juwi

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juwi AG
Logo der juwi AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1996
Sitz Wörrstadt, Deutschland
Leitung Fred Jung, Stephan Hansen, Marcus Jentsch
Mitarbeiter circa 1.800 (2012)[1]
Umsatz circa 1 Mrd. Euro (2011)[1]
Branche Energietechnik/-versorgung
Website www.juwi.de

Die juwi AG ist ein Projektentwicklungsunternehmen für Anlagen der Energieversorgung aus erneuerbaren Energiequellen mit Sitz im rheinland-pfälzischen Wörrstadt.

Unternehmensprofil[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Gegründet wurde die Juwi-Gruppe 1996. Der Name Juwi ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der Nachnamen der Firmengründer Fred Jung und Matthias Willenbacher. Juwi deckt alle Bereiche der Projektentwicklung ab (Planung, Projektierung, Finanzierung, Bauüberwachung und -organisation) und praktiziert auch die Betriebsführung.

Zum Geschäftsfeld gehören heute neben dem ursprünglichen Schwerpunkt, der Projektentwicklung von Windparks, alle Formen der erneuerbaren Energie, insbesondere Solar- und Bioenergie. Auch in den Bereichen Wasserkraft sowie Geothermie wird an einem Engagement gearbeitet. Außerdem ist der Bereich Green Building dazu gekommen.

Durch den im März 2011 verkündeten und kurz darauf beschlossenen Atomausstieg Deutschlands und die angestrebte Energiewende hat dieser Geschäftsbereich an Bedeutung gewonnen. Bundesländer wie Baden-Württemberg und Bayern, die bis dahin die Errichtung von Windrädern weitgehend blockierten, sehen sie seitdem weitaus positiver.[2]

Unternehmensstandorte in Deutschland sind Wörrstadt, Berlin und Brandis.

Außerdem hat Juwi zahlreiche Regionalbüros:

Internationale Niederlassungen:

  • Südeuropa: Italien, Spanien, Griechenland
  • Osteuropa: Tschechien, Polen, Bulgarien
  • Westeuropa: Frankreich, Großbritannien
  • Amerika: USA, Costa Rica, Chile
  • Asien: Indien, Japan, Singapur
  • Afrika: Südafrika

Das Unternehmen wirbt für eine Stromversorgung, die zu 100 % aus regenerativen Energieträgern gewonnen wird. Die Machbarkeit will Juwi mit Studien, Szenarien und auch in konkreten Projekten demonstrieren: Bis 2017 soll die Stromversorgung in der Verbandsgemeinde Wörrstadt zu 100 % durch erneuerbare Energien erfolgen, bis 2020 im gesamten Landkreis Alzey-Worms.

Die beiden Unternehmensgründer wurden im September 2009 in der Kategorie „Nachhaltigkeit“ mit dem Clean Tech Media Award[4] für die Firmenzentrale in Wörrstadt und im Oktober 2009 als Entrepreneur des Jahres[5] ausgezeichnet. Außerdem sind sie im Dezember 2009 als „Greentech Manager des Jahres 2009“[6] von der Wirtschaftszeitschrift Capital geehrt worden.

2010 hat Juwi erstmals mehr Umsatz im Ausland als in Deutschland erwirtschaftet. Dies soll u. a. durch große Freiflächen-Photovoltaikanlagen in den USA erreicht werden, aktuell werden Projekte in Florida (15 Megawatt Leistung), Ohio (12 Megawatt) und Texas (16 Megawatt) realisiert. Ebenso sind große Windparks in den USA in Planung. Wind- und Solarenergie zusammen genommen, sollen in den nächsten Jahren Projekte mit einer Gesamtleistung von über 1.000 Megawatt gebaut werden.[7]

Am 16. Oktober 2014 wurde bekannt gegeben, dass MVV Energie im Rahmen einer Kapitalerhöhung 50,1 % der Aktien des Unternehmens übernimmt, das durch deutlichen Umsatzrückgang und schwindendes Eigenkapital angeschlagen ist. Den beiden Unternehmensgründern Fred Jung und Matthias Willenbacher verbleiben die übrigen 49,9 %.[8]

Seit dem 1. April 2015 ist Matthias Willenbacher nicht mehr Vorstand der Juwi-Gruppe. Wie es in einer Pressemeldung des Wörrstädter Projektentwicklers für Wind- und Solarstromanlagen heißt, ist der Mitbegründer des Unternehmens zum 31. März aus dem Vorstand ausgeschieden und hat sich damit aus dem operativen Geschäft zurückgezogen – nach 19 Jahren an der Spitze[9].

Unternehmenssitz[Bearbeiten]

Unternehmenszentrale in Wörrstadt

Die Anfänge des Unternehmens waren zuerst in Bolanden und Mainz. Im Sommer 2008 hat Juwi den neuen Sitz im zwischen den beiden Städten liegenden Wörrstadt bezogen. Für das Gebäude mit 8500 m² Fläche auf sieben versetzten Etagen wurde Juwi 2008 mit dem Klimaschutzpreis der Deutschen Umwelthilfe ausgezeichnet. Mit verschiedenen Photovoltaik-Anlagen am und um das Gebäude – darunter auch der selbst entwickelte „Solarcarport“ zur Parkplatzüberdachung – produziert der Bürokomplex mit 220.000 kWh pro Jahr mehr Strom als er an Gesamtenergie (rund 200.000 kWh pro Jahr) verbraucht. Die Energiekosten betragen rund 2 Euro pro Quadratmeter pro Jahr. Das ist ein Zehntel eines heutigen Standardhauses.

