Käsestraße Bregenzerwald

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Bregenzerwälder Käsekeller in Lingenau
Weltgrößte Käsetafel in Andelsbuch

Die Bregenzerwälder Käsestraße ist ein Zusammenschluss von Bregenzerwälder Bauern, Gastwirten, Handwerkern und Handelsbetrieben. Alle Mitglieder und Partner der Käsestraße tragen dazu bei, die Bregenzerwälder Landwirtschaft und ihre heimischen Produkte zu erhalten.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Käse ist von jeher ein Bregenzerwälder Grundprodukt im wahrsten Sinne des Wortes:

Vorarlbergerisch: Eassand Käs und nüd das tüür Brod! (Standarddeutsch: Esst Käse und nicht das teure Brot)“

Bregenzerwälder Volksmund, 19. Jahrhundert

Waren also Milch und Milchprodukte, d. h. vor allem der auf den Almen und in den Dorfsennereien aus Rohmilch hergestellte sogenannte Bergkäse, über Jahrhunderte hinweg Grundnahrungsmittel der Wälder Bevölkerung, so war der Käse schon bald auch ein wichtiges Exportgut, neben den Erzeugnissen der Stickerei und dem Holzindustrie wohl bis in jüngste Zeit eines der wichtigsten.

Das Handelsmonopol für das einträgliche und lebenswichtige Geschäft mit dem Käse lag im 19. Jahrhundert in der Hand der berüchtigten Käsgrafen, die ihre Monopolstellung geschäftstüchtig zu nutzen verstanden. Berühmt ist etwa Gallus Moosbrugger aus Schnepfau, der den Käse in alle Teile der Donau-Monarchie und auf Saumpfaden bis nach Mailand transportierte und verkaufte. Die drückende Abhängigkeit der großteils armen Kleinbauern hat Franz Michael Felder in seinen Romanen beschrieben und mit seiner eigenen Genossenschaft auch praktisch bekämpft.

Die Bauern, Senner und Wirtshäuser der Region Bregenzerwald haben sich im Mai 1998 [1] mit einem touristischen Hintergedanken zusammengeschlossen. Die Käsestraße zeigt den Interessierten den Weg, auf dem die Milch zum Käse verarbeitet wird und wie dies in vergangenen Zeiten in Vorarlberg abgelaufen ist. Die Käsestraße selbst hatte ihren Ursprung jedoch als Verband für gegenseitige Hilfe gegen die Monopolstellung der Käsegrafen. Alle Mitglieder der Käsestraße und ihre Partner haben sich dazu verpflichtet, die Landschaft und die heimischen Produkte zu erhalten.

„Diese ist nicht, wie der Name vermuten lassen könnte, eine Ausflugsroute durch eine folkloristisch aufbereitete Sennereikultur, sondern ein zukunftsorientierter Zusammenschluss praktisch aller Bauern, Molkereien und Gemeinden, an dem auch viele Handwerksbetriebe und Gasthäuser und sogar Seilbahngesellschaften beteiligt sind.“

Gerhard Fitzthum in der FAZ, 2005

Schaukäsereien und Käsereischulen, das Käsehaus in Andelsbuch, der Bregenzerwälder Käsekeller in Lingenau, über Online-Shops vermarktete Molke-Produkte oder die auf ihre Selbstständigkeit pochende Sennerei in Hittisau sind weitere Institutionen der Bregenzerwälder Milchwirtschaft.

Verlauf[Bearbeiten]

Die Käsestraße Bregenzerwald beginnt in Bregenz und verläuft entlang der Bregenzerwaldstraße L 200 durch alle Ortschaften und die angeschlossenen Alpen. Die gewonnene Milch, getrennt nach Kuh-, Ziegen- und Schafsmilch (hauptsächlich Kuh-Rohmilch), wird mittels Transportseilbahn oder Handkarren bzw. Auto zur Straße heruntergeschafft, wo ein Milchtankwagen die Milch aufnimmt. Diese wird zu einer Käserei in der Nähe von Hittisau gebracht, wo die Käseherstellung beginnt.

Käse-Herstellung des typischen Bergkäse[Bearbeiten]

Im Bregenzerwald wird seit Jahrhunderten eine 3-stufige Bewirtschaftung der Weiden praktiziert.

Alpen mit eigener Sennerei schaffen neben vor Ort hergestellter Butter auch den fertigen Bergkäse zu Tal. Natürlich bestimmt der Bergkäse auch den würzigen Geschmack der Käsknöpfle vor Ort.

Preisverfall/Absatz Käsereierzeugnisse[Bearbeiten]

Aufgrund des Preisverfalls des Hartkäses herkömmlicher Art, wie ihn große Handelsketten zu vermarkten pflegen, stiegen die heimischen Sennereien mehr auf den aus Rohmilch hergestellten Bergkäse um (über Jahre hinweg Grundnahrungsmittel der Wälder Bevölkerung). Der Käse wurde bald schon ein wichtiges Exportgut und ist neben Erzeugnissen der Stickerei und dem Holz wohl bis in jüngste Zeit eines der wichtigsten.

In der Zeit des globalen oder zumindest europäischen Marktes müssen die Bregenzerwälder Bauern versuchen, durch Vermarktungsstrategien mit den meist ungleich größeren Betrieben anderer EU-Staaten Schritt zu halten. Eine Antwort darauf ist eben die Käsestraße.

Bregenzerwälder Bergkäse ist in die Arche des Geschmacks bei Slow Food aufgenommen.

Das Gebiet wurde mit ihren Käsesorten 2005 auch als Region Bregenzerwälder Alpkäse und Bergkäse im Projekt Genussregion Österreich eingebunden.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die lange Käsegeschichte (Version vom 28. September 2007 im Internet Archive)
  2. Bregenzerwälder Alpkäse und Bergkäse abgerufen am 18. Februar 2013