Justizpalast (München)

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Justizpalast München von Norden (bzw. vom Alten Botanischen Garten aus mit dem Neptunbrunnen) gesehen

Der Justizpalast München ist ein Gerichts- und Verwaltungsgebäude in München. Er liegt im Stadtbezirksteil Königsplatz des Stadtbezirks Maxvorstadt, jedoch direkt an der von der Prielmayerstraße gebildeten Grenze zur Ludwigsvorstadt.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Justizpalast hinter dem Clemensschlößl, 1895
Treppenaufgang Zentralhalle

Nachdem man über längere Zeit hinweg nach einem geeigneten Standort für den Neubau des Justizpalastes gesucht hatte, fand man im Jahr 1886 mit dem nach Clemens Franz de Paula von Bayern benannten Herzoggarten einen idealen Bauplatz in zentraler Lage zwischen Hauptbahnhof und Karlsplatz. Der Bauplatz grenzte im Norden an den Botanischen Garten mit dem im Jahr 1854 fertiggestellten Glaspalast von August von Voit. Im Hinblick auf die erwartete städtebauliche Entwicklung konzipierte man die Nordfassade als Hauptfassade.

Am 16. Februar 1887 wurde der Münchner Architekt Friedrich von Thiersch vom Prinzregenten Luitpold, der sich persönlich für von Thiersch als Garant für eine anspruchsvolle und künstlerisch hochwertige Ausführung eingesetzt hatte, mit dem Bau des Justizpalastes im Stil des Neobarock, dem repräsentativen Baustil der damaligen Zeit, beauftragt. Mit dem Aushub der Baugrube begann man im Frühjahr 1891, das Richtfest fand im Dezember 1894 auf dem Scheitel der Kuppel, die Einweihung des Gebäudes am 10. Mai 1897 durch den Prinzregenten Luitpold und den damaligen Justizminister Leopold von Leonrod statt.

Das Gebäude befindet sich in der Innenstadt an der Prielmayerstraße Nr. 7. Die Schaufront (südöstliche Fassade) zeigt zum Karlsplatz und die Rückseite im Norden zur Elisenstraße, wo sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Alte Botanische Garten anschließt.

Der Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude, welches 138 Meter lang und 80 Meter tief ist, hat mittig eine einschließlich der Laterne 66 Meter hohe gläserne Lichtkuppel. Mittelpunkt des Gebäudes, das um zwei Innenhöfe konzipiert wurde, ist die Zentralhalle iin der Größe von 19 m x 29 m. Es wurde auf dem Grund errichtet, auf dem zuvor das in den 1750er und -60er Jahren erbaute Clemensschlössl stand, welches seit 1826 das Kadettencorps beherbergte. 1862/63 war hier ein Neubau der Ludwig-Maximilians-Universität einschließlich Georgianum geplant, da die 1840 bezogenen Gärtner-Bauten in der Ludwigstraße bereits zu klein geworden waren. Nach dem überraschenden Tod König Maximilians II. wurden diese Pläne jedoch nicht weiterverfolgt.[1]

Der Justizpalast ist seit jeher das Dienstgebäude des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz, welches die oberen Etagen belegt. In den unteren Etagen befinden sich die meisten Zivilkammern des Landgerichts München I. Mit Fertigstellung des Münchner Strafjustizzentrums in der Nymphenburger Str. 16 im Jahre 1977 wurden die Strafkammern des Landgerichts München I vom Justizpalast dorthin verlegt.

Da das Gebäude trotz seiner Ausmaße bald zu klein geworden war, erbaute Thiersch 1905 westlich neben dem Justizpalast in den Formen nordischer Backsteingotik das sog. Neue Justizgebäude mit zwei Uhrtürmen, in dem sich heute der Bayerische Verfassungsgerichtshof und das Oberlandesgericht München befinden.

Im Februar 1943 fanden im Justizpalast vor dem Volksgerichtshof die Prozesse gegen die Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose statt.

1962 war der Justizpalast Schauplatz des aufsehenerregenden Indizienprozesses gegen Vera Brühne.

Im März 2014 fand im Justizpalast der Strafprozess gegen Uli Hoeneß vor dem Landgericht München II statt. Zwar ist in München für alle Hauptverhandlungen in Strafsachen das Gebäude des Strafjustizzentrums in der Nymphenburger Straße vorgesehen. Der größte Gerichtssaal dort (Saal 101), der baulich auf ein großes Medieninteresse ausgelegt ist, war jedoch zu diesem Zeitpunkt mit dem NSU-Strafprozess gegen Beate Zschäpe belegt. Wegen des erwarteten Ansturms von Presse- und TV-Journalisten entschied man sich, die Hauptverhandlung gegen Uli Hoeneß ausnahmsweise im Justizpalast durchzuführen[2].

Gedenkstätten und Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenken an die „Weiße Rose“

In Saal 253 erinnert eine Dauerausstellung an die Prozesse gegen die Mitglieder der Weißen Rose. Neben der Eingangstür erinnert eine Gedenktafel aus Plexiglas an die während der NS-Zeit entrechteten und verfolgten jüdischen Anwälte.

Im Innenhof unter der Glaskuppel (Lichthof) finden unregelmäßig Ausstellungen zu zeitgeschichtlichen Themen mit Bezug zur Justiz statt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leopold Gmelin: Die decorative Ausstattung des Münchener Justizpalastes. In: Zeitschrift des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins zu München. Monatshefte für die gesammte dekorative Kunst. 46. Jahrgang, Nr. 8. München 1897, S. 65 ff. (Digitalisat [abgerufen am 25. Juli 2013]). s. auch Abbildungen Tafeln 29 bis 32
  • Erika Falkenhagen: 100 Jahre Justizpalast München 1897 – 1997. Hrsg.: Bayerisches Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. München 2008, DNB 130468703.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Josef Hugo Biller, Hans-Peter Rasp: München Kunst & Kultur. Stadtführer und Handbuch. 15. völlig neu bearbeitete Auflage. Ludwig, München 2003, ISBN 3-7787-5125-5, S. 117.
  2. Hoeneß-Prozess soll im Justizpalast stattfinden in: tz-Online vom 7. März 2014

Koordinaten: 48° 8′ 26″ N, 11° 33′ 53″ O