Angesichts der ständig wachsenden Zahl der Mitarbeiter entschloss Juwi sich dazu, den Mittelteil des Hauptsitzes in Wörrstadt nochmals gespiegelt hinter dem eigentlichen Haus zu bauen. Dieses Gebäude wurde im August 2009 eröffnet.

2012 wurde ein drittes Gebäude hinter die bereits bestehenden Häuser errichtet.

Mitarbeiter- und Umsatzentwicklung[Bearbeiten]

  • 1996: …
  • 2000 – 2003 weniger als 75 Mitarbeiter
  • 2004 – 2006 weniger als 150 Mitarbeiter
  • 2007: 250 Mitarbeiter, 200 Mio. Euro Umsatz (entspricht inflationsbedingt heute: 225 Mio. Euro)
  • 2008: 450 Mitarbeiter, 400 Mio. Euro Umsatz (entspricht inflationsbedingt heute: 441 Mio. Euro)
  • 2009: 750 Mitarbeiter, 600 Mio. Euro Umsatz (entspricht inflationsbedingt heute: 644 Mio. Euro)
  • 2010: 1000 Mitarbeiter, 800 Mio. Euro Umsatz (entspricht inflationsbedingt heute: 852 Mio. Euro)
  • 2011: 1500 Mitarbeiter, 1000 Mio. Euro Umsatz (entspricht inflationsbedingt heute: 1.056 Mio. Euro)
  • 2012: über 1800 Mitarbeiter weltweit[10][1]
  • 2013: 710 Mio. Euro Umsatz[11]

Projekte[Bearbeiten]

Solarenergie[Bearbeiten]

Der Solarpark Lieberose im November 2009

Juwi hat bisher rund 1.500 Solaranlagen realisiert, die eine Gesamtleistung von 800 Megawatt haben.[12] Seit Mitte Oktober 2009 ist der Solarpark Lieberose in Deutschland voll am Netz, mit einer Gesamtleistung von rund 53 MW.[13] Eine Erweiterung des Solarparks, für die 650 ha Wald gerodet werden sollten, wurde seitens der brandenburgischen Regierung abgelehnt. [14] Weiteres Freiflächenprojekt ist auch der Solarpark Waldpolenz bei Leipzig, der mit einer Leistung von 40 Megawatt und einer Fläche von über 100 Hektar der viertgrößte der Welt ist.[15] In Spanien, Italien, Frankreich, Griechenland, Tschechien, USA, Ruanda und Südkorea stehen weitere von Juwi projektierte Anlagen. Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich auf rund 2,2 Milliarden Euro.

Windenergie[Bearbeiten]

Die rund 485 von Juwi projektierten Windkraftanlagen haben eine installierte Leistung von über 800 MW und stehen an mehr als 60 nationalen und internationalen Standorten, z. B. in Rheinland-Pfalz und in Frankreich. In Costa Rica hat das Unternehmen mit 55 Anlagen und einer Leistung von 49,5 MW den größten Windpark Zentralamerikas errichtet. Der gemeinsam mit der Energieversorgung Offenbach betriebene Windpark Kirchberg (Hunsrück) ist mit 21 Windkraftanlagen und 53 MW der größte Windpark in Südwestdeutschland. Das Gesamtinvestitionsvolumen im Bereich Windenergie beläuft sich auf 1,2 Milliarden Euro.

Bioenergie[Bearbeiten]

Insgesamt hat Juwi sechs Biogasanlagen errichtet, die mit landwirtschaftlichen Rohstoffen (z. B. Mais) beliefert werden. Außerdem betreibt Juwi in der Energielandschaft Morbach (Hunsrück) eine Holzpelletsproduktion mit einer Jahreskapazität von 20.000 Tonnen. Des Weiteren gehören so genannte „Energiekabinen“ zum Portfolio der Juwi-Gruppe. In diesen Anlagen wird mit Solar- und Bioenergie Wärme für Bürogebäude, Wohnsiedlungen oder auch kleinere Gewerbebetriebe erzeugt. Der Prototyp steht in Wörrstadt und versorgt das Bürogebäude der Juwi-Gruppe.

