laurentius, Hippolyt und viele andere bestattet. Unter Klaudius erlitt er schließlich selbst das Martyrium“. Sein Todesjahr sei das Jahr 269.

In Freising feierte man das Fest des Hl. Justinus am 4. August, dem Tag der Übertragung seiner Reliquien. Im Freisinger Dom hat ihn Cosmas Damian Asam als Kardinal dargestellt, weil er einer der wichtigen Priester des Papstes war.

Wallfahrtskirche Unseres Herrn Ruhe (Herrgottsruh) in Friedberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reliquienschrein des Heiligen Justinus in der Wallfahrtskirche Herrgottsruh in Friedberg/Bayern

Nach einer alten Tradition erhielt Bischof Hitto von Freising bei seiner Romwallfahrt im Jahre 834 auf seine inständigen Bitten hin von Papst Gregor IV. die Reliquien des Heiligen Justinus. Er brachte sie dann zusammen mit den Reliquien des Heiligen Papstes Alexander I. nach Freising. Auf dem Weg nach Freising geschahen der Überlieferung zufolge viele Wunder. Durch die Berührung des Sarges sei ein Mann namens Geroldus und ein anderer namens Engelboldus vom Fieber befreit worden, und ein Koch sei von einer Geisteskrankheit geheilt worden. Die Reliquien wurden zunächst in die Klosterkirche von Weihenstephan gebracht und nach dem Jahre 860 in den Freisinger Mariendom.

Maximilian Franz von Eckher (1690–1749), Domherr zu Augsburg und Stadtpfarrer von Friedberg hatte die Reliquien des Hl. Justinus wohl von seinem Onkel, dem Bischof von Freising bekommen. Er erbaute eine neue Wallfahrtskirche für diesen Heiligen.

Der Schrein des Hl. Justinus wurde im Jahr 1734 in die Wallfahrtskirche zu Unseres Herrn Ruhe in Friedberg/Bayern, die aufgebaut wurde und deren Außenbau 1736 fertig gestellt wurde, feierlich von der Stadtpfarrkirche St. Jakob zu Friedberg nach Herrgottsruh übertragen.[5]

Werkausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cohortatio ad Graecos; Λόγος παραινέτικος πρὸς Ἕλληνας
  • Apologia prima pro Christianis ad Antoninum pium; Απολογία Πρώτη Υπέρ Χριστιανών προς Αντωνίνον τον Ευσεβή adressiert an Antoninus Pius und den römischen Senat
  • Apologia secunda pro Christianis Απολογία ὑπὲρ Χριστιανῶν πρὸς 'Αvτωνῖνον τὸν Εὐσεβῆ adressiert Αντωνίνος ο Ευσεβής (= Antoninus Pius) und den römischen Senat
  • Dialogus cum Tryphone Judaeo; Τοῦ ἁγίου Ἰουστίνου πρὸς Τρύφωνα Ἰουδαῖον Διάλογος.
  • Jörg Ulrich: Justin – Apologien (= Kommentar zu frühchristlichen Apologeten Band 4/5). Herder, Freiburg im Breisgau 2019. ISBN 978-3-451-29043-5.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachlexika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien und Zeitschriftenartikel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Person und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Freiherr von Campenhausen: Griechische Kirchenväter (= Urban-Taschenbücher. Bd. 14). 8. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1993, ISBN 3-17-012887-6, S. 14–23.
  • Philippe Bobichon: Autorités religieuses juives et «sectes» juives dans l'oeuvre de Justin Martyr. In: Revue des Études Augustiniennes 48/1 (2002), S. 3–22 (PDF).
  • Mathijs den Dulk: Between Jews and heretics: refiguring Justin Martyr's Dialogue with Trypho. Routledge, London / New York 2018. ISBN 978-0-8153-7345-2.
  • Tobias Georges: Justin’s School in Rome–Reflections on Early Christian “Schools”. In: Zeitschrift für Antike und Christentum 16 (2012), S. 75–87.
  • Johannes Geffcken: Zwei griechische Apologeten. Teubner, Leipzig u. a. 1907 (Reprogrografischer Nachdruck. Olms, Hildesheim u. a. 1970).
  • Erwin R. Goodenough: The Theology of Justin Martyr. Frommann, Jena 1923.
  • David E. Nyström: The apology of Justin Martyr : Literary Strategies and the Defence of Christianity. Mohr Siebeck, Tübingen 2018. ISBN 978-3-16-155761-3.

Zum Heiligenkult[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chronistische Notizen über Herrgottsruh, Friedberg, angelegt von Director Melcher 1867-0, sog. Chronik, Herrgottsruh, 7
  • J. E. Stadler: Vollständiges Heiligenlexikon, II. Bd., Augsburg 1869, 567-68.
  • Das Römische Martyrologium, das Heiligengedenkbuch der Katholischen Kirche,, neu übersetzt von Mönchen der Erzabtei Beuron, Regensburg 1935, 2365.
  • V. Krug: Unsere Namenspatrone, Bamberg 1929, 249.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Justin der Märtyrer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Oskar Skarsaune: Justin der Märtyrer. In: Theologische Realenzyklopädie (TRE). Band 17, de Gruyter, Berlin/New York 1988, ISBN 3-11-011506-9, S. 471–478., hier S. 471.
  2. Justin: 2. Apologie 3,1.
  3. Oskar Skarsaune: Justin der Märtyrer. In: Theologische Realenzyklopädie (TRE). Band 17, de Gruyter, Berlin/New York 1988, ISBN 3-11-011506-9, S. 471–478., hier S. 472.
  4. Kath.net: Papst: Durch die Philosophie zu Jesus Christus 21. März 2007
  5. 86316 Friedberg/Bayern, Herrgottsruhstr. 29.