Das Unternehmen Juwi errichtet gemeinsam mit der Prolignis Energie Consulting GmbH Holzheizkraftwerken, die Wärme und Strom erzeugen. Außerdem stellt Juwi in der weltweit ersten Produktionsstätte am Hengstbacherhof im DonnersbergkreisTerra preta“ her.[16][17]

Energieparks[Bearbeiten]

Morbacher Energielandschaft[Bearbeiten]

Hauptartikel: Energielandschaft Morbach
Morbacher Energielandschaft

Zu den besonders beachteten Projekten der Juwi-Gruppe zählt die Energielandschaft Morbach im Hunsrück, wo Wind-, Solar- und Bioenergieprojekte in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Morbach realisiert wurden. Für die Energielandschaft erhielten die Juwi-Gruppe und die Gemeinde Morbach 2007 den Deutschen Solarpreis.[18] Im März 2011 ging dort die erste Windgas-Testanlage in Deutschland in Betrieb.[19]

Energiepark Wörrstadt[Bearbeiten]

Hauptartikel: Energiepark Wörrstadt
Juwi Windpark in Wörrstadt
Juwi Hochseilgarten in Wörrstadt

Am Unternehmenssitz in Wörrstadt wurde 2009 ein Windpark mit zunächst fünf Windkraftanlagen (Jahresleistung rund 30 Millionen Kilowattstunden) und ein Solarpark (Jahresleistung rund 5,6 Millionen Kilowattstunden) errichtet.[20] Der Windpark wurde 2011 um weitere fünf Windkraftanlagen ergänzt, 2012 folgten zwölf weitere Windkraftanlagen, verteilt auf die Gemarkungen von Schornsheim, Gabsheim und Wörrstadt. Die Leistung beträgt insgesamt ca. 55,5 Megawatt, wodurch ca. 150 Mio. Kilowattstunden pro Jahr produziert werden können, entsprechend dem Jahresverbrauch von ca. 43.000 Haushalten.[21] Zusätzlich befindet sich seit Frühjahr 2011 ein Hochseilgarten an den Windkraftanlagen. Nach Unternehmensangaben enthält dieser Hochseilgarten mit 30 Metern den höchsten Sprungturm auf dem europäischen Festland.[22][23]

Filme[Bearbeiten]

Das Unternehmen Juwi und sein Gründer Matthias Willenbacher werden in Carl-A. Fechners Film „Die 4. Revolution – Energy Autonomy“ vorgestellt. Der Film will mit seinen Protagonisten – prominente Umweltaktivisten, Nobelpreisträger, innovative Unternehmer und Politiker – beweisen, dass der Umstieg auf 100 % erneuerbare Energien innerhalb der nächsten 30 Jahre möglich ist. Das Unternehmen war einer der Hauptfinanzierer des Films.

Stiftung[Bearbeiten]

Juwi unterstützt die 100 prozent erneuerbar stiftung, die von den beiden Unternehmensgründern Matthias Willenbacher und Fred Jung ins Leben gerufen wurde. Stiftungszweck ist die Förderung des Umweltschutzes durch den Ausbau von erneuerbaren Energien. Die Stiftung hat sich auf die Themenbereiche regionale Energiekonzepte, Bürgerenergie sowie Akzeptanz für die Energiewende spezialisiert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c juwi: Daten & Fakten. Abgerufen am 24. Juni 2013.
  2. Der Süden entdeckt die Windkraft. – Die Energiewende ist zum Wettlauf geworden. Bayern und Baden-Württemberg forcieren jetzt den Ausbau der Windkraft – was der Norden macht, ist ihnen egal. auf zeit.de vom 20. August 2012
  3. [1] Meldung auf Pelletshome vom 12. September 2012
  4. Clean Tech Media Award: Preisträger 2009
  5. Entrepreneur des Jahres: Galerie der Sieger und Finalisten. Die Sieger und Finalisten I bis L.
  6. Greentech Manager des Jahres 2009
  7. Pressemitteilung Jahres-Pressekonferenz Juwi; abgerufen am 12. Juli 2010
  8. Rhein-Zeitung, 16. Oktober 2014: Juwi verkündet Übernahme als Stärkung
  9. Matthias Willenbacher scheidet aus dem Vorstand der Juwi-Gruppe aus.
  10. Unternehmensprospekt vom Juni 2010
  11. Rhein-Zeitung, 16. Oktober 2014: Juwi verkündet Übernahme als Stärkung
  12. Pressemitteilung auf www.renewable-energy-industry.com
  13. www.solarpark-lieberose.de
  14. "Kein Solarpark in der Heide" auf www.berliner-zeitung.de
  15. www.pvresources.com
  16. Palaterra®, eine besonders ertragreiche und produktive Bodenform, verbessert die Produktivität in Gartenbau und in Landwirtschaft; auf www.juwi.de abgerufen am 3. Januar 2011
  17. Hans-Peter Schmidt, Terra Preta – Bio-Kohle – Klimafarming (PDF; 59 kB) auf www.mythopia.ch abgerufen am 3. Januar 2011
  18. eurosolar.de
  19. Juwi und SolarFuel testen Verfahren zur Speicherung von Windstrom als Erdgas
  20. Alzeyer Wochenblatt, Wirtschaftsstandort Rheinhessen, Juwi-Firmensitz wird erneut erweitert, 25. Februar 2010
  21. Windenergieanlagen in der Verbandsgemeinde Wörrstadt. Internetseite der VG Wörrstadt. Abgerufen am 23. Februar 2013.
  22. Informationstafel am Hochseilgarten
  23. Hochseilgarten Wörrstadt